„Four Lions“: Die Grenzen der Komik

Als ich vor Monaten diesen Film in der OF sah, war ich dann doch zu angepisst, um selbst diesen Verriss zu posten. Inzwischen kann man die DVD kaufen. Wer dafür über €12 ausgeben möchte: selbst schuld. Selbst 80ct fürs Friday Special in der Videothek ist da noch zu viel. Aber wie es immer heißt, wir leben in einem freien Land, und jeder kann das halten, wie er will.

Nun aber doch. Passt auch grad in das Sommerloch:

So lustig kann ein Film über Terroristen gar nicht sein, als dass er mich nicht ängstigen würde. Mehr ängstigen als erheitern. Viele sagen, es sei der lustigste Film des Jahres. Totaler Slapstick. Eine schwarze Komödie. Sogar tiefschwarzer englischer Humor. Okay, der schwarze britische Humor hat sich mir nur selten erschlossen. Und eine Freundin von Slapstick bin ich auch nicht gerade.

Dass die vier Protagonisten ausgemachte Deppen sind, ändert nichts an der Tatsache, dass sie Mitbürgern im Namen ihrer Religion nach dem Leben trachten und bereit sind, dafür ihr eigenes „mit einem Lächeln im Gesicht“ zu opfern. Wobei, für die Vier ist es kein Opfer, denn im Jenseits warten ja nicht nur Gott sondern auch jede Menge hübsche Jungfrauen auf sie.

Sie leben in Nordengland und genießen durchaus die modernen Errungenschaften der Ungläubigen des versauten Westens, über die sie sich so erzürnen. Sie unterhalten sich in einem schwer verständlichen Mix aus Cockney/Paki/Afghani/Brit-Slang.

Sie planen also, sich als Mudjschaheddine für den heiligen Jihad in Menschenmengen zu begeben und sich zum geeigneten Zeitpunkt als Selbstmord-Attentäter in die Luft zu sprengen und alle ungläubigen Schweinebacken mitzunehmen.

Im Wohnzimmer bereiten sie per Video einen dilettantischen Bekenner-Rap vor, der voller törichter Statements ist. Dabei fuchtelt einer wild mit einer Waffenattrappe rum. Alles was sie „planen“ scheitert an ihrer Dummheit und Trotteligkeit. Dabei muss dann auch mal ein unschuldiges Tier dran glauben. So weit, so komisch (wobei bestimmt alle Tierschützer und –liebhaber sich empören werden, weil das Tier auch „in echt“ totging – soviel zur Komik).

Die aktuellen Medien sind nun täglich voll von solchen Attentaten, und nicht zu Unrecht haben Menschen überall in der Welt Angst. Es ist ja auch durchaus möglich, dass die echten Attentäter genau so dumm, so verbohrt und fanatisch sind, wie die im Film. Vielleicht unterhalten sie sich auf die gleiche hirnrissige Weise miteinander, wie die im Film. Wer weiß das schon? Tatsache bleibt, dass sie Mörder sind. Und wenn sie nicht die erwünschten Hunderte von Menschen mit in den Tod reißen, sondern nur drei oder vier, die dummerweise zur falschen Zeit am falschen Platz waren, ändert das auch nichts daran: sie sind Mörder.

Einer der vier Jihadisten ist ein britischer Konvertit, und der ist ein völlig verpeilter Fanatiker, der plant, eine Moschee in die Luft zu sprengen, es den westlichen Ungläubigen in die Schuhe zu schieben, um so die gemäßigten Moslems zu radikalisieren. Sie streiten sich andauernd über die Pläne, das Bombenbauen, das Beschaffen der Zutaten dafür, und all das hat auch eine gewisse Komik.

„Ist doch nur ein Film, ist doch lustig, nimm’s nicht so ernst, lach drüber“ werden manche sagen.

Gelacht werden soll (und kann auch bisweilen) über die Dummheit des Quartetts. Aber die Tragik ist ja, dass es ein ernstes und sehr heikles Thema ist. Und dass vermutlich genug (zu viele) Menschen in der Welt rumlaufen, die genauso strunzdumm, verbohrt und fanatisch sind, und tatsächlich so gestrickt sind. Die die Idee gut finden, und die zufällig noch genug Grips haben um erfolgreich zu sein.
Es gibt schon genug Filme, die sich mit Mord, Totschlag und sinnloser Gewalt in der Welt befassen.
Einen lustigen Film über Jihadisten hatte ich nie vermisst.

Was ist als nächstes dran, Mr. Chris Morris (Regisseur), eine Musical-Comedy über 9/11?

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8 Kommentare zu „Four Lions“: Die Grenzen der Komik

  1. Leah sagt:

    Isses auch, Michaela. Wie gesagt, selbst die 80ct für das friday nite special von der Videothek is zeville.

  2. Michaela sagt:

    Hört sich ja fürchterlich an!

  3. Leah Herz sagt:

    ich glaub ich hab falsch geklickt.meine antwort von 16.52H WAR ZU CHaLi wegen http://bit.ly/piX4UT

  4. Leah Herz sagt:

    hmm, so komödiantisch seh ich das gar nicht. Mehr als ganz coole installation. – nicht?
    aber so ganz unter uns: ne kinokarte ist der film nicht wert. dvd ausleihen genügt völlig. aber dann auch die original version anklicken.

  5. Bernd Berke sagt:

    Darf man diese Kunst leichtsinnig nennen? Ich glaube schon.

  6. ChaLi sagt:

    Interessanter Text. Sollte mich vielleicht tatsächlich in das Lichtspieltheater meines Vertrauens bemühen …
    Hier ein Foto zum Thema – wenn auch nicht „musical“, so doch – „visual comedy 9/11“: http://bit.ly/piX4UT

  7. Leah Herz sagt:

    Ja, eigentlich wollte ich den gar nicht posten, aber der gärte und gärte.

  8. Bernd Berke sagt:

    Einmal muss der Zorn über den Film dann doch heraus…

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