Festspiel-Passagen XI: Mozart und Strauss – Neuinszenierungen in Salzburg

Dich, düstre Halle, grüßte keiner: Rolf Glittenbergs Hotel-Einheitsbühnenbild für den Salzburger "Don Giovanni". Foto: Michael Poehn

Dich, düstre Halle, grüßte keiner: Rolf Glittenbergs Hotel-Einheitsbühnenbild für den Salzburger „Don Giovanni“. Foto: Michael Poehn

Wenn sich nach sexueller Bedrängnis und ohnmächtiger Eifersucht Zerlina und Masetto in einem Moment der Ruhe wiederfinden, wenn sie sich in Duettino und Arie der Zerlina („Vedrai carino“) nach allen emotionalen Stürmen wiederfinden, entkleiden sich Valentina Nafornita und Alessio Arduini, schlüpfen in Unterwäsche in eines der Zimmer des düsteren Hotels, entziehen sich dem Zugriff des allgegenwärtig scheinenden Don Giovanni. Und dem sehnsuchtsvoll dem Paar nachblickenden Don Ottavio zeigen sie, was die Sinnspitze sexuellen Begehrens sein sollte: die liebende Begegnung, auf die er – mit Donna Anna – vergeblich hofft.

Sven-Eric Bechtolf. Foto: Julia Stix

Sven-Eric Bechtolf. Foto: Julia Stix

Das war einer der flüchtigen Momente im Salzburger „Don Giovanni“ Sven-Eric Bechtolfs, der gezeigt hat, wohin diese Inszenierung hätte führen können.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen XI: Mozart und Strauss – Neuinszenierungen in Salzburg

Immer munter und vergnügt: Vom Leben älterer Menschen rund um den Erdball

Stets selbst mit im Bild: ZDF-Reporterin Anja Roth - hier mit dem sardischen Schäfer Tonino Tola (84). (Bild: ZDF/Frederic Ulferts)

Stets selbst mit im Bild: ZDF-Reporterin Anja Roth – hier mit dem sardischen Schäfer Tonino Tola (84). (Bild: ZDF/Frederic Ulferts)

Im ZDF haben sie mal wieder alle Probleme dieser Welt einfach weggelächelt.

„Wie geht die Welt mit ihren Alten um?“ lautete das Thema – und wurde weitgehend verfehlt. Es war gedankenarmes Wohlfühl-Fernsehen nach Art eines Boulevard-Magazins, mit dem uns die Reporterin Anja Roth vom Leben älterer Menschen rund um den Erdball berichtet hat. Immer lachend, immer munter und vergnügt. Wirklich gravierende Probleme oder gar bedrückende Armut kamen ja auch in dieser neuen Ausgabe von „außendienst XXL“ kaum vor. Im Gegenteil: Die meisten der gezeigten Leute konnten sich das bessere Leben schlichtweg finanziell leisten.

Fit und schön in Brasilien

Immer selbst mit im Bild: Reporterin Roth, die anscheinend weltweit keinen Dolmetscher brauchte.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Weite Welt | Verschlagwortet mit , , , , , | Ein Kommentar

„Das weiße Gold der Kelten“: Salz hält auch uralte Fundstücke frisch

Wo vor Jahrzehnten noch das „Schwarze Gold“, also Kohle, das Leben bestimmt hat, geht es nun ums „Weiße Gold“ in viel weiter entfernten Zeiten: In Herne zeigt das LWL-Museum für Archäologie die aus Wien kommende Ausstellung „Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz“.

Es geht um staunenswerte Funde aus Hallstatt (Oberösterreich), wo schon in der Jungsteinzeit Salz gewonnen wurde. Um 1500 v. Chr. waren dann die bronzezeitlichen Kelten schon versiert im Salzbergbau. Etwa 1245 v. Chr. beendete ein katastrophaler Erdrutsch diese Phase. Die Geschichte des quasi (vor)industriellen Abbaus beginnt um das Jahr 850 v. Chr., in der frühen Eisenzeit. Die Kelten meißelten sich ins Innere der Berge vor, entlang der Salzadern stellenweise über 300 Meter tief. So weit die grobe Chronologie.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Arbeitswelt & Beruf, Geschichte, Natur Klima Umwelt, Technik, Wirtschaft & Geld, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Ein Kommentar

Festspiel-Passagen X: „Tannhäuser“ in Bayreuth – Keine Erlösung aus dem System

Wichtig für das Funktionieren der Wartburg-Gesellschaft im Bayreuther "Tannhäuser": der "Alkoholator" in Joep van Lieshouts Bühnen-Installation. Für das Publikum eine Provokation. Foto: Enrico Nawrath

Wichtig für das Funktionieren der Wartburg-Gesellschaft im Bayreuther „Tannhäuser“: der „Alkoholator“ in Joep van Lieshouts Bühnen-Installation. Für das Publikum eine Provokation. Foto: Enrico Nawrath

Wieder einmal funktioniert die „Werkstatt Bayreuth“. So war die Erwartung 2011, als Sebastian Baumgartens neue „Tannhäuser“- Inszenierung den „Grünen Hügel“ und die Wagner-Welt in Aufregung versetzte. Immerhin ist Baumgarten einer der Vordenker des (Musik-)Theaters in Deutschland.

Und der Dirigent der damaligen Premiere, Thomas Hengelbrock, steht für eine kompromisslose Sicht auf die Musik, nicht nur in ihrem von den Schlacken der Interpretationsgeschichte gesäuberten Text, sondern auch in den aufführungstechnischen Bedingungen ihrer Entstehungszeit. Dazu kommt die Bühne von Joep van Lieshout, der mit seinem „AVL“-Atelier in Rotterdam und seinem utopischen Kunstprojekt „AVL-Ville“ alles andere als einen exklusiven zeitgenössischen Formalismus oder Ästhetizismus vertritt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen X: „Tannhäuser“ in Bayreuth – Keine Erlösung aus dem System

Lars Vilks „Nimis“: Kunstwerk aus Treibholz reizt seit Jahrzehnten die Staatsmacht

Wer kann schon von sich erzählen, dass er während einer Reise durch den Norden Europas in vier Ländern und vier Hauptstädten gewesen sei, er sich aber nur in zwei staatlichen, vollorganisierten Gebilden aufgehalten habe. Ja, das geht!

Man reist durch Schweden, besucht Stockholm, durchfährt Schonen und trifft am Kullaberg auf Ladonien und Nimis, dehnt die Fahrt auf Dänemark und Kopenhagen aus und streift dort durch ein Lebensquartier mit Namen „Christiania“ mit der Hauptstadt gleichen Namens.

Schweden und Dänemark sind ja den meisten durchaus ein Begriff, „Christiania“ ist jedem ein solcher, der Hippies, Hanf und Hausbesetzer noch in die ihnen zugeordneten Schubladen einsortieren kann. Ladonien hingegen kennen nur Kenner – und seit einer ausgedehnten Fahrt durchs schwedische Schonen auch ich. 1980 begann dort im Naturschutzgebiet Kullaberg in einer vom Festland aus schwer zugänglichen (oh ja) Bucht der Künstler Lars Vilks Treibholz zu sammeln und es mit unzähligen Nägeln zu einer bekletterbaren Monsterskulptur zu zimmern.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kultur an sich, Kunst & Museen, Natur Klima Umwelt, Politik und so, Stadt Land Fluss, Unterwegs, Wahnwitz | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

TV-Nostalgie (25): „Am laufenden Band“ – Als Rudi Carrell das Fernsehen in Schwung brachte

Rudi Carrell in der Sendung vom 25. April 1976. (Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=zgADLE9zduU)

Rudi Carrell in der Sendung vom 25. April 1976. (Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=zgADLE9zduU)

Dass Rudi Carrells phänomenaler ARD-Fernseherfolg „Am laufenden Band“ ein Produkt der 70er Jahre war, merkt man an manchen Einzelheiten sehr deutlich.

Dies alles war beispielsweise in der Ausgabe vom 25. April 1976 zu erleben, die jetzt noch komplett im Internet zu besichtigen ist: Showmaster Rudi Carrell trägt zeittypische Schlaghosen. Bei einem Kreativspielchen wird die arabische Sprache derart wüst parodiert, wie dies heute kaum noch öffentlich-rechtlich denkbar wäre.

Spiel mit den Geschlechterrollen

Und weiter: An etlichen Stellen der Sendung wird klar, wie festgelegt die männlichen und weiblichen Rollenmuster immer noch gewesen sind. Ein neckisches Rollentausch-Spiel, bei dem die Frauen in die Kneipe und die Männer in die Küche gehen, bezieht sich direkt darauf.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Mit Igor Strawinsky im Knochenstaubland – die Ruhrtriennale zermalmt das „Sacre“

Auf der Bühne rieselt's Knochenstaub, aus der Konserve tönt das "Sacre". Foto: Wonge Bergmann/Triennale

Auf der Bühne rieselt’s Knochenstaub, aus der Konserve tönt das „Sacre“. Foto: Wonge Bergmann/Triennale

Es gibt Momente im Leben eines Kritikers, die entpuppen sich letzthin als verlorene Zeit. Wir haben es gerade erfahren, in einer Vorstellung der Ruhrtriennale. Annonciert wurde die Produktion, zu sehen in der Duisburger Gebläsehalle, in seltsamer Verkehrung der Urheberschaft. „Romeo Castellucci: Le Sacre du Printemps, Choreografie für 40 Maschinen mit Musik von Igor Strawinsky“ lautet der genaue Titel. Das lässt einiges erahnen, allein, es kommt noch schlimmer.

Ein Blick auf den Besetzungszettel nämlich verrät, dass Scott Gibbons für den „Sound“ verantwortlich ist. Und dass die „Aufnahme“ (des Sacre) von MusicAeterna stammt, unter dem Dirigenten Teodor Currentzis. Kurzum: Wir hören das Stück aus der Konserve. Kein Orchester, nirgends.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Mit Igor Strawinsky im Knochenstaubland – die Ruhrtriennale zermalmt das „Sacre“

Aluminium in Duisburg, Videos in Essen – die Installationen der Ruhrtriennale

Die Kunst kann jetzt besichtigt werden. Man darf sogar auf ihr gehen, rennen, hüpfen und – bei hinreichender Körperbeherrschung – tanzen. Der Grund ist schwankend, genauer: federnd: „Melt“, so heißt die Arbeit, besteht aus 50 Aluminiumplatten, die auf einer durablen Federung lagern und aneinander verlegt einen 70 Meter langen Weg ergeben.

Der Weg befindet sich zum größten Teil unterhalb der stillgelegten Hochöfen auf dem Hüttengelände im Landschaftspark Duisburg Nord, weshalb er etwas dunkel ist und auch tagsüber von Scheinwerfern bestrahlt wird. Hier spürt man in den Worten des Künstlerduos Rejane Cantoni und Leonardo Crescenti, das gern auch etwas griffiger als „cantoni crescenti“ zeichnet, die „vibes“, die „communication“, den „sound“, und natürlich ist das alles „very social“.

melt_edf266f3a3cfebcedae92f4396ef580b

„Melt“ (Foto: Leonardo Crescenti/Ruhrtriennale)

Tja.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kunst & Museen, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Aluminium in Duisburg, Videos in Essen – die Installationen der Ruhrtriennale

Unter Schafen: Die Ruhrtriennale 2014 beginnt mit „De Materie“ von Louis Andriessen

Schafe unterm Zeppelin: Szene aus der Deutschen Erstaufführung von Louis Andriessens "De Materie" (Copyright: Wonge Bergmann/Ruhrtriennale)

Schafe unter dem Zeppelin (Foto: Wonge Bergmann/Ruhrtriennale)

Sie muss wirklich gute Augen haben, die Dame in der Reihe hinter uns. Während wir noch rätseln, was für seltsame Gestalten weit hinten aus dem Dunkel auftauchen, aus der Tiefe der 160 Meter langen Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord, beginnt sie zu kichern, den Kopf zu schütteln und sich halblaut zu mokieren. Dann entfleucht der wogenden Masse ein verräterischer Laut. „Möööh!“ Heiner Goebbels, Intendant der Ruhrtriennale, treibt als Regisseur der Deutschen Erstaufführung von Louis Andriessens Oper „De Materie“ tatsächlich eine Schafherde über die Bühne.

Eine gefühlte Ewigkeit, in Wahrheit sind es etwa 20 Minuten, sehen wir 100 Schafen aus dem Raum Düsseldorf dabei zu, wie sie durch die monumentale Weite des Raums trappeln. Sie halten sich dicht aneinander, scheinen nach Futter zu suchen, bewegen sich im sanften Schein eines ferngesteuerten Modell-Zeppelins, der über ihren Köpfen schwebt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Fast alltäglich – eine Stadt ohne Buchhandlung

Ennepetal ist eine Stadt mit gut 30.000 Einwohnern am Südrand des Ruhrgebietes, eine mittlere Kleinstadt, viel mittelständische Industrie, ein großes Gymnasium mit 1.400 Schülern, ein privates Theater, drei Talsperren, und als Attraktion die heilklimatische Kluterthöhle. Bis Ende März dieses Jahres hatte Ennepetal auch eine richtige Buchhandlung, gut sortiert und angesehen, doch das ist Vergangenheit.

Das ist Vergangenheit: Die Buchhandlung in Ennepetal. (Foto: Pöpsel)

Das ist Vergangenheit: Die Buchhandlung in Ennepetal. (Foto: Hans H. Pöpsel)

Die Buchhandlung hat am 31. März für immer geschlossen, in ihren Räumen befindet sich seit Anfang Mai der Kinderkleider-Laden des örtlichen Kinderschutzbundes – ein ehrenhaftes und ehrenamtliches Geschäft, aber eben keine Buchhandlung. Deren Inhaberin hatte sich monatelang bemüht, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, sie wollte sogar die Einrichtung (fast) verschenken, doch wer in die Bilanz der letzten Jahre geschaut habe, der habe sich schnell abgewandt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Gesellschaft & Soziales, Medien, Region Ruhr, Warenwelt & Werbung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Fast alltäglich – eine Stadt ohne Buchhandlung

TV-Nostalgie (24): „Der große Bellheim“ – Die älteren Herren wollen es noch einmal wissen

Vier ältere Herren wollen es noch einmal wissen – und wie! Wohl selten ist der Segen langjähriger Berufserfahrung so schlüssig vor Augen geführt worden wie im legendären Vierteiler „Der große Bellheim“.

Drei vom Quartett (v. li.): Mario Adorf, Will Quadflieg, Hans Korte - es fehlt nur Heinz Schubert. (Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=qP0JA3vx_gs)

Drei vom Quartett (v. li.): Mario Adorf, Will Quadflieg, Hans Korte – es fehlt nur Heinz Schubert. (Screenshot aus: https://www.youtube.com/watch?v=qP0JA3vx_gs)

Regisseur Dieter Wedel konnte bei den Dreharbeiten (1991/92) auf eine ungemein erlesene Darstellerriege vertrauen – allen voran das Quartett Mario Adorf (in der Titelrolle des Peter Bellheim), Heinz Schubert, Will Quadflieg und Hans Korte. Sie raufen sich nach und nach zusammen, um das altehrwürdige Kaufhaus Bellheim zu sanieren, das in Schieflage geraten ist und überdies von fiesen Finanzjongleuren (Heinz Hoenig, Leslie Malton) skrupellos attackiert wird.

Langweiliger Ruhestand

Eigentlich hatte sich Peter Bellheim schon mit 57 Jahren nach Spanien zurückgezogen, um den sonnigen Ruhestand zu genießen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Arbeitswelt & Beruf, Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Wirtschaft & Geld | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

Zum Tod des Englischlehrers

Natürlich kündet es vom Nahen des eigenen Todes, wenn immer mehr Menschen sterben, die man gekannt hat. Und wieder ist einer dahin…

Es ist schon fast ein halbes Jahr her. Durch einen Schulfreund habe ich es erst jetzt erfahren.

Er war unser Englischlehrer im Gymnasium, genauer: ab der Mittelstufe. Vorher hatten wir einen, der hauptsächlich Sport gab und Englisch nur nebenher betrieb. Eigentlich ein Witz.

Dieser aber war vergleichsweise ein Geistesriese. Trug einen Doktortitel. Hat nach und nach ein paar Bücher zur Textinterpretation verfasst. Man munkelte gar, dass er von mehreren Universitäten umworben werde. Er aber blieb bis zur Pensionierung an dieser Schule. Ein Heros der Selbstbescheidung?

Relikt schwerer Schulstunden: Die ersten Seiten von Shakespeares "Macbeth" mit Randnotizen. (Foto: Bernd Berke)

Relikt schwerer Schulstunden: Die ersten Seiten von Shakespeares „Macbeth“ mit Randnotizen. (Foto: Bernd Berke)

Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ging zudem die Saga, er habe als Student in einem britischen Bergwerk geschuftet, um sich über Wasser zu halten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Kinderzeiten, Literatur, Schule, Uni, Bildung | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Zum Tod des Englischlehrers

Festspiel-Passagen IX: „Jedermann“ als bilderreiches Mysterienspiel in Salzburg

"Jedermann" in Salzburg 2014: Cornelius Obonya ist die Titelfigur, Brigitte Hobmeier die Buhlschaft. Foto: Monika Forster

„Jedermann“ in Salzburg 2014: Cornelius Obonya ist die Titelfigur, Brigitte Hobmeier die Buhlschaft. Foto: Monika Forster

„Veronica Ferres war besser“, sagt der Mann auf der Holzbank nebenan. Soeben war mit kitschiger Engelsmusik das Sterben des reichen Mannes zu Ende gegangen; die bunte Truppe von Schauspielern hatte ihm mit Händen voll Erde die letzte Ehre erwiesen.

Bedeutend aber scheint nicht die Moral von der Geschicht‘, sondern die Darstellerin der Buhlschaft: Die Vierzig-Sätze-Partie ist Vorzeigerolle gerade populärer Schauspielerinnen, seit 1920 der Berliner Star Johanna Terwin in Max Reinhardts Regie die Rolle auf dem Salzburger Domvorplatz kreiert hat.

Dabei wäre es dem Stück angemessener, auf andere Rollen zu achten. Auf den Tod etwa, den unheimlichen Boten des Endgültigen. Den spielt anno 2014, erhaben und mit lapidarem Grandeur, der dürre, hochgewachsene Peter Lohmeyer mit kantigem Nosferatu-Schädel und nahezu knochenlos: Sein Gewand weht um die Gestalt wie Nebelschleier, und wenn er dem Jedermann sagt, was Sach‘ ist, zieht er mit dem riesigen gebeinfarbenen Tafeltuch samt der metallisch klappernden Trinkgefäße davon, während sich die Gesellschaft furchtsam hinter den Tischen verschanzt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen IX: „Jedermann“ als bilderreiches Mysterienspiel in Salzburg

Geld sucht Kunst: Moderne in Monaco

Foto: Sidney Guillemin/Villa Paloma

Foto: Sidney Guillemin/Villa Paloma

Kunst und Geld gehen ja oft fruchtbare Verbindungen ein; zumindest, wenn man die bildende Kunst betrachtet und über Rekordpreise für Richters, Koons und Hirsts staunt. Und wo könnte diese Beziehung augenfälliger als im Fürstentum Monaco?

Auf diesem ehemaligen Piratenfelsen, der im 20. Jahrhundert zum Steuerparadies der Reichen und Schönen aufstieg, ist zeitgenössische Kunst angesagt: In der Villa Paloma, die mit der Villa Sauber gemeinsam das Noveau Musée National de Monaco bildet, ist bis zum 2. November 2014 eine Werkschau von Gilbert&George aus einer umfangreichen Familiensammlung zu sehen – der Familienname wird allerdings nicht genannt.

Von der Terrasse der aufwändig renovierten weißen Villa blickt man aufs Meer. Innen sind die Kunstfreunde an diesem Vormittag rar, so dass einem der Kurator selbst eine Art Privatführung anbietet.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Architektur & Städtebau, Fotografie, Gesellschaft & Soziales, Kultur an sich, Kunst & Museen, Stadt Land Fluss, Unterwegs | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Geld sucht Kunst: Moderne in Monaco

Emsige Proben und guter Vorverkauf – in wenigen Tagen startet die Ruhrtriennale 2014

gebläsehalle_b635ddd8300a03edf8c8d86149ab9764

Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord, zentraler Aufführungsort der diesjährigen Ruhrtriennale. Hier realisiert Heimer Goebbels „De Materie“. Foto: Matthias Baus/Ruhrtriennale

Intendant Heiner Goebbels probt schon seit Wochen „De Materie“ in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord, der Italiener Romeo Castellucci justiert rund 40 Maschinen, die für seine Inszenierung des Balletts „Le Sacre du Printemps“ „Knochenstaub zum Tanzen bringen“ sollen.

Der Schweizer Boris Nikitin hat in der Halle der Zeche Zwickel in Gladbeck eine Art Raum im Raum installiert, in dem seine sehr eigenwillige Musikproduktion „Sänger ohne Schatten“ nun zur Vorführungsreife gebracht werden soll. Und Katja Aßmann von den Urbanen Künsten Ruhr kann verkünden, daß die rund 50 polierten Aluminiumplatten, aus denen das interaktive Kunstwerk „Melt“ von Rejane Cantoni und Leonardo Crescenti besteht, auf dem Weg nach Duisburg seien.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Kultur an sich, Kunst & Museen, Oper & Ballett, Region Ruhr, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Ein Kommentar

Mäuse, Schweinchen, Feen und Pinguine: Sehenswerte Trickserien für Vorschulkinder

Mit Kindern lernt man nahezu zwangsläufig auch Kinderfernsehen kennen – alles in Maßen und sorgfältig ausgewählt, versteht sich. Und immer sollte das Vorlesen das Flimmern bei weitem überwiegen. Das musste auch mal wieder gesagt werden, nicht wahr?

Doch es gibt eben phantasievolle Trickserien, die auch im Sinne einer frühen „Medienkompetenz“ wirken dürften und gleichwohl vor allem unterhaltsam sind. Episoden sind reichlich im Internet zu finden und können also zur gefälligen Wunschzeit betrachtet werden. Ich habe hier einige Beispiele verlinkt, und zwar nur aus Produktionen, die ich für empfehlenswert halte; sofern man sie zusammen anschaut und bei Bedarf darüber redet.

Ben und Holly im Vorspann einer Episode von "Ben & Holly's Little Kinddom". (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=NSwNiZidAbA)

Ben und Holly mit Gaston, dem Marienkäfer – im Vorspann einer Episode von „Ben & Holly’s Little Kingdom“. (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=NSwNiZidAbA)

So weit die pädagogische Pflicht.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Kinderzeiten | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Festspiel-Passagen VIII: Die Phrasen des Bösen – „Die letzten Tage der Menschheit“ in Salzburg

Dörte Lyssewksi in Karl Kraus' "Die letzten Tage der Menschheit" in Salzburg. Foto: Georg Soulek

Dörte Lyssewksi in Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit“ in Salzburg. Foto: Georg Soulek

Servus, Erster Weltkrieg. Bist‘ auch angekommen in der Jetztzeit des Theaters. Zeigst dein Fratzerl von den Brettern herunter. Und wir sitzen im blassen Glanz des k.u.k. Neubarock im Salzburger Landestheater, ein Festspielpublikum, das dich, du Krieg, erlebt wie damals die feinen Herrschaften auf der Wiener Ringstrass’n.

Nicht in Dreck und Blut, zerfetzten Leibern und wahnsinnig gewordenen Augen. Sondern im prickelnden Schauder der Bilder des Grauens, der Feuilletons von Schlacht und Tod. In Schicksalen, zurechtgemacht für das Format der Nachrichten, hingeschnitten auf die Reportage-Schnipsel raschbildriger Magazine, passend für’s Twitter-Format.

Vor 100 Jahren gab’s das auch. Nicht Facebook-Einträge und bunt sprühende Raketeneinschlagsvideos. Die medialen Mittel waren anders, aber nicht weniger verschleiernd.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Festivals, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen VIII: Die Phrasen des Bösen – „Die letzten Tage der Menschheit“ in Salzburg

Radio-Legende: Als Carmen Thomas jede Woche mit dem Ü-Wagen aufkreuzte

Wer erinnert sich noch an diesen markanten Zeitpunkt der Radio-Geschichte? Es war vor beinahe 40 Jahren, am 5. Dezember 1974, als es erstmals hieß: „Hallo, verehrte Hörerinnen und Hörer. Hier meldet sich der Ü-Wagen, hier meldet sich Carmen Thomas.“

Zur Premiere der WDR-Sendung „Hallo Ü-Wagen“ wurde über Nikolausbräuche geredet – und darüber, ob man die Kinder über den Weihnachtsmann „belügen“ dürfe. Es waren halt die 70er Jahre, als manche meinten, alles in Frage stellen zu müssen.

Alle sollten mitreden dürfen

Carmen Thomas, die die Sendung bis 1994 moderierte, gehörte jedoch nicht zu den erbitterten Polit-Aufklärerinnen jener Jahre. Eher im Gegenteil. Bei ihr konnte alles zum Thema werden – und praktisch alle sollten mitreden dürfen. Mal angemessen ernst, mal leicht und locker.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales, Medien, Unterwegs | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Ein Kommentar

Festspiel-Passagen VII: Spaß am Ungehörten – Francesco Morlacchi in Wildbad wiederentdeckt

Beifall für Morlacchis Oper "Tebaldo e Isolina" in Wildbad. Foto: Elias Glatzle

Beifall für Morlacchis Oper „Tebaldo e Isolina“ in Wildbad. Foto: Elias Glatzle

Der gemeinhinnige Kulturbetrieb setzt auf die Freude am Wiedererkennen: Spielen wir Beethoven, dann kommen die Leut‘. Die Schwergewichte unter den Musikfestivals setzen schon aus Überlebens- und Konkurrenzgründen auf dieses probate Mittel, bemäntelt mir mehr oder weniger geschickten programmatischen Schlagworten oder mit ein paar Nischenkonzerten, in denen man Aufgeschlossenheit demonstriert. Und um Zeitgenossenschaft zu dokumentierten, empfiehlt es sich, Wolfgang Rihm einzuladen, der mit seiner stets freundlichen Ausstrahlung des genießenden Intellektuellen mit schwer genießbarer Musik versöhnt.

Es gibt aber auch ein paar Festivals, die sich diesem probaten Rezept entziehen. Rossini in Wildbad zum Beispiel. Da halten in einem Tal im nördlichen Schwarzwald eine Handvoll idealistischer Freaks um den Intendanten Jochen Schönleber und dem intellektuellen Überbau-Manager Reto Müller einen Komponisten hoch, den der Betrieb sonst meist nur mit komischen Figuren aus Gewerben duldet, die längst ausgestorben sind: Barbiere zum Beispiel – heute auf den Friseur reduziert – oder Küchenhilfen am aschigen Herd.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Festivals, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen VII: Spaß am Ungehörten – Francesco Morlacchi in Wildbad wiederentdeckt

Wenn Junggesellen die Sau raus lassen

Ein fast normaler Samstag in der Düsseldorfer Altstadt. Viele Menschen sind unterwegs oder sitzen an den Kneipentischen in der Abendsonne, und fast ebenso viele laufen gruppenweise in seltsamen Uniformen herum – bedruckte T-Shirts mit mehr oder weniger peinlichen Sprüchen. Abschied vom Junggesellen-Leben wird da gefeiert – oder auch vom Junggesellinnen-Leben.

Vor dem "Uerige" geht es nicht immer si gesittet zu. (Foto: Pöpsel)

Vor dem „Uerige“ geht es nicht immer so gesittet zu.          (Foto:Hans H.  Pöpsel)

Schon im Hauptbahnhof beginnt dieses Treiben. Gefühlt jede zweite Menschentraube im Tunnel unter den Gleisen ist in die Landeshauptstadt gedüst, um mit ihrem besten Kumpel oder der treuesten Freundin vor deren Gang zum Traualtar noch einmal die Sau rauszulassen.

Die Braut kennzeichnet meist ein angedeuteter Schleier, am liebsten in Rosa, und mancher Bräutigam wandert in Frauenkleidern durch die Altstadt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Liebesleben, Stilfragen | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

TV-Nostalgie (23): Dieter Kürten und die große Zeit beim „Aktuellen Sportstudio“

Mit den Jahren beschleicht einen bei manchen Dingen das Gefühl, dass sie früher einfach besser gewesen sind. So auch beim „Aktuellen Sportstudio“ im ZDF. Das wurde – im Gegensatz zu heute – in der guten alten Zeit noch live gesendet. Und gern erinnert man sich an sympathische Moderatoren wie Harry Valérien und Dieter Kürten.

Wir konzentrieren uns mal auf Dieter Kürten (geboren 1935 in Duisburg), der 1963 über eine Düsseldorfer Boulevardzeitung zum ZDF kam. Von 22. Oktober 1967 bis zum 30. September 2000 (!) hat er „Das aktuelle Sportstudio“ 375 Mal moderiert – ein phänomenaler Rekord.

Locker und seriös zugleich

Spaßeshalber (und es hat wirklich Freude gemacht) habe ich mir noch einmal eine Sendung von 1985 angeschaut, außerdem einige weitere Ausschnitte, in denen stets die Qualität des Dieter Kürten deutlich wird.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Leibesübungen, Medien | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für TV-Nostalgie (23): Dieter Kürten und die große Zeit beim „Aktuellen Sportstudio“

Flaneur im Stress – der Roman „Leise singende Frauen“ von Wilhelm Genazino

Die neuerliche Begegnung mit Wilhelm Genazino war eher Zufall. Ich sah das Buch beim Buchhändler liegen und dachte: schau doch mal rein. „Leise singende Frauen“ heißt der gerade einmal 176 Seiten umfassende Roman (im Paperback), den Titel ziert das Foto einer keusch berockten Dame mit Highheels und ohne Oberkörper, die sich bedrohlich weit aus einem Fenster zu lehnen scheint.

Erst auf den zweiten Blick gewahrt man, daß das Bild entweder ein farblich ganz zurückhaltendes Buntbild sein muß oder aber doch wenigstens ein kleines Bißchen Rot mitgedruckt wurde. Was sagt uns das? Eher – nichts. Man könnte allenfalls über die Motive der titelprägenden Firma („Wildes Blut, Atelier für Gestaltung“) spekulieren und vielleicht auch ein, zwei erwähnenswerte Erklärungsversuche herausdestillieren, doch wirklich weiter brächte einen das nicht.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Flaneur im Stress – der Roman „Leise singende Frauen“ von Wilhelm Genazino

Rätsel des Alltags (4): Spinnenkleber

Warum ruft man die „Revierpassagen“ auf? Richtig, wegen der zahllosen weltexklusiven Geschichten. So war hier schon von ungeahnten Alltagsrätseln wie dem Stöpsel-Spuk, dem Brezelschwund und den Problemkassen die Rede. Und jetzt dies:

Ich bin kein Insektenforscher, sondern eher das Gegenteil, wenn es das geben sollte. Doch dieser Tage habe ich ein rätselhaftes Phänomen aus dem Reich der Entomologie beobachten dürfen: Ein spinnenartiges Kleinlebewesen (genauer vermag ich es halt nicht zu sagen) krallte sich an der naturgemäß glatten Seitenscheibe meines Autos fest. Selbst bei rund 120 Stundenkilometern blieb das winzige Tier am Glas haften. Wie ist so etwas nur möglich?

Leider unscharf: ein spinnenartiges Wesen an der Autoscheibe. (Bild: Forschungsprojekt Berke)

Leider unscharf: ein spinnenartiges Wesen an der Autoscheibe. (Bild: Forschungsprojekt Berke)

Staunend steht man mal wieder vor einem Rätsel des Alltags. Hat diese Spinne unendlich feine Härchen mit immenser Haftwirkung?… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Natur Klima Umwelt, Netzwelten & KI | Verschlagwortet mit , , , | 5 Kommentare

Dortmund als Spaghettiträger-Metropole: „Juicy Beats“ mal anders betrachtet

Um 12 Uhr mittags gehen im Dortmunder Kreuzviertel die Türen auf. Heraus strömen die Freiluftlivemusikfreunde. Gelassen und lässig wandern sie zum Westfalenpark. Manche sind ausgerüstet wie für einen Kurzurlaub, anderen reichen Flipflops und ein Jutebeutel mit Proviant. Die meisten sind zwischen 15 und 30.

Die Palette ihrer Lieblingsmusiken reicht von Raggae bis House, von Ethno bis Hiphop. Um 12 eröffnete das diesjährige 19. Juicy Beats Festival, das zum ersten Mal (damals noch unter dem Titel „Juicy Fruits“) am 26. Juli 1996 die Live-Musik in Dortmund unter dem Sonnensegel im Westfalenpark bereichern wollte. Inzwischen haben sich Programmumfang und Publikum vervielfacht. Ausverkauft. Früchte sind die Wegweiser zu den Veranstaltungen –  über 40 Live-Acts und 100 DJs, die dafür sorgen, dass hier keine Ruhe einkehrt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Region Ruhr, Rock & Pop | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

Ruhrtriennale doch nicht ohne Gregor Schneider: Bochum springt für Duisburg ein

Gregor Schneider. Foto: Linda Nylind/Ruhrtriennale

Gregor Schneider. Foto: Linda Nylind/Ruhrtriennale

Nun realisiert Gregor Schneider doch noch ein neues Werk für die Ruhrtriennale: Nach der Absage seines Raumkunstwerks „totlast“ durch den Duisburger Oberbürgermeister Sören Link baut Schneider im Kunstmuseum Bochum eine Rauminstallation mit dem Titel „Kunstmuseum“. Ab 29. August ist das Werk zu besuchen und bleibt bis in den Oktober hinein zugänglich.

Schneider will sich mit Ort und Funktion des Kunstmuseums auseinandersetzen: „Ich freue mich, den Haupteingang des Museums zu schließen. Durch einen neuen Eingang – ‚ein Abflussrohr‘ – uns ins Museum in verborgene Räume, in eine normalerweise im Museum nicht zugängliche ‚abseitige Welt‘ zu führen“, zitiert eine Pressemitteilung den Künstler. Schneider setzt für „Kunstmuseum“ einen neuen Baukörper in das Bochumer Museum und verändert das Gebäude in Form, Funktion und Aussehen vollständig.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Kunst & Museen, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , | Ein Kommentar

Kartellamt setzt Grenze: Lensing darf Funke-Lokalteile nicht vollends übernehmen

Sieh an, es gibt Neuigkeiten aus der Presselandschaft im Großraum Dortmund: Das Bundeskartellamt hat offenbar die vollständige Übernahme von 7 Lokalausgaben der Funke-Gruppe (vormals WAZ-Gruppe) durch den Dortmunder Lensing-Verlag („Ruhrnachrichten“) verhindern wollen. Deshalb hat Lensing den entsprechenden Antrag zurückgezogen, wie mehrere Mediendienste übereinstimmend berichten.

Weitere Konsequenzen aus dem Veto der Kartellwächter sind noch unklar. Angeblich gibt es bei Funke einen Plan B für die besagten Ausgaben. Das Konzept dürfte nach Lage der Dinge allerdings mehr juristische und betriebswirtschaftliche als publizistische Elemente enthalten.

P1140600

Konkret geht es um die Ausgaben der WAZ und der Westfälischen Rundschau (WR, seit Februar 2013 ohne eigene Redaktion) in Dortmund, Castrop-Rauxel und Lünen (jeweils WAZ und WR) sowie Schwerte (WR).

Die Ruhrnachrichten, die schon seit Anfang 2013 die lokalen Inhalte für diese Ausgaben liefern, wollten die volle verlegerische Verantwortung mitsamt den Titelrechten übernehmen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Medien, Region Ruhr, Wirtschaft & Geld | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Festspiel-Passagen VI: Kabale am Königshof – Rossinis „Adelaide di Borgogna“ in Bad Wildbad

Margarita Gritskova als Ottone in Rossinis "Adelaide di Borgogna" in Bad Wildbad. Im Hintergrund Cornelius Lewenberg als Ernesto. Foto: Patrick Pfeiffer

Margarita Gritskova als Ottone in Rossinis „Adelaide di Borgogna“ in Bad Wildbad. Im Hintergrund Cornelius Lewenberg als Ernesto. Foto: Patrick Pfeiffer

Das ist der Stoff, aus dem echte Opern sind! Adelheid von Burgund, eine der einflussreichen Frauen des Mittelalters, verliert ihren Gatten Lothar. Durch Giftmord, verübt von dessen Kontrahenten Berengar. Der will sich die Macht über Italien sichern und versucht, die junge Witwe gegen ihren Willen mit seinem Sohn Adelbert zu verheiraten.

Adelheid wendet sich an Otto I. Der deutsche König kommt ihr zu Hilfe, verliebt sich auf den ersten Blick in die attraktive Regentin und kann sie schließlich trotz erbitterten Widerstands Berengars und Adelberts ehelichen.

Die historischen Fakten hat der neapolitanische Librettist Giovanni Schmidt zu einem Textbuch für Gioacchino Rossinis erste römische Opera seria zusammengeschmiedet: Doch „Adelaide di Borgogna“, uraufgeführt am 26.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen VI: Kabale am Königshof – Rossinis „Adelaide di Borgogna“ in Bad Wildbad

Christian Wulff als Talk-Gast: Einblicke ins Räderwerk zwischen Politik und Presse

Im Februar 2012 ist Christian Wulff von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten. Jetzt begab er sich erstmals wieder in eine TV-Talkshow: Maybrit Illner (ZDF) hatte also eine kleine Sensation zu bieten, für die sie auch ihre Sommerpause verschob und die Sendezeit überzog.

Man bekam immerhin ein paar kleine Einblicke ins ratternde Räderwerk zwischen Politik, Presse und Justiz.

Feldzug gegen Kampagne

Wulff, inzwischen gerichtlich von allen Vorwürfen der Vorteilsnahme und Korruption freigesprochen, zieht seit einigen Wochen mit einem Buch („Ganz oben, ganz unten“) gegen die Pressekampagne zu Felde, die ihn damals in den Rücktritt getrieben habe. Es scheint so, als sei auf allen Seiten Selbstgerechtigkeit im Spiele.

Lag’s daran, dass er als Präsident gesagt hat „Der Islam gehört zu Deutschland“? War das eine Provokation?… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales, Medien, Politik und so | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Christian Wulff als Talk-Gast: Einblicke ins Räderwerk zwischen Politik und Presse

Festspiel-Passagen V: Colmar im Elsass – Monumentale Musik in russischer Tradition

Er spielte in Colmar sein Schubert-Skrjabin-Programm: Evgeny Kissin. Foto: Bernard Fruhinsholz

Er spielte in Colmar sein Schubert-Skrjabin-Programm: Evgeny Kissin. Foto: Bernard Fruhinsholz

Einst war Colmar eine richtige Hauptstadt: Im Saal des „Koїfhus“ versammelten sich die Vertreter des Zehnstädtebunds. Seine Mitglieder unterstützten sich gegenseitig, um in den unruhigen Zeiten des späten Mittelalters ihre Rechte und Freiheiten zu sichern. Heute wird die elsässische Stadt einmal im Jahr zur Hauptstadt der Musik.

Das „Festival International de Colmar“ versammelt in knapp zwei Juli-Wochen Größen des Musiklebens zu einem weit über die Region hinaus strahlenden Zyklus von Konzerten. Und immer noch trifft man sich – wie vor 500 Jahren – in dem ehemaligen Zoll- und Warenlager im Zentrum der alten Stadt. Doch diesmal sind es die Liebhaber der Musik, die dort den Stellenwert der Musik im Reigen der Künste eindrucksvoll unterstreichen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Musik & Konzert, Unterwegs | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Festspiel-Passagen V: Colmar im Elsass – Monumentale Musik in russischer Tradition

Kultur hat Ruh‘ – ein sommerliches Idyll

Die Theaterferien sind ausgebrochen, die großen Konzertzyklen sind vorerst vorbei und in den Museen beginnen einstweilen keine neuen Ausstellungen. Kultur hat sommerliche Ruh’.

Man kann es an den Kulturteilen der Zeitungen und überhaupt an kulturgeneigten Publikationen – so schließlich auch an den Revierpassagen – ablesen, dass bis auf ein paar routiniert gezimmerte Sommerreihen (vorzugsweise Comedy sowie Rock & Pop) derzeit nicht viel Nennenswertes anliegt. Jaja, ein paar schüttere Gegenbeispiele gibt es immer, doch die bestätigen die Regel.

Postkartenreifer Sonnenuntergang in Egmond, Holland (Foto: Bernd Berke)

Postkartenreifer Sonnenuntergang in Egmond, Holland (Foto: Bernd Berke)

So zynisch das klingen mag: Wahrscheinlich waren manche Redaktionen insgeheim froh, dass sie jüngst wenigstens einige Nachrufe auf verstorbene Kulturgrößen bringen konnten. Irgendwie muss das Blatt ja gefüllt werden, irgend etwas muss es geben zum gepflegten Versenden.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kultur an sich | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

„Tricks“ von Alice Munro – ein idealer Einstieg ins Werk der Nobelpreisträgerin

Wenn eine Autorin oder ein Autor oder meinetwegen auch ein Dichter den Nobelpreis für Literatur erhält, dann kaufen sich viele Zeitgenossen sofort mindestens ein Buch dieses Geehrten. So war das auch, als Alice Munro im vergangenen Herbst ausgezeichnet wurde. Die Kanadierin wurde plötzlich weiten Kreisen bekannt, auch wenn sie vorher schon keine Unbekannte war.

Vor allem im englischsprachigen Raum galt die 1931 geborene Schriftstellerin schon lange als eine der besten zeitgenössischen Erzählerinnen, und in Deutschland machte sich der Fischer-Verlag mit einer ganzen Reihe von Taschenbüchern um ihr Werk verdient. Wer sich in Munros Erzählwelt einlesen möchte, dem seien die acht Erzählungen empfohlen, die bereits 2008 in dem Bändchen „Tricks“ zusammengefasst worden sind und das nun schon in 7. Auflage vorliegt.

Dieser Erzählband erschien bereits 2008 als Taschenbuch.

Dieser Erzählband erschien bereits 2008 als Taschenbuch.

… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur, Sprache | Verschlagwortet mit , , , | Ein Kommentar

TV-Nostalgie (22): „Ein Herz und eine Seele“ – als „Ekel Alfred“ gegen die Sozis wetterte

Was für ein Kotzbrocken! Alle Welt kannte den Mann als „Ekel Alfred“. Den Beinamen hatte er sich wahrlich verdient.

Mit seiner Familie im Ruhrgebiets-Reihenhaus war dieser Alfred Tetzlaff keineswegs „Ein Herz und eine Seele“, wie der Serientitel ironisch verhieß. Nein, mit diesem monströsen Oberspießer konnte keiner in Frieden leben. Zu sagen, dass der Haussegen ständig schief hing, wäre eine Untertreibung.

Engstirniges Weltbild

Ab Anfang 1973 wetterte Alfred (großartig gespielt von Heinz Schubert) gegen alles, was nicht in sein engstirniges Weltbild passte und nach „Sozis“ oder gar Kommunismus roch. Jede Veränderung im Lande war ihm verdächtig. Mal ehrlich: Gibt es solche kleinen Alfreds nicht auch heute? Ja, sie gerieren sich zum Teil noch hemmungsloser: „Man wird doch noch mal sagen dürfen, dass…“

Warnt mal wieder vor den "Sozis": Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert). (Screenshot aus: http://www.youtube.com/watch?v=sOGTZ-iQpT0)

Warnt mal wieder vor den „Sozis“: Alfred Tetzlaff (Heinz Schubert).

… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Gesellschaft & Soziales, Politik und so, Scherz, Satire, Ironie | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für TV-Nostalgie (22): „Ein Herz und eine Seele“ – als „Ekel Alfred“ gegen die Sozis wetterte

Nur ein Ausruf statt eines vierfachen Nachrufs: Verfluchter Tod!

(Foto: Bernd Berke)

(Foto: Bernd Berke)

Die Einschläge kommen näher? Nein, mit diesem billigen Schauder-Scherzchen kommen wir nicht davon, wenn – wie dieser Tage – kulturelle Vorbilder in rasend kurzer Abfolge sterben.

Man verzeihe die in der Summe beinahe lieblos wirkende Aufzählung, doch sie alle haben in den letzten Tagen die Welt verlassen: der Dirigent Lorin Maazel, der Schauspieler Gert Voss, die Schriftstellerin Nadine Gordimer und der Rockgitarrist Johnny Winter.

Ganz verschiedene Gestalten der Künste, fürwahr. Doch jede(r) eine große Schöpferkraft auf seinen Feldern. Menschen, die in beispielhafter Weise verwirklicht haben, was ihnen gegeben war.

Dies ist kein Nachruf. Erst recht kein vierfacher. Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass ich von allen vier Werken gleich viel verstünde. Wer könnte das schon? Aber man ist – mehr oder weniger – von diesen immensen Lebensleistungen berührt worden.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Kultur an sich, Lebenswege | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

Aus alten Zeitungszeiten: Was Rapunzel mit der Rundschau zu tun hatte

"Rapunzel"-Sammelbild von 1957. (Foto: Bernd Berke)

„Rapunzel“-Sammelbild von 1957. (Foto: Bernd Berke)

Durch Zufall habe ich jetzt einen Satz Märchenbilder gefunden, der generell an bessere Zeiten im hiesigen Zeitungswesen und speziell an die Vergangenheit der Westfälischen Rundschau (Dortmund) erinnert.

Die Bildchen, die seinerzeit als Quittungen für den Bezug der „Rundschau“ ausgehändigt wurden, stammen aus den Jahren 1957 und 1958. In jenen Zeiten erschien das Blatt nicht nur bis weit hinauf ins Emsland, sondern auch noch in großen Teilen des Ruhrgebiets; vom Dortmunder Umland und Südwestfalen ganz zu schweigen.

Ausweislich der Quittungen kostete ein Monatsabonnement der Westfälischen Rundschau (WR) damals 4 Mark, ab 1958 waren 4,50 DM fällig. Man sprach noch von Zeitungsboten, erst etwa seit den 70er Jahren hieß es offiziell „Zusteller“ (wie man Auszubildende statt Lehrlinge sagte).… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Medien, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Tiefen und Untiefen des Alltags: David Gutersons Erzählungen „Zwischen Menschen“

Für die Redewendung, wonach der Alltag die besten Geschichten schreibt, bietet der US-Schriftsteller David Guterson mit seinem neuen Band „Zwischen Menschen“ gelungene Beispiele. Der Autor, der durch seinen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ weltweit Berühmtheit erlangte, erzählt von menschlichen Begegnungen. In den zehn Episoden erscheint das Aufeinandertreffen der Beteiligten anfangs eher belanglos, bevor sich die eigentlichen Dimensionen erschließen.

Mit jedem Kapitel beweist Guterson sein Talent, die Figuren psychologisch exakt zu taxieren, wodurch ihre Gegensätze und die Spannungen in den jeweiligen Beziehungen deutlich zu Tage treten. Ganz selten nur ist harmonische Stimmung zu spüren, die will auch nicht in der Kurzgeschichte „Paradise“ aufkommen, die davon handelt, dass sich zwei ältere Menschen, eine Soziologin und ein Handelsrechtler, über eine Kontaktbörse kennen gelernt haben und nun auf den richtigen Partner für den Lebensabend hoffen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Liebesleben, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Die Dekadenz der britischen Oberschicht – Evelyn Waughs Roman „Verfall und Untergang“

Jetzt mal Hand aufs Herz, dies ist doch ein allerliebster Romananfang: „Mr. Sniggs, der Prodekan, und Mr. Postlethwaite, der Schatzmeister, saßen allein in Mr. Sniggs’ Zimmer, das auf den Gartenhof des Scone College ging. Aus der Wohnung von Sir Alastair Digby-Vaine-Trumpington, zwei Aufgänge weiter, drang wildes Grölen…“

Man muss sich diesen ersten Satz im schönsten Oxford-Akzent gelesen vorstellen – und schon kann man sich in jenem herrlichen Loriot-Sketch mit Evelyn Hamann wähnen.

waugh-verfallTatsächlich hat Evelyn Waughs erstmals 1928 erschienener Roman „Decline and Fall“ auch in der neuen deutschen Übersetzung von Andrea Ott (Titel jetzt „Verfall und Untergang“ statt „Auf der schiefen Ebene“), seine ureigenen parodistischen Qualitäten. Durchaus denkbar, dass die begnadeten Komiker von „Monty Python“ diesen Mister Evelyn Waugh (1903-1966) zu ihren geistigen Vorfahren zählen…

Die eher unscheinbare, abwartend beobachtende Hauptfigur des Romans stammt aus einfachen Verhältnissen, heißt hübsch alliterierend Paul Pennyfeather, studiert just in Oxford, wird dort Opfer eines rüden Studentenulks und wegen anstößigen Verhaltens aus dem College geworfen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Literatur | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Die Dekadenz der britischen Oberschicht – Evelyn Waughs Roman „Verfall und Untergang“

TV-Nostalgie (21): Peter Falk als „Columbo“ – der zerknitterte Polizist

„Zerknittert“ ist wohl das erste Wort, das einem einfällt, wenn man an ihn denkt: Peter Falk als Inspektor „Columbo“ taperte meist in einem knittrigen beigen Trenchcoat herum, sein verknautschtes Gesicht passte dazu. Columbo wirkte oft übernächtigt und zerstreut, er ging seltsam gebeugt, hatte wirres Haar und war meist unrasiert. Was für ein Typ!

Die Täter, die man als Zuschauer gleich kannte und denen Columbo ganz allmählich und beharrlich durch logische Schlussfolgerungen auf die Schliche kam, nahmen so einen zunächst nicht für voll. Genau das machte sich Columbo zunutze. Mörder und anderes Gelichter wiegten sich für eine ganze Weile in Sicherheit, wenn der Zigarrenpaffer mit seinem nahezu schrottreif zerbeulten Peugeot-Cabrio aufkreuzte.

Von Tätern sträflich unterschätzt

Doch sie alle haben ihn sträflich unterschätzt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Stilfragen | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Markus Becker beim Klavier-Festival in Essen: Für links geht nicht „mit links“

Der Pianist Markus Becker. Foto: KFR/Roland Schmidt

Der Pianist Markus Becker. Foto: KFR/Roland Schmidt

Verlässt das Klavier-Festival Ruhr die breite Straße, um sich auf verschlungenen Wegen in abgelegene Regionen der Klaviermusik zu begeben, eröffnen sich oft reizvolle Ausblicke. So im Konzert mit Markus Becker und den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane. Becker spielte zwei kaum gehörte Werke für die linke Hand.

Das eine hat Alexandre Tansman für den berühmten einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein 1943 skizziert, aber nicht vollendet. In Polen geboren, im Paris der Zwischenkriegszeit sozialisiert, als Emigrant in den USA geschätzt, nach dem Krieg bis ins hohe Alter in Paris aktiv, gehört Tansman zu den erfolgreichen, heute weitgehend vergessenen Komponisten des wechselvollen 20. Jahrhunderts. Die „Pièce concertante“ für die linke Hand und Orchester hat – wie in vielen anderen Fällen – der einarmige Pianist Paul Wittgenstein bestellt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Festivals, Musik & Konzert | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Markus Becker beim Klavier-Festival in Essen: Für links geht nicht „mit links“

Aus der Traum vom brasilianischen Fußball

Nein, das ist jetzt aber auch fast schon gar zu viel. 7:1 fürs deutsche Team in einem WM-Halbfinale gegen den Gastgeber Brasilien…

Das ist einerseits unglaublich, wunderbar, was auch immer in dieser Richtung. Nicht zu fassen! Welch eine Demütigung, wenn man denn in solchen Kategorien denkt. Davon wird man noch in vielen Jahren sprechen.

(ZDF-Fernsehbild)

(ZDF-Fernsehbild)

Andererseits werden da auch ein paar Träume zerstört. Die Träume, die man vom brasilianischen Fußball seit den Tagen von Pelé und Garrincha hegte und die nicht zuletzt von einer entgrenzten Ästhetik gehandelt haben.

Erst hat die so „unbrasilianische“ Spielweise bei dieser WM die schönen Erinnerungen arg gedämpft. Dann fielen auch noch Neymar und Thiago Silva aus, zwei tragende Säulen der brasilianischen Auswahl. Doch es kann wohl nicht nur daran gelegen haben.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fernsehen und Hörfunk, Glaubensfragen, Leibesübungen, Wahnwitz | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Aus der Traum vom brasilianischen Fußball

Ruhrtriennale: Duisburg sagt Gregor Schneiders Installation „Totlast“ ab

Duisburg fürchtet sich. Nicht ganz Duisburg, doch zumindest der Oberbürgermeister: Sören Link hat entschieden, das Projekt „Totlast“ des Künstlers Gregor Schneider in Duisburg nicht realisieren zu lassen. Die begehbare Rauminstallation war als Projekt der Ruhrtriennale für das Lehmbruck Museum vorgesehen.

Für Duisburg nicht geeignet? "Liebeslaube" aus Schneiders Arbeit "Totes Haus u r". Copyright: Gregor Schneider/VG Bild-Kunst Bonn

Für Duisburg nicht geeignet? „Liebeslaube“ aus Schneiders Arbeit „Totes Haus u r“. Copyright: Gregor Schneider/VG Bild-Kunst Bonn

Link hat den Intendanten der Ruhrtriennale, Heiner Goebbels, am 7. Juli telefonisch von seiner Entscheidung unterrichtet. Begründung: Duisburg sei – vor dem Hintergrund der Geschehnisse bei der „Loveparade“ 2010 – „noch nicht reif für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent sind, welches mit dem Moment der Orientierungslosigkeit spielt“.

Er habe sich die Entscheidung „nicht leicht gemacht und sehr schlecht geschlafen“, bevor er abgesagt habe, ließ der Duisburger Oberbürgermeister in einer Pressemeldung verbreiten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Festivals, Kunst & Museen, Politik und so, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare