Volltextsuche
Archiv aller Beiträge
-
Die 10 neuesten Beiträge
- „Das Gurkerl“ – eine ätzende Petitesse
- „Alptraum für Deutschland“: Volker Lösch inszeniert in Bonn einen Politthriller unter Verwendung des „Freischütz“
- Buddhistische Antwort auf das Leid: „Awakening“ von Param Vir an der Oper Bonn uraufgeführt
- Keine Nachrufe mehr – und warum nicht?
- Die Mechanikerin und das Räderwerk des Fluchs: „Elektra“ von Richard Strauss an der Rheinoper Düsseldorf
- „Krimi um Timmy“ – wie „Bild“ den Überlebenskampf des Ostsee-Wals ausschlachtet
- Meistens leise und lakonisch – Cartoons von Hauck & Bauer
- Ein „offener Fall“: Judith Hermanns schwierige Spurensuche nach dem SS-Großvater
- Faszination des meisterlichen Gesangs: Countertenor Franco Fagioli in der Philharmonie Essen
- Wachwechsel: Zwei Leitfiguren der Revier-Kultur gehen in den Ruhestand
Meistgelesen (ab 1.10.23)
- Aufklärung, das unvollendete Projekt – opulente Ausstellung in Berlin
- Als Prügel für Kinder zum Alltag gehörten
- Wie sich die chinesische Lyrik nach und nach von Fesseln befreite und…
- Viele, liebe, beste, schöne, freundliche, herzliche Grüße: Die etwas…
- Wahn und Wirklichkeit: „Englischer“ Opern-Doppelabend in Duisburg
- Entdecker in den Gefilden der Rockmusik: Alan Bangs wird 70 Jahre alt
- Konjunktur mit Fußballbildchen: Das Wunder in Tüten aus Dortmund und…
- Woran Goethe glaubte
- Wie sich Pflegedienste nennen
- „Die Brücke“ und „Der Blaue Reiter“ – ein opulenter…
- Die Unternehmer-Familie Quandt und ihr Bezug zum Ruhrgebiet
- Der Struwwelpeter, der Suppenkasper und ihre Wirkung auf die Kunst –…
- „Familie Hauser“ als (un)heimlicher Internet-Hit: Viele Millionen…
- Zum Schluß bleibt noch die Altersmilde – Robert Gernhardts „Lichte…
- Kindheit im Ruhrgebiet – Erinnerung an versunkene Zeiten
- Kunst-Stoff für Christo – Fabrik in Emsdetten fertigt das Gewebe für die…
- Bedeutsam wie eh und je: George Orwells „Farm der Tiere“ gleich in…
- Gemischte Gefühle beim Abschied von sämtlichen Dingen: „Später…
- TV-Nostalgie (19): Werner Höfers „Frühschoppen“ – das Sonntagsritual
- Bürgerinitiative peilt ehrgeiziges Ziel an: Altes Dortmunder Rathaus…
- TV-Nostalgie (6): Erik Ode als „Der Kommissar“ – Mal…
- Heino wird 80 – Sind denn alle Geschmäcker nivelliert?
- Vor 70 Jahren: Als es das Essen nur auf Lebensmittelmarken gab
- Wo selbst Prominentengräber unscheinbar sind – ein Gang über den…
- Die einfachen Dinge des Lebens lieben – Der Schauspieler Heinz Bennent…
- Dortmund damals: Beim Betrachten alter Bilder aus der Heimatstadt
- Früher war einfach mehr Kneipe!
- Trotz allem optimistisch bleiben – die fabelhaft farbigen Welten…
- Von Unna aus ein wenig die Welt verändern – Nachruf auf den vielseitigen…
- TV-Nostalgie (28): „Der goldene Schuß“ mit Lou van Burg – „Kimme,…
- „Mächtiger Körper, Wahnsinn im Glas“: Das Vokabular der Weinverkostung
- Reizendes Kaleidoskop: Anna Vinnitskaya ist Porträtkünstlerin der…
- WDR 4: Radio für Senioren – aber ganz anders als früher
- Dem Ruhrpott seine Sprache
- Der Flaneur braucht kein Ziel
- Vom Mikro zur Motorsäge – die zweite Karriere von Pia Lund („Phillip Boa…
- Was ist denn wohl ein Aminaschlupferle? – Neues Buch über „Wörter, die…
- „Tegtmeier“ lebt nicht mehr – Ruhrgebiets-Komiker Jürgen von…
- Die „Essais“ des Michel de Montaigne und ihr deutscher Übersetzer –…
- Iserlohn: Ein Hauch der weiten Welt im Goethe-Institut – abseits der Metropolen
- Schurke und Biedermann: Ausstellung zum 100. Geburtstag des…
- Entlustet und mohrifiziert – Wortverhunzung und Schlimmeres im…
- Berührende Tragödie: Cecilia Bartoli mit Glucks „Orfeo ed Euridice“ in…
- Vergehende Zeit, hier im Revier: Zum Beispiel die Dortmunder Steinhammerstraße
- Queen für ein ganzes Zeitalter: Vor 200 Jahren wurde die britische…
- Zum Tod von Ulrich Wildgruber: Ein Berserker, der uns sprachlos machte
- Die Geburt des Kinos in Europa: Vor 125 Jahren markierte das Patent der…
- Größter Holzhandel weit und breit: Grabstätte führt auf die Spuren einer…
- Erich Fried: Schriftsteller, Philanthrop, Vor-Denker und…
- Ein Grundklang für Generationen: Bochums Jugendsinfonieorchester feiert…
- TV-Nostalgie (24): „Der große Bellheim“ – Die älteren…
- Der Vater der Luftschiffe: Vor 100 Jahren starb Ferdinand Graf von Zeppelin
- Wenn man vom Rathaus kommt, ist man klüger – ein lehrreicher Rundgang…
- Die Kunst des Schmerzes: Marina Abramović in Bonn
- Das Leben ohne Verdünnung: Otto Dix in Düsseldorf
- Garantie auf Gänsehaut: Das Gesangsoktett VOCES8 sprengte beim…
- Einkaufen früher und heute
- Langer Abschied vom Generalmusikdirektor: Gabriel Feltz wechselt bald…
- 90 Jahre „Kampfbahn Rote Erde“: Wenn Gerd Kolbe erzählt, wird die…
- Frauen, die beim Wohnen warten
- Sprachphilosophie aus der Bauernstube – Brian Friels Stück…
- Nashorn oder Fuchs: Städtische Symboltiere auf der Straße
- „Spätlese“ zum 90. von Loriot: Eine Fülle bisher unbekannter…
- Lachen gegen die absurden Regeln der Welt: Vor 50 Jahren starb Stan Laurel
- Vom Hauen und Stechen im Theater: Kampftrainer Klaus Figge im Porträt
- Nicht nur zum Ende der Zechen-Ära eine Erinnerung wert: August Siegel,…
- Beyenburg mit seinem Stausee – ein bergisches Idyll am Rande von Wuppertal
- Es könnte ruhig ein wenig mehr sein – Museum Folkwang zeigt Werke Lyonel…
- TV-Nostalgie (22): „Ein Herz und eine Seele“ – als…
- Beispiel Dortmund: Mit Karstadt schwinden auch Erinnerungen
- Wenn Bäume Zähne zeigen
- „Wie eine Straßenköter-Mischung“ – Jugendstil und Artverwandtes im…
- Hömma, Dingenskirchen, ey! Und schon wieder liegt ein Asterix-Band auf…
- Impressionismus und Fotografie – zwei Wege in die Moderne
- Kreativer Kosmos, künstlerischer Klamauk – Martin Kippenberger in der…
- Das Ruhrgebiet – von allen Seiten betrachtet: 100 Jahre…
- TV-Nostalgie (35): Konversation mit Kitzel – „Je später der…
- TV-Nostalgie (32): Bernhard Grzimeks „Ein Platz für Tiere“…
- Zum Tod von Marianne Faithfull – Rückblick auf ein Konzert von 1999
- Seelenfenster geöffnet: Tschaikowskys „Eugen Onegin“ in Krefeld-Mönchengladbach
- TV-Nostalgie (17): „Wünsch Dir was“ – als Dietmar Schönherr für…
- Vom Fluch frühen Ruhms: Der Pianist Jan Lisiecki im Konzerthaus Dortmund
- TV-Nostalgie (27): „Auf der Flucht“ – Als Dr. Richard…
- Schloss Cappenberg: Nach langer Schließung kehrt bald wieder Leben ein
- Bye-bye, Sabine – ein Nachruf auf die Dortmunder Krimiautorin Sabine Deitmer
- Unbewusstes aus der Dunkelkammer – Bilder des deutschen…
- Erst Rocksängerin, dann Bildhauerin – Pia Bohr: „In der Kultur haben es…
- Im 100. „Schreibheft“: Vergessene, verkannte, verschollene…
- Natur und Kunst, Schönheit und Grauen: Vor 150 Jahren starb der…
- „Schwarze Kohle, rotes Licht“ – Schwere Jungs erinnern sich an ihr…
- Von Nöttelefönes, Klötenköhm und Halfjehang – ein Herkunftswörtbuch zur…
- Bumsfideler Bergmann anno 1971: „Laß jucken Kumpel“ – der etwas…
- Der BVB verteilt alljährlich über 155.000 Plastikkarten – muss das denn sein?
- Dem „göttlichen Claudio“ zum 450. Geburtstag: Monteverdi bringt in…
- Geflüchtete Kinder in der Schule: Essener Gymnasium am Stoppenberg gibt…
- „Geh nicht durchs Gewischte!“ – Torsten Sträters „Heimspiel“…
- Mathematiker kontra Verbrecher – Antti Tuomainens Comedy-Thriller „Der…
- Beklemmend schön: „Der Hamiltonkomplex“ mit dreizehn…
- „Wenn der Wind von Hörde kam, roch es wie Pech und Schwefel“…
- Onkel Dagoberts Traum: Deutschlands größter Geldspeicher steht…
- Für die Benachteiligten schreiben: Die Werkstatt Dortmund im „Werkkreis…
- Schonungsloser Blick auf Missstände seiner Zeit: Vor 150 Jahren starb…
- Wer erweckt dieses frühere Kino zum Leben?
- TV-Nostalgie (11): Loriot – Humor mit Stil
- Rekonstruktion einer Abtreibung von 1964 – „Das Ereignis“ von Annie Ernaux
- Ruhrgebiets-Flamenco: Rafael Cortés brilliert in der Lichtburg Essen
- TV-Nostalgie (15): Robert Lembkes „Was bin ich?“ – die…
- Perfekt, freudlos – das Folkwang-Museum zeigt italienische Malerei…
- Hohe Belastung mit Umweltgift PCB: Uni Bochum reißt zwei Großgebäude ab
- Das Ruhrgebiet war gegen Nazis nicht immun: Schon 1932 füllte Hitler die…
- Mit vokalem Volldampf durch Georgien: Der Trinity Cathedral Choir aus…
- Auf dem Berg der Wahrheit – Ein Spaziergang auf den Spuren von…
- Hach! Hihi! Huch! – Mal wieder ein Buch zur putzigen Dingwelt der…
- Wie die Kunst auf die Industrialisierung reagierte – „Vision und…
- Stadt, Land, Fluss: Andreas Gursky in Düsseldorf
- Joachim Meyerhoff: Literarisches Denkmal für die Mutter
- Die Posen des jungen Werther – Joachim Meyerhoff im Einpersonen-Stück…
- Die Zeiten ändern sich: Neue Chefin im Dortmunder Museum für Kunst und…
- Kriegsende an der Ruhr: Bei Hattingen gab es „Friendly Fire“
- „Haus der Löcher“: Ödnis im Porno-Paradies
- Lars Vilks „Nimis“: Kunstwerk aus Treibholz reizt seit Jahrzehnten…
- Duplikate für den historischen Ostfriedhof – warum muss das denn sein?
- Schrecken und Schönheit der Natur – Münster zeigt grandiose…
- Das Revier im Paket: Adolf Winkelmanns Ruhrgebiets-Filme im Kino und auf DVD
- Der erste Opernstar der Schellack-Zeit: Vor 100 Jahren starb der…
- Goethe-Institut – auf Wellenlänge der neuen Außenministerin
- Erfinder des Saxophons: Vor 200 Jahren wurde Adolphe Sax geboren
- Mäuse, Schweinchen, Feen und Pinguine: Sehenswerte Trickserien für…
- Olympische Spielstraße, München, 1972 – Erinnerungen an ein fröhliches…
- Das Erbe von „Tegtmeier“ wirkt weiter – Jürgen von Manger wurde…
- Schneller Fuchs, träger Hund, Bayern und Sylt oder: Das ganze Alphabet…
- Grenzgänge an der Küste – die melancholischen Meeresbilder des Hermann Buß
- Der Krebs und der Krieg – Robert Gernhardts erschütternde „K-Gedichte“
- Werke von großer Aussagekraft – eine nachdrückliche Erinnerung an…
- Alles auf Anfang: Wie die Künstlergruppe „junger westen“ im…
- Frank Zappa enttäuscht Publikum in Ahlen – ganz im Gegensatz zu Rory Gallagher
- Songs für die Ewigkeit: Zum Tod des großen Dichters und Sängers Leonard Cohen
- Neustart bei den „Mitternachtsspitzen“: Da geht noch was…
- Verzicht auf die Katastrophe: „Schwanensee“ am Essener Aalto-Theater
- „Zupacken Ehrensache“: Wie die Ruhris mit einem…
- Künstler auf der Suche – Hagener Museum zeigt frühe Bilder von…
- „Was für ein Jahr!“ (Gesammelte Grußformeln, 2020er…
- „Ruhrgold“ und silberne Pommes-Picker
- Alles so schön bunt hier – „Das Spiel ist aus“ nach Jean-Paul…
- „Nichts als gegeben hinnehmen“ – Der Schriftsteller…
- „Schöne Scheiße“ im Dortmunder Museum: Die stets unfertige Welt…
- „Mammuts mag jeder!“ – Hammer Ausstellung versetzt uns in die…
- Weltstädte, Technik und Jazz als Triebkräfte – die energetische Bildwelt…
- TV-Nostalgie (9): „Bonanza“ – eine Western-Serie für…
- Von „Alka Seltzer“ bis „Schapusiak“ – Spitznamen, mit denen…
Archiv der Kategorie: Literatur
Eine Liebe aus lauter Worten – Martin Walsers Roman „Das dreizehnte Kapitel“
Diese nahezu parodistisch klingenden Namen – und welcher lebenswichtige Ernst wird später daraus! Da lernt, bei einem bundespräsidial umrahmten Geburtstagsfest auf Schloss Bellevue, die Theologin Dr. Maja Schneilin den Romancier Basil Schlupp kennen.
Aber ach, nein! Kennenlernen wäre viel zu viel gesagt. Sie tafeln im selben Raum, doch nur er nimmt sie wahr – und wie! Groß. Strahlend. Einzigartig. Damit sie überhaupt auf ihn aufmerksam wird, bringt er im Laufe des Abends eine blödsinnig starke Behauptung vor. Kurz darauf schreibt er ihr, und zwar so raffiniert feinfühlig, dass sie sich zu einer Antwort hinreißen lässt.
Eigentlich schade. Denn man könnte stundenlang lesen, wie überaus geschmeidig und nuanciert Martin Walser derlei gesellschaftliche Zusammenkünfte wie jene im Schloss schildert. Das beherrscht er … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Glaubensfragen, Liebesleben, Literatur, Sprache
Verschlagwortet mit Basil Schlupp, Das dreizehnte Kapitel, Maja Schneilin, Martin Walser
Ein Kommentar
Was hat Thomas Manns „Zauberberg“ mit Castrop-Rauxel zu tun?
Nach einem Tippfehler, einem einfachen Buchstabendreher, setzte sich neulich bei mir eine seltsame Gedankenkette in Gang. Statt Castrop stand da plötzlich Castorp auf dem Papier, und schon wanderte das Gehirn in Richtung Thomas Mann. Sein Hans Castorp kam mir in den Sinn, der Kaufmannssohn aus Hamburg, der in Manns „Zauberberg“ die Hauptrolle spielt.
Aber hatte Thomas Mann etwas mit Castrop-Rauxel zu tun? Kam mir zwar unwahrscheinlich vor, aber um mehrere Ecken gibt es diese Verbindung tatsächlich.
Eine der einflussreichsten Familien, darunter mehrere Ratsherren und Bürgermeister, in Manns Heimatstadt Lübeck waren im späten Mittelalter die Castorps. Ratsherr Hinrich Castorp zum Beispiel handelte 1474 den ersten „Frieden von Utrecht“ aus, der den Seekrieg der Hanse mit England … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Alpen, Castrop, Hanse, Lübeck, Mann
2 Kommentare
„Nullzeit“ von Juli Zeh: Thriller mit Tauchgang
Gleich nach dem Examen schwant dem angehenden Juristen Sven, dass er keine Lust hat, Menschen zu beurteilen, zu bewerten, zu bestrafen. Zusammen mit Antje, seiner Freundin, packt er seine Siebensachen, sagt Deutschland Adieu und eröffnet auf Lanzarote eine Tauchschule. Sven begleitet seine Kunden nicht nur bei ihren Tauchgängen unter Wasser, er vermietet ihnen auch Appartements und ist rund um die Uhr für sie da. Wer bereit ist, eine ziemliche Stange Geld zu zahlen, kommt bei Sven auf seine Kosten. Oberstes Gebot des Aussteigers ist es, sich keinesfalls in das Leben seiner Gäste hineinziehen zu lassen. Doch bei Theo, dem versoffenen Schriftsteller, der seine besten Tage hinter sich hat, und Jola, der attraktiven TV-Serien-Schauspielerin, will ihm das nicht gelingen. Das deutsche … Weiterlesen
Mark Boogs „Mein letzter Mord“: Ein Polizist zieht Lebensbilanz
Es ist sein letzter Mord, die letzte Ermittlung, die ein alter niederländischer Polizist vor seiner Pensionierung noch durchführt. Einen ganz alten Fall hat man aus den Akten gekramt. Einen alten, ungelösten Fall, den der alte Polizist noch einmal neu aufrollen soll. Vielleicht ein letzter Versuch, diesen Fall noch zu klären, wahrscheinlicher aber der Versuch, den Polizisten auf seine letzten Tage vor dem Altenteil zu beschäftigen.
Der alte Polizist wählt einen ungewöhnlichen Weg, um den Fall zu lösen. Er versetzt sich in den Mörder hinein, geht dessen Wege gedanklich und real nach, besorgt sich eine Waffe, schläft mit dessen Witwe und schreibt darüber einen außergewöhnlich langen Ermittlungsbericht an seinen Vorgesetzten. Der Bericht ist nicht nur ein Bericht über die Ermittlungen, sondern … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Mark Boog, Mein letzter Mord, Niederlande
Ein Kommentar
Recherchen in der Biosuppen-Firma – Krimi „Neben der Spur“ von Ella Theiss
Die Fabrikantenfamilie Hepp bereitet sich auf die Feier eines ganz besonderen Geburtstages vor. Der Seniorchef wird sagenhafte hundert Jahre alt. Karo Rosenkranz, freiberufliche Journalistin, hat in der Redaktion die Niete gezogen und soll über den Geburtstagsempfang berichten. Widerwillig macht sie sich auf den Weg zur Firma, doch plötzlich wird es spannend.
In der Produktionshalle explodieren ganz unfeierlich zwei Sprengsätze. Zu Schaden kommt niemand, die herumfliegenden Kadaver gehören tiefgekühlten Hähnchen. Karo wittert Morgenluft und eine spannende Story. Umso mehr, als Biosuppenhersteller Hepp eigentlich streng vegetarisch produziert. Was also hatten dann die tiefgekühlten Flattermänner dort zu suchen? Und von welchem Krieg brabbelt der Hundertjährige dauernd? Die Zeit des dritten Reiches hat er doch angeblich gut abgeschirmt in einem Sanatorium verbracht. Und wo … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Krimi & Kriminalität, Literatur
Verschlagwortet mit Ella Theiss, Grafit, Grafit Verlag Dortmund, Krimi
Kommentare deaktiviert für Recherchen in der Biosuppen-Firma – Krimi „Neben der Spur“ von Ella Theiss
Andrea Eckers Roman-Debüt „Lichtwechsel“
Das Ruhrgebiet hat eine ernstzunehmende Autorin mehr. Andrea Ecker beweist mit ihrem Roman-Debüt „Lichtwechsel“ eine bestechende Fabulierkunst.
Die in Bochum geborene, in Essen lebende Autorin versetzt sich in die Lage einer Bankangestellten, die von drei Räubern als Geisel mit auf die Flucht genommen wird. Wer ans „Gladbecker Geiseldrama“ denkt, wird bei der Lektüre angenehm überrascht, wie weit Andrea Eckers Erfindungsgabe reicht, wie einfühlsam sie sich in die Situation der Geisel und der Täter versetzt und wie detailgesättigt die Autorin das Vier-Personen-Prosastück ausmalt. Schnell nimmt die voltenreiche Flucht vom Ruhrgebiet nach Le Havre Fahrt auf.
Nina erweist sich in dem Roadmovie als eine kooperative Geisel. Hatte sie zuvor als Familienmutter und Angestellte die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt, nimmt sie auch … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Andrea Ecker, Lichtwechsel
2 Kommentare
Schöner als Kino: Wie Liebe und Tod nach Gladbeck kamen
Die folgende hoffentlich kurzweilige, aber doch einige Seiten lange Liebesgeschichte rekonstruierte ich da, wo ich sie in manchen Details nicht erfand, auch aus Kopien zweier Briefe Sigismund von Radeckis, die mir Ruth Weilandt-Matthaeus schenkte und die mit mir dazu lange Gespräche führte. Sie gab mir ausdrücklich die Erlaubnis, ihre Geschichte weitererzählen zu dürfen. Ruth, die lange die Nachlassverwalterin der Werke von Radeckis war, verstarb vor einigen Jahren in Gladbeck. Auch der in Riga geborene von Radecki, der über viele Jahrzehnte in Zürich wohnte, liegt seit 1970 in Gladbeck begraben. 1953 erschien von ihm bei Rowohlt das rororo-Taschenbuch Nr. 84 unter dem Titel „ABC des Lachens“, ein Buch, das sich bis zum Mai 1981 knapp 350.000mal verkaufte.
Mehr über diesen … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Lebenswege, Liebesleben, Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Gladbeck, Ruth Weilandt-Matthaeus, Sigismund von Radecki
4 Kommentare
Benjamin Leberts Roman „Im Winter dein Herz“ – Deutschland im Kälteschlaf
Robert, ein junger Mann, der in seinem Leben schon manches schlucken musste und nun keinen Bissen mehr herunterbekommt, begibt sich für eine Zeit der Komtemplation in das Haus Waldesruh, eine Klinik für psychosomatische Erkrankungen. In die Zeit seines Aufenthaltes fällt der jährliche Winterschlaf, den die Menschen seit einigen Jahren den Tieren gleich halten. Eine jährlich wiederkehrende Zeit, in der „nichts, rein gar nichts zu tun war. Keine Grenzen zu passieren, keine Himmel abzusuchen“.
Früher empfand Robert diese Zeit als schön und wohltuend, doch in diesem Jahr ist alles anders. Es gibt Dinge, die zu tun, zu klären sind und die sich nicht aufschieben lassen. So verweigert er den Schlaf des Winters und begibt sich auf eine Reise quer durch ein … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Benjamin Lebert, Literatur
2 Kommentare
Michel Houellebecq: „Karte und Gebiet“ – Schauplatzbesichtigungen
Wird sich Michel Houellebecq auf seine alten Tage zu einem Autor von Frankreich-Reiseführern entwickeln? Unwahrscheinlich. Dennoch laden die detaillierten Ortsangaben in seinem zuletzt erschienenen Roman Karte und Gebiet zu Schauplatzbesichtigungen ein. Und mit dem Fotografen, Maler und zuletzt auch Videokünstler Jed Martin hat Houellebecq einen Protagonisten gewählt, der französische Städte, Dörfer und Landschaften mit distanzierter Neugier beobachtet – „dieses Land, das unbestreitbar das seine war.“
Jed Martin wohnt in einem Dachgeschoss-Atelier im 13. Arrondissement. Durch die Fenster sieht er hinter der Place des Alpes die „in den Siebzigern erbauten viereckigen Festungen, die in totalem Gegensatz zur Ästhetik der restlichen Pariser Landschaft standen und die Jed vom architektonischen Standpunkt aus allen anderen Gebäuden in Paris vorzog.“
Obwohl sozusagen intra muros gelegen, … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Gesellschaft, Literatur, Region Ruhr, Stadt Land Fluss, Theater, Unterwegs
Verschlagwortet mit Frankreich, Karte und Gebiet, Michel Houellebecq, Reise
Kommentare deaktiviert für Michel Houellebecq: „Karte und Gebiet“ – Schauplatzbesichtigungen
Auf dem Berg der Wahrheit – Ein Spaziergang auf den Spuren von Hermann Hesse
Eigentlich ist er nur ein Hügel und sein richtiger Name ist Monte Monescia, doch das weiß heute kaum einer mehr. Weithin ist er als Monte Verità bekannt, als Berg der Wahrheit, ein legendenumwobener Hügel, über den Villendächern des einstigen Fischerdorfes Ascona im schweizerischen Kanton Tessin thronend.

Anfang des 20 Jahrhunderts sammelten sich auf diesem Berg reformbeseelte Künstler, Pazifisten und Gründer der sogenannten Alternativbewegung. Schon früh – 1907 – fand auch Hermann Hesse den Weg auf den Monte Verita. Bis heute unbestätigten Gerüchten zufolge soll er sich dort von seinen Alkoholproblemen entzogen haben. Schnell zeigte er sich inspiriert von der dortigen Künstlerkolonie, die in gewissem Maße das Hippieleben der 60erJahre vorwegnahm. Man lebte spartanisch in Hütten oder … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Lebenswege, Literatur
Verschlagwortet mit Demian, Gusto Gräser, Hermann Hesse, Literatur
4 Kommentare
„Sunset Park“ – Paul Austers Krisenbewältigungsroman
Die Welt ist ein Gemenge aus wüsten Kräften, welche wir nicht beherrschen können: „Wieder einmal sind also die Würfel gerollt, wieder einmal wurde ein Los aus der schwarzen Eisentrommel gezogen, noch so ein Zufall in einer Welt voller Zufälle und unaufhörlichem Chaos.“
Das Zitat von Seite 59 darf als eine Kernaussage von Paul Austers neuem Roman „Sunset Park“ gelten. Niemand hat hier sein Leben in der Hand, durch- und aushalten heißt allenfalls die Devise, vom „Ankommen“ darf man wohl nicht einmal träumen. Zumal in der Wirtschaftskrise sind die Menschen nur Spielbälle. Doch Auster schickt sich an, Möglichkeiten des Glücks im offenbar unvermeidlichen Chaos zu erkunden. Wo lassen sich noch Reservoire und Ressourcen der Hoffnung finden?
Auster schildert die Verwerfungen vornehmlich … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Lebenswege, Literatur
Verschlagwortet mit Paul Auster, Sunset Park
Ein Kommentar
Gerhard Roth und die Gugginger Künstler: Tolle Bilder, empathisch einfühlsame Texte
Rechtzeitig vor dem Geburtstag Gerhard Roths, des bedeutenden österreichischen Schriftstellers, der am 24. Juni 70 Jahre alt wurde, erschien im Mai im Residenz Verlag ein opulenter Text– , Bild– und Foto–Band: Gerhard Roths „Im Irrgarten der Bilder / Die Gugginger Künstler“.
So wichtig Gerhard Roths Texte für diesen Bildband auch sind, sie legen allesamt Wert darauf, die individuelle Besonderheit der Gugginger Künstler vordringlich und in uns Leser…n nachhallend zur Geltung kommen zu lassen. Was in meinem Falle zweifellos gelungen ist.
Also: Legen Sie alle Vorurteile und Vorbehalte, die Sie trotz Hans Prinzhorns Buch von 1922 und trotz Leo Navratils Veröffentlichungen vielleicht immer noch gegen die „Bildnerei“ und Gestaltungskraft von Schizophrenen und „Geisteskranken“ haben, wenigstens versuchsweise ab und lassen Sie sich … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Fotografie, Geschichte, Gesellschaft, Kunst & Museen, Lebenswege, Literatur, Psychologie, Sprache
Verschlagwortet mit Gerhard Roth, Gugginger Künstler, Irrgarten der Bilder, Kunst von Schizophrenen, Prinzhorn
Kommentare deaktiviert für Gerhard Roth und die Gugginger Künstler: Tolle Bilder, empathisch einfühlsame Texte
Goethe und Novalis – rückwärts übersetzt und dadurch verhunzt
Es gab einmal ein wunderliches Experiment: Da wurden Goethes berühmtestes Gedicht von der Ruhe über allen Wipfeln und andere seiner Poeme zunächst ins Japanische übersetzt, und dann bat man einen japanischen Übersetzer, die Gedichte zurück ins Deutsche zu übersetzen. Heraus kam eine ziemlich unverständliche, holperige Fassung jener Werke, die wir wegen ihrer Sprachkraft so lieben.
Eher unfreiwillig komisch wirkt da ein Vorgang, den in der vergangenen Woche die Frankfurter Allgemeine Zeitung aufgespießt hat: Die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“ widmete ihr neues Heft (60. Jahrgang, 2012) dem 1998 verstorbenen griechischen Denker Panajotis Kondylis, und der hatte sich unter anderem mit dem deutschen Dichter Novalis beschäftigt. In einem nun nachgedruckten Aufsatz zitierte Kondylis einen Textausschnitt von Novalis, aber anstatt … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Schule, Uni, Bildung, Sprache
Verschlagwortet mit Dichtung, FAZ, Gelehrte, Lyrik, Übersetzer
Kommentare deaktiviert für Goethe und Novalis – rückwärts übersetzt und dadurch verhunzt
Höchstgebot für die Geheimnisse der Scheherazade
Welche Geheimnisse birgt Scheherazade und warum geraten ihretwegen so viele Menschen in Gefahr? Im neuen Krimi des deutsch/niederländischen Autoren-Duos Thomas Hoeps und Jac. Toes handelt es sich bei Scheherazade nicht um die geheimnisumwitterte Geschichtenerzählerin aus 1001 Nacht, sondern um ein bis dato der Öffentlichkeit unbekanntes Gemälde von Rene Magritte.
Dieses Bild befand sich jahrzehntelang im Familienbesitz der Aachener Industriellenfamilie Roeder, die das Bild nun aus unbekannten Gründen zur Versteigerung gibt. Die Scheherazade wird auf einer Kölner Auktion von einem unbekannten Bieter zu einem legendären Höchstgebot ersteigert. Kunstrestaurator Robert Patati hat das Bild auf Bitten seines Freundes Carsten Roeder für die Auktion aufbereitet und begleitet auch den Transport des geheimnisvollen Bildes auf seinem Weg zum neuen Besitzer, einer ebenfalls geheimnisvollen Firma … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Grafit-Verlag, Literatur, Regionalkrimi
Kommentare deaktiviert für Höchstgebot für die Geheimnisse der Scheherazade
Unbefriedigende Rückschau – was bleibt am Ende eines Lebens?
Eine Frau liegt auf dem Sterbebett. Die Stimmen um sie herum blendet sie aus. Sie mag ihre eigenen Stimmen hören, ihre eigenen Bilder sehen. Die Bilder ihres Lebens. Sie braucht zehn Minuten, um siebzig fragmentarische Szenen ihres Lebens vor ihrem geistigen Auge ablaufen zu sehen.
Es werden die letzten zehn Minuten ihres Lebens sein. Die Zeit der Möglichkeiten ist endgültig vorbei. Die Szenen, die sie sieht, sind flüchtige Bestandsaufnahmen von der Kindheit bis ins Alter. Die Autorin Manuela Reichart schreibt in „Zehn Minuten und ein ganzes Leben“ die Rückschau eines erschreckend banalen Frauenlebens. Vielleicht kein Zufall, dass auch der Titel an den eher banalen, aber wirkungsvollen Slogan fürs Blutspenden erinnert.
Es ist kein außergewöhnliches Leben gewesen, an das die namenlose … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Literatur
Verschlagwortet mit Fischer Verlag, Literatur, Manuela Reichart, Zehn Minuten und ein ganzes Leben
Kommentare deaktiviert für Unbefriedigende Rückschau – was bleibt am Ende eines Lebens?
Mitliebender Zuschauer – Franz Hessels Roman „Der Kramladen des Glücks“ neu aufgelegt
Wer schon als Knabe bei Ringkämpfen „die köstliche Lust des Besiegten“ zu genießen verstand, aus dem wird auch später kein Eroberer, wenn ihm egoistische Interessen nahelegen müssten, eine Geliebte nicht kampflos dem Rivalen zu überlassen. Gustav Behrendt in Franz Hessels frühem Roman Der Kramladen des Glücks (1913) ist solch eine kontemplative Natur, die schon zufrieden ist, in Ruhe die Hände der Angebeteten verehren zu dürfen.
„Ich liebe schöne fremde Damen, die vorübergehen und mich nicht ansehen“, notiert er in seinem Tagebuch, und über ein Mädchen, dem er ein einziges Mal in einem Wirtshaus begegnete: „Ich liebte sie sehr.“ Das zeugt von einer mächtigen Vorstellungskraft.
Seinem Betrachterglück kann Gustav am besten nachgehen, solange er von anderen unbemerkt bleibt – „dann war … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Franz Hessel, Kramladen des Glücks
Kommentare deaktiviert für Mitliebender Zuschauer – Franz Hessels Roman „Der Kramladen des Glücks“ neu aufgelegt
Leuchtende Hoffnungen der 60er Jahre – Peter Kurzecks Hörbuch „Unerwartet Marseille“
Es gab eine Zeit, in der die Welt von Tag zu Tag besser zu werden schien. Auch nach der Sommersonnenwende (21. Juni) soll damals die Helligkeit noch zugenommen haben. Wie denn das?
Wenn jemand damals einen Tramper mitnahm, so bedeutete das einfach: einsteigen, sein Leben mitbringen, sich freimütig austauschen. Es war der Vorschein des Jahres 1968, der da schon flirrte. In dieser Zeit vordem ungeahnter Freiheitsversprechen wollten die Jungen und Neugierigen, einmal aufgebrochen, immer und immer weiter fahren. Da konnte es geschehen, dass man auf einmal in Südfrankreich war, obwohl man doch am nächsten Tag wieder hätte arbeiten sollen: „Unerwartet Marseille“, so telegraphierte Peter Kurzeck damals seinem Arbeitgeber als „Entschuldigung“ – und wurde nicht entlassen. Ein paar Jahre später hat … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Lebenswege, Literatur, Tonträger, Unterwegs, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit "Unerwartet Marseille", 1968, Peter Kurzeck, Prag, Reisen
Kommentare deaktiviert für Leuchtende Hoffnungen der 60er Jahre – Peter Kurzecks Hörbuch „Unerwartet Marseille“
Ansichten eines Hörbuch-Junkies (2): „Schmitz‘ Katze“
Gut, dass ich ein großartiges Wochenende verlebt habe, das Unsommerliche an diesem Sommer in meist familiärem Kreis abwettern konnte und ich nicht die Regionalbahn entern musste, mit der ich zum Arbeitsplatz gelange. Denn für den Fall, dass ich dies hätte tun müssen und dabei wie stets meiner Hörbuchabhängigkeit hemmungslosen Freilauf hätte gewähren müssen, dann hätte unweigerlich irgendein Mitreisender die Zugaufsicht, das Sicherheitspersonal oder per cellular (bei uns denglisch Handy genannt) den Polizeiposten des nächst gelegenen Bahnhofes in Alarmstufe Rot versetzt, weil in seinem Waggon ein vermutlich Schwachsinner säße, der sich alle erdenkliche Mühe zu geben schiene, den Zug mittels Flutung durch Tränenflüssigkeit an der Weiterfahrt zu hindern. Stattdessen hockte ich von konvulsivischen Zuckungen geplagt auf einem Küchenstuhl und setzte selbigen … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Scherz, Satire, Ironie, Tonträger
Verschlagwortet mit Katzen, Ral Schmitz, Schmitz' Katze
Ein Kommentar
Eine Herzmanovsky-Verführung
Kaum dass der vor kurzem im Residenz Verlag erschienene Bild- und Textband „Forscher im Zwischenreich / Der Zeichner Fritz von Herzmanovsky-Orlando“ uns in den Blick gerät, schon nehmen wir ihn in die Hand und ahnen sofort, welch schönes, welch interessantes Buch wir da in Händen halten.
Die Bildreproduktionen sind einladend, eröffnen einen Blick in eine ganz eigene, durch mangelnde große Bekanntheit noch recht unverbrauchte Welt. Druckbild, Farbgebung, etc. alles einwandfrei, ja hervorragend.
Es mag dabei ein beträchtlicher Vorteil sein, dass FHO (= Fritz von Herzmanovsky-Orlando) zum Beispiel in Deutschland noch nicht allzu bekannt ist, aber auch in Österreich dürfte der beeindruckende Zeichner FHO weit weniger bekannt sein als der Schriftsteller. Zwar kamen auch in Deutschland FHOs sämtliche schriftstellerischen Werke erst … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Buchmarkt & Lesen, Geschichte, Gesellschaft, Glaubensfragen, Kunst & Museen, Lebenswege, Liebesleben, Literatur, Politik und so, Scherz, Satire, Ironie
Verschlagwortet mit Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Kunst, Literatur, Zeitgeschichte
Kommentare deaktiviert für Eine Herzmanovsky-Verführung
Eine Schiffsreise als Schule fürs Leben – Michael Ondaatjes Roman „Katzentisch“
Schreiben heißt, sich erinnern. Daran, wie wir wurden, was wir sind. Warum unsere Wünsche verloren gingen und was wir lange verdrängt haben, bis es aus den Tiefen des Vergessens wieder empor steigt und zeigt, dass manches, was wir als Kinder erlebt haben, unser ganzes Leben geprägt hat. Solche privaten Erinnerungen sind noch keine Literatur. Wenn sie sich aber verbinden mit der Fantasie eines Autors, der seine Biografie zur Grundlage eines frei fabulierten Romans machen kann, dann liegt Großes in der Luft.
So ist es bei Michael Ondaatje. Der Autor, der 1943 in Ceylon (heute Sri Lanka) geboren wurde, seine Jugend in England verbrachte und heute im kanadischen Toronto lebt, konnte mit „Der englische Patient“ einen Welterfolg feiern. Mit den folgenden … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kinderzeiten, Literatur
Verschlagwortet mit Ceylon, Ondaatje, Sri Lanka
2 Kommentare
Ansichten eines Hörbuch-Junkies (1): Die Eberhofer-Krimis
Wenn Ihnen einmal im Regionalexpress zwischen Hagen und Unna oder umgekehrt ein strubbeliger Eisbär gegenüber sitzt, dessen Ohren mit ordentlichen Stöpseln befüllt sind und dem Tränen die stoppeligen Wangen hinunter rinnen, dann saßen Sie in der Regionalbahn mir gegenüber.
Keine Sorge, ich betrauere dann nicht das unerwartete Dahinscheiden eines geliebten Haustieres, auch nicht den Verlust eines Menschen, der sich ausnahmsweise mal ebenso viele Gedanken um Gegenwart und Zukunft gemacht hat wie ich – nein – ich lese. Ich bin seit ein paar Monaten ein ausgewachsener Hörbuch-Junkie, kriege die Ohren nicht voll, bitte meine Umgebung ständig um neue Tipps, was ich unbedingt noch hörlesen möge.
Alles begann damit, dass ich irgendwann einmal nach unzähligen Pendelfahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstadt die landschaftlichen … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Krimi & Kriminalität, Literatur, Medien, Tonträger
Verschlagwortet mit Christian Tramitz, Dampfnudelblues, Eberhofer, Rita Falk, Schweinsbraten al dente, Winterkartoffelknödel
Kommentare deaktiviert für Ansichten eines Hörbuch-Junkies (1): Die Eberhofer-Krimis
Labyrinth aus Liebe und Lügen – William Boyds Roman „Eine große Zeit“
Wien ist nicht nur die Hauptstadt des galanten Selbstmordes und der morbiden Friedhofskultur. Die österreichische Metropole ist auch der Geburtsort der Psychoanalyse. Wenn Anfang des vorigen Jahrhunderts ein an traumatischen Kindheitserlebnissen und erotischen Unpässlichkeiten leidender junger Engländer dorthin flüchtet, wo Sigmund Freud gerade über Traumdeutung, Totem und Tabu nachdenkt und die auf seiner Couch liegenden Patienten auf ihrer Reise ins verdrängte Innerste ihrer Seele begleitet, so ist das eine einleuchtende Idee.
Für William Boyd, den 60jährigen britischen Autor, der seine Leser mit einem fein ausgetüftelten psychoanalytischen Spionagethriller begeistern will, liegt die Idee jedenfalls auf der Hand. Sein Held wider Willen, der englische Jungschauspieler Lysander Rief, hält sich im Jahr 1913, also am Vorabend des Ersten Weltkrieges und des katastrophalen Zivilisationsbruchs, … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit 1913, Eine große Zeit, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Wien, William Boyd
Kommentare deaktiviert für Labyrinth aus Liebe und Lügen – William Boyds Roman „Eine große Zeit“
Die Ästhetik des Widerstands – Peter Weiss‘ Jahrhundertroman auf der Bühne
Immer häufiger bereichern Roman-Bearbeitungen die Spielpläne der Theater, auch die dicksten Wälzer finden ihren Weg auf die Bühnen. Denn freilich: Der Stoff lässt sich schon verdichten, wenn es nur gelingt, mit den Mitteln des Theaters eine eigene, vielleicht gar neue Sicht aufs Werk zu bekommen. Regisseur Thomas Krupa und Dramaturg Tilman Neuffer formulieren noch einen anderen Anspruch: Sie wollen Peter Weiss’ in den 1980er Jahren viel diskutiertes Hauptwerk „Die Ästhetik des Widerstands“, den „deutschen Ulysses“, erst einmal schlicht vor dem Vergessen bewahren. Denn, so die These: Das dreibändige Werk, das die Strömungen, Entwicklungen und Widersprüche des antifaschistischen Widerstands am Vorabend des Zweiten Weltkriegs reflektiert, hat uns noch etwas zu sagen. Die dreieinhalbstündige Uraufführung im Essener Grillo-Theater hinterließ ein nachdenkliches Publikum.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Literatur, Region Ruhr, Theater
Verschlagwortet mit Essen, Ruhrgebiet, Theater, Uraufführung
Ein Kommentar
Der Familie entgeht man nicht – Zeruya Shalevs Roman „Für den Rest des Lebens“
Auch wenn man selbst schon Kinder hat und in der Mitte des Lebens steht: Solange die eigenen Eltern leben, bleibt man ein Kind. Ein Kind, das von der Erziehung und den Erwartungen und Enttäuschungen der Eltern geprägt ist, ein Kind, das den Tod der Eltern verkraften muss, während man selbst Kinder erzieht und sie vor dem Tod beschützen will.
Vor allem davon, dass Eltern uns „Für den Rest des Lebens“ prägen und die Familienbande stärker sind als alle Versuche, diese emotionalen Abhängigkeiten aufzulösen, handelt der neue Roman von Zeruya Shalev. Es ist ein meisterlicher und oft versponnener, von Rückblenden und Erinnerungen durchwirkter Roman, ein feinfühliges, psychologisch aufgeladenes Erzählkonstrukt, das niemanden kalt lassen kann. Und ein Buch, mit dem die israelische … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Kinderzeiten, Lebenswege, Literatur, Psychologie
Verschlagwortet mit Für den Rest des Lebens, Zeruya Shalev
Ein Kommentar
Seit 100 Jahren: „Biene Maja“ begleitet den BVB
Wie oft habe ich mitgesummt, wenn der „Biene Maja“-Titelsong durchs Stadion klang. Das war fröhlich und stimmte uns wie die Spieler auf optimistischen Tatendrang ein, Tore, Punkte, Tabellenplätze – natürlich vorn, ganz vorn. Heute Morgen entstieg ich dem Zug in Unna, Winni bestieg ihn schweren Koffers. Blind im Verständnis rief ich hinter ihm her: „Viel Spaß in Berlin!“ Es tönte aus dem Abteil zurück: „Ich bin Montag mit dem Pokal wieder da!“
Schwarz-Gelbe Ringelsocken, „Biene Maja“-Titelsong, grenzenlose Zuversicht und fröhliche Feste glücklicher Fans. Doch, was hat eigentlich diese Fernsehsummse mit dem BVB zu tun? Die Biene Maja wurde vor 100 Jahren geboren, nur etwas später als der BVB. Sie war in der Fantasie ihrer Leserinnen und Leser damals schon schwarz-gelb … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Kinderzeiten, Leibesübungen, Literatur
Verschlagwortet mit Biene Maja, BVB, Waldemar Bonsels
Kommentare deaktiviert für Seit 100 Jahren: „Biene Maja“ begleitet den BVB
Hermann Ungars Roman „Die Klasse“: Ein Lehrer leidet wie ein Hund
Einer gegen alle: Der Lehrer Josef Blau fühlt sich immerzu von aufsässigen Schülern umzingelt und im Wesenskern bedroht. Falls er kein strenges Regiment führt und dabei jede Maßnahme strategisch plant, droht die allzeit schlummernde Rebellionsbereitschaft aufzulodern und ihn zu vernichten. So denkt Blau jedenfalls. Kein Augenblick, der nicht mit Angst getränkt wäre. Einer gegen alle, auch gegen sich selbst.
Hermann Ungar hat 1927 in seinem Roman „Die Klasse“ eine Innenansicht des Verfolgungswahns gezeichnet. Gemeint ist nicht nur die Schulklasse, sondern auch die Klasse als soziale Schichtung. Man kann hier schaudernd in die Gefühlswelt eines durch und durch verkorksten Pädagogen jener Zeit eintauchen. Vor allem in der ersten Hälfte liest sich das Buch über weite Strecken als aufregend dicht gewobenes Psychogramm, … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Literatur
Verschlagwortet mit Die Klasse, Hermann Ungar
2 Kommentare
Schuld und Sühne im Tessin – Dea Lohers Romandebüt „Bugatti taucht auf“
Es ist ein eher unbekannter Bugatti, der zu Beginn auf den Seiten dieses erstaunlichen Romans auftaucht: Rembrandt Bugatti, jüngerer Bruder des legendären Erfinders und Konstrukteurs Ettore. Dieser Rembrandt lebt zurückgezogen und unglücklich als Bildhauer. Aus seinen Tagebüchern aus den Jahren 1914/15 erfährt der Leser einiges über die stilprägende italienische Dynastie, aber auch aus dem tragischen, unglücklichen Leben des Rembrandt Bugatti, eines Menschen, für den die „Routine des Wiederkehrenden“ nicht tröstlich ist, sondern „der Beweis, dass es kein Entkommen gibt.“
Szenenwechsel: Gegenwart. Februar 2008. Im schweizerischen Locarno wird die Stranociada, der Tessiner Karneval gefeiert. Ein junger Mann, Luca, gerät unbeabsichtigt in eine alkoholisierte Auseinandersetzung, wird kaltblütig zu Tode geprügelt und getreten. Aus nüchternen Protokoll-Aufzeichnungen ergibt sich die Chronik eines beiläufigen und … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur, Weite Welt
Verschlagwortet mit Bugatti taucht auf, Dea Loher
Ein Kommentar
Zum Tod des „Revierflaneurs“
Sein Blog www.revierflaneur.de war eines der anspruchsvollsten im Lande. Seine stupend kenntnisreichen Streifzüge auch durch entlegene und buchstäblich erlesene Gefilde der Literatur haben oft genug Neuland erschlossen, Hochinteressantes, meist von den Rändern her betrachtet. Beobachtungen des Flaneurs in seinen Essener Revieren konnten noch das Unscheinbarste erhellen, ja leuchten lassen; ganz ohne alle Ruhrgebiets-Klischees.
Jetzt ist der „Revierflaneur“ Manuel Hessling verstorben. Viel zu früh. Bestürzend früh. Man will es nicht wahrhaben. Sein Tod lässt einen nicht in Ruhe. Ganz so, wie er in kontroversen Diskussionen ungern Ruhe gegeben hat.
Manches hat er harsch verweigert, mit großer, geradezu erhabener Konsequenz. Er war ein entschiedener Gegner und Verächter des Autowahns, der Fernsehverblödung. Unausweichlich schien ihm die Apokalypse, der Niedergang der Menschheit, doch ohne … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Glaubensfragen, Lebenswege, Literatur, Netzwelten & KI, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Manuel Hessling, Revierflaneur, Westropolis
15 Kommentare
Gestern, heute, morgen am liebsten keine Grass-Debatte
Schon von Anfang an haben mich ein Unbehagen und eine ausgeprägte Unlust beschlichen, mich in die allfällige Grass-Debatte zu mengen. Schnellfertige Schuldzuweisungen, harsche Positionierungen und Denkverbots-Umständlichkeiten waren zu erwarten. Tatsächlich hat sich das mediale Gestrüpp inzwischen derart verheddert, wie man es aus manchen früheren Grass-Debatten kennt. Grass selbst möchte jetzt nicht mehr so recht zu seinem „Gedicht“ (literarisch drittklassig, weil platte Meinungsprosa, vom Inhalt mal abgesehen) stehen und sagt, er hätte es anders formulieren sollen. Mit anderen Worten: Die sprachlichen Mittel stehen ihm offenbar nicht mehr zu Gebote, er schreibt tatsächlich mit „letzter Tinte“.
Doch nun kein Wort mehr davon. Möge das Gerede über den eitlen Großdichter bald wieder abschwellen. Es gibt so vieles, was nicht gesagt werden mus…… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Literatur, Medien, Politik und so
Verschlagwortet mit "Was gesagt werden muss", Gedicht, Günter Grass, Iran, Israel
3 Kommentare
Den eigenen Tod sterben – Gerbrand Bakkers Roman „Der Umweg“
Eine Literaturwissenschaftlerin aus Amsterdam, die wegen einer Affaire mit einem jungen Studenten ihren Arbeitsplatz an der Universität verloren hat und ihre Dissertation über Emily Dickinson auch deswegen nicht mehr vollendet, ist kurz entschlossen aus ihrer gewohnten Umgebung geflohen; sie ist gewillt, fortan in einer ihr fremden, englischsprachigen Umgebung zu leben und wohl auch zu sterben, lässt also – zunächst für die beiden letzten Monate des Jahres (2009) – ihr bisheriges Leben unvermittelt hinter sich. Nicht in Irland, wie von ihr ursprünglich beabsichtigt, kommt sie unter, sondern eher zufällig in Wales. Sie mietet dort auf dem Lande Haus und sporadisch Arbeit erforderlich machenden Landbesitz, die überschaubare Hinterlassenschaft einer Witwe namens Evans. Weder der Ehemann der nunmehr ehemaligen Anglistikdozentin aus Amsterdam noch … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Glaubensfragen, Lebenswege, Liebesleben, Literatur
Verschlagwortet mit Emily Dickinson, Gerbrand Bakker, Umwege
Kommentare deaktiviert für Den eigenen Tod sterben – Gerbrand Bakkers Roman „Der Umweg“
F. C. Delius zieht Bilanz – diesseits und jenseits der Ideologie
Wenn ein Büchnerpreisträger seinen neuen Band „Als die Bücher noch geholfen haben“ nennt, so klingt das nach Resignation – und man möchte inständig hoffen, dass er es nicht so meint.
Tatsächlich scheint es, als hätte sich Delius hier noch einmal seines langen literarischen Weges vergewissern wollen. Zeitlich hebt es an mit dem eher unscheinbaren, doch recht glückhaften Auftritt des schüchternen jungen Schriftstellers beim Treffen der damals noch maßgeblichen „Gruppe 47“ im schwedischen Sigtuna.
Das ebenfalls ausgiebig geschilderte Nachfolgetreffen in Princeton/USA nutzte dann der junge Peter Handke ganz gezielt für seine furiose Generalattacke auf die „Beschreibungsimpotenz“ der deutschen Gegenwartsliteratur, also seiner lästigen Konkurrenz. Auch so hochfahrend konnte man sich damals also den Eintritt in die Kreise der Hochliteratur verschaffen. Im grob … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft, Lebenswege, Literatur, Politik und so, Sprache
Verschlagwortet mit Als die Bücher noch geholfen haben, Friedrich Christian Delius, Günter Kunert, Herta Müller, Klaus Wagenbach, Susan Sontag, Thomas Brasch, Walter Höllerer
Kommentare deaktiviert für F. C. Delius zieht Bilanz – diesseits und jenseits der Ideologie
Der Werther in uns oder: Goethes Worte brennen heute noch
Wie wollen wir unser Leben führen? Angepasst, ohne anzuecken, aber auch ohne Tiefe – oder voller Leidenschaft, Emotion, vielleicht auch Einsamkeit? Regisseur Björn Gabriel hat für seine Inszenierung im Dortmunder Studio eine generationsübergreifende, nie endende Frage aus Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ herausgeschält.
Jüngst wetterte Richard David Precht gegen Werther: Unglaublicher Kitsch sei der Text, „verlogene Sozialromantik“, die aus dem Deutschunterricht verbannt werden müsse. Regisseur Björn Gabriel zitiert den Bestsellerautoren – übrigens herrlich gespielt von Schauspieldirektor Kay Voges – und tritt den doppelten Gegenbeweis an: In Videointerviews lässt er den Dortmunder Kulturdezernenten Jörg Stüdemann und Filmregisseur Adolf Winkelmann humorig von der Notwendigkeit des Auf- und Ausbruchs, von … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Theater
Verschlagwortet mit Bettina Lieder, Björn Gabriel, Ekkehard Freye, Goethe, Schauspiel Dortmund, Sebastian Graf, Werther
Ein Kommentar
Zaghafte Annäherung – Hanna Lemkes „Geschwisterkinder“
Milla und Ritschie sind Geschwister, gemeinsam verlebten sie eine wohl als normal und behütet zu bezeichnende Kindheit. Mittlerweile sind sie in ihren Zwanzigern, leben beide in Berlin, räumlich nicht weit voneinander entfernt und einander doch entfremdet. Es gab keinen greifbaren Anlaß für die Distanz, die zwischen ihnen entstand. Eher war es die Trivialität ihrer Alltage, die beide verstummen ließen und dazu führte, dass sie sich nichts mehr zu sagen hatten. Was sie noch eint, sind die Erinnerungen an die Zeit, als der große Bruder die kleine Schwester Milla beschützte und ihr den Weg ebnete. Wenn auch jeder von ihnen sich seiner Erinnerungen nicht sicher ist, „wie viele Erinnerungen es geben mochte, die niemals wieder hervorgerufen wurden.“
In ihrer in fünf … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Geschwisterkinder, Hanna Lemke
Kommentare deaktiviert für Zaghafte Annäherung – Hanna Lemkes „Geschwisterkinder“
Dreiautorentreffen: Peter Henisch, Franz Kafka, Karl May
Zu Beginn von Peter Henischs, im Februar 2012 nach der Erstauflage 1994 erneut im Residenz Verlag aufgelegter Romanerzählung „Vom Wunsch, Indianer zu werden“ erbricht sich ausdrücklich drastisch nicht etwa Ottos Mops und auch kein Pferd vor irgendeiner Apotheke, sondern ein noch junger Mann von 25 Jahren, der sich, etliche Seiten später, als Franz Kafka herausstellt. Das heißt: seinen vollen Namen erfahren wir offiziell erst auf Seite 68, wie auch kurz zuvor den jenes anderen Schriftstellers, dem (samt zweiter Ehefrau Klara) Franz Kafka auf seiner fiktiven Überfahrt nach New York völlig unerwartet begegnet und der sich als erster (nach bereits am Vortag zufällig erfolgter erster Bekanntschaft miteinander) vorstellt, nämlich jetzt mit seinem richtigen Namen, und damit sein anfängliches Inkognito (= … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Franz Kafka, Karl May, Peter Henisch
Kommentare deaktiviert für Dreiautorentreffen: Peter Henisch, Franz Kafka, Karl May
David Gutersons „Ed King“ – ein rätselhafter Ödipus der Moderne
Ed King, der fünfte Roman des amerikanischen Bestseller Autors David Guterson, sorgte in seiner Heimat bereits reichlich für Schlagzeilen. Die Fachzeitschrift Literary Review verlieh ihm den Preis für die schlechteste literarische Beschreibung einer Sex-Szene. Wenn das nicht Erwartungen weckt. Genau wie das Thema des Buches. Ödipus in die Moderne transferiert. Es braucht wohl neben guten Nerven auch eine besondere Form literarischer Obsession, um das Wagnis einzugehen, ein Motiv aus der klassischen Antike zu entlehnen. Das Fazit vorab: Es ist Guterson durchweg gelungen, des Königs Drama neu, relevant und glaubwüdig ins 21. Jahrhundert zu übertragen. Schlechter Sex hin oder her.
Gutersons König ist kein Royal per se, sondern sein zeitgenössisches Äquivalent. Ein Milliardär und Hightech-Titan. Ed King ist das Ergebnis einer … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit bad sex in fiction award, David Guterson, Ed King, Ödipus
5 Kommentare
„On the Road“ und seine Nachbeben – Jack Kerouac wäre jetzt 90 geworden
Noch heute ist es – wie gern statistisch angemerkt wird – zwar nicht das meistverkaufte, dafür aber das meistgeklaute Buch in den USA, so als wollten viele derer, die es später lesen wollen, bereits mit der Art des Erwerbs manifestieren, dass auch sie wie einst der Autor gesellschaftlichen Konventionen entweichen und gemäß dem Titel „On the Road“ („Unterwegs“) gehen, eins werden mit den Haikus und ihren Zen-Inhalten, die Jack und Neal zitierten, während letzterer die beiden halsbrecherisch quer durch die Staaten chauffierte.
Neal, das war Neal Cassady, der für Jack, Jack Kerouac, Inbegriff des rastlos, abenteuerfreudigen, frontiers suchenden Amerikaners war. Neal Cassady lag 1968 bereits im Koma, als man ihn in Mexico fand und starb kurz darauf, betrauert unter anderem … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Jack Kerouac, On the Road, Unterwegs
Kommentare deaktiviert für „On the Road“ und seine Nachbeben – Jack Kerouac wäre jetzt 90 geworden
Sarah Kirschs „Märzveilchen“: Fern vom dröhnenden Lärm der Welt
Die Wochentage heißen hier beispielsweise Montauk, Mistwoch, Donner, Sonntach. Sie verteilen sich auf Monate wie Jaguar, Zebra, Nerz, Mandril, Mayen oder Junius. Hamburgs Schanzenviertel firmiert als Chancen-Viertel. Mit dem Internet verhält es sich so: „Sonst gab es nur Mist im Indernetz und man vergeudet seine herrliche Zeit.“
Wie soll man das finden, wenn jemand seine Notizen stellenweise so verdrechselt datiert und verballhornt: liebenswert versponnen oder auch ein bisschen albern?
Sobald man freilich weiß, dass hier die hochgeachtete Lyrikerin Sarah Kirsch am Werk ist, und wenn man nur einige Seiten liest, so lässt man es gern gelten. Denn auch in dieser Kurzprosa erklingt ja immer wieder dieser leise, ganz eigene, mitunter aufgerauhte Herzton, den man nicht missen mag.
Ihr neuer Band … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Natur Klima Umwelt, Stadt Land Fluss
Verschlagwortet mit Chamisso, Eichendorff, Märzveilchen, Sarah Kirsch
Kommentare deaktiviert für Sarah Kirschs „Märzveilchen“: Fern vom dröhnenden Lärm der Welt
Preis für grotesken Humor: Ulrich Holbein ausgezeichnet
Loriot hat ihn erhalten. Ernst Jandl, Robert Gernhardt, Hanns Dieter Hüsch, Ingomar von Kieseritzky, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F. W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch und fünfzehn weitere um ihre Vertrautheit mit dem Grotesken oft beneidete Persönlichkeiten ebenfalls. An diesem Wochenende geht der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor an Ulrich Holbein. Sollte Ihnen der Name unbekannt sein? Verwechseln Sie ihn gar mit einem anderen Herrn Holbein? Das wäre betrüblich.
Seit seiner Kindheit trägt der 1953 geborene Ulrich Holbein zur Weltverschönerung bei. Davon kann man sich beispielsweise in dem wundervollen Buch Bitte umblättern! überzeugen, das 2010 im Elfenbein Verlag erschienen ist. In diese Reihung verheißungsvoller Textanfänge gehört auch ein netter Kinderbrief an den Uropa, säuberlich auf Linienpapier geschrieben und … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Scherz, Satire, Ironie
Verschlagwortet mit grotesk, Humor, Kassel, Literatur, Ulrich Holbein
2 Kommentare
Paul Nizon und die Goldadern der Kunst
Paul Nizon lebt und schreibt aus voller Brust elitär, die allermeisten Verhältnisse lässt er weit hinter sich liegen. Er grenzt sich streng ab, hält sich heraus aus dem gängigen Streit der Zeit, besteht auf „Niemandszugehörigkeit“. Kritiker, die ihm weniger gewogen sind, halten ihn für einen prätentiösen „Dichterdarsteller“. Nach üblichen Maßstäben ist der 1929 in Bern geborene Nizon ein Bewohner des Elfenbeinturms.
Jetzt sind seine Journale der Jahre 2000 bis 2010 erschienen. Sie erheischen langsame, einlässliche Lektüre und häufiges Innehalten.
Es gibt nur wenige, die ihr ganzes Dasein so sehr mit Mühsal und Triumph der Schriftlichkeit gleichsetzen, die so unbedingt das Künstlertum im althergebrachten Sinne beschwören. Zitat: „Nur das Wort gewordene oder besser Poesie gewordene Leben ist lebenswertes Leben.“ Konsequenz: „Und … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kultur an sich, Lebenswege, Literatur, Sprache
Verschlagwortet mit Journale, Paul Nizon, Urkundenfälschung
5 Kommentare
Klümpchen und Killefit – Frank Goosen lädt zum „Sommerfest“
Da steht er nun. Der Wahl-Münchner Stefan auf dem Sommerfest seines alten Bochumer Fußballclubs, die Tulpe mit frisch gezapftem Pilsken in der Hand, ein Lokalderby im Blickfeld, im Kreise alter Freunde und Wegbereiter. Stefan, gebürtiger Bochumer und leidlich begabter Schauspieler, hat sich vor 10 Jahren gegen Halden und für die Alpen entschieden. Dummerweise wurde sein Theater-Engagement nicht verlängert, man hat wohl gemerkt, dass seine Kunst mehr leidlich denn begabt ist. Seine Beziehung zu Schauspielkollegin Anka hat auch schon bessere Zeiten gesehen und der einzig greifbare Strohhalm ist ein Casting-Termin für eine neue Vorabendserie.
Just in dieser Phase seines Lebens verabschiedet sich Onkel Hermann von der Welt. Onkel Hermann hat in Bochum die Stellung im alten Bergarbeiter-Reihenhäuschen von Stefans viel zu … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Bochum, Frank Goosen, Kulturhauptstadt, Ruhrgebiet, Sommerfest
3 Kommentare








