Tagesarchive: 29. Januar 2014

Sind Schulden wirklich lobenswert? – Ein Buch wirft Fragen auf

Lob der Schulden, Sarthou-Lajus Mit einem „Lob der Schulden“ feiert der Berliner Wagenbach Verlag die zweihundertste Publikation seiner Buchreihe Salto.

Ein Salto stellt den Gleichgewichtssinn auf den Kopf und genau das illustriert wohl die Absicht dieser unkonventionellen Reihe: bestehende Annahmen, anerkannte Grundregeln so auf den Kopf zu stellen wie das A im Logo der Salto-Reihe. Mit dem Essay „Lob der Schulden“ der französischen Journalistin und Philosophin Nathalie Sarthou-Lajus ist das bestens gelungen. Wer mag schon Schulden (außer bedienten Gläubigern), wer mag ihnen ein hohes Loblied singen?

Schuldlos schuldig sind wir alle! Denn Schulden sind die Grundbedingung menschlicher Existenz, unser aller Erbe und Vermächtnis, weil wir von Geburt an voneinander abhängen und das nicht allein in finanzieller Hinsicht.“ So schreibt es Sarthou-Lajus und schlussfolgert, dass die immer noch gegenwärtige Finanzkrise genau deshalb so erschütternd sei, weil sie eben durch die Demonstration der Abhängigkeit aller von allen durch Schulden das neoliberale Ideal der vollkommenen Freiheit und Unabhängigkeit grundlegend in Frage stellt.

So weit, so gut. Bis hierher kann man ihren Ausführungen gut folgen. Wer hat nicht ein ungutes Gefühl bei den unzählbaren Vorkommastellen der Schuldenuhren?

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Etüden und Entlegenes: Klavier-Festival Ruhr 2014 mit überzeugenden Programmlinien

Klavier-Festival Ruhr, Leitmotiv 2014 (c) Norbert Hüttermann

Klavier-Festival Ruhr, Leitmotiv 2014 (c) Norbert Hüttermann

Der arme Karl Czerny. Er hat das Beste gewollt und sich für immer auf einen undankbaren Platz in der Musikgeschichte gebannt: Seine Etüden gelten als Schreckgespenst für jeden Klavierschüler, seine seriösen Kompositionen stehen im Schatten des bieder Bemühten. So gibt das Klavier-Festival Ruhr 2014 zwar der Etüde als Gattung einen besonderen Platz im Programm, aber der Etüden-Protagonist aus Wien kommt im Programm nicht vor.

Die ursprünglich als technische Übungsstücke gedachte Form der Klavierkomposition bildet nicht umsonst eine der fünf Programmlinien der Tastenfestspiele 2014. Sie hat sich – siehe Frédéric Chopin – im Lauf der Geschichte zu einer wichtigen Ausdrucksform gemausert. Und so dürfen sich die Besucher einiger der 64 Konzerte des Festivals auf Etüden des 20. Jahrhunderts freuen: Von Bartók über Liszt bis Szymanowski reicht die Liste.

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