Zahnfee, Du Verräterin!

Weihnachten liegt hinter, Ostern vor uns – und beide Feste sind ganz anders als zuvor. Vorbei ist es mit Wispern, Raunen und Fabulieren: Unsere Tochter glaubt nicht mehr. Weder an den Weihnachtsmann noch an den Osterhasen. Und wer ist schuld? Die Zahnfee!

Weihnachtsmann! Ostern! Zahnfee! Alles ihr! (Zeichnung: Nadine Albach)

Ich muss diesen Text mit einem kurzen, nostalgischen Seufzer anfangen.

Hach.

Als Fiona noch an Weihnachtsmann & Co. glaubte, lag ein bisschen Magie in der Luft. Wir konnten zehn gefärbte Eier so oft verstecken, dass es eigentlich 50 waren. Und als wir per Fernbedienung Glockengeläut von Spotify aktivierten und eher ungeplant eine tiefe Männerstimme ansagte „Die Glocken des Kölner Doms“, rief Fi mit weit aufgerissenen Augen: „Der Weihnachtsmann! Ich habe den Weihnachtsmann gehört!“ Warum der so merkwürdige Sachen sagte, geschweige denn, was der Kölner Dom damit zu hatte, wurde nicht hinterfragt.

Du lachst ja!

Das ist jetzt vorbei. Die Zahnfee hat den ganzen Spaß mit dem mythischen Personal zunichte gemacht. Wahrscheinlich gab es beim Auftritt dieser jungen Dame schon ein Grundproblem: Ich kenne sie nicht. Als ich klein war, wurde ich für meine ausgefallenen nur mit neuen Zähnen belohnt. Fiona hingegen war von ihren Freundinnen schon gebrieft. Mit dem ersten Wackelzahn kamen auch die Nachfragen: Wie das genau funktionieren würde, dieser Tausch, Zahn gegen Geschenk? Ich versuchte zu erklären. Dichtete herum, wand mich. Da rief Fiona plötzlich: „Du lachst ja! Du bist die Zahnfee!“

Ich wehrte mich noch ein wenig. Aber dann gab ich doch auf. Richtig lügen geht schließlich auch nicht. Wie Trumpfkarten warf Fiona mir daraufhin ihre Erkenntnisse hin: „Weihnachtsmann! Osterhase! Nikolaus! Alles ihr!“

Geschenkespürsinn

Traurig machte sie all das nicht. Ganz im Gegenteil: Ihr detektivischer Spürsinn ist seitdem geweckt. Und leider ist er dank Justus Jonas & Co. auch mächtig geschult.

Weihnachten zum Beispiel ahnte sie (zurecht), dass die Pakete im Waschkeller versteckt sein könnten. Fiona schloss sich in ihr Zimmer ein und entwarf einen Plan, der Sherlock Holmes hätte blass werden lassen. „Nachz prüfen ob alle schlafen“ stand da als erster Punkt. „Luft rein, ja / nein“ folgte als Option zum Ankreuzen. Runterschleichen, Suchen, Geschenk aufreißen – Informatiker sprechen bei so etwas glaube ich von einer „If-else-Schleife“. Bei den Zeilen „Wen das Aufreisen nicht klapt nem ein Meser“ wurden Normen und ich allerdings blass.

Ein letztes Geheimnis

Jetzt haben wir einen Geschenke-Verstecken-Pakt mit den Nachbarn abgeschlossen. Aber das – bleibt unser Geheimnis!

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