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Monatsarchive: Oktober 2009
Wie geil is d a s denn, Alder?
Wie muss man es sich wohl erklären, dass auf einmal neue Redewendungen auftauchen, zeitweise grassieren und dann mehr oder weniger rasch vergehen, um auf ewig im Orkus der Wörter zu modern – oder um vielleicht eines Tages neu belebt zu werden?
Beileibe nicht alles, was im sprachlichen Organismus entsteht, ist schätzenswert. Manche Formulierung geht einem sehr schnell gründlich auf die Nerven und müsste Zahlungen in die Floskelkasse zur Folge haben. Das Gegenmittel „Ohren auf Durchzug“ hilft nicht immer.
Woher kommt es beispielsweise, dass man irgendwann nicht mehr „Alter“, sondern „Alder“ gesagt und geschrieben hat? Hat ein Film oder ein Musiktitel diese Ausdrucksweise geprägt? Oder irgendein flachsinniger Brachialkomiker im Fernsehen? Wer weiß Näheres?
Inzwischen meiern sich schon Siebenjährige so an: „Ey, Alder…“ Beknackt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Sprache
Verschlagwortet mit Jugendsprache, Mode, Sprache
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Visionen von der Schattenseite
Neulich via DVD wieder auf Michelangelo Antonionis Kinoklassiker „Blow Up“ von 1966 gestoßen. Mal reinschauen, dachte ich mir. Mal sehen, was man davon noch weiß. Und was er einem heute noch gibt.
Frei heraus: Man kann ihn beinahe anschauen wie eine Neuerscheinung. Dieser staunenswerte Film hat immer noch und wohl für einige weitere Zeit Bestand. Haltbar bis 2100. Oder so ähnlich. Er ist visionär, klar- und weitsichtig, vollgesogen mit dem Zeitgeist von 1966, mit Essenzen jener Jahre – und doch wird das alles bereits mit distanziertem Blick geprüft. Nacht- und Schattenseiten von Swinging London und der damaligen Pop-Kultur funkeln geradezu gefährlich. Bleiche Gespenster mit erschreckend leeren Gesichtern sind da unterwegs. Und das Ende aller Harmlosigkeiten ist gekommen. Etwas Tödliches ist an die Stelle von Carnaby Street, Twiggy und den frühen Beatles gerückt.… Weiterlesen
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Flimmern und flirren
Gepriesen sei ein solches Tauschgeschäft auf Vertrauensbasis: Wuppertals Von der Heydt-Museum zeigt eine Auswahl seines expressionistischen Besitzes im Pariser Musée Marmottan Monet – und hat im Gegenzug leihweise rund 30 Spitzenwerke Claude Monets erhalten. Hinzu kommen passende Ergänzungen aus etlichen anderen Häusern. Grandioser Effekt: Jetzt können in Wuppertal herausragende Beispiele aus allen wesentlichen Werkphasen des berühmten Impressionisten präsentiert werden.
Mit dem Wort „Sensation“ sollte man allzeit vorsichtig umgehen. Doch hier dürfte es angebracht sein. Denn einen vergleichbaren Gesamtüberblick zu Monet hat es – kaum glaublich – in Deutschland noch nicht gegeben.
Gewiss: Das Weltkunstwerk „Impression – soleil levant“ (Impression – Sonnenaufgang) zählt n i c h t zu den Leihgaben. Eine entsprechende Anfrage verstieße gegen alle internationalen Gepflogenheiten unter Museumsleuten. Sie wäre nahezu ein unfreundlicher Akt und hätte vermutlich den sofortigen Abbruch aller weiteren Gespräche zur Folge.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Claude Monet, Wuppertal
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Max Goldt: Zimbo, Zimbo und nochmals Zimbo
Skandal ! Betrug ! Ich habe „Ein Buch namens Zimbo“ gelesen – und nirgendwo auch nur die leiseste Äußerung darüber gefunden, was es mit diesem „Zimbo“ denn auf sich hat. Oder sollte ich ausgerechnet jene zwei bis drei Zeilen auf Seite xyz übersprungen haben, in denen mir Auskunft zuteil geworden wäre? Wohl kaum. Es wäre fahrlässig, in diesem kanari-knallgelben Buch überhaupt etwas auszulassen.
Ist aber auch schnurzegal. Denn es handelt sich ja um ein Werk von Max Goldt, der die Leser schon mal ganz gern nett nasführt. Doch im Grunde treibt er beileibe nicht nur Schabernack, sondern gibt vielfach ein vernünftiges Maß der tagtäglichen Dinge. Man unterschätze das nicht in einer Zeit, in der so vieles verrutscht ist. Wir könnten einen neu geeichten „common sense“ allemal gebrauchen.… Weiterlesen
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Wo man endgültig stirbt
Ein Mann in den frühen Sechzigern kommt morgens in sein Arbeitszimmer. Am Schreibtisch sitzt seine Ehefrau. Er schöpft zuerst keinen Verdacht. Sie scheint in Lektüre versunken zu sein. Wahrscheinlich korrigiert sie wieder einen seiner Aufsätze – wie schon so oft seit so vielen Jahren.
Doch sie ist tot.
Sie hat ein letztes Schriftstück hinterlassen, korrigierende Anmerkungen offenbar, die sich freilich nach und nach als grundsätzlich gegen ihren Mann gerichtete Suada erweisen. Am Schluss dieser Ausführungen, aus denen fortan ausgiebig zitiert wird, verläuft ihre Handschrift zunehmend fahrig, schließlich taumelt sie ins Nichts.
Nach und nach scheint uns der Autor Matthias Politycki (wohl bekanntestes Werk: „Weiberroman“) nun die Anatomie der ehelichen Beziehung nachzureichen. Aber seine „Jenseitsnovelle“, der Titel deutet es schon an, soll nicht nur von dieser Welt sein.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Jenseitsnovelle, Matthias Politycki
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Musiker-Anekdoten: Mi-mi-mi-mausetot
Man denke nur: Auch den großen Musikern entfährt schon mal ein Fluch – oder es unterläuft ihnen sogar ein falsches Tönlein. Und die Tücke des Objekts (Instrument, Aufnahmetechnik) kommt immer mal wieder der hehren Kunstanstrengung in die Quere. Teufel auch!
Ein neues (das abertausendste?) Buch mit „Musiker-Anekdoten“ strotzt nur so vor lauter lauen „Ach was!“-Effekten, verabreicht unter heftigem „Augenzwinkern“. Es zeugt damit offenbar vom allgemeinen Übelstand der vermeintlich humorigen Gattung: Solche Anekdoten sind nicht nur überwiegend fade, sie sind tot. Mausetot. Röchelnd und rasselnd atmen sie den Geist einer Zeit, als Sänger noch unentwegt „Mi-mi-mi“ machten und als sich überhaupt Musikant wie Musikus klischeegerecht zu verhalten hatten.
Mal ein beliebiges Beispiel:
„Karl Böhm kam 1980 nach einem Liederabend, den Dietrich Fischer-Dieskau in der New Yorker Carnegie Hall gegeben hatte, in die Garderobe des Sängers und sagte: „Darf man denn so schön singen?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Musik & Konzert
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