Schlagwort-Archive: Jossi Wieler

Immer und immer weiter – Peter Handke in Berlin für seine „Kreuz-und-Quer-Gehenden“ umjubelt

Peter Handke (Mi.) mit den Schauspielern Marina Galic und Jens Harzer beim tosenden Schlussapplaus im Berliner Ensemble. (Handy-Foto: Frank Dietschreit)

Knapp zwei Stunden lauscht das Berliner Publikum dem ins Absurde abdriftenden Spiel vom „Lautwerden des einen Kreuz-und-Quer-Gehenden zeit seines jeweiligen Innehaltens“, das Peter Handke selbstironisch als „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ bezeichnet.

Was wissen wir schon über uns und die Welt? So fragt der Literaturnobelpreisträger achselzuckend. Sind unsere Erinnerungen nicht trügerisch? Könnte nicht alles auch ganz anders gewesen sein? Und selbstquälerisch: „Wozu bin ich geboren? Wenn ich’s nur wüßte. Zum Rauchfangkehrer? Zum Eintänzer? Zum Blindenführer?“

Der „Alleingeher“ stolpert durch sein großes Werk

Als „Alleingeher“ stapft er seit langem durch die Welt, stolpert jetzt durch sein großes Werk, irrlichtert dem baldigen Ende entgegen und versucht (erfolglos?),… Weiterlesen

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Bitterböser Schwank ist Stück des Jahres – Oliver Bukowski bekam für „Gäste“ den Dramatikerpreis / Stücke von Elfriede Jelinek und Theresia Walser

Von Bernd Berke

Mülheim. Lang haben sie diskutiert, die Juroren der Mülheimer Theatertage „stücke 99″. Zum Schluß, gegen 1 Uhr in der Nacht zum Sonntag, stand es beim Dramatiker-Wettbewerb auf Spitz und Knopf zwischen Elfriede Jelinek und Oliver Bukowski. Und dann entschieden die Übermüdeten plötzlich hopplahopp: Büchnerpreisträgerin Jelinek, in Mülheim noch nie erfolgreich, ging auch diesmal leer aus. Oliver Bukowskis Beitrag „Gäste“, bitterböse und bizarre Bauern-Tragikomödie aus deutscher Ost-Provinz, wurde zum Stück des Jahres erkoren.

Es war ein Resultat, mit dem sich ein Großteil des Publikums (dessen Kollektivstimme freilich an Peter Turrinis „Die Liebe in Madagaskar“ ging) gut abfinden konnte. Denn diabolisch geschickt maskiert der aus Cottbus stammende Bukowski (Jahrgang 1961) sein Drama vom „Heilsbringer“, der ein unterwerfungswilliges Dorf heimsucht, als Schwank herkömmlichen Zuschnitts, um nach und nach die Erwartungen desto gründlicher zu unterlaufen.… Weiterlesen

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Shakespeare als Kind und als Karnevalist – Berliner Theatertreffen: Verdruss mit dem Klassiker, Glück mit Jelinek

Von Bernd Berke

Berlin. „Wow, sterben! Echt?“ So spricht sonst keine Julia von Shakespeare, so quatschen vielleicht Comic-Figuren oder „Szene“-Typen. Doch wenn eine Regisseurin wie Karin Beier sich das alte Liebesdrama in Frank Günthers Übersetzung vorknöpft, wächst Julia der Schnabel anders.

Es stand zu befürchten, daß das Berliner Theatertreffen nach seinem Senkrechtstart (die WR berichtete) ins Trudeln geraten würde. Tatsächlich legte die Düsseldorfer Version von „Romeo und Julia“ keine sonderliche Ehre ein. Der Beifall des kundig-kritischen Berliner Publikums im Schillertheater (als Staatsbühne bekanntlich weggespart) war Pflichtübung, mit Buhrufen für die Regie versetzt.

Karin Beier, die schon in der freien Szene mit Shakespeare umsprang und dann von Volker Canaris ans Düsseldorfer Schauspielhaus geholt wurde, setzt das berühmte Paar (Matthias Leja, Caroline Ebner) in eine Szenerie aus industriellen Fertigteilen.… Weiterlesen

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