Auf dem Markt der Meinungen – die Debatte um Grass und die Waffen-SS

Von Bernd Berke

Bitte, bitte, lasst die Debatte um Günter Grass und seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS nun langsam ausklingen! Lesen und Nachdenken wären jetzt erst einmal eine prima Alternative.

Seit einer Woche wogen Rede und Widerrede hin und her, drunter und drüber. Jede halbwegs prominente Gestalt hat sich mittlerweile geäußert, nur der Philosoph Jürgen Habermas nicht. Oder haben wir da im Getümmel etwas überhört? Der Meinungsmarkt ist übersättigt. Derlei aufgeregte Diskussionen bekommen wir wohl nur am Standort Deutschland hin. Vor allem erzkonservative Gemüter haben die Gelegenheit, ihrem langjährigen Widersacher Grass etwas heimzuzahlen, weidlich genutzt.

Besonders markig war der Aufschrei des Flensburger CDU-Hinterbänklers Wolfgang Börnsen, der in der „Bild“-Zeitung forderte, Grass solle seinen Nobelpreis zurückgeben. Börnsen wurde daraufhin von einer Nachrichtenagentur sogleich eilfertig als „Kulturexperte“ bezeichnet. Ausweislich seiner eigenen Internet-Seite hat Börnsen im Bundestag bislang praktisch nur mit verkehrspolitischen und maritimen Redebeiträgen geglänzt: „Promillegrenze in der Seeschifffahrt“, „Änderung des Seemannsgesetzes“, „Küstenwache optimieren“.

Inzwischen hat Günter Grass sein Geständnis auch bei Ulrich Wickert abgelegt. Seine Aussagen in der (bereits am Dienstag aufgezeichneten) ARD-Sendung „Wickerts Bücher“ waren freilich schon vorher auf dem „Markt“. Ebenso wie Grass‘ Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ früher in den Handel kam. Schlecht für die FAZ, die die ganze Debatte angestoßen und für heute eine achtseitige Sonderbeilage mit „exklusiven Vorabdrucken“ angekündigt hatte. Erledigte Fälle.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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