Köln: Filmklassiker „Fantasia“ mit Live-Begleitung

Filmmusik richtet sich normalerweise aus an den Bildern und Stimmungen, die der Produzent eines Streifens vorgibt. Im Falle von Walt Disneys „Fantasia“ ist das genau umgekehrt: Der Schöpfer von Mickey Mouse ließ Bilder zu Musik komponieren. Er gab seinen Zeichnern weltberühmte Musik zu hören und beauftragte sie, die Klänge in Bildern zu fassen.

Herausgekommen sind zauberhafte Filmsegmente, die Disney selbst zu einem Film zusammenfasste. In „Fantasia“ gibt es kurze erzählende Episoden wie jener legendäre Kampf Mickeys mit den widerspenstigen Besen zu Paul Dukas‘ „Zauberlehrling“; witzige Szenen wie das Ballett der Tiere zu Amilcare Ponchiellis „Tanz der Stunden“; ästhetische Choreografien wie zu Tschaikowskys „Nussknacker“ oder abstrakte Kompositionen wie Zeichnungen zu Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach.

"Fantasia": Mickeys Kampf mit dem Besen. Bild: bb-promotion

“Fantasia”: Mickeys Kampf mit dem Besen. Bild: bb-promotion

Das zweistündige Zeichentrick-Werk sollte ursprünglich „Der Konzertfilm“ heißen, weil dem Besucher zur Musik die Fantasiebilder der Zeichner gezeigt werden sollten. Die Musik, so war geplant, sollte dennoch im Mittelpunkt stehen. Dazu arbeitete Disney mit dem Dirigenten Leopold Stokowski zusammen, der aufgeschlossen war für neue mediale Wege der Musikvermittlung – und der auch im Film auftaucht. Disney hat sogar einen neuen Kino-Sound erfunden, einen Mehrkanal-Ton, den er „Fantasound“ nannte.

Technische Hilfsmittel brauchen die Zuhörer in der Kölner Philharmonie allerdings nicht: Am 3. und 4. April wird „Fantasia“ live begleitet auf Großbildleinwand zu sehen sein. Die Neue Philharmonie Westfalen spielt unter Scott Lawton und mit Marianna Shirinyan am Klavier all die unsterblichen Stücke, die Disney für sein Fantasia-Projekt ausgesucht hatte. Der Klassiker der Filmgeschichte, der 1940 entstand und zwei Jahre später mit zwei „Ehren-Oscars“ ausgezeichnet wurde, beginnt jeweils um 19 Uhr.

Karten: (52 bis 79 Euro): (0221) 280 280.

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Über Werner Häußner

Redakteur, Musikkritiker, schreibt u.a. für WAZ (Essen), Die Tagespost (Würzburg), Der Neue Merker (Wien) und das Online-Magazin www.kunstmarkt.com.
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3 Kommentare zu Köln: Filmklassiker „Fantasia“ mit Live-Begleitung

  1. Bernd Berke sagt:

    Wer hätte gedacht, dass sich hinter diesem Thema noch ein solcher Ruhrgebiets-Bezug verbirgt?

  2. Werner Häußner sagt:

    Danke, Axel, für diesen erhellenden Kommentar!

  3. Axel sagt:

    Für „Fantasia“ ließen sich die Disney-Zeichner übrigens von den Karikaturen und Illustrationen Heinrich Kleys (1863–1945) anregen. Mit seinen auf dem Eis tanzenden Krokodilen und Flusspferden schuf er unmittelbare Vorlagen. Dadurch ist der Künstler in den USA vergleichsweise bekannter als in Deutschland.

    Kley, um den Kreis in die Region zu schließen, hatte auch eine Verbindung zum Ruhrgebiet. Hier sind besonders die Darstellungen der Kruppschen Gussstahlfabrikation zu erwähnen (Anfang des 20. Jahrhunderts). Kleys Hang zum Grotesken brach sich auch in seinen Industriebildern immer wieder Bahn, wie das Gemälde „Die Elemente hassen“ (2010 auf der Ausstellung „Feuerländer“) zeigt. Ein weiteres Werk beherbergt das Rheinische Industriemuseum Oberhausen: es dokumentiert den Bau der Eisenbahnbrücke Wehrden/Weser. In Geschichtsbüchern, wenn es um das Thema Industrialisierung geht, gerne verwendet: die Zeichnung eines Teufels, der sich naserümpfend von turmhohen Fabrikschloten abwendet.

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