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A ledert gegen B, der nagelt heftig zurück – die unerträgliche Dauer-Aggression im Boulevard-Journalismus

Man mag sie nicht mehr lesen, diese schnellfertig vorgestanzte, vermeintlich coole und trendige „Berichterstattung“ gewisser Nachrichtenportale. Doch was heißt hier „Nachrichten“? Wissenswerte Neuigkeiten erfährt man da nur sehr bedingt.

Konfrontation als Normalzustand. (Foto: BB)

Konfrontation als Normalzustand. (Foto aus dem wahren Leben: BB)

Nehmen wir nur mal diese allzeit auf Steigerung angelegte Inszenierung von Konflikten oder bloßen Meinungsverschiedenheiten, ob nun im Politikbetrieb, unter Chichi-Promis oder im Fußball. Da schreit’s einem dann schon die Überschrift entgegen – hier ein frei erfundenes Beispiel, natürlich ganz ohne Bezug aufs wirkliche Leben, oder sollte die Zeile wirklich irgendwo so ähnlich gelaufen sein?

„Rummenigge geht auf Lewandowski los“

Wahlweise auch umgekehrt. Klingt fast nach Schlägerei, ist aber oft nur eine relativ harmlose Äußerung. Wer immer seinen Standpunkt einigermaßen deutlich darlegt (also „klare Kante“ zeigt), muss mit derlei Überschriften rechnen. Ein Widerpart zur Konfrontation findet sich immer.

Nur in Anführungszeichen

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Soziale Miniaturen (12): Gewaltsamer Augenblick

Er hat einen Schnäuzer wie aus 70er-Jahre-Pornos und trägt ungemein spitze Schuhe. So spitz, dass es schon lächerlich wirkt. Ein Überbleibsel aus einer anderen Ära. Die Parodie auf einen Zuhälter von damals.

Seine ganze Aufmachung steht pfeilgerade für Aggression, für Zustechen und Aufschlitzen. Und das ist nicht parodistisch, sondern bedrohlich.

Wie solch ein Mensch wohl sein tagtägliches Leben zubringt, aufs Ende zu und durch alle Wiederholungen hindurch?

Mit den Schuhspitzen wippt er ungeduldig. Fast schon ein Trommelfeuer. An der Supermarktkasse (immer wieder ein Ort für zwischenmenschliche Studien) sitzt mit gesenktem, vor Anspannung hochrotem Kopf eine junge Frau, die hier neu angefangen hat und daher etwas langsamer scannt. Dafür hat er absolut kein Verständnis. Immer drängender werden seine Laute des Unmuts, zunächst noch gemurmelt, dann vollends vernehmlich.

Nun aber steht hinter ihm einer, der die Rolle des Couragierten annimmt und unvermittelt fragt: „Wollen S i e den Job machen?“

Der zielgenaue Satz wirkt wie ein Zündfunke. Der mit den spitzen Schuhen wendet sich abrupt um, nimmt gleich eine kampfbereite Haltung ein: „Willst Du mich hier anlabern?“

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