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Das Material ist die Botschaft – Skulpturenausstellung „Bella Figura“ in Duisburg
Von Bernd Berke
Duisburg. Konservative Kunstbeflissene haben sie unablässig gefordert – die Rückkehr zum erkennbar Figürlichen, zum Menschenabbild in den Künsten. Es scheint, daß sie erhört worden sind.
Nach allen Minimal- und sonstigen Experimenten, die allemal auf Abstraktion hinausliefen, entstehen nun wieder körperhafte, allerdings fast immer in irgendeinem Grad deformierte Skulpturen. Die Zeit der flachen Bodenplastiken – schon die Duisburger Ausstellung „dreidimensional“ hat es gezeigt – ist vorerst vorüber.
„Bella Figura“, Präsentation von 12 Bildhauern im Duisburger Lehmbruck-Museum (1. Juli bis 2. September, Katalog 20 DM), verdeutlicht den Trend noch. Der Titel führt in die Irre: Kein einziger italienischer Bildhauer ist vertreten, sondern zehn aus der Bundesrepublik und je einer aus Österreich und den Niederlanden.
In zumeist expressiver Manier erheben sich die Plastiken wieder in die Vertikale.… Weiterlesen
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Kleist in die Ferne des Klassikers gerückt – „Die Familie Schroffenstein“ in Wuppertal
Von Bernd Berke
Wuppertal. Die Bühne schwarz ausgeschlagen, darauf ein verwitterter Baum. Warten auf Godot? Nein, die Wuppertaler Bühnen haben sich den selten aufgeführten Kleist-Erstling „Die Familie Schroffenstein“ vorgenommen.
Ein aus heutiger Sicht teilweise monströses Stück, das aber auch Stärken hat. Es geht um eine blutige Familienfehde. Zwei Clan-Linien derer von Schroffenstein bekämpfen einander – und das auf bloße Gerüchte und Sinnes-Täuschungen hin. Allseitiges Mißtrauen, dem sich nur (wie in „Romeo und Julia“) ein Liebespaar (mit tödlichen Folgen) entzieht, setzt eine unaufhaltsame Mechanik der Rache in Gang.
Nun muß man ja nicht direkt auf Vorgänge zwischen den heutigen Supermächten anspielen. Was aber unter Regie von Dieter Reible geschieht, jenes textbrave Vom-Blatt-Spielen mit unfreiwillig komischen lauten Emotions-Ausbrüchen, das rückt Kleist in die unverbindliche Ferne eines „Klassikers“.… Weiterlesen
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Anbetung und Ausbeutung – der Wald in der Kunst
Von Bernd Berke
Recklinghausen. Zwischen Anbetung und Ausbeutung – so haben Künstler in den letzten zwei Jahrhunderten Natur gesehen und dargestellt.
Reichliches und hochkarätiges Anschauungsmaterial zur historischen Entwicklung des Naturverständnisses bietet ab heute die Kunstausstellung der Ruhrfestspiele ’84, die als Titel eine ironisch abgekürzte Eichendorff-Zeile trägt: „Wer hat Dich Du schöner Wald…“ „…aufgebaut so hoch da droben“, heißt es bei Eichendorff weiter. Schon das Katalog-Titelblatt (der „Holzfäller“ des jüngst wieder enorm aufgewerteten Schweizers Ferdinand Hodler) läßt ahnen, daß aufbauende Kräfte sich dem Wald nur selten widmeten.
Wohl noch nie hat die Kunsthalle Recklinghausen mit so vielen großen Namen aus der Kunstgeschichte aufwarten können: Cézanne, Corinth. Corot, Courbet, Max Ernst, C.D. Friedrich, Heckel, Klee, Kirchner – und so weiter im Alphabet.
Der Wald in der Kunst seit 1800: Anhand von 188 Leihgaben aus ganz Westeuropa kann man hier verfolgen, wie jede Epoche, jede Stilrichtung dazu ihre eigene, kaum verkennbare Anschauung entwickelt hat.… Weiterlesen
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Rundfunk-Premiere: Hörer sollen Themen selbst kommentieren – Idee aus dem WDR-Studio Dortmund
Von Bernd Berke
Dortmund. Hörer als Kommentatoren vor dem Rundfunkmikrophon – diese im WDR-Studio Dortmund aufgekommene Idee wird jetzt heiß diskutiert.
Bei Vorüberlegungen zum neuen Konzept der Sendung „Echo West“ (1. WDR-Hörfunk- Programm), die ab 1. Oktober im Rahmen der Regionalisierung um täglich eine Stunde verlängert wird, keimte der Gedanke: Warum, so fragten sich die Rundfunkleute, soll nicht einmal ein Stahlarbeiter zur Lage in der Stahlindustrie Stellung beziehen, warum soll nicht eine Hausfrau die Lebensmittelpreise aufs Korn nehmen oder ein Landwirt die unzuverlässigen Wettervorhersagen geißeln? Sollte die Idee verwirklicht werden, so wäre der WDR der erste Sender in der Bundesrepublzk, der die Zeitläufte von „Normalverbrauchern“ kommentieren läßt.
Claus-Werner Koch, Leiter von „Echo West“, wendet sich schon jetzt gegen Bevormundung durch die Funk-Profis: „Wenn s nach mir geht, können die Leute drei bis vier Minuten lang frei von der Leber weg reden“.… Weiterlesen
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Bilderreise durch die Sowjetunion
Von Bernd Berke
Dortmund. Die Auslandskulturtage der Stadt Dortmund mit der Sowjetunion sind ab heute auch im Ostwall-Museum präsent, und zwar gleich mit einer Doppelausstellung über sowjetische Landschaftsmalerei der letzten Jahre sowie mit sowjetischen Plakaten aus der Zeit zwischen 1918 und 1982.
103 Landschaftsbilder von 78 Künstlern sind in der ersten Abteilung zu sehen. Schnell wird dem Betrachter deutlich, daß es hier weniger um künstlerische Genietaten oder zukunftsweisende Gestaltungen geht. Man kann aber anhand der Bilder in der Phantasie eine „Reise durch die Sowjetunion“ nachvollziehen.
Ganz bewußt wurden Werke aus allen 15 Sowjetrepubliken zusammengestellt, die lediglich gemeinsam haben, daß sie Landschaften zeigen. Fast sämtliche Stilrichtungen der Malerei sind vertreten: Impressionistische Bilder hängen neben expressionistisehen, eher kunstgewerblich anmutende Idyllen neben Beispielen abstrakter Formgebung oder solchen, die an westlichen Foto-Realismus erinnern.… Weiterlesen
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6000 eingewanderte Wörter – Paderborner Professor Broder Carstensen sammelt Belege für Anglizismen-Wälzer
Von Bernd Berke
Paderborn. Surfen bleibt Surfen. Der Versuch, die englische Sportbenennung mit dem Monsterwort „Brettsegeln“ einzudeutschen, darf als gescheitert gelten. Gescheitert sind auch die meisten anderen Versuche, die Flut von Anglizismen (Wortübernahmen und Entlehnungen aus dem Englischen) einzudämmen.
Bei vielen Worten merkt man inzwischen gar nicht mehr, daß sie von der britischen Insel oder aus den USA stammen. Der Paderborner Anglistik-Professor ler Carstensen (56), seit 20 Jahren eifriger Sammler von Angliszismen, arbeitet derzeit an einem Wörterbuch, mit dem er 6000 „eingewanderte“ Wörter anhand von 80 000 Beispielen (vor allem Belege aus Zeitungen) dokumentieren will.
Dem Wälzer, der in drei Jahren in einem Berliner Verlag herauskommen soll, wird man unter anderem entnehmen können, daß das Wort „Streß“ von einem kanadischem Arzt im Umlauf gesetzt wurde oder daß der Ausdruck „understatement“ (etwa: „Untertreibung“) seit 1956 im Schriftdeutsch gebräuchlich ist.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Anglizismen, Broder Carstensen, Deutsch, Englisch, Lexikon, Paderborn, Übernahmen
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Bühnen-Effekte aus der Trickkiste – Wuppertaler Premiere „Alice im Wunderland“
Von Bernd Berke
Wuppertal. Im Wunderland der Theater-Effekte glaubte man sich zeitweise zu befinden, und das war gar nicht verwunderlich: Auf dem Programm der Wuppertaler Bühnen stand schließlich die Premiere von „Alice im Wunderland“.
John V. Baer und Götz Burger zeichneten für Dramatisierung und Inszenierung der Geschichte verantwortlich. Lewis Carrolls 1864 für ein Kind geschriebene Erzählung ist – wie so vieles, was Kindern in Buchform angedient wird – eigentlich eine hochintellektuelle Spielerei. Da geht es zum Beispiel um Überlappungen von Traum und Wirklichkeit. Mathematik- und Logik-Dozent Carroll konnte sein Metier kaum verleugnen. Sein Welterfolg behandelt – im Gewand des Märchens – Probleme der Wahrnehmung, der Identität und der Erkenntnis, die bisweilen zu aberwitzigem Nonsens vorangetrieben werden.
Sehr zweifelhaft, ob die etwa fünf- bis achtjährigen Kinder, die einen Großteil des Wuppertaler Premierenpublikums ausmachten, sich an solchem philosophischen und psychologischen Stoff laben können.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Alice im Wuderland, Götz Burger, Gralf-Edzard Habben, John V. Baer, Lewis Carroll, Michael Wittenborn, Wuppertal
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Polizist debütiert als Romanautor – Reinhard Bottländer erzählt die Geschichte einer Flucht
Von Bernd Berke
Im Revier. Als „Kind des Ruhrgebiets“ bezeichnet er sich, als einen, der „aus ganz einfachen Verhältnissen kommt“. Sein Vater war Bergmann in Bochum, Reinhard Bottländer selbst ist Polizist geworden – und Schriftsteller.
In diesen Tagen erscheint im Recklinghäuser Georg Bitter Verlag sein erster Roman: „Konrad oder die lange Flucht“. Für die Geschichte eines 15jährigen, der aus dem Erziehungsheim flieht und der auch „draußen“ nur mit den Randgruppen der Gesellschaft Kontakt bekommt, konnte der 34jährige Autor manche der Erfahrungen verwenden, die er in der Fahndungsabteilung der Bochumer Kripo machte.
Bottländer, der seit kurzem in Dortmund wohnt und hier für den höheren Polizeidienst büffelt, debütierte 1979 mit einer Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Polizeialltag. Hans Sigismund von Buch, Lektor des Bitter-Verlags, griff damals sofort zu, obwohl der Autor noch völlig unbekannt war.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Autor, Georg Bitter Verlag, Konrad oder die lange Flucht, Polizist, Reinhard Bottländer
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Von der Heydt-Preis fällt Sparkurs zum Opfer – Initiative will Auszeichnung retten
Von Bernd Berke
Wuppertal. Großes Entsetzen in der Wuppertaler Kulturszene: Der seit 1950 jährlich verliehene Von der Heydt-Preis (bisherige Preisträger u.a.: Heinrich Böll und die Choreographin Pina Bausch) soll diesmal nicht vergeben werden – aus Sparsamkeitsgründen.
Empfahl die Stadtverwaltung noch ein maßvolles Vorgehen, nämlich eine Reduzierung der Preissummen (bisher 10 000 DM für den Haupt-, 5000 DM für den Förderpreis), so ging die Sparkommission des Rates ans „Eingemachte“ und beschloß, den Preis in diesem Jahr ganz zu streichen. Wuppertals Kulturamtsleiter Hans-Hermann Schauerte verteidigt den harten Schnitt: „Schließlich hatten wir ein 22-Millionen-Loch im Etat.“
Ganz anderer Meinung sind die Gründer der „Initiative Kulturpreis“, die sich jetzt gebildet hat. Gründungsmitglied Peter Schmitz, selbst Künstler: „Das ist typisch. Wenn gespart werden muß, wird immer zuerst im Theater die Heizung abgedreht.“… Weiterlesen
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„Freie Schule“: Kinder ergreifen erstaunlich schnell die Initiative – Unterricht hat trotz Ablehnung des Kultusministeriums begonnen
Von Bernd Berke
Bochum. Die ersten Unterrichtsstunden in der „Freien Schule“ Bochum-Dahlhausen sind vorüber. Wie berichtet, begann dort am Montag – einer Ablehnung des Düsseldorfer Kultusministeriums zum Trotz – der „Schulbetrieb“. Was tat sich ini den ersten Tagen?
Die Startphase ist mit derjenigen einer Regelschule kaum vergleichbar: Die neun Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis dreizehn Jahren bekommen in ersten Woche Gelegenheit, einander auf ungezwungene, spontane Weise kennenzulernen. Bisher an strenge Schulrituale gewöhnt, nutzten die Kinder diese Chance besonders am ersten Tag weidlich aus. Sie ergriffen sogleich Besitz von der schönen alten Villa. Gitarren und Bongotrommeln wurden ausgiebig traktiert. Wasserspritzflaschen aus dem Chemiezimmer blieben auch nicht unbeachtet.
Chaotisch ging es aber nicht zu. Bereits am zweiten Tag, am Dienstag, hatten sich die Kinder „ausgetobt“.… Weiterlesen
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