Ein fairer Sportsmann durch und durch – zum Tod von Uwe Seeler

Uwe Seeler am 23. Mai 1968 im Endspiel des Europacups der Pokalsieger: AC Mailand – Hamburger SV 2:0. (Wikimedia / Public Domain. Ron Kroon / Anefo, Nationaal Archief – Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en)

Für Menschen meiner Alterskohorte gibt es ein paar wenige Gestalten, die eigentlich „immer da waren“ und ohne die man sich das Dasein auf diesem Erdkreis gar nicht vorstellen mag. Bob Dylan und Paul McCartney gehören beispielsweise für viele von uns dazu. Oder auch die Queen. Und auf wiederum anderem Felde: Uwe Seeler. Umso trauriger ist diese Nachricht: „Uns Uwe“ ist heute mit 85 Jahren gestorben.

Der Mann hat seinem Hamburger SV immer und immer die Treue gehalten – geradezu ein Ausbund an Verlässlichkeit, noch so fern von heutiger Wechselwut und Geldgier in der Branche. 1961 schlug er ein Millionen-Angebot von Inter Mailand aus. Seither ist er den Fans im ganzen Land noch mehr ans Herz gewachsen. Müßig zu sagen, dass er auch im Privatleben eine treue Seele war.

Und dann all diese unvergesslichen Szenen: Wie er damals mit hängenden Schultern nach der WM-Finalniederlage 1966 gegen England vom Platz ging; wie er in der Revanche, dem WM-Spiel 1970 gegen England, den sensationellen Hinterkopf-Treffer erzielt hat. Und so weiter…

Auch in Dortmund kamen wir ballversessenen Jungs an einem Vorbild wie ihm nicht vorbei. Sicher, wir bewunderten BVB-Heroen wie Sigi Held und Lothar Emmerich. Doch mindestens auf gleichen Höhen rangierte damals in unserer Vorstellung Uwe Seeler. Er war der Inbegriff des Torschützen, dem Kinder in ganz Deutschland nacheiferten. Wenn einem ein besonders sehenswerter Treffer gelang, hieß es auch im Ruhrgebiet schon mal: „Fast wie Uwe Seela, ey!“

Uwe Seeler, der seine Laufbahn 1972 beendet hat, ist nie Weltmeister geworden und war doch wohl der populärste aller deutschen Fußballspieler. Er war spürbar bodenständig, ehrlich, bescheiden, hatte keine Allüren und schon gar keine Affären. Ein fairer Sportsmann durch und durch.

Ganz gleich, wie man es mit dem Hamburger SV hält – man konnte es jedenfalls nachfühlen, dass Uwe Seeler unter dem Abstieg des Vereins in die zweite Liga gelitten und sich einen Wiederaufstieg sehnlichst gewünscht hat. Wie schade, dass er das nicht mehr erleben durfte.

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das, z. B. Prosaband „Seitenblicke" (edition offenes feld, 2021), vereinzelt weitere Buchbeiträge, Arbeit für Zeitschriften, diverse Blogs und andere Online-Auftritte. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt.
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