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Monatsarchive: April 1994
Schlachtrufe gegen den grauen Alltag – „Die Toten Hosen“ in der Dortmunder Westfalenhalle
Von Bernd Berke
Dortmund. Nebenan in der kleinen Halle 2 mühten sich die Grufties von „Black Sabbath“ um Hardrock-Stimmungsmache. Damit gab’s in der ausverkauften großen Arena gar keine Probleme. Denn dort spielten zeitgleich „Die Toten Hosen“. Wer neulich gedacht hatte, Herbert Grönemeyer habe das Dortmunder Publikum schon auf höchste Touren gebracht, der hatte nur die furiose Düsseldorfer Radau-Band noch nicht erlebt.
Die meisten „Hosen“-Titel haben kaum widerstehliche Refrains, so recht zum Mitgrölen. Ganz gleich, ob es um fröhliches Drauflosleben, Radikal-Klamauk oder um Warnungen vor Neonazis geht, es sind fast immer Schlachtruf-Gesänge, eingängige Mutmacher wie „Komm mit uns“ oder „Wir sind bereit“.
Die Bewegungen im Publikum gleichen denen in der Südkurve von Borussia Dortmund. Mit stoßweise gereckten Fäusten werden die lustvollen Remmidemmi-Hymnen begleitet.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Rock & Pop
Verschlagwortet mit 1994, Black Sabbath, Campino, die toten Hosen, Dortmund, Grönemeyer, Westfalenhalle
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Mit Lust und Leid gegen die starre Moral der Samurai – „Bilder der fließenden Welt“: Holzschnitte aus Japan in Oberhausen
Von Bernd Berke
Oberhausen. Wogende Leiber, stürzende Linien, wilde Begattung, gewaltsame Akte. Was die Hersteller japanischer Farbholzschnitte Im 19. Jahrhundert druckten, ist nichts für zarte und prüde Gemüter. Doch die Oberhausener Ausstellung dieser Blätter bietet mehr als Sex und Crime mit historisch-exotischer Note.
Der Sog solcher Darstellungen gleicht fast der betäubenden, sinnesraubenden Wirkung neuester Comics oder Videos. Zuweilen ist alles in gegenläufiger, expressiver Bewegung begriffen, man weiß nicht, wohin man zuerst schauen soll, der Blick wird hin- und hergerissen. Grelle Farbigkeit verstärkt die Effekte.
Drastisches Beispiel: Ein Herr scheint – sehr züchtig ausgedrückt – von verschiedenen Seiten zugleich die Dame zu bestürmen, und die biegt ihren Körper, als bestehe sie aus flüssigem Stoff. Pornographie? Nicht nur. Diese verwirrende Mehrfach-Ansicht geschlechtlicher Begegnung ist ein mit genuin künstlerischen Mitteln gesteigerter Ausdruck höchster Lust.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit 19. Jahrhundert, Bürgertum, Comics, Farbholzschnitte, Gürtel, Japan, Kabuki, Netsuke, Oberhausen, Pornographie, Samurai, Videos
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Wuppertal: Museum muß vorerst keine Bilder verkaufen – Ratsbeschluß sorgt nur für vorläufige Entwarnung
Von Bernd Berke
Wuppertal. Vorläufige Entwarnung: Das Ansinnen der Stadt ans Von der Heydt-Museum, zwecks Aufbesserung der Finanzen einige Bilder zu veräußern, ist erst einmal vom Tisch. Dennoch hängt weiter ein Damoklesschwert über dem Museum.
Einstimmig beschloß der Wuppertaler Stadtrat am Montagabend eine Dreipunkte-Erklärung zum bundesweit beachteten Bilder-Streit. Darin heißt es u. a., einen regelmäßigen (!) Verkauf von Kunstwerken zur Etat-Steigerung dürfe es nicht geben. Damit bleibt die Möglichkeit offen, von Fall zu Fall eben doch solche Aktionen ins Auge zu fassen.
Weiter enthält der Ratsbeschluß einen Dank an die Stifter von Kunstwerken, denen man die Sorge nehmen will, die von ihnen zur Verfügung gestellten Werke könnten zur etwaigen Verkaufsmasse gehören. Schließlich wird festgelegt, daß nur die Museumsleitung selbst über eventuelle Verkäufe aus der Sammlung entscheiden dürfe.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein
Verschlagwortet mit Bilderverkauf, Etat, Finanzen, Heinz-Theodor Jüchter, Sabine Fehlemann, Sparen, Von der Heydt-Museum, Wuppertal
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„Starkes Stück Mord“: Revier ist Krimiland – Autoren aus ganz Deutschland kommen zur „Criminale“
Von Bernd Berke
Im Westen. Früher war das Ruhrgebiet vor allem Schauplatz sozialkritischer Literatur, heute ist es Krimiland. Nur folgerichtig. daß sich rund 80 literarische Mord-Spezialisten aus ganz Deutschland diesmal im Revier treffen.
Erstmals hat die Autorenvereinigung „Das Syndikat“ nicht öde Büchereien als Tagungs- und Lesungsorte ausgesucht. Auf Einladung des Sponsors IBA (Internationale Bauausstellung Emscherpark) kommt man vom 25. bis 28. Mai zur „Criminale ’94“ in Zechen und Industriehallen zusammen.
Autor und Mitorganisator Walter Wehner: „Es herrscht dort eine Atmosphäre, bei der man literarisch kaum noch etwas bieten müßte. Dreht man nur das Licht aus, ist es schon wie im Krimi.“ Sein Kollege Reinhard Junge befindet gar, das Ruhrgebiet entfalte womöglich die größten kriminellen Aktivitäten in ganz Europa. Woran er wohl dabei denkt?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Criminale, Das Syndikat, Krimis, Reihard Junge, Ruhrgebiet, Sabine Deitmer, Walter Wehner
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Wie die Medien unser Bild von Israel bestimmen – Ausstellung in der Alten Synagoge von Essen
Von Bernd Berke
Essen. Wir alle haben von Israel und den Juden lauter Zerrbilder aus den Medien im Kopf. So lautet jedenfalls die These einer Ausstellung der Alten Synagoge in Essen.
Vor allem zwei Magazine hat man zur Beweisführung ausgewertet, nämlich „Spiegel“ und „Stern“, die beide etliches zur Aufklärung über die Untaten der NS-Zeit beigetragen haben. Doch für diese Ausstellung hat man (nicht in Texten, sondern in der Bebilderung) ganz bewußt nach Defiziten und Fehlleistungen gesucht, die sich durch ihre Häufung seit den 50er Jahren zu Klischees verfestigt hätten. Tafeln mit vergrößerten Reproduktionen dienen als Beweisstücke.
In Deutschland lebende Juden kommen überhaupt selten in der Presse vor. Und wenn, dann nicht als „sie selbst“, wie die Ausstellungsmacher sagen, sondern fast nur in ihrer Rolle als Überlebende und (potentielle) Opfer, sozusagen als bloße Stellvertreter-Figuren historischer Erinnerung.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Medien, Politik und so
Verschlagwortet mit Alte Synagoge, Essen, Israel, Juden, Juden im Bild der Bundesrepublik, Medien, Mit dem Gebetsmantel zum Gegenangriff, Spiegel, Stern
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Hat der alte Adam Schwedisch oder Deutsch gesprochen? – Umberto Eco begibt sich auf „Die Suche nach der vollkommenen Sprache“
Von Bernd Berke
Gründliche Bücher fangen oft bei Adam und Eva an. Nicht nur in Deutschland. Auch der Italiener Umberto Eco („Der Name der Rose“) hält es so. Sein neues Buch „Die Suche nach der vollkommenen Sprache“ ist eine streckenweise beschwerliche, manchmal fröhliche, zumeist spannende Reise durch den Dschungel der Wissenschaft vom Wort.
Mit Adam geht’s deshalb los, weil der laut Bibel (Genesis) von Gott die Lizenz bekam, allen Tieren im Erdenrund Namen zu geben. In späteren Jahrhunderten hat man rückwärts geträumt, dies müsse die vollkommene Sprache gewesen sein. Und lange, lange hat man sich damit abgequält, diese Sprache zu rekonstruieren, indem man das Hebräische auf seine Ursprünge hin abklopfte. Vergebliche Liebesmüh ganzer Generationen von Weisen!
Im Lauf der Zeit verstand man die verschiedensten Idiome als Fortentwicklung und Widerschein jener perfekten Ur-Sprache: neben dem Hebräischen natürlich das Griechische.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Sprache, Wissenschaft
Verschlagwortet mit Die Suche nach der vollkommenen Sprache, Umberto Eco
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