Nach der Mottowoche ist vor dem „Konklave“: Abi 2013 auf der Zielgeraden

SherlockHolmesundArielleWenn einem am frühen Morgen in der Küche Bonnie und Clyde begegnen und Sherlock Holmes seine Liebe zu Meerjungfrauen entdeckt, dann ist Mottowoche der Abiturientia.

Die Woche vor den Osterferien ist für die Abiturienten die letzte reguläre Schulwoche vor den Prüfungen. Grund genug zum Feiern. Das Ende der „richtigen“ Schulzeit, das Zulassungszeugnis und überhaupt – man hat es überlebt. Das Gemurkse und Gemauschel rund um G8 und G9. Jeder Tag steht unter einem anderen Motto, allseits beliebt sind die Helden der Kindheit und die Zeitreise. Durch die Stadt flattern Elfen, latschen Cowboys, dazu Micky Mäuse, Ernies und Berts, dazu erstaunlich viele Heidis.

In manchen Städten, so war zu lesen und hören, ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Von Bengalos war die Rede, von Verletzten und erheblichen Sachschäden an den Schulen. In Recklinghausen blieb es im Großen und Ganzen im Rahmen des Vorgegebenen. Der Schulhof des Petrinums Recklinghausen konkurriert mit der Palmkirmes, vor dem Marie-Curie-Gymnasium ruhen ermattete Pyjamaträger auf einem Matratzenlager.

Man kann die Jugendlichen auch ein bißchen verstehen. Die Erleichterung, es bis hierhin geschafft zu haben, ist deutlich spürbar. Die Verunsicherung und die Angst vor dem, was kommen wird, aber auch. Ein bißchen ist es wie ein verfrühter Tanz auf dem Vulkan. Nichts ist geregelt für den zu erwartenden Ansturm des Doppeljahrgangs, im Landtag greift die Opposition (formerly known as mit heißer Nadel schnellstrickende G8-Erfinder) die Landesregierung an, die Unis wären überlaufen, die Messlatte für die Zulassungsbeschränkung müsse noch einmal höher gelegt werden.Joker Für so manchen unter den Schülern der blanke Horror. Die Frage, wo man einen Joker herbekommt, ist nicht unberechtigt.

Statt Osterferien ist jetzt Pauken angesagt. Die Klausurtage haben begonnen – oder wie man derzeit (von römischen Wahlgängen inspiriert) gerne sagt: Man begibt sich ins Konklave. Mit der Außenwelt wolle man nur noch durch Rauchzeichen kommunizieren. Schwarzer Rauch bedeutet: Koffein-Nachschub erwünscht, weißer symbolisiert das Verlangen nach zuckriger Nervennahrung. Na denn, Glückauf den Abiturienten, gute Nerven den Müttern und Vätern.

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4 Kommentare zu Nach der Mottowoche ist vor dem „Konklave“: Abi 2013 auf der Zielgeraden

  1. Britta Langhoff sagt:

    Danke Bernd ! Man muss wohl sagen, die Autoren im „Freitag“ haben – leider – Recht.

  2. Bernd Berke sagt:

    Der „Freitag“ befasst sich jetzt auch mit der Materie:

    http://www.freitag.de/autoren/felixg/feiern-als-protest

  3. Britta Langhoff sagt:

    Eben. Genau das ist es ja, was mich persönlich so ärgert. Experimente auf dem Rücken unserer Kinder.

    Aber immerhin: Im Deutsch-LK gab es für diesen Jahrgang die Buddenbrooks. Wenigstens das lass ich gelten unter „Für’s Leben lernen“ .

  4. Einhard sagt:

    Früher einmal hörte man von den Eltern: „Kind, Du lernst nicht für die Schule, sondern fürs Leben!“

    Etwas später dann kam meist die Erkenntnis: die Eltern hatten (auch da) nicht unrecht.

    Heute scheint es mir mehr und mehr, das man nicht für die Schule und nicht fürs Leben lernt, sondern für die Prüfungen, um dann vielleicht irgendwannmal den Weg ins Leben zu finden. Ist ja selbst mit guten Noten heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich.

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