Mit Farbe fabulieren: Werkschau von Otmar Alt auf Schloss Cappenberg

„Ach, da würd’ ich auch mal ganz gerne“, hat er sich oft gedacht, wenn er auf Schloss Cappenberg eine Ausstellung von Kollegen besuchte. Da würde er auch gerne selbst einmal ausstellen: Otmar Alt, der Künstler mit den bunten Farben, den man in seiner scheinbaren Verspieltheit so schnell zu begreifen glaubt. Jetzt hat es geklappt. Mit einem starken Gewicht auf Arbeiten der letzten Jahre zeigt der Kreis Unna im Museum des Schlosses eine breit angelegte Werkschau Otmar Alts unter dem Titel „Rückblick und Ausblick“.

Dem Rückblick auf das Frühwerk des 1940 in Wernigerode im Harz Geborenen, dessen Oeuvre seit 1996 in der Hammer Otmar-Alt-Stiftung gepflegt wird, räumt die Ausstellung relativ wenig Platz ein. Erste Bilder von ihm huldigen Mitte der 60er Jahre dem Informellen, gleichförmig Strukturhaften. Früh jedoch findet er zu eigenen Formen des Figurativen, doch seine Motive bleiben jenseits ihrer fröhlichen Ausstrahlung assoziativ verschlüsselt und rätselhaft.

(Bild: Otmar Alt Stiftung/Katalog)

(Bild: Otmar-Alt-Stiftung/Katalog)

Und der Ausblick? Natürlich weiß auch ein Otmar Alt mit seinen 73 Jahren, dass seine Arbeit irgendwann ihr Ende haben wird. Doch nennt er sich selbst einen „fabulierenden, positiven Menschen“, sieht die Kunst als „Botschaft und Abenteuer“ und lässt sich deshalb eben nicht zu bequemer Alterstrübnis verleiten.

Eine gewisse Radikalität des Spätwerks ist allerdings durchaus feststellbar, die Farbe Schwarz hat mehr Gewicht bekommen, nicht mehr nur schwarze Striche dienen der Strukturierung, auch schwarze Flächen hielten Einzug in die jüngsten Bilder. Bleifenster mit ihren starken Konturierungen durch Maßwerk und Bleifassungen hätten ihn dazu inspiriert, sagt der Künstler, doch sei dies lediglich „das Vokabular von Otmar Alt in einem neuen Kostüm“. Gleiches gilt für die wachsende Neigung, die Bilder stark weißgründig zu halten, die Motive gleichsam auf der Leinwand stehen oder auch schweben zu lassen.

Die Cappenberger Ausstellung zeigt einen geradezu unerwartet tiefgründigen, vielschichtigen Künstler und wird vor allem jene frappieren, die Otmar Alt längst schon in die Schublade derer wegsortiert hatten, die mit gefälligen Entwürfen lediglich den Massengeschmack zu treffen suchen und damit gutes Geld verdienen wollen. Gewiss hat er viele serielle Werke in Glas und Porzellan, aber auch in Bronze geschaffen, und vielleicht war sogar mal ein „Weihnachtsteller“ dabei. Doch zu dieser Art der „Massenfabrikation“ steht er: „Die 30 Jahre Porzellanzeit bei Rosenthal möchte ich nicht missen“. Besonders faszinierte ihn die Zusammenarbeit mit den Handwerkern, mit den Glasbläsern zumal, die seine technisch komplizierten Entwürfe realisierten.

(Bild: Otmar Alt Stiftung/Katalog)

(Bild: Otmar-Alt-Stiftung/Katalog)

Wenn er die Wirksamkeit eines Bildes überprüfen will, erzählt Otmar Alt, geht er mit ihm auf die Wanderschaft durch Atelier und Wohnung, betrachtet es in verschiedenen Umgebungen und fragt sich: Hält das Bild? Doch auch seine Arbeiten selbst laden zur Wanderschaft ein: „In den Bildern, die ich male, kann man topographisch wandern“, sagt er. Und schließlich auch, Stichwort Wanderschaft, lassen Museumsmenschen seine Bilder wandern, wenn sie sie aufhängen: „Es ist wahnsinnig aufregend, was die Leute aus deinen Sachen machen“, sagt der Künstler. Und schaut anerkennend zu Sigrid Zielke und Thomas Hengstenberg vom Fachbereich Kultur des Kreises Unna hinüber, die diese Cappenberger Ausstellung sehr zu seiner Zufriedenheit ausgerichtet haben.

Künstler mit Humor, so scheint es, sind selten geworden in unserer Zeit, doch Otmar Alt ist so einer. In besonderem Maße zeigen dies seine knubbeligen Bronzen. Dabei fehlt ihnen das wichtigste Stilmerkmal, nämlich die bunte Farbe, wenn man einmal vom sinnfälligen Wechsel zwischen Politur und Patinierung absieht. „Das ist mein Fußpilz“, lacht der Künstler, und weist auf eine in der Tat pilzförmige Plastik, der zwei ausgestreckte Füßchen offenbar größere Standsicherheit verleihen. Und dann dreht er den Pilzkopf so, wie es ihm am besten gefällt.

„Otmar Alt – Rückblick und Ausblick“ Museum Schloss Cappenberg, bis 23 März 2014. Geöffnet Di-So 10-17 Uhr, öffentliche Führungen So 11.30 Uhr und 14.30 Uhr. Eintritt 4 Euro.

Zu der Ausstellung wird ein Museumspädagogisches Begleitprogramm mit den Themenblöcken „Karneval der Tiere“ (1.-6. Schuljahr) und „Phantastische Geschöpfe – Balanceakte mit Formen und Farben“ (7.-11. Schuljahr) angeboten. Weitere Informationen Tel. 0251 664758 und 0251 7625919

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