Tagesarchive: 30. Oktober 2011

Die Kunden-Universität

Die Hochschulen sind voll? Gut so! Im Jahr 12 nach Bologna darf sich der Studierende als Kunde im akademischen Betrieb fühlen. Der tut alles dafür, der Zielgruppe seine Dienstleistung möglichst schmackhaft zu machen. Studieren im Jahr 2011 – eine Collage.

Montag, 10 Uhr. Ursula Gather, Rektorin der Technischen Universität Dortmund, hat ihr professionelles Lachen aufgesetzt. „Gemeinsam sind wir stark“ steht auf dem schwarz-gelben Schal, den sie für die Kamera in die Höhe hält. Auch wenn sie inmitten von Studierenden sitzt: Die Tribüne des örtlichen Fußball-Bundesligisten ist nicht gerade vertrautes Terrain für die Statistik-Professorin.

Kay Voges’ Lachen ist gequält. Auch der Chef des Dortmunder Schauspiels reckt einen Schal in der Höhe, „Schal-la-la-la“ steht darauf. Klick – der  Fotograf der örtlichen Presse hat sein Bild im Kasten, Gather und Voges lassen den Schal wieder sinken.

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Spielarten des Rock beim Dortmunder Westend-Festival

Crashkurs durch die Spielarten des Rock gefällig? Das Musikmagazin Visions hat die selbst gestellte Aufgabe beim Westend-Festival am Freitag und Samstag im FZW im jeweils flotten Dreiklang gelöst – mit so unterschiedlichen Künstlern wie Thees Uhlmann, Therapy? und Maximo Park. Da konnten selbst die Toten Hosen nicht Nein sagen.

Thees Uhlmann im FZW Dortmund. Foto: Normen Ruhrus

Thees Uhlmann im FZW Dortmund. Foto: Normen Ruhrus

„Ich weigere mich, die Regel zu akzeptieren, dass es eine Korrespondenz gibt zwischen Rock’n’Roll und älter werden.“ Thees Uhlmann, Jahrgang 1974, liefert am Freitag im FZW den passenden Auftritt zu seinen Worten: Triefend vor Schweiß, die schwarze Lederjacke längst in die Ecke gepfeffert, stürzt er sich mit unverminderter Energie als selbsternannter „ältester Newcomer Europas“ in jedes Lied seines ersten Soloalbums, sei es die Erfolgssingle „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ oder „17 Worte“. Wer beim Hören der CD vielleicht noch skeptisch war, wird live mitgerissen von dem eingängigen, poppigen Sound und den ohrwurmfreundlichen Melodien. Die müssen auch die Toten Hosen überzeugt haben: Die Düsseldorfer Punkrocker mischen sich munter unter das Publikum.

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Der Kitsch, der auf den Gräbern liegt…

Jetzt geht es allerorten auf die Friedhöfe. Gräber pflegen, Lampions aufstellen, Gestecke ablegen – was im Gemeingebrauch so dazu gehört.

Bei solchen Gelegenheiten wirft man auch schon mal einen Blick auf fremde Grabstellen, und da scheint mir in letzter Zeit eine bedenkliche Entwicklung einzusetzen: Engelchen aus Porzellan, das geht ja vielleicht noch, aber steinerne Bärchen, bunte Puppen, modellierte Alltagsgegenstände, sogar Batterie betriebene Blinklichter, alles mögliche liegt heutzutage auf Gräbern herum. Mein Fall wäre so etwas nicht, aber wenn man erst mal tot ist, dann sieht man ja nichts mehr von derlei Kitsch.

Weitgehend kitschfreie Impression vom Dortmunder Ostfriedhof (Foto: Bernd Berke)

Weitgehend kitschfreie Impression vom Dortmunder Ostfriedhof (Foto: Bernd Berke)

Zu aktiven Berufszeiten bin ich als Journalist in vielen Privatwohnungen gewesen, und daher weiß ich, dass derartige Dekorationen für viele Menschen normal zu sein scheinen. Sie setzen nun also ihre Wohnzimmereinrichtung auf dem Friedhof fort. Vielleicht einen neue Form der volkstümlichen Trauer. Nun warte ich nur noch auf den Tag, an dem das erste Smartphone aus Porzellan neben dem Grabkreuz liegt. Oder ein echter Laptop. Das wär’s doch.

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