„Source Code“: Floh im Kopf

Meine Oma war eine weise Frau. Und sie kannte alle guten Ratschläge, die eine Oma zu kennen hat. Einer der wichtigsten war „Kind, lass dir keinen Floh in den Kopf setzen“. Oma zitierte nicht immer ganz korrekt, aber doch treffend. Um so einen Floh im Kopf geht‘s hier.

Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) findet sich als Passagier in einem Zug, der nach acht Minuten Laufzeit des Films explodiert. Und nun kommt so eine Art Molekülar Science ins Spiel. Ein militärisches Team von Wissenschaftlern hat ausgetüftelt, wie man Hirne von Menschen auch nach deren Ableben noch anzapfen kann.

Also haben wir hier einen Science Fiction-Film. Nicht so mein Fall, normalerweise. Weil das oft so weit hergeholt ist, dass es bereits ans Fantasy-Genre grenzt. Und viel Fantasie braucht man hier schon, und allerhöchste Aufmerksamkeit. Außerdem tendiert der Film auch stark in Richtung Thriller. Die Science, auf der diese Operation beruht, scheint jedenfalls ziemlich fragwürdig, auch wenn der Zweck die Mittel heiligt. Denn im Verlauf des Films wird Colter versuchen, die Vergangenheit zu verändern.

Vielleicht sollte ich hier davor warnen, weiterzulesen, weil es nicht ohne einige verräterische Hinweise abgeht, wenn ich überhaupt irgendwas über den Inhalt des Films erzählen soll – spoilers also –, aber ich verrat doch mal ein bisschen.

Colter also befindet sich plötzlich in diesem Zug und spricht mit der ihm unbekannten Christina (Michelle Monaghan), die ihn aber zu kennen scheint, und die ihn “Sean” nennt. Als Colter sich im Bordklo im Spiegel anschaut, erkennt er sich nicht, ein fremdes Gesicht blickt ihm entgegen. Nach und nach erfährt er, was die Militärwissenschaftler vorhaben. Colter, der nach eigenem Wissensstand grad einen Einsatz im fernen Osten hinter sich hat, ist in den Kopf eines Mannes gebeamt worden, der an Bord des explodierten Zuges war. Colter Stevens jedoch befindet sich in einem militärischen Labor, seine Ansprechpartnerin ist die Wissenschaftlerin Colleen Goodwin.

Im Zug gab es keine Überlebenden. Um dem Attentäter auf die Spur zu kommen, muss Colter also wieder und wieder die letzten acht Minuten vor der Explosion durch die Wahrnehmung des Passagiers Sean erleben. Er soll jede noch so kleine Handlung, Äußerung, Bewegung registrieren und ihr nachgehen. So, das hoffen die Militärs, wird er ihnen helfen, den Bombenleger zu finden und weitere Anschläge zu verhindern. Wie er seine Beobachtungen verwertet, bleibt Colter überlassen. Er hat Handlungsfreiheit, aber schnell sollte es gehen. Immer wieder laufen die acht Minuten an ihm vorbei, und er merkt, dass er sich an seine vorherigen Beobachtungen erinnert. Die anderen in seinem Abteil haben diese Erinnerungen nicht. Alles, was Colter in den jeweiligen acht Minuten tut, erleben sie zum ersten Mal.

Im üblichen Action-Thriller dieser Art gibt der Täter meistens nachträglich kleine Hinweise, er ruft an, droht, fordert, pöbelt oder hinterlässt ganz allgemein Spuren, denen die Polizei nachgehen kann. Das ist hier nicht der Fall, denn alle Spuren, die auf ihn hinweisen könnten, sind ja mit der Explosion in Feuer und Flamme verschmaucht.

Das alles ist wirklich sauspannend, wenn man es einfach auf sich wirken lässt. Hinterfragen sollte man die wissenschaftliche Durchführbarkeit nicht. Nicht umsonst nennt man solche Filme Science FICTION. Andererseits, Männer sind über den Mond spaziert, Herzen wurden verpflanzt, ganze Körperteile sogar… warum nicht auch Hirnaktivitäten?

Mir hat der Film gut gefallen, abgesehen von der hochgradigen Spannung seh ich Jake Gyllenhaal sehr gern, und Michelle Monaghan (keine der Hollywood- Zuckerbäcker-Cuties) auch.

Duncan Jones, der Regisseur, der ja schon 2009 mit „Moon” ein spannendes SciFi-Thema verfilmte, hat die richtige Einstellung: Man nimmt eine abwegige Idee und schaut mal, wohin sie führen kann. Übrigens ist Jones der Sohn von David Bowie und „Source Code” ist erst sein zweiter Film. Bleibt Sci-Fi vielleicht sein Thema? Wenn die kommenden Filme auch so spannend werden, why not? Da geb ich gern 4 Punkte auf einer Skala von 5.

(Foto: Szene mit Jake Gyllenhaal – Bild: Kinowelt Verleih)

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