Multikulturell und für einen Tag autofrei – The show must go on am Borsigplatz

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 war die temporäre Stilllegung der A40 das unvergessene und spektakulärste Projekt, zumindest für die Zehntausende, die dabei waren. Eine Wiederholung gab es nicht, zumindest nicht in dem Ausmaß. Viele kleine Stadtteilinitiativen lehnten sich daran an, so auch am Sonntag auf und an dem wohl berühmtesten Platz Dortmunds, der eigentlich gar kein Platz ist.

Es ist ein verkehrsreicher Kreisverkehr, der als Verteiler in die anderen innerstädtischen Bezirke unerlässlich ist. Quer durchzogen wird der gegrünte Platz in der Mitte von der Straßenbahn. Es ist für viele Bürger der Dortmunder Nordstadt ein Identifikationsort: „Wir am Borsigplatz“.

Impression vom Borsigplatz (Fotos: rd-man)

Impression vom Borsigplatz (Fotos: rd-man)

Nun wurden der Platz und der Kreisverkehr für einen Tag auto- und straßenbahnfrei. „Platz nehmen auf dem Borsigplatz“ hieß es. Man konnte Biertische reservieren und dort sitzen oder etwas präsentieren. Die BürgerInnen aus dem Umfeld nahmen das Angebot an. Als Beobachter konnte man hier die Bevölkerungsstruktur studieren, ein multikulturelles Miteinander, wie man es sonst an kaum einer anderen Stelle findet.

Natürlich gehören zu diesem Bürgerfest Tombolas, Live-Musik und Stände aller Art, Kinderspiele und weiteres Pipapo. Das wird sich vermutlich die nächsten 100 Jahre nicht ändern. Das Wetter war exquisit, der Kaffee kostete 50 Cent und an den Außentischen versammelten sich auch ein paar Angereiste, innerstädtische Touristen, die die „dunkle Gegend“, das Klischee bei Sonnenbestrahlung erleben wollten.

Und genau hier, bei dieser Miniaturausgabe des Stilllebens, erlebt man auch Überraschungen. Die Formation „Royal Squeeze Box“ interpretiert Songs von „Queen“ – unplugged, direkt vor den Nasen, Augen und Ohren der dort Versammelten Bürgerinnen und Bürger, ob mit oder ohne Bierflasche.

Royal Squeeze Box live

Royal Squeeze Box live

Roman M. Metzner und Aaron Perry hatten sich vor Jahren der Songs von Freddy Mercury angenommen und sie zunächst auf Straßen und Plätzen in der Republik vorgestellt. Inzwischen sind sie Stammgäste beim Festival in Montreux, spielen bei Night of the Proms und anderen Großveranstaltungen. Ihr Ursprung aber liegt in der direkten Nähe zum Publikum, also live und unverstärkt mir Akkordeon und Stimme an der Straßenecke oder auf dem Marktplatz. Wer sie schon mal gehört hat, weiß, dass es sich hier um höchste musikalische Qualität geht. Da wird mal eben vor dreißig, vierzig Leuten das komplizierte „Bohemian Rhapsody“ gespielt und gesungen. Fast alle singen bestimmte Stellen mit.

Das war die Praline eines Bürgerfestes ohne Aufhebens. Allerdings musste The Royal Squeeze Box nicht eingeflogen werden. Sänger Aaron Perry wohnt in der Nähe des Borsigplatzes und tat sich hier eben mal einfach als Nachbar hervor. Hier wurde das kleine Stillleben zu einem Ereignis für zufällig anwesende Bierbanksitzer.

 

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