Ceci n’est pas un texte.

Und diejenigen, die dachten, jetzt käm doch einer, muss ich enttäuschen. Ich schreib nämlich nur, um zu schreiben, dass ich nix schreibe – heute zumindest. Morgen hingegen mach ich einen Ausflug in eure Ecke, und von dem erzähl ich euch dann.

Da wir uns aber grad so nett unterhalten, fällt mir was Grundsätzliches zum Thema „wieso eigentlich NOCH ‘n Blog?” ein.

Immer & überall.

Schließlich geht die Zahl der Blogs seit Jahren zurück und noch immer übersteigt das Angebot die Nachfrage. Auch ich folge längst nicht allen, die mich interessieren, zumal ich dank dreier Zeitschriften-Abos auch noch monatlich Papier abzuarbeiten habe. Warum also ein Format reanimieren, wo doch auf Facebook alles schneller und unter viel mehr netten Leuten stattfindet?

Antwort: Weil alle Medien spezielle Eigenschaften haben und daher nicht besser und schlechter sondern anders sind.

Meine Lieblingseigenschaft der Blogs besteht in ihrem ausgewogenen Verhältnis von Verfall und Nachhaltigkeit. Einerseits wird der eben noch aktuelle Beitrag zügig genug vom nächsten ins Archiv gekickt, um eine gewisse Unbefangenheit zu ermuntern. Niemand braucht zu befürchten, ungebührlich lange für spontane Eingebungen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Vielmehr kann man sich seelenruhig unter dem Einfluss irgendwelcher Affekte in leidenschaftliche Tiraden hineinsteigern, denn noch während der geistige Ausnahmezustand abklingt, wandert sein verbaler Fallout aus den Augen, aus dem Sinn.

Doch ungeachtet dieser beruhigend geringen Halbwertszeit bietet der Blog Platz zur einem angenehm temperierten Maß an Ausführlichkeit, irgendwo zwischen Tiefenschürf und 140 Zeichen. Insofern reicht die vom Informationsgehalt eines Blog-Eintrags geweckte Neugier, um das Opfer zu eigenen Recherchen zu motivieren, oder zumindest, um als „Schonmairgendwogehört“ wiedererkannt zu werden. Und daher behaupten sich Blogs im Mittelfeld zwischen Print und Facebook: Anders als Gedrucktes erlauben sie zeitnahe Reaktionen, aber auch wieder nicht so zeitnah, dass sie – wie auf Fb – binnen Stunden jenseits des Scroll-Horizonts verschwunden sind.

So, die Botschaft dürfte klar sein: Blogs sind a) untot und b) ist das gut so.

Warum aber noch einen, wo ich doch grad selbst zugegeben habe, dass es mehr lesenswerte als lesbare gibt?

Face a Blog each day.

Das lässt sich mit Hilfe einer anderen Antiquität, dem Fernsehen, erläutern:

In der Prä-Privat-Periode – unplugged und ganz mit ohne Schüssel – speiste sich Fernsehen aus drei bis vier Kanälen, aufgelockert von Testbild und Sendeschluss. Damals gab es QuerulantInnen, die keine der verfügbaren Sendeanstalten so richtig in Freudentaumel versetzte und die daher ständig über das Medium an sich jammerten. Fernsehen schien irgendwie grundsätzlich böse. So wie Cola und Autos und generell der überwiegende Teil der ZeitgenossInnen. Daher hab ich kurz vor Ausbruch des Privatfernsehens aufgehört, dem bösen Treiben zuzuschauen.

Einen Fernseher besitze ich nach wie vor nicht, habe mich aber inzwischen über das Angebot informiert und festgestellt: Ob drei oder dreihundert Programme – das alleinseligmachende ist noch immer nicht dabei.

Kann auch nicht, muss auch nicht.

Selbstverständlich gibt es ungeheuer viele ungeheuer gute Sendungen, nur leider verteilen die sich über ungeheuer viele Sender.

Und damit zurück zum Thema, denn gleiches gilt für das Online-Angebot. Und angesichts der ungeheuer individuellen Vorlieben der ungeheuer vielen AbnehmerInnen halte ich neue Seiten für ungeheuer begrüßenswert.

Und deswegen noch ein Blog. Noch immer nicht alleinseligmachend – aber wir arbeiten dran.

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