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Monatsarchive: April 2026
Keine Nachrufe mehr – und warum nicht?
Jürgen Habermas. Alexander Kluge. Mario Adorf. Welche immensen Verluste waren in letzter Zeit fürs Kultur- und Geistesleben in diesem Land zu beklagen! Immerhin hatten alle drei ein langes und erfülltes Leben. Doch waren an dieser Stelle keine Nachrufe zu lesen. Warum nicht?
Nun, ehedem, als man noch bei der Zeitung gearbeitet hat, versetzten einen solche Nachrichten in gelinde Panik. Würde man vor Redaktionsschluss noch eine halbwegs passable Würdigung zustande bringen? Und wenn man’s nicht selbst anpacken konnte oder wollte: Welche Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter standen bereit und waren kurzfristig erreichbar? Von Fragen der Illustration ganz abgesehen.
Die Kulturseite war fast fertig, als Karajans Tod bekannt wurde
Mein hektischstes Erlebnis war in dieser Hinsicht ein … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Lebenswege, Medien
Verschlagwortet mit Alexander Kluge, Jürgen Habermas, keine Nachrufe, Mario Adorf, Nachrufe
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Die Mechanikerin und das Räderwerk des Fluchs: „Elektra“ von Richard Strauss an der Rheinoper Düsseldorf

Ingela Brimberg als Elektra. Foto: Sandra Then
„Elektra“ hat für die Deutsche Oper am Rhein eine besondere Bedeutung: Dem abgründigen Werk galt die erste Premiere zur Eröffnung des neuen Opernhauses 1956. Die letzte Inszenierung 2012 stammte von Christof Nel. Nun hat sich der vor allem im Schauspiel bekannt gewordene Stephan Kimmig der Rachetragödie angenommen.
Das Beil! Bei Zeus, hat sie doch das Beil vergessen! Doch der Schreck Elektras ist unbegründet: Ihr Bruder Orest hat sich das Werkzeug selbst geschnappt, um seine mörderische Mutter abzumurksen. Elektras rachegefühlverursachter Demenzmoment ist zum Schmunzeln: Hatte sie doch das Beil erst kurz vorher aus einem Kofferraum geholt und an das Mäuerchen der Blumeninsel im Zentrum der Bühne gelehnt.
Ja, richtig, aus dem Kofferraum! In der … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Oper & Ballett
Verschlagwortet mit Aliaksei Liubezny, Charlotte Langner, Cornel Frey, Deutsche Oper am Rhein, Düsseldorf, Elektra, Ingela Brimberg, Katja Haß, Liane Aleksanyan, Linda Watson, Lisa Reutelsterz, Mara Guseynova, Richard Strauss, Richard Sveda, Romana Noack, Stephan Kimmig, Thorsten Grümbel, Vitali Alekseenok
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„Krimi um Timmy“ – wie „Bild“ den Überlebenskampf des Ostsee-Wals ausschlachtet

Natürlich nicht der bedauernswerte Ostsee-Wal, sondern ein gesunder Buckelwal mit Kalb im natürlichen Habitat – im November 2024 fotografiert vor der Insel Moorea (Französ. Polynesien). Wikimedia Commons / © Charles J. Sharp – sharpphotography.co.uk / Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en
„Bild“ glaubte ja schon immer, ein Gespür für die Seelenlage und die „Stimme des Volkes“ zu haben, so auch jetzt beim selbst atemlos angestachelten Drama um den in der Ostsee gestrandeten Wal, den sie „Timmy“ nennen. Inzwischen dauert die Sache vor der Insel Poel schon 22 Tage – und die Boulevard-Journaille lässt einfach nicht locker. Sie beschert der Kundschaft (mitunter im Minutentakt) ein andauerndes Wechselbad zwischen Bangen und Hoffen.
Unterdessen hat das mediale Dauerfeuer bewirkt, dass sich um den Todeskampf des … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Medien, Wahnwitz
Verschlagwortet mit Bild, Bild-Zeitung, Buckelwal, Ostsee, Timmy, Überlebenskampf, Wal
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Meistens leise und lakonisch – Cartoons von Hauck & Bauer
Zweierteams im Comic- und Cartoon-Bereich sind ein spezielles Phänomen. Man fragt sich, wie genau beim Zusammenwirken eins ins andere greift, ob es nun z. B. um die Asterix-Erfinder Uderzo und Goscinny geht oder um die wechselnden Kooperationen und Gruppenarbeiten der unsterblichen „Neuen Frankfurter Schule“ (Gernhardt, Waechter, Bernstein).
Gegenwärtig bilden etwa Katz & Goldt oder Hauck & Bauer großartige Duette. Letztere (beide Protagonisten sind vom Jahrgang 1978) legen jetzt einen neuen Sammelband vor. Streckenweise kommt man aus dem Lachen, Kichern, Schmunzeln oder Feixen gar nicht mehr heraus. Die Pointen kommen keineswegs polternd und krachend, sondern gleichsam auf leisen Pfoten daher. Ich gestehe freimütig, dass ich Hauck & Bauer – vielleicht auch wegen solcher Zurückhaltung – lange etwas unterschätzt habe. Doch diese … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Comics & Cartoons, Scherz, Satire, Ironie
Verschlagwortet mit Cartoons, Dafür haben sie Geld, Hauck & Bauer, Kunstmann Verlag, Taschenbuch
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Ein „offener Fall“: Judith Hermanns schwierige Spurensuche nach dem SS-Großvater
Vom Großvater gibt es diese furchtbare, zugleich banale Fotografie, auf der er 1941 mannesstolz mit einem SS-Motorrad in Polen posiert. Was, so fragt sich die bestürzte Autorin, gibt so einer wie ihr Großvater an seine Nachkommenschaft weiter? Was hat er getan? Und was kann man eigentlich über ihn erfahren?
Die Autorin ist Judith Hermann. Sie legt einen autobiographisch grundierten Text vor: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ist keiner Gattung zuzurechnen. „Zurückgehen“, um so etwas wie die den Anschein von Wahrheit zu finden. Aber wie schwer, wenn nicht unmöglich ist das! Vor allem davon zeugt das Buch. Anders gesagt: Es erschöpft sich darin. Buchstäblich. Es zehrt an der, die sich auf die Suche begibt. Und sie kann mögliche Antworten nur … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Krieg & Frieden, Lebenswege, Literatur, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit deutsche Schuld, Großvater, Ich möchte zurückgehen in der Zeit, Italien, Judith Hermann, Neapel, Polen, Radom, SS, Zweiter Weltkrieg
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Faszination des meisterlichen Gesangs: Countertenor Franco Fagioli in der Philharmonie Essen

Der Countertenor Franco Fagioli war in der Essener Philharmonie zu Gast. Foto: Igor Studio/DG
Kaum jemand kennt sie noch, aber in den zwei Jahrzehnten zwischen Mozarts Verlöschen und dem Aufgehen von Rossinis Stern bestimmten sie das Opernleben und versetzten halb Europa in Verzückung: Carlo Coccia, Giovanni Simone Mayr, Giuseppe Nicolini, Ferdinando Paër und Niccoló Zingarelli in Italien, Luigi Cherubini und Étienne-Nicolas Mehul in Paris, Joseph Weigl in Wien.
Einer der weltweit gefragtesten Countertenöre, Franco Fagioli, hat sich einiger dieser Komponisten angenommen – und zwar solcher, die für den letzten großen Kastraten-Opernsänger Giovanni Battista Velluti geschrieben haben. In der Philharmonie Essen gastierte er zusammen mit dem Orchestre de l’Opera Royal de Versailles unter Stefan Plewniak. Der Abend basiert auf Fagiolis Hommage … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Musik & Konzert
Verschlagwortet mit Essen Philharmonie, Franco Fagioli, Gioachino Rossini, Giuseppe Nicolini, Niccolo Zingarelli, Orchestre Opera Royal Versailles, Paolo Bonfichi, Pierre Rode, Stefan Plewniak
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