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Monatsarchive: Juli 1999
Ein Kraftkerl mit empfindlicher Seele – Überblick zum Werk des Malers Lovis Corinth in Wuppertal
Von Bernd Berke
Wuppertal. Durch eine grüne Tür stürzt „Der geblendete Simson“ auf den Betrachter zu. Seine Hände liegen verkrampft in eisernen Ketten, bis auf einen Schurz ist er elend nackt. Um die Augenpartie klebt ein verschmierter Verband, aus dem Blut rinnt. Eine geschundene Gestalt, die uns die ganze Wucht ihres Schmerzes entgegenschleudert.
Da behaupte noch ein Kunstlexikon, Lovis Corinth (1858-1925) sei Impressionist gewesen; nur deshalb, weil er häufig flirrendes Licht in seinen Bildern flackern ließ oder weil er manchmal unter freiem Himmel gemalt hat. Nein, dieser ausdrucksmächtige Berserker ist, wenn denn schon Stil-Schubladen geöffnet werden müssen, mindestens ebenso sehr Expressionist gewesen. Das belegen die 61 Gemälde und 70 Papier-Arbeiten, die jetzt in Wuppertal zum Werküberblick vereint sind.
Blühende Gärten als Feier des Lebens
Der auch körperlich imposante Kraftkerl war allerdings ein hochsensibler Mensch.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Lovis Corinth, Wuppertal
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Das Leben als Mutprobe – zum 100. Geburtstag von Ernest Hemingway
Von Bernd Berke
„Es ist nicht schlimm“, sagte er. „Und Schmerzen machen einem Mann nichts.“ – Ein Zitat aus „Der Alte Mann und das Meer“. Der Tonfall ist unverkennbar. Punkt, fertig, keine Debatten. Keine Weicheier-Fragen wie „Wann ist der Mann ein Mann?“ Der Schriftsteller Ernest Hemingway hätte wohl schlicht geantwortet: „Immer.“ Und er hätte zur Bekräftigung den nächsten Whisky gekippt.
Dieser Kerl von altem Schrot und Korn wurde heute vor 100 Jahren in Oak Park (US-Staat Illinois) geboren. Die tonangebende Literaturkritik urteilt inzwischen sehr nüchtern über ihn. Maureen Dowd, Starkolumnistin der „New York Times“, behauptete gar: „Hemingway war schon eine Parodie seiner selbst, als er starb“. Und: „Zusammen mit anderen Macho-Schriftstellern wie Jack London, Irwin Shaw und Norman Mailer ist sein Werk aus der Mode gekommen.“… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Lebenswege, Literatur
Verschlagwortet mit 100. Geburtstag, Ernest Hemingway
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Hinter der Abstraktion lauert schon das Nichts – Gefühle direkt aufs Bild bringen: Werke von Jackson Pollock in Düsseldorf
Von Bernd Berke
Düsseldorf. Reichlich rabiat muß er gewesen sein, der amerikanische Maler Jackson Pollock (1912-1956). Eine vom Künstler-Kollegen Willem de Kooning verbreitete Anekdote besagt, Pollock habe auf einer Party mit bloßer Faust ein Fenster eingeschlagen, um für Frischluft zu sorgen. So geht’s natürlich auch…
Bei einer schicken Vernissage pinkelte Pollock auch schon mal beherzt in den Kamin der Gastgeber. Rund elf Monate, nachdem der Filmstar James Dean tödlich mit dem Auto verunglückt war, starb auch Pollock – nur 44jährig – 1956 am Lenkrad. Er war sturzbetrunken. Ein Hollywood-Film mit Ed Harris, der im nächsten Jahr herauskommt, wird sein wildes Leben nachzeichnen. Man wundert sich nur, daß dies so spät geschieht.
Hollywood verfilmt sein wildes Leben
Solche voyeuristischen Blicke auf Dinge des Lebens und Sterbens mögen interessant sein.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen, Lebenswege
Verschlagwortet mit dripping, Düsseldorf, Jackson Pollock, Kunstsammlung NRW
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„art open“ in Essen: Mumpitz des Jahres oder mutiges Durcheinander?
Von Bernd Berke
Essen. Plakate in der Stadt? Fehlanzeige. Irgendein Hinweis am Messegelände? Nichts. So klammheimlich wollen die Veranstalter der als Weltkunstschau angepriesenen „art open“ bis zum 8. August über eine Million Besucher nach Essen locken?
Plakatflächen seien ausgebucht, hieß es gestern zur Pressekonferenz. Vielleicht hätte man sich ja frühzeitig darum kümmern müssen. Zu sehen gab’s nur wenige der angeblich 900 Kunstwerke von der Steinzeit bis heute, die man in fünf Messehallen zeigen will. Zwei Tage vor Eröffnung herrschte vielfach gähnende Leere, in etliche Bereiche wurden die Journalisten wohlweislich gar nicht geführt. Ein Katalog war auch noch nicht fertig.
Selbst ein Mikrofon, mit dem man die versammelten Berichterstatter akustisch hätte erreichen können, war nicht vorhanden. Derweil übertönte eine Voodoo-Kultgruppe aus Benin jedes unverstärkt gesprochene Wort.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen, Wahnwitz
Verschlagwortet mit art open, Dieter Walter Liedtke, Essen, Harald Szeemann, Messegelände
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Immerzu Krieg mit Pausen – Günter Grass zieht in seinem neuen Buch „Mein Jahrhundert“ Bilanz
Von Bernd Berke
Alle ziehen Bilanz, auch Günter Grass. Im letzten von 100 Texten seines Buchs „Mein Jahrhundert“ läßt er seine verstorbene Mutter auferstehen. Und also redet sie 1999: „Nun aber soll ich erzählen, wie es früher gewesen ist. Sag ich ja, Krieg war, immerzu Krieg mit Pausen dazwischen“.
Jedem Jahr des verfließenden Jahrhunderts ist im „neuen Grass“ ein kurzer Text gewidmet. Nach der Lektüre muß man glauben, dies sei in seinen Untiefen vor allem eine deutsche Epoche gewesen. Nur sporadisch schweift der Blick über die Grenzen.
Die schlimmen Zeiten beginnen gleich anno 1900, als ein bayerisches Regiment auf Kaisers Befehl ausrückt, um den Boxeraufstand in China niederzuschlagen. Als Wegmarken folgen die Weltkriege mitsamt allen Vor- und Nachwehen, mit Massenarbeitslosigkeit, Inflation, militärischer wie mentaler Aufrüstung und späteren Prozessen gegen Kriegsverbrecher, aber auch allfälligen „Kameradschaftstreffen“.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Literatur
Verschlagwortet mit Günter Grass, Mein Jahrhundert
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Warnung vor dem Ungeist – Gerhard Schneiders Olper Sammlung mit Bildern verfemter Künstler der NS-Zeit
Von Bernd Berke
Olpe. Gerhard Schneider hat eine höchst ehrenwerte Passion: Seit rund 15 Jahren sammelt er Bilder, deren Urheber zur NS-Zeit als „entartet“ verfemt und seither vielfach vergessen wurden.
„Ich will diese Künstler nicht zu großen Heroen stilisieren, aber man muß ihnen ein würdiges Andenken bewahren“, sagt der ehemalige Lehrer, der heute in Olpe-Rhode lebt. Jetzt zeigt er abermals eine Auswahl seiner Kollektion beim Olper Kunstverein Südsauerland. Seit 1992, als man dort den ersten Querschnitt aus Schneiders Depot präsentierte, ist die Sammlung schon wieder um ein Mehrfaches angewachsen.
Leitlinie ist die „expressive Gegenständlichkeit“, doch die rund 80 Werke könnten verschiedener kaum sein. Das weite Themenspektrum reicht von lieblichen Landschaften und arglosen Porträts bis hin zu Mahnungen vor wachsendem Ungeist und zur erschütternden Darstellung von KZ-Greueln.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kunst & Museen, Politik und so
Verschlagwortet mit Gerhard Schneider, Kunstverein Südsauerland, Olpe, Sammlung Schneider, verfemt, „entartet"
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Wenn Rubens dem Voodoo-Kult begegnet – Wirre Pläne zu einer „Weltkunstschau“ in den Essener Messehallen
Von Bernd Berke
Essen. Vollmundiger kann man eine Schau nicht ankündigen: Die „spektakulärsten Ausstellungsräume der Welt“ würden sich ab 10. Juli in fünf Essener Messehallen für eine „kulturelle Revolution“ auftun, und zwar 24 Stunden am Tag bei freiem Eintritt.
„Erstmals“, so tönen die Veranstalter weiter, werde man bei diesem „Event“ die Entwicklung der Kunst wirklich verstehen können. Das klingt so merkwürdig wie so manches am Projekt „art open“.
Die wahrhaft simple Formel, die uns zum Verständnis aller Künste führen, ja sogar „jede Idee erklären“ soll, lautet so: „Leben (Bekanntes) + Bewußtseinserweiterung (Innovation) = Kunst“.
Aha! So einfach ist das also. Ersonnen wurde die Wunderformel vom gebürtigen Essener Dieter Walter Liedtke (54), der auf Mallorca ein kleines Museum mit Selbstgemaltem betreibt, bisher aber vor allem durch die Erfindung eines „luftgepolsterten Turnschuhs“ auffiel, was nicht unbedingt als Qualifikation für die Weltspitze der Kunst taugt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen, Region Ruhr, Wahnwitz
Verschlagwortet mit art open, Dieter Walter Liedtke, Essener Messe, Harald Szeemann, Hermann Rarebell, Norbert Blüm, Vladimir Egorov, Weltkunstschau
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