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Monatsarchive: März 2006
Die Minute, da wir explodierten – Ein Fußball-Länderspiel zwischen religiöser Erwartung, Königsdrama und Farce
Von Bernd Berke
Dortmund. Die Kollegen der Sportredaktion haben ihre Teil getan, nun darf auch noch das Feuilleton ‚ran. Denn natürlich ist ein Fußball-Länderspiel, wie jetzt Deutschland – USA in Dortmund, letztlich auch ein geballtes Kulturereignis. Bei der WM werden wir’s sogar multi-kulturell erleben.
Man denke nur ans ganze Drumherum, an die vielen Rituale: vom eher pflichtschuldigen Absingen der Nationalhymnen bis zur permanenten chorischen Begleitung durch die Fans; von der mitunter opernhaften Arena-Situation (mit Vorläufern wie dem griechischen Amphitheater oder dem römischen Colosseum) bis hin zur sprachlichen Bewältigung des Geschehens durch Spieler, Trainer und Journalisten.
Sodann die Spielchen mit den historisch überkommenen National-Klischees („Die Amis“, „Die Urus“ usw.), stets frisch aktualisiert durch die Typengalerie der jetzigen Mannschaften.
Überdies wabert ein ständiges Krisengerede, welches Theater und Literatur seit Hunderten von Jahren begleitet – warum also nicht auch den vergleichsweise blutjungen Fußball?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kultur an sich, Leibesübungen, Oper & Ballett, Sprache, Theater
Verschlagwortet mit Beckenbauer, Deutschland - USA, Dortmund, Drama, Fußball-WM 2006, Johannes B. Lerner, Klinsmann, Oliver Kahn, Theater, Vorfeld, ZDF
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O abgetropfter Ball, o rundes Leder! – Ludwig Harigs Fußballsonette im Vorfeld der WM
Von Bernd Berke
Die bevorstehende FußballWM beflügelt nicht nur Sport-Kommentatoren und zig Millionen Bundestrainer, sondern auch viele Schriftsteiler. In diesem Frühjahr sind zahllose Bücher mit literarischem Kick auf dem Markt. Sehr edel gibt sichLudwig Harigs schmale Gedichtsammlung „Die Wahrheit ist auf dem Platz“.
Der Umschlag ist nicht nur satt grün wie gut gepflegter Rasen, sondern trägt auch die weißen Linien-Markierungen eines Spielfeldes. Noch dazu fühlt sich der aufwändig hergestellte Band wie Samt und Seide an. Da macht schon das Anfassen Freude.
Und der Inhalt? Mythen und Schicksale zuhauf. Harig lässt große Turniere und Spiele der letzten Jahrzehnte in einer wahrhaft erhabenen lyrischen Form aufleben: Er bedient sich des Sonetts – wie beispielsweise einst Shakespeare oder Rilke. Die klassische Strophen-Aufstellung folgt zeilenweise dem 4-4-3-3 System.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Leibesübungen, Literatur
Verschlagwortet mit Die Wahrheit ist auf dem Platz, Fußball, Fußball-WM 2006, Fußballsonette, Ludwig Harig, Sonette
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Der Drang zum Mittelpunkt der Welt – Kölner Museum Ludwig lässt den Mythos Dalí wieder aufleben
Von Bernd Berke
Köln. Nicht nur als Künstler, sondern auch mit Behauptungen war Salvador Dalí ziemlich verwegen. So hat er den Bahnhof im südfranzösischen Provinzort Perpignan zum „Mittelpunkt der Welt“ erklärt. Wie kam er zu der tollkühnen These?
Nun, vor allem, weil einst (in den späten 1940er Jahren) seine eigenen Gemälde hier verladen werden mussten, um etwa nach Paris und in die USA zu gelangen. Überdies recherchierte der dem produktiven Wahn zugeneigte Spanier. dass in der Antike Hannibal hier gewesen sein musste (nicht am Bahnhof, wohlgemerkt, aber in der Nähe des späteren Perpignan). Und die afrikanische Erdplatte stoße just in dieser Weltkante auf die europäische. Wenn das keine Gründe sind!
„Der Bahnhof von Perpignan“ als Kristallisationspunkt
Jetzt kreist eine ganze Ausstellung im Kölner Museum Ludwig um Dalís monumentales Werk „La Gare de Perpignan“ („Der Bahnhof von Perpignan“, 1965).… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Bahnhof von Perpignan, Gala, Köln, Museum Ludwig, Salvador Dalí
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Auch Bochum will ein Konzerthaus bauen – Finanzielle Vorbehalte / „Konkurrenz“ reagiert gelassen
Von Bernd Berke
Bochum. Auch Bochum möchte ein Konzerthaus bauen – für 21,4 Mio. Euro. Dies hat gestern der städtische Kulturausschuss im Grundsatz bekräftigt.
Allerdings wurde auf die im November 2006 anstehenden Haushaltsberatungen verwiesen. Falls das Projekt dann bejaht wird: Würde eine neue Konkurrenz für die Philharmonien in Dortmund und Essen drohen?
Die WR fragte nach und vernahm betont gelassene Stimmen. Dortmunds Konzerthaus-Chef Benedikt Stampa findet den Vorgang undramatisch und sagt sogar: „Das wäre eine Supersache. Die Bochumer Symphoniker hätten es verdient.“
Bisher muss das Orchester (Leitung: Steven Sloane) zwischen diversen Bochumer Spielstätten „tingeln“. Mit dem Neubau neben der Jahrhunderthalle bekäme es endlich eine feste Bleibe. Das Bochumer Haus mit rund 1100 Plätzen (Dortmund: fast 1600, Essen: 1800) würde zudem in einer anderen Liga spielen, meint Stampa: „Da dürfte es keine großen Publikums-Bewegungen geben.“… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Architektur & Städtebau, Musik & Konzert, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Benedikt Stama, Bochum, Bochumer Symphoniker, Etat, Finanzen, Franz Xaver Ohnesorg, Hans-Georg Küppers, Jörg Stüdemann, Konzerthaus, Oliver Scheytt, Steven Sloane
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Deutsche Sprache ist der Superstar – In der Kölnarena absolvierten fast 15000 Menschen unterhaltsame Deutschstunden
Von Bernd Berke
Köln. Welch ein Fez und fröhlicher Lärm! So lässt sich Unterricht ertragen. Zur „größten Deutschstunde der Welt“ sind fast 15 000 Menschen in die Kölnarena gekommen, und zwar vorwiegend Schüler.
Das Lesefestival Lit.Cologne zählt seine Besucherscharen eh schon nach Zigtausenden. Doch diese Veranstaltung ist die Krönung, höchstwahrscheinlich reif furs Guinness-Buch der Rekorde. Der Aufnahmeantrag, versehen mit Beweisfotos und Teilnehmerlisten, hat beste Chancen. Chipstüten kreisen durch die Sitzreihen, stets klingeln irgendwo etliche Handys und „geschwatzt“ wird sowieso. Egal. Es stört niemanden, denn diese gigantische, rund 150 Minuten lange Deutschstunde ist ja eine flotte Show.
Moderator Thomas Bug (Ex-Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“) mimt den strengen Oberlehrer, was natürlich neckisch gemeint ist. Denn diese Unterweisung soll vor allem Spaß machen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Schule, Uni, Bildung, Sprache
Verschlagwortet mit 15 000 Zuschauer, Bastian Sick, Bettina Böttinger, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Deutschstunde, Frank Plasberg, Frank Rost, Kölnarena, lit.COLOGNE, Thomas Bug, Zwiebelfisch
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Ganz tief im Herzen der Angst – Grandiose Werkschau der 94-jährigen Louise Bourgeois in Bielefeld
Von Bernd Berke
Bielefeld. Hier brüllt die Angst, hier nagen Schuldgefühle, und es erhitzen sich die Aggressionen. Wie wohl keine Ändere, lässt die mittlerweile 94-jährige Louise Bourgeois den ganzen Seelenschmerz in ihr Werk einfließen. Ihre neue Bielefelder Werkschau ist erschütternd und aufwühlend. Das Repertoire reicht bis in kannibalische Phantasien hinein.
Kaum zu fassen: Die große (nein: größte!) alte Dame der Kunst hat die ungeheure Intensität ihrer Skulpturen und Installationen in den letzten Jahren noch einmal steigern können. „La famille“ (Die Familie) heißt die Bielefelder Ausstellung, die neben Objekten auch Zeichnungen und rare Gemälde umfasst. Die Schau dringt sozusagen zum heißen Kern des Lebenswerks vor. Denn immer wieder hat Louise Bourgeois ihr Leiden an unentrinnbaren familiären Bindungen dargestellt. Stets fürchtete sie zu versagen – als Tochter, Ehefrau, Mutter und Künstlerin.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Familie, Frauen & Männer, Kunst & Museen, Lebenswege, Psychologie & Seelenleben
Verschlagwortet mit Kunsthalle Bielefeld, Louise Bourgeois
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Die Vorfahren reden mit eindringlichen Stimmen – Arno Geiger stellte seinen Roman „Es geht uns gut“ in Dortmund vor
Von Bernd Berke
Dortmund. Eigentlich wollte Arno Geiger (37) einen Anti-FamiIienroman schreiben. Doch quasi hinterrücks ist ein Familienroman daraus geworden, allerdings ein ganz besonderer. Und der heißt auch noch verheißungsvoll „Es geht uns gut“.
Der gebürtige Bregenzer hat dafür 2005 den erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis erhalten. Die Auflage steuert nun auf fabelhafte 250 000 zu, in Österreich verwies der Roman sogar „Harry Potter“ auf Platz zwei. Ein wahrhaftiger Bestseller-Autor also, der sein Erfolgsbuch jetzt im Dortmunder Harenberg City-Center vorstellte. Abermals war’s ein literarisches Ereignis der Reihe „Kultur im Tortenstück“, die von der WR mitgetragen wird.
Beim Lesen wiegt sich Geiger innig im Text, er schmiegt sich mit dem Oberkörper in die Satzmelodien hinein. Worum geht’s? Der junge Antiheld Philipp erbt das Haus seiner Großmutter und „entsorgt“ nach und nach sämtliche Erinnerungstücke.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Arno Geiger, Dortmund, Es geht uns gut
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Die Liebe zur alten Maschinenhalle: Marie Zimmermann stellt sich als künftige Intendantin der RuhrTriennale vor
Von Bernd Berke
Düsseldorf. So etwas fällt heutzutage richtig auf: Marie Zimmermann (50), die künftige Chefin des Kulturfestivals RuhrTriennale, ist passionierte Kettenraucherin. Als sie sich gestern in Düsseldorf der Presse vorstellte, zündete sie sich etliche Glimmstengel an.Viel Rauch um nichts?
Im Gegenteil: Man ahnt, dass sie einiges bewegen könnte im Revier. Sie kommt nicht mit fertigen Weltbildern oder dröhnenden Gewissheiten daher, sondern entwickelt neue Einsichten offenbar im behutsamen Dialog. Überdies scheint sie eine gute Zuhörerin zu sein und (gesellschaftspolitisch akzentuiert) über die Grenzen der Kulturszene weit hinaus zu denken. Weitere Basis-Qualifikation für die Region: Auch mit Fußball kennt sie sich aus. Na, bitte.
Von Wien ins Revier
Sie steht vor einer großen Herausforderung: Von 2008 bis ins erhoffte Kulturhauptstadt-Jahr 2010 soll sie die Geschicke der Triennale leiten.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Festivals, Musik & Konzert, Oper & Ballett, Region Ruhr, Theater
Verschlagwortet mit Intendantin, Marie Zimmermann, RuhrTriennale, Vorstellug
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