Familienfreuden IV: Kinderfreier Kaffee

Kaffee - kinderfrei ein Genuss?

Kaffee - kinderfrei ein Genuss?

Ich hatte letzte Nacht einen schrägen Traum: Ich war mal wieder spazieren mit unserer Tochter, sie in ihrem knallroten Kinderwagen, ich in regenfester Montur.

Draußen war es kalt. Zum Aufwärmen wollte ich etwas Heißes trinken. Mühselig öffnete ich die Tür des Cafés und wuselte mich mit dem Kinderwagen hinein, in die Wärme. Die Kaffeemaschine dampfte, es roch gut.

Doch kaum erblickte der Mann hinter dem Tresen uns, weiteten sich seine Augen und er schrie so laut, dass ich zusammenzuckte. Der Kellner blickte ebenso zur Tür und stürzte auf uns zu, als wären wir Wild, das es zu erlegen galt. Auch der Mann hinter dem Tresen rannte herbei und sagte, Panik im Blick und noch ganz außer Atem: „Sind Sie irre? Kinder sind hier verboten.“ Bevor ich wusste, wie mir geschah, bevor ich etwas antworten konnte, stand ich wieder draußen vor dem Café.

Verwirrt wachte ich auf. Aber anders als sonst fehlte mir diesmal die beruhigende Gewissheit, dass es nur ein Traum war. Willkommen im Deutschland des Jahres 2012. Willkommen in einem Land, in dem ein Cafébesitzer am Prenzlauer Berg seinen Laden zur kinderfreien Zone erklärt hat. Kinder sind hier anscheinend eine Belästigung.

Klar, als frischgebackene Mutter kann man mir jetzt unterstellen, dass ich ein „dagegen“-Schild mit der Geburt meiner Tochter um den Hals trage. Aber was sagt es eigentlich über unsere Gesellschaft aus, dass es Freizeitstätten gibt, in denen Kinder verboten sind? Schon in der Redaktion konnte ich nur den Kopf schütteln, wenn Menschen bei uns anriefen, damit wir über die „Lärmbelästigung“ durch Kindergärten in ihrer Nachbarschaft schrieben. Sind Kindergeräusche also Lärm?

Natürlich: Kinder können nerven. Sie sind laut, wild und unberechenbar. Aber was sagt es über uns aus, wenn wir das Unkontrollierbare aus unserem Leben ausschließen wollen?

Wenn wir im Café sitzen und unsere Tochter schreit, tun wir alles, um sie zu beruhigen – schließlich möchten wir niemanden stören. Aber muss man Eltern tatsächlich bescheinigen, dass sie lästig sind? Sie nahezu als Aussätzige brandmarken?

Mir scheint, wir richten uns ein in einem Land, in dem Kinder langsam nicht die Regel, sondern die Ausnahme werden. Was würden die Italiener wohl zu einem kinderfreien Café sagen?

Ohnehin erschließt sich mir die Notwendigkeit eines Verbots nicht. Die Regel ist doch, dass von ganz allein einige Cafés vollgepropft sind mit Familien und andere nicht. Wie singt Kraftklub so schön? „Ich will nicht nach Berlin.“

teilen, mailen, druckenShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterPin on PinterestShare on LinkedInShare on TumblrShare on StumbleUponEmail this to someonePrint this page
Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Gesellschaft, Kinderzeiten abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.