TV-Nostalgie (21): Peter Falk als “Columbo” – der zerknitterte Polizist

„Zerknittert“ ist wohl das erste Wort, das einem einfällt, wenn man an ihn denkt: Peter Falk als Inspektor „Columbo“ taperte meist in einem knittrigen beigen Trenchcoat herum, sein verknautschtes Gesicht passte dazu. Columbo wirkte oft übernächtigt und zerstreut, er ging seltsam gebeugt, hatte wirres Haar und war meist unrasiert. Was für ein Typ!

Die Täter, die man als Zuschauer gleich kannte und denen Columbo ganz allmählich und beharrlich durch logische Schlussfolgerungen auf die Schliche kam, nahmen so einen zunächst nicht für voll. Genau das machte sich Columbo zunutze. Mörder und anderes Gelichter wiegten sich für eine ganze Weile in Sicherheit, wenn der Zigarrenpaffer mit seinem nahezu schrottreif zerbeulten Peugeot-Cabrio aufkreuzte.

Von Tätern sträflich unterschätzt

Doch sie alle haben ihn sträflich unterschätzt. Gern stieß er, schon halb zur Tür hinaus, mit einer „allerletzten“, vermeintlich harmlosen Frage nach, die den Täter denn doch nachhaltig verunsicherte und zu ebenso unbedachten wie verräterischen Handlungen hinriss.

Unnachahmlicher Blick: Peter Falk als Columbo (Screenshot aus: http://vimeo.com/30281164)

Unnachahmlicher Blick: Peter Falk als Columbo (Screenshot aus: http://vimeo.com/30281164)

Als wahrlich mitfühlender Mensch versetzt sich Columbo eben auch zutiefst ins Seelenleben der Täter hinein. Irgendwann wusste er stets, was diese Herrschaften aus den „besseren“ Kreisen von Los Angeles innerlich antrieb. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, Indizien zu finden und Beweisketten zu knüpfen.

Die reihenweise preisgekrönte Krimi-Fernsehlegende (insgesamt 10 Staffeln mit 69 Episoden) lief in den USA ab 1968, bei uns waren die ersten Folgen ab 1969 zu sehen – nicht selten etwas gekürzt und „bearbeitet“. Doch der Mythos kam auch in der deutschen Fassung zum Tragen. Und man muss einfach sagen: So einen knorrigen Charakterdarsteller wie den 2011 verstorbenen Peter Falk vermisst man bis heute.

Ohne Geballer geht es auch

Die Folgen bestehen weit überwiegend aus allzeit soliden Dialogen, wilde Action gibt es nicht – und erst recht keine Gewalt. Selbst die oft raffiniert ausgefuchsten Morde werden filmisch nur angedeutet. Und Columbo trägt nicht einmal eine Waffe bei sich. Ohne Geballer geht es eben auch!

Auch sind es ja keine harten Verhöre oder gar Drohungen, mit denen Columbo zum Ziel kommt. Dieser im Prinzip durchaus friedliche, zur Melancholie neigende Mann passte in die späten 60er und frühen 70er Jahre, als man in den USA zunehmend am Sinn des Vietnamkrieges und überhaupt an Autoritäten zu zweifeln begann. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Vorherige Beiträge zur Reihe: “Tatort” mit “Schimanski” (1), “Monaco Franze” (2), “Einer wird gewinnen” (3), “Raumpatrouille” (4), “Liebling Kreuzberg” (5), “Der Kommissar” (6), “Beat Club” (7), “Mit Schirm, Charme und Melone” (8), “Bonanza” (9), “Fury” (10), Loriot (11), “Kir Royal” (12), “Stahlnetz” (13), “Kojak” (14), “Was bin ich?” (15), Dieter Hildebrandt (16), “Wünsch Dir was” (17), Ernst Huberty (18), Werner Höfers “Frühschoppen” (19), Peter Frankenfeld (20)

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Über Bernd Berke

Langjähriger Kulturredakteur bei der Anfang 2013 verblichenen Westfälischen Rundschau (Dortmund), davon die letzten elf Jahre als Ressortleiter. Zwischenzeitlich dies und das. Seit 2011 hier. Und anderswo. Und überhaupt. Und künftig erst recht.
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Ein Kommentar zu TV-Nostalgie (21): Peter Falk als “Columbo” – der zerknitterte Polizist

  1. Michaela sagt:

    Die für mich beste Synchronstimme für Columbo in deutschen Fassungen war Klaus Schwarzkopf.

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