Das Fest der Immaculata am 8. Dezember

Das Marianum in Neuss war unsere Heimat.(Foto: B. Limburg)

Das Marianum in Neuss war unsere Heimat.
(Foto: B. Limburg)

Wenn ich auf Karten in Cafes das Angebot „Latte macchiato“ lese, dann kommen oft Erinnerungen an die Jugendzeit hoch – obwohl damals dieses Getränk in Deutschland überhaupt noch nicht serviert wurde.

Der Begriff erinnert nämlich an „Maria Immaculata“, ein hohes katholisches Fest, das immer am 8. Dezember, also auch heute, gefeiert wird. Der lateinische Wortursprung ist natürlich identisch.

Offiziell heißt dieses Fest „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Wir dachten früher, damit sei die Jungfrauengeburt der Maria gemeint, also ihre Schwangerschaft ohne männliches Zutun, und entsprechend wanderten die Fantasien. Gemeint hatten die alten Kirchenväter aber etwas Anderes: Marias Mutter Anna habe damals mit ihrer Tochter ein Kind geboren, das ohne die Erbsünde von Adam und Eva zur Welt kam, also „unbefleckt“ – immaculata. Das musste wohl so sein, damit sie später Jesus, den angeblichen Sohn Gottes, ebenfalls unbeschädigt zur Welt bringen konnte.

Im frühen Mittelalter gab es um diese Frage großen Streit, inzwischen ist er dogmatisch beigelegt. Tausende katholische Kirchen in aller Welt heißen St. Maria Immaculata, so zum Beispiel die Pfarrkirche in Dortmund-Scharnhorst. Auch unser Jungen-Internat in der Stadt Neuss, in dem ich mehrere Jahre bis zum Abitur am Abendgymnasium verbrachte und das wir nur „Marianum“ oder den „Kasten“ nannten, war dieser Immaculata geweiht, und deshalb gab es stets am 8. Dezember das Patronatsfest. Meist kam an diesem Tag dann auch der Kölner Erzbischof als „Hausherr“ zu Besuch. In Österreich ist das Fest sogar gesetzlicher Feiertag, allerdings fällt es in diesem Jahr, arbeitnehmerunfreundlich, auf einen Sonntag.

Und das oben erwähnte Kaffeegetränk? Macchiato heißt eben „befleckt“ oder „gefleckt“: In Italien serviert man Latte macchiato, im Wortsinn, als heiße Milch, in die ein Espresso geschüttet wird – die Latte wird also befleckt. Die Sitte, die Latte macchiato als Getränk mit zwei Schichten zuzubereiten, entstand erst später in nördlichen Ländern und wandert nun langsam hinunter in touristische Regionen Italiens.

Auch so kann man also von Hölzken auf Stöcksken zum 8. Dezember kommen.

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Über Hans Hermann Pöpsel

Historiker und Germanist. Pensionierter Redakteur
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3 Kommentare zu Das Fest der Immaculata am 8. Dezember

  1. Pingback: Was vom Monat übrig blieb: Das war der Dezember » Revierpassagen

  2. Michaela sagt:

    Huch!

  3. Philipp sagt:

    Soweit ich mitbekommen habe, wird dieses Getränk auch nicht von Erwachsenen, erfahrenen Sündern konsumiert, sondern den Bambini gereicht, zur Heranführung. Passt ins Bild finde ich.

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