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„Es würde alles besser gehen, wenn man mehr ginge”: Berliner Ausstellung zur „Wanderlust” der Künstler

Das vielleicht berühmteste Wanderbild: Caspar David Friedrich „Wanderer über dem Nebelmeer", um 1817. (Hamburger Kunsthalle © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk / Elke Walford)

Das vielleicht berühmteste Wanderbild: Caspar David Friedrich „Wanderer über dem Nebelmeer”, um 1817. (Hamburger Kunsthalle © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk / Elke Walford)

Der Mann steht stolz auf einem schroffen Felsenvorsprung. All die Anstrengungen haben sich gelohnt. Wie schweißtreibend und zugleich großartig muss es gewesen sein, hier herauf zu klettern, die Natur und sich selbst zu besiegen und jetzt diesen weiten Blick über die aus dem Nebel herausragenden Berge zu genießen.

Wir glauben genau zu wissen, was der einsame, vollkommen in sich ruhende und mit sich zufriedene Wanderer jetzt fühlt und denkt: Sein Blick ist auch unser Blick, denn der Wanderer kehrt uns den Rücken zu, wir schauen ihm über die Schulter und sehen mit ihm auf das Wunder der Natur und spüren, wie erholsam es ist, der Arbeit und der Beschleunigung der Moderne zu entfliehen, den eigenen Körper zu erfahren und sich beim Gehen, Wandern, Klettern kreativ inspirieren zu lassen: Spätestens mit Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ (um 1817) wird die aufkommende „Wanderlust“ der europäischen Maler zum künstlerischen Topos und kommt das Naturerlebnis als Gegenentwurf zur beginnenden Industrialisierung und als individuelle Besinnung in Zeiten rasanter gesellschaftlicher und revolutionärer Veränderung auf die Leinwand.

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