Was soll das?

Man fragt sich das im Straßenverkehr, im Garten,

am Herd, an der Theke, vorm Fernseher,

im Bett, an der Tastatur, bei H&M,

in der Badewanne, im Café, an der Ampel…

Immer fragt man sich: was soll das?

Man liest die Zeitung: was soll das?

Man bohrt in der Nase: was soll das?

Zweifellos suchen wir nach Erklärung, manchmal nach Sinn.

Das kann man auch Bestandschutz nennen.

In einer dynamisierten Welt sehnen wir uns nach Schutz.

Wir zweifeln, ob wir das Tempo mithalten können…

Alles geht so rasant.

Das Diktat der Rasanz.

Wir hecheln hinterher, bitten um Zeit, bitten um Gnade.

Aber es gibt keine Gnade, sagt man uns.

Wir seien auf dem freien Markt und hätten den Richtlinien zu folgen.

Hart müssten wir sein, hart zu jedermann & jeder Frau.

Alles Konkurrenten.

Auch Kinder.

Für den Erfolg werden auch Kinder getötet.

Das senkt die Preise und wir nennen es Fortschritt.

Immer reden wir von Aufschwung.

Alle schwingen sich auf, so sagt man.

Von denen, die untergehen, redet man nicht.

Die lässt man einfach absaufen, in rostige Nägel treten

oder man lässt einfach die Bahnschranke oben,

wenn der nächste Zug kommt.

„Ups, Herr Kollege ! Pech gehabt!“

Alle auf der Suche nach dem Platz an der Sonne.

Ja, ob es denn am freien Markt keine Wärme gibt? – so fragt man den Marktleiter.

Wärme würde nur träge machen, antwortet er.

Er hat ein glattes Gesicht und eine sehr markante Aussprache.

Er ist zweifelsfrei.

Der Marktleiter kennt keine Zweifel.

Was für ein Mensch!

Man fragt sich – er ist doch ein Mensch, oder?

Und wenn er keiner wäre, der Herr Marktleiter,

dann fragt man sich, was soll das?

Was soll diese Unmenschlichkeit – diese Gnadenlosigkeit?

Wie wird so ein Mensch – also falls er einer ist – ein Leiter,

ein Herdenführer, ein Vorbild, ein Anweiser, ein Entlasser…

ein mieser, ganz mieser Clown?

Wer hat ihn berufen?

Wie gelangte er zur Ehre?

Worin besteht sein Verdienst?

Fragen. Immer wieder diese Fragen.

Und dann muss man tippen.

Man meint, man müsse tippen.

Es kann doch nicht angehen, dass die deutsche Literatur ständig schweigt,

sich auf Herrn Grass verlässt.

Wie lange lebt der noch?

Und was ist mit der schreibenden Jugend,

diese jungen Autoren – Deutschlands geistige Zukunft?

Das Hegemann-Syndrom.

Im Abschreiben: Note 1

Na, das war aber billig und sowas von glänzend in den Gazetten,

dass man nur staunen konnte.

Über sowas staunt man heute.

Da fragt man sich, wie ist sowas möglich…?

Aber irgendwann hören die Fragen auf.

Man hat tausende von Runden gedreht,

wie ein Läufer im Stadion.

Man hat geschwitzt, man hat gehechelt, man ist gerannt.

Man dachte, man könnte nicht mehr.

Alles tat einem weh.

Die Luft wurde knapp.

Aber man schrieb weiter.

Irgendwann hatte man dann die Ziellinie im Blick…

Jetzt musste man nur noch durchhalten.

Aber das war leichter gesagt als getan…

P.S. Spenden Sie für diesen Text und retten Sie einem „freien“ Autor das Leben !

Morgen können Sie dann wieder Frösche & Singvögel retten.

Der Autor dankt

Stefan Dernbach ( LiteraTour )

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Über Stefan Dernbach

Freier Autor, soweit man von Freiheit sprechen kann Prosa & Lesungen Journalismus Bloggen Fotografie Vorläufiger Exil-Ort: Siegen
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