“Fliegende Fische müssen ins Meer”: Zauberhafte Kino-Komödie aus der deutschen Provinz

Noch gar nicht lange her, da spielte Meret Becker junge Frauen, die, auf dem Weg zu sich selbst, viele Irrungen und Wirrungen auf sich nehmen und manch emotionalen Umweg gehen mussten. Jetzt, ein paar Jahre später, ist sie zwar zur Leinwandmutter dreier Kinder geworden, aber eigentlich ist sie immer noch so überdreht und verrückt, Probinzunberechenbar und komisch wie ehedem. Irgendwie nicht von dieser Welt. Das ist auch gut so. Denn sonst wäre „Fliegende Fische müssen ins Meer“, der von Güzin Kar (Drehbuch und Regie) in Szene gesetzte Film über Lust und Leid des Lebens einer allein erziehenden Mutter in tiefster deutscher Provinz, wohl kaum zu dem geworden, was er ist: eine wunderbar leichte Komödie darüber, dass das Leben einfach kompliziert ist und doch spannend und schön sein kann.

Szenenbild (Foto: movienet)

Szenenbild (Foto: movienet)

Eine karge Inhaltsangabe (arbeitslose Mutter, drei Kinder von drei verschiedenen Männern, bedrängt von humorlosen Behörden, beäugt von miefigen Nachbarn) würde nach verdrießlichem Sozialdrama klingen. Das Gegenteil ist der Fall. Roberta (Meret Becker) stolziert mit roten Pumps und rotem Kleid durchs graue Dorf, verdreht dickbäuchigen Männern den Kopf und infiziert allmählich sämtliche Frauen mit erotischen Träumen. Das ist nicht weit vom Klischee, aber trotzdem lustig.

Wer etwas mehr Tiefgang möchte und miterleben will, wie sich Jugend und Intelligenz paaren und Wunsch und Wille zu einer praktikablen Lebensstrategie verbinden, sollte sich die junge Elisa Schlott ganz genau ansehen. Sie ist die Sensation des ebenso witzigen wie anrührenden Films. Elisa Schlott ist die 15-jährige Nana, Tochter von Roberta. Sie jobbt als Schleusenwärterin beim Wasserkraftwerk, würde aber gern das Leben und die Liebe erkunden, loslaufen in die Welt und Schiffskapitänin werden. Doch meistens muss sie auf ihre ausgeflippte Mutter aufpassen und ihre kleinen Geschwister versorgen. Und dann verknallt sich Nana auch noch in Eduardo (Barnaby Metschurat), diesen schönen, rätselhaften neuen Arzt, den es aus unerfindlichen Gründen in das abgelegene Dorf am Rhein verschlagen hat. Eduardo ist der halbseidene, geheimnisvolle Zauberer, der direkt aus einem alten Shakespeare-Stück in den neudeutschen Film entsprungen zu sein scheint – und wieder verschwinden wird, wenn seine Arbeit getan ist und jeder bekommt, was er braucht: eine Zukunftsperspektive.

Bilder und Dialoge balancieren gekonnt zwischen satirischer Wirklichkeit und magischem Realismus. Ein kleiner Film mit großer Wirkung. Ein Juwel.

(Kinostart: 25. August)

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Ein Kommentar zu “Fliegende Fische müssen ins Meer”: Zauberhafte Kino-Komödie aus der deutschen Provinz

  1. Bernd Berke sagt:

    Läuft leider (noch) nicht im Ruhrgebiet, sondern einstweilen – halbwegs nahebei – nur in Düsseldorf (Metropol, Brunnenstr. 20) und Köln (Filmhaus, Maybachstraße 111).

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