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Viele, liebe, beste, schöne, freundliche, herzliche Grüße: Die etwas unklare Rangordnung der Grußformeln

Handschriftlich wirkt es sowieso anders...

Handschriftlich wirkt es sowieso anders…

Gibt es eine Art Hierarchie der schriftlichen Grußformeln? Inwiefern liest sich und klingt die eine vielleicht eine Spur freundlicher als die andere? Und was geht wirklich zu Herzen?

Bevor wir zur Sache schreiten: „Moin“ läuft außer Konkurrenz und ist auf seine lakonische Art eh unübertrefflich. Gepriesen seien die Friesen. Allerdings kann man das Wörtchen nicht unter jede Korrespondenz setzen. Schade eigentlich.

Abkürzungen wirken eher achtlos

Eine sehr gängige, zuerst wohl von Frauen und heute allgemein verwendete Formel lautet „Liebe Grüße“. Sie hört sich immer ein wenig harmlos an. Man versichert treuherzig: „Ich bin ganz lieb und tu dir nichts zuleide.“ Die Abkürzung LG wirkt hingegen eher wie eine gar zu rasche Pflichtübung und könnte auch Leichtathletik-Gemeinschaft bedeuten.

„Mit freundlichen Grüßen“ oder die angeblich modernere Variante „Freundliche Grüße“ kommen am häufigsten vor, es handelt sich mithin um die schiere Üblichkeit und abgespeicherte Routine. Das schreibt sich einfach so hin. Gedankenlos. Man kann damit nichts falsch machen, gewinnt damit niemanden zum Freund oder schon gar nicht zum Feind. Es bleibt die schwer zu beantwortende Frage, ob die Einzahl („Mit freundlichem Gruß“) eine kaum spürbare Minderung darstellt. Die Abkürzung „MfG“ wiederum kommt achtlos daher.

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„…in der Erde wühlen, die Wolken anglotzen“: Der große Minimierer – Samuel Becketts Briefe 1941–1956

In dem Zeitraum zwischen 1941 und 1956, den der zweite Band der Briefausgabe umfasst, schrieb Samuel Beckett seine bekanntesten Romane und Theaterstücke. In schneller Folge erschien die Romantrilogie mit Molloy (1951), Malone stirbt (1951) und Der Namenlose (1953), und dazwischen, 1952, die Druckfassung von Warten auf Godot – das Stück, das ihn schon bald nach seiner Uraufführung im Januar 1953 berühmt machen sollte.

Jedoch kamen solche Erfolge keinesfalls aus dem Nichts; und auch, was als Erfolg anzusehen ist und was nicht, stellt sich in seinen Briefen – nicht anders als in Becketts gesamtem literarischen Werk – als etwas Relatives dar.

Cover Beckett Briefe 1941 bis 1956

Die Geldsorgen seiner jungen Jahre haben nun neuen Nöten Platz gemacht. Auskunftsbegehren von Literaturwissenschaftlern, Übersetzern, Verlegern und Verehrern lassen die Korrespondenz mit Jugendfreunden, die den ersten Band der Beckett-Briefe prägten, in den Hintergrund treten. Kein ausgedehntes Umherschweifen von Museum zu Museum wie in der Vorkriegszeit; stattdessen nur wenige notwendige Reisen, meistens nach Irland.

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Die Anfänge eines kunstvollen Scheiterns – Samuel Becketts Briefe 1929–1940

Kaum jemand hat das Scheitern so gekonnt zu seinem Markenzeichen gemacht wie Samuel Beckett. „Wieder scheitern. Besser scheitern“, heißt es in Worstward Ho (Aufs Schlimmste zu; 1983). Die Anfänge des großen Prosaisten, Lyrikers und Dramatikers, der seine Bühnenfiguren in Mülltonnen steckte oder bis zum Hals in einem Erdhügel vergrub, der in seiner Romantrilogie systematisch den Erzähler abschaffte und vor dessen vernichtendem Denken sich kaum eine literarische Gattung retten konnte, die Anfänge sind inzwischen als autobiographische Zeugnisse in Form von Briefen nachlesbar.

Beckett hatte vor seinem Tod im Jahr 1989 verfügt, dass nur solche Briefe veröffentlicht werden dürfen, die für sein Schaffen von Belang sind. Nach und nach entdeckte die Beckett-Forschung, in welchem Maße sich der Autor – wenn auch teilweise bis zur Unkenntlichkeit verschlüsselt – aus Erlebtem bedient hat. Erben und Herausgeber einigten sich auf die Publikation von 2.500 der ca. 15.000 bekannten Briefe, verteilt auf vier Bände.

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Subversive Energien – Berliner Akademie zeigt Kunst auf Postkarten und Briefen

Wir tauschen ständig digitale elektronische Botschaften aus. Aber wann schreiben wir noch – in alter analoger Tradition – einen langen Brief mit Liebesschwüren oder eine Postkarte, vielleicht sogar mit witzigen Bemerkungen?

Dass Briefe und Postkarten einen künstlerischen und politischen Wert haben, zeigt „Arte Postale“, eine Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin: Sie umfasst 700 Exponate, dabei auch einige Perlen aus der privaten Sammlung von Akademie-Präsident Klaus Staeck, der als bekennender Fan satirisch-politischer Postkarten und Plakate berühmt und berüchtigt ist.

Daniel Spoerri: "Marienplatz und Frauenkirche", 1972 (Postkarte der Edition Staeck, Offsetdruck, 10,5 x 14,8 cm / Sammlung Staeck / © Edition Staeck, Heidelberg / VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Daniel Spoerri: „Marienplatz und Frauenkirche“, 1972 (Postkarte der Edition Staeck, Offsetdruck, 10,5 x 14,8 cm / Sammlung Staeck / © Edition Staeck, Heidelberg / VG Bild-Kunst, Bonn 2013)

Es ist eine Ausstellung, an der man sich nicht sattsehen kann: Holz- und Filz-Postkarten von Joseph Beuys, politische Grafitti-Karten von R. A. Penck, poetische Briefe von Peter Rühmkorf, Schreib-Zeichnungen von Hanne Darboven, größenwahnsinnige Kunstprovokationen von Jonathan Meese, aquarellierte Briefe von Dichterin Sarah Kirsch. Anrührend: ein Brief von Else Lasker-Schüler, in dem sie sich zum orientalischen „Prinz Yussuf von Theben“ stilisiert und ihre Fantasien mit kindlichen Zeichnungen ausschmückt.

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