Tagesarchive: 3. Juni 2011

Kleistiana (3): „Die Hermannsschlacht“

Wie zu lesen sei / Kleists „Hermannsschlacht“ in neuer Lesart
Zu: Barbara Vinken: „Bestien / Kleist und die Deutschen“, Merve Verlag Berlin 2011 (8,00 €)

Dass der von mir in anderen seiner Werke von früh an so sehr verehrte Heinrich von Kleist auch das Drama „Die Hermannsschlacht“ geschrieben hat, hat mich – zugegeben – immer schon etwas gestört und ich habe es – nur von der damaligen Zeitsituation her betrachtet, gleichsam wie aus mildernden Umständen heraus – immer etwas widerwillig als „Leider-auch-ein-Werk-Kleists“ hingenommen. Der andere Blick der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken kommt mir nun im Sinne einer Ehrenrettung Kleists innerlich entgegen. Kein Wunder daher, dass ich gleich zugriff, als mir ihr neuestes, nicht sehr umfangreiches Buch unlängst in einer Essener Buchhandlung in die Augen fiel, das ja, wie schon beim Blättern rasch erkennbar, eine andere triftigere Lesart als die geläufige anzubieten sich anschickt.

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Rüttenscheid erlebt den Tischekrieg – Flashmob soll zeigen, was Gastronomen fordern

Der Bezirksbürgermeister von Rüttenscheid hat sich in letzter Zeit nicht gerade beliebt gemacht bei den Gastronomen. Denn Michael Roy (SPD) trifft häufig Entscheidungen gegen die Außengastronomie in dem ansonsten florierenden Stadtteil im Süden von Essen. Auslöser der Streits waren die Tische am Christinenpark und die Sitzgelegenheiten an der Siechenkapelle. Inzwischen haben zahlreiche Gastronomen genug von den schwer zu erlangenden Genehmigungen und den zahlreichen Vorschriften.

Und auch die Bürger sind in Bewegung gekommen. Die Facebook-Gruppe „Pro Außengastronomie Rüttenscheid“ hatte innerhalb kürzester Zeit rund 2.000 Fans. Ein Flashmob am 4. Juni soll nun zeigen, wie wichtig die Unterstützung der Außengastronomie ist. Dazu sollen um 12 Uhr alle am Flashmob Beteiligten mit einem Stuhl vor der Siechenkapelle auflaufen und sich dort für 30 Minuten niederlassen. Bislang haben sich rund 80 Teilnehmer angemeldet. Ob der Flashmob zum Erfolg führen oder doch nur ein nettes Event wird, bleibt abzuwarten.

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Bildmächtiger Antikriegs-Appell

Der Erfolg des Britten-Zyklus’ am Musiktheater in Gelsenkirchen ist maßgeblich das Werk der Regisseurin Elisabeth Stöppler. Die in Hannover geborene 34-Jährige, die das Regiehandwerk unter anderem bei Götz Friedrich und Peter Konwitschny in Hamburg studierte und einst Assistentin von Johannes Schaaf und Stefan Herheim war, schilderte in „Peter Grimes“ die gnadenlose Hetzjagd auf einen Außenseiter und formte „Gloriana“ zu einer bildstarken und packenden Studie über die Auswirkungen der Macht.

Mit dem Versuch, Brittens „War Requiem“ für die Gelsenkirchener Oper in eine Bühnensprache zu übersetzen, geht Elisabeth Stöppler jetzt einen tollkühnen Schritt weiter. Fasziniert vom aufrüttelnden Antikriegs-Appell dieser Totenmesse, die Britten für die symbolträchtige Einweihung der wieder aufgebauten Kathedrale zu Coventry komponierte, versucht sie dem Werk eine Handlung abzulauschen und seine ohnehin eindringliche Botschaft weiter zu verstärken. Dabei greift sie die dialogische Anlage des Werks auf: So wie Britten den lateinischen Text der Messe mit Berichten des im 1. Weltkrieg gefallenen Frontsoldaten Wilfred Owen verschränkt, so spielen Szene und Videoprojektionen in ihrer Inszenierung ineinander. Die Gesangssolisten verkörpern Einzelschicksale, die Chöre eine anonyme Masse.

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