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Ich habe keine Lust mehr auf Turnier-Fußball

Nein, wenn es so läuft, habe ich keine Lust mehr auf diese großen Turniere des Fußballs.

Da sind wir uns sicherlich weitgehend einig: Bis auf ganz wenige Ausnahmen, war diese monströs aufgeblähte EM eine flächendeckende Enttäuschung. Die Chose mit den Isländern war hübsch, tröstet aber kaum.

Im Moment der Verletzung: Cristiano Ronaldo (Portugal). (ARD-Fernsehbild/Screenshot)

Im Moment der Verletzung: Cristiano Ronaldo (Portugal). (ARD-Fernsehbild/Screenshot)

Und wie schäbig ging es noch im heutigen Finale zu! Als hätten sie’s erst einmal nur darauf angelegt, säbelten die Franzosen gleich Christiano Ronaldo dermaßen ruppig nieder, dass er kurz danach unter Tränen aufgeben musste. Es war leider einer der größten, weil bleibenden Momente dieser Europameisterschaft.

Ich war bislang kein Ronaldo-Fan. Aber heute habe ich wirklich mit ihm gefühlt – und von Stund’ und Sekund’ an gehofft, dass die Portugiesen trotz aller Widrigkeiten gewinnen sollten. Und tatsächlich. Sie haben es geschafft.

Kein Wort mehr über die fortwährende Langeweile in der Vorrunde, die überwiegende Ödnis selbst noch in den allermeisten K.-o.-Partien. Der Zauber dieses Sports kam nur äußerst selten zur Geltung.

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Die Vernunft des Herzens – Neu im Kino: „Erklärt Pereira“

Von Bernd Berke

Ja, das waren noch Zeiten, ganz ohne Handy, Fax und Computer: Da saß der Kulturredakteur Pereira – fern von aller Hektik – in seiner gemütlichen Zeitungsstube und hämmerte, wenn die lnspiration ihn überkam, auf einer uralten Schreibmaschine erlesene Feuilletons aufs Papier. Doch ringsherum im Lande herrschten schlimme Zustände.

Die Szene spielt nämlich 1938 in Lissabon. Aus Italien, Spanien und vor allem Deutschland dröhnt faschistisches Getöse herüber. Portugal selbst windet sich im Griff der Salazar-Diktatur. Wenn Pereira (Marcello Mastroiannis vorletzte Rolle) zum Caféhaus flaniert, um literweise süße Limonade zu trinken, flüstert ihm der Kellner neueste Nachrichten aus dem Polizeistaat zu: Hier ist jemand ohne Haftbefehl festgenommen, dort jemand zusammengeschlagen worden.

„Warum steht nichts davon in eurer Zeitung?“ fragt der Ober. Pereira schaut unbehaglich drein, zuckt aber mit den Achseln. Der grundanständige Mann will sich in derlei garstig-politische Fragen nicht einmischen, ihn kümmern nur seine Kulturseite – und der Gedanke an den Tod: Abends bespricht der kranke und einsame Witwer die Dinge seines zur Neige gehenden Lebens mit dem Foto seiner verstorbenen Frau…

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Der Blick aufs Meer und auf die Moderne – Portugiesische Malerei in der Frankfurter Schirn

Von Bernd Berke

Frankfurt. Wie finden künstlerischen Strömungen ihren Weg bis zum Rande des Kontinents? Dieser Frage widmet sich in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle die Ausstellung „Portugals Moderne – Kunst in der Zeit Fernando Pessoas“.

In Portugal, soeben als Länderschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, haben sich Literaten wie Künstler wohl immer ein wenig vom übrigen Europa isoliert gefühlt. Der Blick des Landes ging stets vor allem aufs und übers Meer hinaus, nach Südamerika und Afrika.

Derweil entfaltete sich zu Beginn unseres Jahrhunderts in den Zentren Paris und Berlin die vielgestaltige Moderne, Und so bildeten just jene portugiesischen Künstler die Avantgarde, die sich in diesen beiden Metropolen umgetan hatten. Der Weltdichter Fernando Pessoa stand nicht nur literarisch im Zentrum, sondern beflügelte – durch seine Mitarbeit an Kunstzeitschriften – auch die bildnerischen Kräfte. Diese äußerten sich erstmals auf humoristischen und karikaturistischen Blättern entschieden im Geiste der Moderne. Gleichsam eine verspätete Geburt der Avantgarde aus dem filz. Sarkastischer Humor bewirkt Verzerrung und Fragmentierung des Sichtbaren. Daraus ergibt sich manche Zersplitterungs-Perspektive moderner Kunstrichtungen.

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