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Monatsarchive: September 1985
Lothar Kampmanns souveräne Kurzel – scheidender Dortmunder Kunstprofessor stellt aus
Von Bernd Berke
Dortmund. Mit dem Kohlenzug fuhr Lothar Kampmann 1946 von Dortmund nach Hamburg, um dort eine Theateraufführung zu sehen. Auf der Reise durchs zerstörte Deutschland entstanden Zeichnungen, die das düstere Menschenelend jener Zeit ahnen lassen: „Die Blinden“, „Die Tauben“, „Die Stummen“. Die drei Blätter setzen jetzt starke Akzente bei einer Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte.
Zeichnungen und Kleinplastik des langjährigen Dortmunder Kunstprofessors Kampmann (der 60jährige erhielt am Donnerstag seine Ruhestandsurkunde) aus den Jahren 1945-85 sind zu sehen. Alle 160 Exponate stammen aus Kampmanns Atelier-„Schubladen“.
Bevorzugt arbeitet Kampmann mit Rohrfeder und Tusche. Geradezu „manisch“ (so er selbst) stellt er zum einmal gefundenen Thema serienweise Variationen her, „bis ich mir die Feder untertan gemacht habe“. In diesem Stadium „sitzt“ jeder Strich.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Dortmund, Lothar Kampmann, Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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Markenzeichen Thomas Gottschalk
„Ich stelle mich: Thomas Gottschalk“ (WDF, 20.15 Uhr)
Nicht „Ich stelle mich“ hätte diese erste Ausgabe nach der Sommerpause heißen sollen, sondern „Ich stelle mich d a r!“ Ja, dieser Thomas Gottschalk war wirklich zu kregel, zu gewieft und routiniert für Claus Hinrich Casdorff! Letzterer stellte, wenn er denn mal in seiner Sendung zu Wort kam, sauertöpfisch-moralisierende Fragen, die Tausendsassa Gottschalk jeweils schnell mit ein paar lockeren Sprüchen wegwischen konnte. Das „Streit“-Gespräch mit dem Kölner Generalvikar geriet dann vollends zur Farce. Es endete in gegenseitigem Schulterklopfen und Lobhudelei. Gottschalk ist in der Lage, seine wenigen Ansichten so harmlos vorzubringen, daß ihm keiner so richtig böse sein kann.
Immerhin wissen wir nun, daß der jungenhafte Liebling der Nation (tatsächliches Alter: 35 Jahre) einen erklecklichen Frank-Elstner-Komplex demonstrativ vor sich herträgt, daß er nicht als oberflächlich gelten mag (es aber doch sein muß – die Einschaltquoten-Philosophie, der er selbst huldigt, will es halt so) und einen Regierungs-Mix mit Helmut Schmidt, Gerhard Stoltenberg und Otto Schily für wünschbar hält.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Claus Hinrich Casdorff, Ich stelle mich, Thomas Gottschalk, TV, TV-Kritik, WDR
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Querschnitt durchs Werk von Fritz Winter in drei Museen
Von Bernd Berke
Hamm/Ahlen. Der Beginn seiner Laufbahn war geradezu traumhaft: Fritz Winter, geboren am 22. September 1905 in Altenbögge bei Hamm als Sohn eines westfälischen Bergmanns, bewarb sich 1927 an der damals wichtigsten Kunstschule Deutschlands, dem Bauhaus in Dessau, wo so berühmte Lehrer wie Paul Klee, Josef Albers und Wassilij Kandinsky wirkten. Winter, der seine Jugend in Ahlen/Westfalen verbrachte und auch selbst im Bergbau gearbeitet hatte, war mit seinen 15 eingereichten Zeichnungen erfolgreich.
In den 50er Jahren wurde er international bekannt und mit zahlreichen Preisen bedacht. Nun werden dem 1976 gestorbenen Künstler, der jetzt 80 Jahre alt geworden wäre, in Hamm und Ahlen gleich drei parallele Ausstellungen gewidmet. Das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm zeigt bis 27. Oktober das Frühwerk (1926-1945), das von Winters Nichte Helga Gausling geleitete Ahlener Fritz-Winter-Haus präsentiert seine Arbeiten zwischen 1949 und 1970 (bis 15.12.)… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Ahlen, Fritz-Winter-Haus, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, Heimatmuseum Ahlen, Helga Gausling
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Die Bühne, das monströse Wahnsystem – Thomas Bernhards „Theatermacher“ in Bochum
Von Bernd Berke
Bochum. Ein fast dreistündiger Wahnwitz-Monolog, eine qualvoll in sich selbst kreisende, alles unterschleifende Haß-Litanei gegen die rundum „widerwärtige“, „absurde“, „perverse“ Welt, unter besonderer Berücksichtigung der kunstfeindlichen „Eiterbeule Österreich“ – das muß ein Stück von Bernhard sein.
Thomas Bernhards „Der Theatermacher“, in Claus Peymanns Inszenierung jüngst zu Salzburg uraufgeführt (die WR berichtete), war am Samstag erstmals an Peymanns Noch-Wirkungsstätte Bochum zu sehen. Und wenn sich auch die zahlreich wiederholten Bösartigkeiten gegen das Alpenvolk hier abstrakter ausnehmen als eben beispielsweise in Salzburg, so sind doch immerhin große Teile des Bochumer Publikums durch langjährige Aufführungspraxis „Bernhard-geschult“. Verständnisbereitschaft, ja streckenweise auch Nachsicht für diesen eher schwachen Text sind denn auch nötig.
„Der Theatermacher“ Bruscon (Traugott Buhre), der sich gern in einem Atemzug mit Shakespeare und Goethe nennt, ist mal wieder in der hinterletzten Provinz gelandet.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Bochum, Claus Peymann, Der Theatermacher, Hugo Lindinger, Josefin Platt, Kirsten Dene, Martin Schwab, Thomas Bernhard, Traugott Buhre
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Zwischen Erotik und Erniedrigung – umfangreiche Aktfoto-Schau in Dortmund
Von Bernd Berke
Dortmund. Der nackte Menschenkörper vor der Kamera. In allen denkbaren Posen, Verfremdungen, Freiheiten und Zwängen; kultiviert, erhöht, aber auch vergewaltigt.
Von der Erotik bis zur Erniedrigung, vom Bild mit Kunstanspruch bis zum Kommerz-Reißer reicht das Spektrum der Ausstellung „Das Aktfoto“, die jetzt – nach langen und zähen Verhandlungen – im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen ist. Höchstwahrscheinlich wird dies die einzige Station nördlich der Mainlinie bleiben. Die Schau, die besonders in München Furore machte (die WR berichtete ausführlich) und nun via Frankfurt und Wien ins Revier kommt, dürfte, trügen nicht alle Sinne, wohl die bestbesuchte Ausstellung dieses Jahres in Dortmund werden. Ob sich, wie in München geschehen, auch hier Besucher vor den Bildern ihrer Textilien entledigen, bleibt abzuwarten.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Das Aktfoto, Dortmund, Jörn Christiansen, Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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„Dantons Tod“: Die Revolution als Kasperltheater
Von Bernd Berke
Wuppertal. „Dantons Tod“ ist von der ersten Szene an eine Tatsache, die nur noch nicht ganz eingetreten ist.
Der ehedem revolutionäre Melancholiker verbirgt sich vor der elenden Schreckensherrschaft Robespierres unter Julies weißem Rock – und der ist schon ein symbolisches Leichentuch. Mit Georg Büchners Stück, dessen Untertitel „Die Revolution frißt ihre Kinder“ lauten könnte, eröffnete das Wuppertaler Schauspielhaus die neue Spielzeit.
Von „Revolution“ ist nichts mehr zu spüren in Ulrich Greiffs Inszenierung. Robespierres Guillotinen-Terror, im Namen einer genußfeindlichen „Tugend“ rasend geworden, hat nicht nur die politische Vernunft, sondern die ganze Realität ausgelöscht. Simon (Holger Schamberg) hockt, dem Publikum zugewandt, wie ein Shakespearscher Narr in seinem Souffleurkasten und pocht – zum Ersten, zum Zweiten, zum Letzten – die Stationen des Unaufhaltsamen ab.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Theater
Verschlagwortet mit "Dantons Tod", Büchner, Heiner Stadelmann, Siegfried Maschek, Ulrich Greiff, Wuppertal
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Operettenhaft: Stück über Katastrophe auf Zeche Radbod
Von Bernd Berke
Hamm. Der 12. November 1908 war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte des Revierbergbaus. Um 4.20 Uhr früh kostete eine gewaltige Schlagwetter-Explosion 350 Bergleute das Leben. Ort der Katastrophe: Zeche Radbod in Bockum-Hövel, dem heutigen Hammer Ortsteil.
Alfons Nowackis Revier-Ballade „Auf in den Westen, wo schwarz ist das Gold“ macht den schrecklichen Vorgang, an dem Bergwerksbosse die Hauptschuld trugen, zum Dreh- und Angelpunkt eines Ruhrgebiets-BiIderbogens mit Szenen aus dem Alltag der „Kumpel“.
Im Schatten der Unglückszeche von 1908, nämlich im Saalbau Bockum-Hövel, hatte am Freitagabend die Inszenierung des Westfälischen Landestheaters (WLT) Premiere. Sei es, daß die Castroper Truppe die Werbetrommel zu leise rührte, sei es, daß Frei-Haus-Unglücke im Fernsehen sich heute mehr aufdrängen als die Vorgeschichte der eigenen Region – die Veranstaltung fand jedenfalls vor halbleeren Rängen statt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Operette & Musical, Region Ruhr, Theater
Verschlagwortet mit 1908, Alfons Nowacki, Auf in den Westen wo schwarz ist das Gold, Bergleute, Bernd Krzistetzko, Bockum-Hövel, Hamm, Radbod, Saalbau Bockum-Hövel, Westfälisches Landestheater, WLT, Zechenunglück
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„Ehrenrettung“ für den Graphiker Marc Chagall – Münster legt Schwerpunkt auf Frühwerk
Von Bernd Berke
Münster. Der im März 1985 verstorbene Marc Chagall hat sich in seinem graphischen Spätwerk oft nur noch spannungslos-süßlich selbst zitiert. Es fällt schwer, dies zu schreiben: Auf seine alten Tage hat Chagall manche Belanglosigkeit zu Papier gebracht. Zudem tauchen immer häufiger „wilde“, nicht autorisierte Nachdrucke auf.
Jetzt präsentiert das Westfälische Landesmuseum in Münster rund 300 graphische Arbeiten Chagalls, und just zu diesem Zeitpunkt steigt ein örtliches Kaufhaus massiv in den Kommerz mit Chagall-Drucken ein.
Chagalls graphisches Spätwerk rangiert im Urteil der Fachwelt niedrig. Gleichviel, ob den Experten vielleicht gerade die außerordentliche Popularität des Chagall’schen Figurenkosmos verdächtig ist – das Landesmuseum versucht sich nun sozusagen an einer „Ehrenrettung“, indem es den Schwerpunkt aufs graphische Frühwerk legt, das noch vor lauter unverbrauchter Fabulierlust sprüht.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Allgemein
Verschlagwortet mit Ernst-Gerhard Güse, Graphik, Marc Chagall, Münster, Westfälisches Landesmuseum
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