TV-Nostalgie (20): Peter Frankenfeld – ein Showmaster, der alle Tricks kannte

Um mal die alte Redensart zu verwenden: Kein deutscher Showmaster war mit mehr Wassern gewaschen als Peter Frankenfeld (1913-1979). Wenn man das Wort Vollprofi bebildern wollte, so könnte man bedenkenlos sein Foto nehmen.

Vor dem Krieg hatte er in Berliner Varietés das Unterhaltungshandwerk gelernt. Zeitweise war er beim Zirkus und zeigte Zauberkunststücke. Sogar in der Reklame war er tätig – als gewiefter Texter und Illustrator. Er kannte alle Tricks und wusste, wie man das Publikum fing.

Größter Erfolg “Vergißmeinnicht”

Der aus Berlin-Kreuzberg stammende Peter Frankenfeld wurde – neben Kulenkampff – zum erfolgreichsten TV-Entertainer der 60er Jahre. Legendär wurde vor allem seine ZDF-Spielshow „Vergißmeinnicht“ (1964-1970), mit der die Postleitzahlen populär gemacht werden sollten. Diese Sendung – u. a. mit dem Geldbriefträger Walter Spahrbier – gab auch dem 1963 begründeten Mainzer Sender einen kräftigen Anschub und erzielte Quoten bis zu 78 Prozent.

Festliche Eleganz: Peter Frankenfeld in "Musik ist Trumpf" (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=g2bsg9ecodQ)

Festliche Eleganz: Peter Frankenfeld in “Musik ist Trumpf” (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=g2bsg9ecodQ)

Der Perfektionist Peter Frankenfeld beherrschte die ganze Klaviatur – vom kleinen Sketch über den „Bunten Abend“, die Conférence und den Talentschuppen bis hin zur ganz großen Show. Und er bediente manche Geschmäcker zwischen Schenkelklopfer und Hintersinn. Der Humor der breiten Mehrheit war ihm ebenso geläufig wie vertracktere Spielarten, die er vor allem im Hörfunk erprobte („Peters Bastelstunde“).

In Live-Sendungen viel riskiert

Kein anderer Showmaster hat bei Live-Sendungen so viel riskiert wie Peter Frankenfeld. In den großen Hallen der Republik suchte er seine Kandidaten für Geschicklichkeitsspiele am liebsten ganz spontan aus – zeitweise mit Hilfe eines eines schwirrenden Propellers, der durch den Saal sauste. Da musste der Showmaster geschmeidig bleiben und oft genug improvisieren. Weit weniger riskant waren (Ehe)-Sketche, die Frankenfeld gemeinsam mit seiner Frau spielte, der einstigen Schlagersängerin Lonny Kellner.

Peter Frankenfeld mit seiner Frau Lonny Kellner (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=g2bsg9ecodQ)

Peter Frankenfeld mit seiner Frau Lonny Kellner (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=g2bsg9ecodQ)

Manche Kritiker haben ihm vorgeworfen, er bringe Kandidaten zuweilen in peinliche Situationen und liefere sie schadenfrohem Gelächter aus. Tatsächlich durften Menschen, die bei ihm auftraten, keine Mimosen sein und mussten schon mal über sich selbst lachen können. Mal großzügig gedacht: Könnte man gewisse Züge Frankenfelds nicht gar als Vorvorläuferschaft zu Gestalten wie Stefan Raab oder auch Harald Schmidt deuten?

Meister der Dialekte

Egal. Jede Dekade bevorzugt andere Typen. In den 70er Jahren entsprach Frankenfeld dem Zeitgeist nicht mehr so recht, einige Programmchefs wollten ihn nicht mehr einsetzen. Dennoch hatte er noch einen großen Erfolg: Es war die Wunschkonzert-Gala „Musik ist Trumpf“, die er bis 1978 präsentierte – mit großer Showtreppe und zahlreichen Stargästen der „leichten Muse“. Nach Frankenfelds Tod übernahm Harald Juhnke die Sendung bis 1981.

Immer wieder hat Peter Frankenfeld im Laufe seiner Karriere die verblüffende Fähigkeit bewiesen, die deutschen Dialekte kreuz und quer über die Landkarte perfekt nachzuahmen. So mancher Sketch und Gag bekam erst dadurch richtigen Pfiff.

Die berühmte grob karierte Jacke trug Frankenfeld im Fernsehen übrigens nur ein paar Jahre lang (bis 1961), dennoch wurde sie für immer zu seinem Markenzeichen. So macht sich die Öffentlichkeit ein (verzerrtes) Bild von den Prominenten.

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Vorherige Beiträge zur Reihe: “Tatort” mit “Schimanski” (1), “Monaco Franze” (2), “Einer wird gewinnen” (3), “Raumpatrouille” (4), “Liebling Kreuzberg” (5), “Der Kommissar” (6), “Beat Club” (7), “Mit Schirm, Charme und Melone” (8), “Bonanza” (9), “Fury” (10), Loriot (11), “Kir Royal” (12), “Stahlnetz” (13), “Kojak” (14), “Was bin ich?” (15), Dieter Hildebrandt (16), “Wünsch Dir was” (17), Ernst Huberty (18), Werner Höfers “Frühschoppen” (19)

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt. Und künftig erst recht.
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