Musikstreiflicht (1): Kerzenlos gute Musik

Vor kurzem wurde in der Essener Philharmonie das in der laufenden Spielzeit letzte Konzert der Reihe „Alte Musik bei Kerzenschein“ gegeben. Wer die noch weiter gehende Abo-Reihe 3 „Erlesene Ensembles“ gebucht hat, konnte wegen einmaliger, ausnahmsweiser Überschneidung beider Abo-Reihen dieses Konzert ebenfalls mitbekommen. So war das in meinem und meiner Frau Falle auch. Allerdings: Mich hätte das Konzert auch dann interessiert und mir hätte es auch dann mindestens so gut gefallen, wenn es bei anderer Beleuchtung stattgefunden hätte. Und ich gebe auch zu, dass mich der Reihentitel „Alte Musik bei Kerzenschein“ nicht besonders angezogen hat. Mir kommt es immer nur auf die Qualität der Musikdarbietung selber an. (Die übrigens überzeugend stark vorhanden war.) Und Atmosphäre hat die Essener Philharmonie auch so schon. Gewiss ist es aber so, dass so manchen anderen gerade diese wohlbedachte Koppelung von „alter Musik“ und „Kerzenschein“ besonders angezogen haben mag, ob nun anheimelnd oder pseudoromantisch oder pseudonostalgisch. Dennoch: Werbetrick hin oder her, was zählt, ist der Umstand, dass wieder einmal im Revier so gute Musik mit hinlänglichem Besucher…zustrom auf höchstem Niveau zu Gehör gebracht werden konnte.

Auch die halbstündige Einführung unmittelbar vor dem Konzert durch den Orchesterleiter Andrea Marcon – unter anregend instruktiver Zuhilfenahme des Orchesters – ist ganz besonders hervorzuheben. So viel Sachkunde und so hohem Übermittlungsgeschick begegnet man selten. Hauptsächlich Vivaldi, aber auch Tartini und Carl Philipp Emanuel Bach waren die Komponisten des Abends. Mehrfach – will sagen: in 3 Cellokonzerten und einem für 2 Celli, Streicher und Basso Continuo – durfte Gautier Capuçon als Solist glänzen, ohne dass man sagen dürfte oder müsste, dass die Solisten des Ensembles in irgendeiner Weise gegen ihn qualitativ abgefallen wären. Einmal, beim aufbrandenden Applaus unmittelbar nach dem Ende eines dieser Cellokonzerte konnte der Dirigent den Solisten gerade noch vor einem gefährlichen Sturz mitsamt dem Cello bewahren, als dieser nämlich im Halbdämmer des Kerzenscheins beim Verlassen des Podiums urplötzlich ins Straucheln geraten war. –

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