Aus der Sehnsucht nach einem „Käfer“ wurde eine Kunstsammlung

„Wäre ich nicht Westfale, Sie würden unschwer feststellen, welche Begeisterung mich gerade bewegt!“ Thomas Hengstenberg untertreibt. Selbst seine westfälische Herkunft kann nicht verdecken, dass dieser Mensch irgendwo zwischen Glückseligkeit und überbordendem Stolz schwebt, wenn er von Frank Brabant, vom „Haus der Moderne“, vom Werden der einstigen Schlossruine zum wundervollen „Haus Opherdicke“ in Holzwickede und wieder von Frank Brabant spricht. Thomas Hengstenberg stimmt einige Lokalpolitiker (darunter durchaus wuchtige Skeptiker) auf den Rundgang durch die obere Etage ein, wo sich, begleitet von seiner wahrhaft liebevollen Fürsorge, Werke aus der Brabant-Sammlung zu einer, selbst Laien berührenden Ausstellung „Frauenansichten“ zusammengefunden haben. Doch zuvor müssen/dürfen sich die etatgewaltigen Damen und Herren sich anhören, wie es dazu kam und was sie mit kommunalen Umlagefinanzen unterstützen.

Irgendwie fanden sich diese beiden, Thomas Hengstenberg, Kulturverantwortlicher des Kreises Unna, westfälisch-dynamisch-beharrlich, und Frank Brabant, Schweriner von Geburt, Wiesbadener vom Wohnsitz und seit jungen Jahren der Jäger des verlorenen VW-Käfers. Denn auf den hatte er eigentlich gespart, setzte dann aber die Barschaft ein, um sich das erste Bilde zu kaufen. Der Sammlertrieb war erwacht, der Käfer blieb ungekauft, dafür aber folgten um die 500 weitere Kunstwerke, deren Schöpfer sowohl die Hall of Fame der Moderne füllen, als auch der breiten Masse unerkannt blieben, dafür aber den kennenden Betrachtern ein ehrfürchtig-anerkennendes Zungenschnalzen entlocken.

Nur am Rande, wir reden hier von Marc, Pechstein, Kirchner oder Corinth. Und doch waren es nie die Namen, die Frank Brabants Interesse weckten, es war stets das Sujet des jeweiligen Bildes. Anekdotisch also auch der erste Kontakt der beiden Männer aus Westfalen und Schwerin/Wiesbaden. Thomas Hengstenberg stand da etwas zurückhaltend vor dem unbekannten, aber bekannteren Frank Brabant und erläuterte, dass er eine Ausstellung aus seiner Sammlung zusammenstellen wolle. „Was meinen Sie dazu“, sagte der und hielt ihm einen Picasso vor die Augen. Lakonisch entgegnete das Gegenüber: „Belangloses Bild, aber ein Picasso, Sie haben da ein Juwel.“

Das war die Sache mit dem Funken, nach dessen Sprung alles geklärt schien, nein war. „Machen Sie das und suchen Sie aus“, sagte Frank Brabant und ein paar Glas Wein später nur noch Frank bzw. Thomas. Und darauf begann der Gedanke zu keimen, dass man (also Frank und Thomas) der Brabant-Sammlung ein eigenes Haus geben sollte. Indes, Begehrlichkeiten nach dem kunstgeschichtlichen Schatz gab und gibt es viele, die Geburtsstadt des Sammlers Schwerin, oder der Wohnort des Sammlers Wiesbaden. Doch Thomas Hengstenberg ist zuversichtlich, dass er gemeinsam mit Frank Brabant die gangbaren Wege finden wird. So wie sich der Weg zum „Haus der Moderne“ im Schloss erschloss. Allerlei finanziell helfende Hände fand der Kulturförderer des Kreises Unna, viel Unterstützung grub er auch aus dem Kulturhauptstadtjahr und sorgte für ein Facelifting des ehemaligen Wasserschlosses (die Grafen Berghe von Trips waren mal Eigentümer), das seinesgleichen sucht. Das „Haus der Moderne“ hat einen historischen Anzug, und der steht ihm vortrefflich. Der Besuch lohnt sich, in allerlei Hinsicht. Es lohnt eine schöne Ausstellung, in schönem Ambiente – und es lohnt ein Abstecher in den Keller, wo handgemachter Kuchen gereicht wird, ebenso üppig portioniert wie schmackhaft.

Haus Opherdicke
Dorfstraße 29
59439 Holzwickede
Fon 0 23 01 / 9 13 40-20
Fon 01 71 / 7 44 78 53
Öffnungszeiten zur Ausstellung „Frauenansichten – Mutter, Muse, Femme Fatale“ aus der Sammlung Brabant: Noch
bis 10. Juli 2011
Dienstag bis Sonntag
10.30 bis 17.30 Uhr
Eintrittspreise: 4 Euro für Erwachsene, 3 Euro für Ermäßigungsgruppen (Schüler, Studenten, Wehrpflichtige, Zivildienstleistende mit Ausweis), 8 Euro für Familien
Für Schulklassen ist der Eintritt frei

Bild: Alexej von Jawlensky „Madame Curie“, 1905 (VG Bild-Kunst, Bonn, 2011)

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Ein Kommentar zu Aus der Sehnsucht nach einem „Käfer“ wurde eine Kunstsammlung

  1. Serienfan sagt:

    Na das wäre ja mal eine Besichtigung wert 😉

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