Wie weit ist der Weg von Tegtmeier zu Gottschalk?

Also äährlich, Mensch! Dat kann doch nich wahr sein. „Tegtmeiers Erben“ nennt sich jene Preisvergabe, die seit 1997 fähige Leute aus Kabarett und Comedy ehrt – vorwiegend mit Ruhrgebiets-Schwerpunkt. Im Grunde eine Veranstaltung mit Hang zur regionalen Selbstbeweihräucherung. Doch welcher humorige Ruhri hat jetzt einen Tegtmeier-Ehrenpreis erhalten? Wenn ihr’s nicht wisst, kommt ihr nicht drauf.

Ein zechenschwärzeres Foto ließ sich beim besten Willen nicht auftreiben. (Aufnahme: BB)

Ein zechenschwärzeres Foto ließ sich beim besten Willen nicht auftreiben. (Aufnahme: BB)

Heraus mit der erstaunlichen Wahrheit: Es war Thomas Gottschalk, den man vielleicht mit Bayern oder Kalifornien (notfalls auch mit Mainz, wg. ZDF) assoziiert, aber doch nicht mit dem Revier! Laut WAZ soll er in seiner Dankesrede ein paar Ruhri-Töne angeschlagen haben. Donnerwetter! Und er habe schon als Kind diesen Tegtmeier alias Jürgen von Manger (1923-1994) imitiert. Aber hat Gottschalk etwas mit Kabarett oder Comedy zu schaffen? Nein. Er hat seine Verdienste auf anderen Gebieten. Und was verbindet ihn nun wirklich mit dem Ruhrgebiet? Eigentlich nichts.

Warum also musste ausgerechnet Gottschalk ausgerechnet diesen Preis bekommen? Weiß der Geier (höhö, ein zweiter Ehrenpreis ging just an den echt ruhrischen Alternativkarneval „Geierabend“). Die WAZ, die sich von Haus aus häufig zur überschäumenden Revierfreude verpflichtet fühlt, jubiliert jedenfalls in einer ausgefeilten Kulturseiten-Überschrift „Gottschalk wird zum Pottschalk“. Pott gleich Ruhrpott, dazu noch Schalk (im Nacken), ihr versteht?! Ach Gottchen. Nur gut, dass Gottschalk sich das Gesicht nicht zechenschwarz färben musste.

So hatte der Abend denn sein prominentes „Zugpferd“, was ein Hauptsinn der Wahl gewesen sein mag. Man braucht halt so einen, wenn man den Aufmacher-Platz im Fernsehen oder auf der Zeitungsseite oder erobern will – und sei’s „nur“ im Feuilleton. Mit den Namen der von Publikum und Jury gekürten Einzelpreisträger William Wahl (Bochum) und Moritz Neumeier (Schleswig-Holstein) wäre das wohl schwerlich gelungen.

Unterdessen ist es auch nicht mehr ganz leicht, geeignete Leute für den Literaturpreis Ruhr zu finden. Fast alle Autoren, die in Frage kommen, haben ihn ja bereits. Wer kriegt den nächsten? Gottschalk geht nicht schon wieder, er hat ja schon den Tegtmeier eingeheimst. Aber ein Promi muss her. Einer, der schon ein paar Zeilen geschrieben hat. Vielleicht Herbert Grönemeyer?

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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