Monatsarchive: Juli 2007

Wenn Rockmusik zur Reife kommt – Düsseldorf: Lou Reed spielt sein stilprägendes „Berlin“-Album nach 34 Jahren erstmals live

Von Bernd Berke

Düsseldorf. Die Wiederkehr von Rock-Heroen der 60er gerät stets auch zur Generationen-Beschau: Wer geht beispielsweise hin, wenn Lou Reed in Düsseldorf auftritt?

Es pilgern Leute aus ganz Nordrhein-Westfalen in die Philipshalle. Vom Leben ledrig gezeichnete Altfreaks sind reihenweise dabei; aber auch jüngere Fans, die ahnen, dass Reed seit jeher „cooler“ ist als manche, die sich heute so gebärden. Zudem finden sich in dieser Gemeinde wahrhaftige Wiedergänger. Einer hat sich so gestylt wie der Pop-Künstler Andy Warhol (der Lou Reed einst mit dessen legendärer Truppe „Velvet Underground“ förderte), und eine Frau kommt wie Janis Joplin daher. Fast gespenstisch.

Bereits 1973 hat Lou Reed seine vielleicht finsterste Platte herausgebracht, die manchen als sein stilprägendes Meisterwerk gilt: Das als eine Art Rockoper angelegte Konzept-Album „Berlin“ taumelte durch ein schier auswegloses Labyrinth zwischen Drogen, Sex, Gewalt und Tod. Die bedrückende Mauer-Atmosphäre in der damals geteilten Stadt stand auch als Menetekel für die Depression eines verzweifelten Junkie-Paares. Übrigens kannte Reed die Stadt seinerzeit nur vom literarischen Hörensagen.

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Der rastlose König aus dem Sauerland – Nicht nur ein Kuriosum der Historie: Theodor von Neuhoff regierte 1736 auf der Insel Korsika

Von Bernd Berke

Lüdenscheid/Korsika. Das sind besondere Urlaubserlebnisse: Wenn man auf unverhoffte Spuren aus heimischen Gefilden stößt. Da fliegt man auf die Mittelmeerinsel Korsika, schwebt schon über der gebirgigen Landschaft, blättert im Reiseführer und findet zwei Extra-Seiten über einen historischen Mann aus dem Sauerland. Kaum zu glauben: Er war als „Theodor I.“ der einzige König, den die Insel je hatte.

Theodors direkte Linie ist zwar vor geraumer Zeit ausgestorben. Doch ein weitläufig verwandter Nachfahre des „Königs aus dem Sauerland“ lebt mit seiner Familie in Lüdenscheid. Baron Alhard Freiherr von dem Bussche-Kessel wohnt auf Schloss Neuenhof. Zu Theodors 275. korsischem Thronjubiläum (2011) plant er schon jetzt ein umfangreiches Gedenk-Programm – mit Ausstellung, Vorträgen, Theater und Musik – auch von der heute französischen Insel.

Spieler, Diplomat und Geheimagent

Der Lüdenscheider Baron wünscht sich „endlich eine gerechte historische Beurteilung von Theodors Leistungen.“ In der Tat: Bisher hat der unstete Altvordere keinen sonderlich guten Leumund in der Geschichtsschreibung. Die freilich ist noch reichlich lückenhaft. So weiß man nicht einmal mit letzter Sicherheit, ob Theodor in Köln oder Metz geboren ist.

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Anstöße für besseres Amtsdeutsch – Beispielhaftes Projekt der Bochumer Uni: Germanisten beraten 17 Stadtverwaltungen

Von Bernd ßerke

Bochum. Leitfäden für „bessere“ deutsche Amtssprache gibt es schon seit rund 250 Jahren. Doch bei der Lektüre von Behörden-Briefen glaubt man zuweilen, dass solche Ratgeber nichts genützt haben. Ein bundesweit einmaliges Projekt an der Bochumer Ruhr-Uni stemmt sich gegen die offenbar hartnäckigen Unsitten.

Immerhin: „Ganz so schlimm, wie man meint, ist Amtsdeutsch eigentlich gar nicht mehr.“ Das sagt eine, die es wissen muss. Die Germanistin Michaela Blaha betreut das Projekt „Idema“ am Lehrstuhl von Prof. Hans-Rüdiger Fluck. Inzwischen berät man 17 Stadtverwaltungen in sprachlicher Hinsicht, darunter Bochum, Wuppertal und Witten.

Die Kommunen zahlen eine einmalige Gebühr und können dann dauerhaft auf diverse Dienste zurückgreifen. Eine Internet-Datenbank mit anschwellender (Un)-Wortliste zählt ebenso dazu wie komplett korrigierte Briefmuster oder eine Hotline für akute Zweifelsfälle.

Textbausteine aus dem Computer

Michaela Blaha ahnt, warum Amtsdeutsch noch heute vielfach so hölzern klingt: „Seit den späten 70er Jahren werden Textbausteine in Computern gespeichert und immer wieder verwendet.“ So pflanzen sich krude Wortschöpfungen über Generationen fort. Motto: Das haben wir schon immer so gesagt…

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