So herrlich regellos

Das Thema köchelt immer mal wieder hoch: Muss man diese lästige Sache namens Rechtschreibung etwa auch im Blog (ganz zu schweigen von Mails und Chats) beachten?

Keineswegs, meinen manche: Es würde nur jegliche Spontanität verhindern. Womöglich ist gar die „Freiheit des Wortes“ in Gefahr. Derlei Vorschriften seien überhaupt nur etwas für unverbesserliche Pflichtmenschen. Und was die historisch angerichtet haben, ist ja nur zu bekannt…

Also lässt man die Regeln fahren und tippt munter drauflos. Anschließende Korrektur ? Nö. Wozu denn ? Die Anderen werden schon wissen, was gemeint ist.

Ich finde: Von sonderlicher Neigung oder gar Liebe zur Sprache zeugt all das nicht. Und ich frage mich, ob sich diese laxe, wurschtige Haltung nicht zu einer Form der Unhöflichkeit steigern kann. Man verwirklicht sich (mal wieder) regellos selbst und fetzt seine Sätze so ungemein frei hin – nach dem rücksichtslosen Motto: „Fresst, Vögel, oder sterbt.“ Ganz toll!

Die Einhaltung gewisser sprachlicher Regeln dient nicht zuletzt der besseren Verständigung. Leider gilt diese Auffassung in weiten Teilen der Internet-Gemeinden als hoffnungslos veraltet und „spießig“.

Ich will jetzt nicht etwa die Verkehrsregeln als Analogie heranziehen. Und ich rede auch nicht von lässlichen kleinen „Verhackern“ oder Tippfehlern aus Müdigkeit, Überschwang oder sonstigen nachvollziehbaren Gründen. Erst recht meine ich keine kreativen Sprach-Verfremdungen und Wortspiele. Und auch nicht den ermüdenden Dauerstreit um Groß- und Kleinschreibung.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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