Tagesarchive: 20. Oktober 2011

Nachruf, lass nach!

Kürzlich bin ich wieder einmal in Versuchung geraten…

In die Versuchung, einen Nachruf zu schreiben. Der Verstorbene aus der Film- und Theaterwelt ist wahrlich bedeutsam genug gewesen und hat einem große Momente gegeben. In solchen Fällen ist es beinahe, als wäre ein Freund oder Familienmitglied gegangen.

Doch dann habe ich mich bezähmt. Im Gegensatz zu früheren Jahren bin ich nicht mehr gehalten, solche Beiträge ad hoc zu liefern. Ja, ich kann es sogar ganz bleiben lassen. Oh, schöne Freiheit! Oh, Segen des Verzichts! Außerdem muss man doch oft einsehen, dass es Berufenere gibt, die den posthum zu Rühmenden zeitlebens publizistisch begleitet haben. Fünfzehntes Gebot, leider selten in Stein gemeißelt: Du sollst nicht unberufen nachrufen.

Vor allem die überregionalen Zeitungen können in der Regel für alle Kultursparten und deren Verzweigungen auf kundige Spezialisten zurückgreifen, die sich Zeit nehmen, „auf Vorrat“ zu schreiben. Die Nachrufe entstehen also lange vor dem Tod der betreffenden Kulturgrößen. Makaber genug, doch ist das Verfahren geeignet, die Textqualität merklich zu steigern.
Nun gut. Auch dabei kommen nicht immer strahlende Artikel heraus. Aber die Chancen auf achtbare Beiträge stehen eindeutig besser.

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