Ein ziemlich persönlicher Glückwunsch nachträglich: Paul McCartney wurde 70

Da anscheinend niemand ein paar Wörter darüber verlieren möchte, dass Sir Paul McCartney würdevoll das 70. Lebensjahr vollendet hat (dachte, da würden sich rudelweise die Erinnerer drauf stürzen), will ich einige Minuten des Tages danach dazu nutzen, dem Paule einige Zeilen zu widmen, weil er stark mitgeholfen hat, meinen Lebensrhythmus zu schlagen, den Beat meiner jeweiligen Abschnitte zu bestimmen, ihnen lustvoll, nachdenklich oder offensiv den Takt zu geben.

Die ersten Kontakte mit den vier Herren, die sich in Liverpool einst zur später erfolgsreichsten Musikgruppe aller Zeiten zusammenschlossen, krähte mir ein handliches Transistorradio unter der Bettdecke ins Ohr. Ich wusste zwar nicht, wer da spielte und sang, mir fiel nur auf, dass da etwas mehr sein musste als dieses einsilbige „Yeah, Yeah, Yeah“ und erstmal recht sonorer Schlagzeughintergrund. Also hörte ich genauer hin, nachdem ich mich am nächsten Tage auf dem Schulhof danach erkundigte, wer das denn sei und erfuhr, dass diese Gruppe „Beatles“ hieß, wenn der Name im Transistorradio genannt wurde.

Mit Hilfe des Zufalls arrangierte Begegnung der Genies. (Foto: Bernd Berke)

Mit Hilfe des Zufalls arrangierte Begegnung der Genies. (Foto: Bernd Berke)

Einige Zeit, viele Erfolge dieser vier Herren aus Liverpool später saß ich mit meinem Freund Willi Winkelmann in dessen Zimmer und hörte andächtig bis sprachlos „Revolver“ und alsbald auch „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ rauf und runter, bis ich mit den Texten eins war. Um bald darauf das jähe Ende der Formation meiner Jugend mitgeteilt zu bekommen.

Und weiter ging Paul mit mir, machte mich wie viele andere immer wieder auf sich und seine Musik aufmerksam, erinnerte mich und viele andere immer wieder daran, dass er und John Lennon eine ganze Epoche inspiriert hatten. „Tug of War“ beispielsweise zerrte meine latente Abneigung gegen manches Zeitgeistgeplärre (ich nehme da noch viele andere, stets gute Musikanten aus) fort und weckte wieder auf, dass ich genießerisch wahrnahm: Ja, die Alten können es noch.

Was einen wie Paul McCartney für mich so wesentlich machte, war das Vermögen dieses Musikers, immer mal wieder etwas zu veröffentlichen, was lang wirkte und noch länger in Erinnerung blieb. Für seinen Freund John Lennon gilt im Übrigen dasselbe. 50 Jahre musizierte er immer wieder solch großartige Klänge, dass ich begeistert hinhören mochte und mir bisweilen kaufte, damit ich noch häufiger hinhören konnte.

Dieser Teil der Begleitmusik meines Lebens war und ist prägend, ebenso wie Bach, Beethoven, Mahler, Charly Parker oder John Coltrane. Deshalb mag ich ihm auf diesem Wege zum 70. Geburtstag gratulieren. Wir hatten eben geile Zeiten zusammen, Paul!

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Ein Kommentar zu Ein ziemlich persönlicher Glückwunsch nachträglich: Paul McCartney wurde 70

  1. Bernd Berke sagt:

    Ja, jetzt geht es Schlag auf Schlag: Gleich auf Sir Paul folgte Brian Wilson („Beach Boys“), ebenfalls schon 70. Und heute wird Ray Davies („Kinks“) 68 Jahre alt. Und was lernen wir daraus? Tempus fugit!

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