Rock-Musiker wollen über ihre Renten reden – Erstmals Bundeskongreß: Beruf soll seriöser werden

Von Bernd Berke

Berlin/Lüneburg. Die „wilden Jahre“ sind offenbar endgültig vorüber: Deutsche Rockmusiker wollen ihren Beruf jetzt auf seriöse Grundlagen stellen. Auf ihrem erstmals stattfindenden Bundeskongreß (15.-18. August am Rande der „Show-Tech“-Messe im „ICC“ Berlin) soll eine geregelte Rentenversorgung für „Alt-Rocker“ ebenso diskutiert werden wie eine solide Ausbildung des Nachwuchses.

Treibende Kraft ist die erst 1983 gegründete „Bundesarbeitsgemeinschaft der Rockmusiker“ mit Sitz in Lüneburg und Ortsvereinen in bislang 26 Städten. Ole Seelenmeyer (38), Mitgründer der Organisation und als Bassist seit gut 20 Jahren im Geschäft, klagt: „Es gibt bei uns ein riesiges ,Rock-Proletariat‘. Die meisten Bands krebsen am Rande des Existenzminimums dahin.“

Wo schon die Gegenwart so trübe aussieht, ist es auch um die Zukunft schlecht bestellt. Zwar ist noch nicht heraus, in welchem Alter Rockmusiker eigentlich aufs Altenteil gehören, doch wird ein Experte die Musiker in Berlin vorsorglich darüber aufklären, wie sie das weitmaschige Netz der seit kurzem bestehenden Künstler-Sozialversicherung durch flankierende Maßnahmen dichter knüpfen können.

Erst einmal aber wollen die Versicherungs-Beiträge aufgebracht sein. Die Kongreßteilnehmer werden deshalb auch „über Möglichkeiten einer vernünftigen Ausbildung nachdenken“ (Seelenmeyer), die den „Rockern“ – so hofft man auf lange Sicht – geregeltere Einkünfte garantiert. Ein „Rockprofessor“ vom einzigen Deutschen Institut für Populärmusik in Hamburg hat vor, den Musikern eine Art „Diplom“ schmackhaft zu machen. Ole Seelenmayer findet, daß man nicht zuletzt dem Publikum eine derart „beglaubigte“ Musizierleistung schuldig sei: „Viel zu viele Kollegen ersetzen mangelndes Können durch Bühnen-Flitter“, schilt er seine Zunft. Auf solche Weise werde man nie wirklich aus dem Schatten der afroamerikanischen Konkurrenz treten können, sondern auf ewig „Rock-Provinz“ und Absatzmarkt für US-Plattenkonzerne bleiben.

Ein weiteres Thema des Bundestreffens, zu dem auch Amateure und Fans kommen dürfen, hat ebenfalls mit Finanzen zu tun: Es soll geklärt werden, wie man sich reichlicher aus dem „Goldenen Topf“ der GEMA-Gebühren bedienen kann. Hier sei noch „einiges zu holen“. Ole Seelenmeyer: „Wenn wir die Rechtslage besser kennen würden, könnten wir unsere Ansprüche weit wirksamer durchsetzen.“

Die „Bundesarbeitsgemeinschaft der Rockmusiker“ (2120 Lüneburg, Kolbergstraße 30) hat inzwischen auch Prominente als „Ehrenmitglieder“ gewinnen können: Udo Lindenberg, Achim Reichel und Konzertmanager Fritz Rau gehören dazu. Die Stars der Branche sollen den Interessen der „Basis“ mehr Nachdruck verleihen.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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