Advent, Advent, die Menge rennt – Impressionen vom verkaufsoffenen Sonntag in Dortmund

Im Advent gibt es Rituale, die ich immer wieder zelebriere. Zum Beispiel gehe ich an jedem ersten Adventsonntag mit meiner Patentochter ins Weihnachtsmärchen. Dann wiederum gibt es im Advent Rituale, an denen ich mich noch nie beteiligt habe. Zum Beispiel verkaufsoffene Sonntage. Seit gestern weiß ich auch, warum.

Die Patentochter und ich machten uns des Mittags auf in die Stadt mit dem größten Weihnachtsbaum der westlichen Hemisphäre (oder so ähnlich). Wir wollten uns anschauen, was Dorothy und der Herr von Oz auf die Bühne des Schauspielhauses zaubern. Nun gibt es Ortskundigere als mich und so plante ich, der Einfachheit halber das Parkhaus der Thier-Galerie zu beehren. Wovon wir nicht wussten, war der verkaufsoffene Sonntag. Ich wunderte mich zwar über den Andrang und die freundlichen Einweiser im Parkhaus, fand es aber eher nett, als dass bei mir mal eine Adventglocke geklingelt hätte. Um kurz vor eins betraten wir, aus der obersten Etage des Parkhauses kommend, das Einkaufszentrum, wir sahen eine zwar kitschige, aber das Herz meiner Patentochter durchaus entzückende Riesen-Weihnachtskugel und dann bot sich uns folgendes Bild:

Völlig fasziniert harrten wir an unserer Galerie-Brüstung der Dinge, die da kommen würden. Erleuchtung? Weihnachtsmänner? Heiliger Geist? Ach nee, den hatten wir tags zuvor ja schon bei einer Firmung. Punkt ein Uhr schoben sich langsam und gemächlich Rolläden in die Höhe und das Wunderland in Gestalt einer irischen Billig-Textilkette machte hoch die Tür, die Tore ganz weit. Es begann ein Gerenne, ein Geknuffe, ein Gezerre – besinnlich geht anders.

Ganz ehrlich, ich hab sowas noch nie gesehen. Und ich möchte es auch nie mehr sehen. Muss man das verstehen? Macht das Spaß? So am ersten Adventsonntag mit der Meute durch die Einkaufszentren der Städte zu hetzen? Dafür zauberte das Ensemble des Schauspielhauses ein Lächeln auf das Gesicht der Patentochter. Aber sie können sich noch so viel Mühe geben im Theater, so einen Hexenkessel wie einige hundert Meter weiter entfachen die nie im Leben.

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8 Kommentare zu Advent, Advent, die Menge rennt – Impressionen vom verkaufsoffenen Sonntag in Dortmund

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  2. Michaela sagt:

    Oh ja – wie offensichtlich bei allen diesen Großunternehmen, etwa auch Hermes, DHL, Lidl, Aldi und wie sie alle heißen. Für den Kunden sehr bequem und natürlich preiswert, dafür auf Kosten der Angestellten (“Untertanen” ist ein sehr schönes Wort in diesem Zusammenhang), und wie!

  3. Bernd Berke sagt:

    Mit Amazonien hat das ja auch so seine Bewandtnis. Es heißt, dass die Untertanen in diesem “Staatswesen” nicht gerade auf Rosen gebettet seien – um mal euphemistisch zu reden.

  4. Britta sagt:

    Oh je, da war es shon ziemlich unübersichtlich, aber bei sei einem Gewusel geht ja im Prinzip nichts mehr vernünftig.

    LGB

  5. Britta Langhoff sagt:

    Das war übrigens in der Galerie, wo wir letztes Jahr zusammen mit Freundin T. waren.

    Ich hab dieses Erlebnis dann auch als Anlass genommen, am nächsten Tag ausgiebig in Amazonien zu shoppen.
    War besser für meine Nerven.

    LGB

  6. Britta sagt:

    Schon beim lesen wird mir ganz anders! ne, das wär nichts für mich, ich glaub ich würde Panik bekommen!
    Schrecklich sowas, ds tut man sich doch nicht freiwillig an…

    LGB

  7. Britta Langhoff sagt:

    Ich hab mich auch schon all die Jahre gefragt, was an diesem Baum nun schön sein soll. Allerdings muss ich zugeben, ich finde, dass die Schale und der Pott den schon ein wenig aufwerten.

    P.S. Das kann ich locker toppen. Ich hab mir anscheinend gleich erst gar nichts gemerkt… Hier findest Du mich: https://twitter.com/vonB_lang
    Auf fröhliches Zwitschern !

  8. Anke Demirsoy sagt:

    Das klingt richtig abstoßend. Jetzt weiß ich, warum ich in der Adventszeit die Innenstädte meide, wo ich nur kann. In Dortmund kommt ja als Besonderheit noch dieser so genannte Weihnachtsbaum dazu… Wann wurden so viele Fichten je so lieblos auf einen Haufen geworfen? Ich finde das niederschmetternd. Monströs und seelenlos. Mit einem Fußball und der Meisterschale dekoriert, ist die Geschmacklosigkeit XXL perfekt.

    (P.S.: Hab Dich bei Twitter leider nicht gefunden. Muss mir wohl etwas falsch gemerkt haben…)

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