Tagesarchive: 17. Oktober 2011

Promis imponieren uns gar nicht

Letzten Samstag habe ich wahrhaftig einen fernsehprominenten Schauspieler im Dortmunder Westfalenpark gesehen. Er war offenbar zu Besuch bei Freunden, mit denen er auch auf den Kinderspielplatz ging.

„Na und?“ rufen sie jetzt unisono in Berlinhamburgmünchenköln und wenden sich wieder stärkeren Reizen zu.

In Dortmund, erst recht in weiten Teilen des sonstigen Ruhrgebiets, sind Promis im Stadtbild tatsächlich immer noch etwas Seltenes. Das wird sich auch mit dem neuen Dortmunder Status als „Tatort“-Stadt nur unwesentlich ändern.

Doch was soll’s. Man schert sich um bekannten Leute ohnehin nicht sonderlich. Von Glamour lassen sich hier eh die wenigsten blenden. Es gibt es genügend andere Sorgen (und Freuden).

Einst sah ich den Schriftsteller Walter Kempowski trübsinnig über den Ostenhellweg schleichen – offenbar unerkannt wie nur je einer. Das war ihm ersichtlich nicht recht. Vielleicht hat er gar erwogen, die abendliche Lesung abzusagen.

Fast schon legendär ist der Dortmunder Journalistenkollege, der just Kempowski beim Interviewtermin mit „Guten Tag, Herr Kempinski“ angesprochen hat. Ums Haar wäre das Gespräch geplatzt, hätte man nicht sehr begütigend auf den Meister eingeredet.

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Ist die Finanzwelt etwa kulturlos?

Sie wird gern beschworen, die Gesprächskultur. Sie wird gern zitiert, die Unternehmenskultur. In vieler Munde ist sie, die Esskultur, oder auch die Tischkultur, beim Kochen spricht man häufig sogar von Kochkunst. Wir hätten auch noch die Diskussionskultur, Streitkultur oder sogar dann und wann Aussagen über Formen der politischen Kultur.
Auffällig indes ist, das mit keinem zusammengesetzten Wort eine Bankenkultur oder Finanzweltkultur erwähnt wird, und zwar nirgendwo. Offenbar handeln dort kulturlose Wesen.

Gänzlich abwegig finde ich meine Vermutung nicht. Ein Merkmal von Kulturen ist es doch, dass sie Werte erschaffen. Aus einem Grundstoff (Stein, Lehm, Farbe, oder, oder …) etwas Neues bilden, ja selbst der gute alte Kapitalismus, er sollte, und tat das, wenn auch unter gewissem Druck, er schuf Neues aus manchem und wandelte das am Ende in Mehrwert um, dass viel Geld daraus gewonnen werden konnte, mit dem entsprechenden Außendruck sogar dann und wann zum Wohle des Menschen.

Und was unternehmen heutzutage Banken, Banker oder Broker allermeistens? Sie unternehmen es, aus etwas vorgegeben, Geld nämlich, dasselbe zu erschaffen, nur mehr, viel mehr.

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