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Archiv der Kategorie: Gesellschaft
Gerhard Roth und die Gugginger Künstler: Tolle Bilder, empathisch einfühlsame Texte
Rechtzeitig vor dem Geburtstag Gerhard Roths, des bedeutenden österreichischen Schriftstellers, der am 24. Juni 70 Jahre alt wurde, erschien im Mai im Residenz Verlag ein opulenter Text– , Bild– und Foto–Band: Gerhard Roths „Im Irrgarten der Bilder / Die Gugginger Künstler“.
So wichtig Gerhard Roths Texte für diesen Bildband auch sind, sie legen allesamt Wert darauf, die individuelle Besonderheit der Gugginger Künstler vordringlich und in uns Leser…n nachhallend zur Geltung kommen zu lassen. Was in meinem Falle zweifellos gelungen ist.
Also: Legen Sie alle Vorurteile und Vorbehalte, die Sie trotz Hans Prinzhorns Buch von 1922 und trotz Leo Navratils Veröffentlichungen vielleicht immer noch gegen die „Bildnerei“ und Gestaltungskraft von Schizophrenen und „Geisteskranken“ haben, wenigstens versuchsweise ab und lassen Sie sich … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Fotografie, Geschichte, Gesellschaft, Kunst & Museen, Lebenswege, Literatur, Psychologie, Sprache
Verschlagwortet mit Gerhard Roth, Gugginger Künstler, Irrgarten der Bilder, Kunst von Schizophrenen, Prinzhorn
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Festspiel-Passagen I: Ein Hakenkreuz geht nie

"Der düstre Blick....": Noch starrt Arno Brekers Wagner-Kopf über das Grün des Hügels: Die Vergangenheit hat die Festspiele wieder einmal eingeholt. Foto: Werner Häußner
Sie sind eröffnet, die alljährlichen Dionysien am mythischen Hügel. Doch Bayreuth wäre nicht es selbst, bliebe es bei den Tragödien im Festspielhaus. Die Komödien finden meist vorher statt, in diesem Jahr ersetzt durch ein deftiges Satyrspiel. Opfer der Medien-Mänaden – manche meinen auch, derer im Direktionsbüro – ist der Sänger Evgeny Nikitin. Seine „Tattoo-Affäre“ ließ die Debatten um Kartenvergabe und Wahnfried-Gestaltung, die Spannung um Neuinszenierung und Zukunftspläne, vorübergehend in den Hintergrund treten. Und besonders wichtig in Zeiten, in denen „Kultur“ der intellektuellen Bescheidung halber einfach mit „Freizeit“ gleichgesetzt wird: Angela Merkel schien das gleiche Kleid wie … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Festivals, Geschichte, Gesellschaft, Oper & Ballett
Verschlagwortet mit Bayreuth. Bayreuther Festspiele, Evgeny Nikitin, Hakenkreuz, Nationalsozialismus, Tattoo, Wagner
Ein Kommentar
Wenn Bäume Zähne zeigen
Mag sein, dass es das irgendwo schon seit 1966 gibt. Wahrscheinlich machen sie das im hippen Berlin schon seit zwei Jahrzehnten und in Hamburg seit 15 Jahren. Einige Stadtgänger werden’s vielleicht genauer wissen. Mir ist das Phänomen jedenfalls neu.
Ich rede von Bäumen mit Gebiss. Jawohl. Richtig gelesen.
Ein wahrscheinlich humoriger, gewiss jedoch handwerklich begabter Jemand hat bei uns im Dortmunder Innenstadtviertel über Nacht einige Bäume mit Zahnreihen versehen, welche wiederum in einem Gipsbett stecken. Falls es sich materialtechnisch anders verhält, bitte ich als dentistischer Laie um Nachsicht.
Es sieht irgendwie „echt“ aus. Ganz so, als feixe einen der Baum an. Eine angedeutete Lippenpartie hat er ja auch noch. Vielleicht kommen demnächst noch Glasaugen hinzu.
… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Natur Klima Umwelt, Stadt Land Fluss, Stilfragen
Verschlagwortet mit Baum, Bäume, Dortmund, Gebiss, Spaßguerilla
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Die anderen siegen, ohne zu singen, wir siegen nicht, weil wir nicht singen
Ich hab’s, diverse Politiker haben’s auch, die BILD hat’s und wer hat’s übersehen? WIR konnten ja gar nicht den Titel des Europameisters gewinnen, weil WIR nicht richtig singen können – oder wollen – oder ethnisch so wenig vaterländisch sein mögen, dass WIR zwar Fußball spielen für UNS, also Schland, aber die vaterländische Tradition des kollektiven Chorgesanges nicht mittels Muttermilch in uns aufgenommen haben.
Wutentbrannt stürzten sich bereits vor der schmählichen Niederlage gegen Italien diverse User ganz ohne Netikette auf Özil, Klose, Kedhira oder Podolski, weil deren Lippen unbewegt blieben, während eine ganze Nation bewegend die Brust schwellen ließ und das weinerliche Singdings vom Inselfelsen Helgoland in jedes sich bietende Wohnzimmer bzw. über jeden sich bietenden Rudelguck-Platz jodelte. Deutschland sucht den … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Leibesübungen, Medien, Musik & Konzert, Politik und so
Verschlagwortet mit Deutschland, Fußball-EM, Italien, Nationalhymne, Spanien
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Absurditäten des Alltags: Alpträume in Rosé
Was geschieht eigentlich mit Frauen in der Nacht? Während es bei Männern die Legende des Werwolfs gibt und damit das Bild des haarigen, hungrigen, gewalttätigen Biestes (was natürlich auf der Klischeepunkteskala auch nicht besser wegkommt), scheinen sich Frauen des Nach
ts in pinkfarbene Gefälligkeitskindchen zu verwandeln.
Das ist zumindest der Eindruck, der sich mir aufgedrängt hat, als ich jüngst nach einem Nachthemd oder irgendeiner für die Nacht geeigneten Bekleidung suchte: Pink, hellrosa oder babyblau waren die scheußlichen, dominierenden Farben der Textilien, auf denen sich außerdem wahlweise „süße“ Comictierchen (Bären, Hunde, Katzen) oder kecke Sprüche räkelten. Das tut mir nicht nur in den Augen weh. Das greift tatsächlich auch mein Selbstbild als Frau an.
Unterstellt die Nachtwäsche produzierende Industrie in Verkennung … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft, Stilfragen
Verschlagwortet mit Frauen, Kleidung, Männer, Mode
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Vandalismus unter der Gürtellinie
Ikonoklasmus, Bildersturm: eine der absurdesten Artikulationen unserer Zeit. Passive Kulturgüter, ob aus politischer oder persönlicher Aversion, mit Gewaltakten zu zerstören, ist in aufgeklärt-demokratischen Gesellschaften schlichtweg daneben. Was jedoch heutzutage besonders bemerkenswert erscheint: das avisierte Körperteil.
Michelangelo, dessen Statue des „Auferstandenen Christus“ in der römischen Kirche Santa Maria sopra Minerva bis heute einen pietätsgerechten Lendenschurz zu tragen hat, war gestern. Aber immerhin, diese große Bildhauerei ist ja noch vollendet, wenn auch mit Fremdslip. Unterhalb der Gürtellinie trifft’s derzeit die zeitgenössischen männlichen Figuren brutal. Schlimm steht es jetzt um eine Plastik von Hans-Peter Feldmann im Kantpark in Duisburg. Sein „David“, eine neun Meter hohe, quietschrosa Replik des Michelangelo-Originals, wurde um ihr bestes Stück gebracht. Lehmbruck-Direktor Raimund … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Kunst & Museen, Psychologie, Wahnwitz
Verschlagwortet mit David, Duisburg, Hans-Peter Feldmann, Ikonoklasmus, Kantpark, Lehmbruck-Museum
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Eine Herzmanovsky-Verführung
Kaum dass der vor kurzem im Residenz Verlag erschienene Bild- und Textband „Forscher im Zwischenreich / Der Zeichner Fritz von Herzmanovsky-Orlando“ uns in den Blick gerät, schon nehmen wir ihn in die Hand und ahnen sofort, welch schönes, welch interessantes Buch wir da in Händen halten.
Die Bildreproduktionen sind einladend, eröffnen einen Blick in eine ganz eigene, durch mangelnde große Bekanntheit noch recht unverbrauchte Welt. Druckbild, Farbgebung, etc. alles einwandfrei, ja hervorragend.
Es mag dabei ein beträchtlicher Vorteil sein, dass FHO (= Fritz von Herzmanovsky-Orlando) zum Beispiel in Deutschland noch nicht allzu bekannt ist, aber auch in Österreich dürfte der beeindruckende Zeichner FHO weit weniger bekannt sein als der Schriftsteller. Zwar kamen auch in Deutschland FHOs sämtliche schriftstellerischen Werke erst … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Buchmarkt & Lesen, Geschichte, Gesellschaft, Glaubensfragen, Kunst & Museen, Lebenswege, Liebesleben, Literatur, Politik und so, Scherz, Satire, Ironie
Verschlagwortet mit Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Kunst, Literatur, Zeitgeschichte
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Das zeitversetzte Lächeln des Herrn Löw (nebst gewittrigen Plaudereien im ZDF)
Was ist das für eine mediale Welt, in der ein Oliver Kahn mit dem ergreifend schlichten Tweet „Wir werden Europameister“ im Nu Abertausende von Followern um sich schart? Sind wir denn noch gescheit, sind wir noch zu retten?
Was ist das für eine mediale Welt, in der auf YouTube millionenfach (!) die Szene angeklickt wird, in der ein staunenswert schelmischer Bundestrainer Joachim Löw einem Balljungen die Lederkugel unter dem angewinkelten Arm wegschlägt? Und das auch noch während des überlebenswichtigen Spiels gegen Holland!
Ja, denkste. Just jene Szene wurde vor dem Anpfiff aufgezeichnet, dann aber als optisches Füllsel derart mitten ins Live-Geschehen montiert, dass es den Anschein hatte, der lächelnde Löw sei bei dieser Partie ganz entspannt im Hier und Jetzt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Medien, Wahnwitz
Verschlagwortet mit Balljunge, Fernsehen, Joachim Löw, Manipulation
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Belgische Kohle
Die 9. Manifesta auf den Spuren des Steinkohlebergbaus
Gemäß ihrer traditionell ortsspezifischen Ausrichtung bildet diesmal die vom Steinkohlebergbau geprägte Kultur der belgischen Region Limburg den Ausgangspunkt der zweijährigen Wanderausstellung, die sich im 1924 errichteten Hauptgebäude einer ehemaligen Mine vor pittoresk ruinöser Kulisse verteilt.
Dem Beitrag der Kohleindustrie bei der Erzeugung und Zerstörung von Kultur und Natur nähert sich die Ausstellung aus drei Perspektiven. Neben 36 zeitgenössischen Arbeiten aus bildender Kunst, Film und Performance zeichnet die kunsthistorische Sektion die Entwicklung des Kohlebergbaus als Gegenstand der Grafik und Malerei seit der Romantik nach, während die dritte Abteilung die soziokulturelle Entwicklung der Bergarbeiter-Region Limburg dokumentiert.
Der sich hierbei ergebende rhythmische Wechsel von Forschung … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft, Kunst & Museen, Wirtschaft & Geld
Verschlagwortet mit Kunst, Kunstbetrieb, Ruhrgebiet
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Losung des Tages: Keine Gnade mit Computern – und dann weg mit dem Internet!
Das ist bedenklich: wie sehr unsereiner vom Online-Zugang abhängt.
Viele werden das empört von sich weisen: Wir doch nicht! Doch muss man ihnen glauben? Nein. Auch ihr seid süchtig, liebe Leute. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.
Die Sache verhält sich so. Ich bin für ein paar Tage in Urlaub und die Online-Verbindung streikt hier immer wieder.
(Werte Einbruchswillige, meine Lieben und ich können jede Sekunde zurückkehren – dann lauere ich sofort wieder mit meinem Schießgewehr, kawumm!).
Quälend offline also. Dabei ist man doch nur in Holland und nicht im Outback.
Es grenzt an Slapstick. Nur im Freien funktioniert der vom Haus des Vermieters kommende WLAN-Empfang, doch zuweilen lediglich dann, wenn ich das Notebook in einer bestimmten Zone des Grundstücks über … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Bekenntnisse, Gesellschaft, Medien, Netzwelten & KI, Technik, Wahnwitz
Verschlagwortet mit Computer, Internet, Netzwelt, Wlan
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Zwischen Landtagswahl und Fußballfesten: Das Propaganda-Dilemma
Was würden die Menschen nur machen, wenn man ihnen die Rituale nehmen würde, wenn es keine Identifikationen gäbe mit dem Ort, wo man seine wertvolle Zeit verbringt und lebt? Was wäre die Welt ohne Massenbewegungen? Was wäre das Leben ohne Fußball und ohne Parlament? Wir brauchen Begeisterung und Bewunderung, Schimpf und Schande, Leid und Freude, besonders, wenn man ein Leben führt, das in einem Umfeld stattfindet, das nicht zu den paradiesischen gehört – im Ruhrgebiet. Derzeit befinden sich zum Beispiel in Dortmund die Plakate, Banner und sonstige weit sichtbare Werbung in einem engen Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit: Meisterfeier und Wahl zum nordrhein-westfälischen Parlament.
An der Wand des Hauses, in dem ich wohne, hängt ein Banner zum Ruhm des ehrenwerten Ballsportvereins Borussia … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft, Leibesübungen, Politik und so, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Borussia Dortmund, BVB, Identifikation, Landtagswahl, Rituale, Schalke 04
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Wie geht es weiter mit „Occupy“?
Vielleicht wird das Jahr 2011 in die Geschichte eingehen als Beginn einer neuen politischen Zeitrechnung. Denn nicht nur in den von Armut und Willkür beherrschten arabischen Diktaturen, auch in den Zentren des westlichen Turbokapitalismus, in denen Banken und Börsen schrankenlos walten können, haben Massenproteste die Straßen und Plätze erobert. Nach revolutionären Umwälzungen in Tunis, Tripolis und Kairo, nach jugendlichen Aufständen und Zusammenrottungen in Madrid und London, hat sich eine globale Welle der Empörung breitgemacht. Seit die „Occupy“-Wall-Street-Bewegung den Zuccotti Park im New Yorker Finanzzentrum besetzt hat, zelten überall in der Welt Aktivisten gegen den Kapitalismus. Unter dem Motto „We are the 99 percent“ kämpfen sie für soziale Gerechtigkeit und die strikte Trennung von Wirtschaft und Politik, entwerfen sie Modelle für … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft, Politik und so, Utopien & Dystopien, Wirtschaft & Geld
Verschlagwortet mit Joseph E. Stiglitz, Marco Roth, Marina Sitrin, Occupy, Slavoj Zizek, Wall Street
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Klagelied eines Zimmermädchens: So schlimm sind die betuchten Hotelgäste
Wo gibt es hierzulande noch zackig steile Hierarchien wie vor 60 oder 90 Jahren? Wo kann eine Arbeitswoche 70 bis 100 Stunden dauern – und das für ein äußerst bescheidenes Entgelt?
Im Hotelfach. Zumindest „ganz unten“, auf der Zimmermädchen-Ebene, muss sich das Berufsleben elend anfühlen. Ein privates Dasein gibt es auf dieser Stufe ohnehin nicht mehr.
Mit etwas Einfühlungsvermögen hat man sich das vielleicht schon vorstellen können. Doch die junge Frau mit dem Decknamen „Anna K.“ gibt – mit Hilfe zweier Ghostwriter – in ihrem Buch „Total bedient“ etwas genauere Einblicke ins Gewerbe.
Nach dem Abitur hat diese Anna K. einige Praktika in Berliner Hotels und auf einem Kreuzfahrtschiff absolviert; … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Arbeitswelt & Beruf, Buchmarkt & Lesen, Gesellschaft, Unterwegs
Verschlagwortet mit Hotel, Hotelbranche, Zimmermädchen
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Ein knappe Skizze zur NRW-„Wahlarena“
Das politische Spiel (WDR-Fernsehen, 20.15 bis 21.45 Uhr) in der „Wahlarena“, übertragen aus Mönchengladbach, hat 90 Minuten gedauert. Und was ist da rund gewesen?
Das Publikum ist von infratest/dimap nach repräsentativen Gesichtspunkten ausgewählt worden. Immer wieder werden Befragungsergebnisse eingeblendet. Volkes Stimme. Pflichtschuldigst zelebriert und rasch abgehakt.
Einstiegsfrage nach dem Umgang mit den Benzinpreisen.
„Wir müssen weg vom Öl“, sagt Sylvia Löhrmann (Grüne). Ein schöner Satz. Sagt sich schnell.
Arena = Gladiatoren? Ach was! Es bleibt so zahm.
Mal wieder ein grausliches Studiodesign. Und eine wahrhaft fahrige Kameraführung. Bloß nirgendwo verweilen.
Norbert Röttgen (CDU): „Unsere Antwort heißt Elektro-Mobilität.“ Folgt eine kleine Fensterrede gegen die Ölkonzerne. Den kleinen Pendler dürfe man nicht – na? na? – „im Regen stehen lassen“. Hannelore … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Medien, Politik und so, Region Ruhr, Schule, Uni, Bildung, Wirtschaft & Geld
Verschlagwortet mit CDU, Chistian Lindner, FDP, Grüne, Hannelore Kraft, Joachim Paul, Katharina Schwabedissen, Linke, Norbert Röttgen, Piraten, SPD, Sylvia Löhrmann, Wahlarena, WDR
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Mit der Mark kam die Mode
Ab und zu sollte man seinen Blick vom Alltag lösen und versuchen, von ferne auf unsere Probleme zu blicken. Das gilt nicht nur räumlich sondern auch zeitlich. Zum Beispiel aus dem Jahre 1950.
Damals war der Krieg gerade fünf Jahre vorbei, die neue Währung gab es seit zwei Jahren, und doch ging es aufwärts. In Gevelsberg fand sogar 1951 schon eine Modenschau statt: “Entzückende modische Neuheiten auf dem Laufsteg“, schrieb die Westfälische Rundschau am nächsten Tag über das Ereignis im hinteren Saal einer Gaststätte. Große und schlanke Frauen zu kleiden, das sei ja kein Kunststück, schreibt der Reporter, aber „wie steht es mit jenen, denen ein Sahneteilchen und eine Tasse Bohnenkaffee wichtiger ist als die tägliche Sorge um die schlanke … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft, Kinderzeiten, Warenwelt & Werbung
Verschlagwortet mit Ennepe-Ruhr, Gevelsberg, Moden
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Wie sich Pflegedienste nennen
Wer zählt noch die putzmunteren Glossen über Friseurläden und deren abgrundtief pfiffige Namen? Nein, damit hat man längst aufgehört. So wohlfeil ließ es sich stets über haarige (!!!) Wortspielchen witzeln, dass einem die – na? na? – Haare (!!!) zu Berge standen. Harr, harr, harr.
An dieser Stelle also nichts mehr über Coiffeure als Wortjongleure. Im Rahmen unseres Forschungsbereichs „Sondersprachen“ (bisherige Projekte: Maklerdeutsch und Weinverkostungsjargon) wenden wir uns hingegen umso lieber den Pflegediensten zu, die in der Seniorenrepublik vielfach florieren, jedoch füglich auf sich aufmerksam machen sollten, denn die Konkurrenz schläft nicht.
Stockseriös, wie wir sind, verlassen wir uns auf eine einzige Quelle, nämlich auf das bundesweite Verzeichnis http://www.pflegedienst.de Dort lassen sich die … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Scherz, Satire, Ironie, Sprache
Verschlagwortet mit Latein, Namen, Pflegedienste
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Gestern, heute, morgen am liebsten keine Grass-Debatte
Schon von Anfang an haben mich ein Unbehagen und eine ausgeprägte Unlust beschlichen, mich in die allfällige Grass-Debatte zu mengen. Schnellfertige Schuldzuweisungen, harsche Positionierungen und Denkverbots-Umständlichkeiten waren zu erwarten. Tatsächlich hat sich das mediale Gestrüpp inzwischen derart verheddert, wie man es aus manchen früheren Grass-Debatten kennt. Grass selbst möchte jetzt nicht mehr so recht zu seinem „Gedicht“ (literarisch drittklassig, weil platte Meinungsprosa, vom Inhalt mal abgesehen) stehen und sagt, er hätte es anders formulieren sollen. Mit anderen Worten: Die sprachlichen Mittel stehen ihm offenbar nicht mehr zu Gebote, er schreibt tatsächlich mit „letzter Tinte“.
Doch nun kein Wort mehr davon. Möge das Gerede über den eitlen Großdichter bald wieder abschwellen. Es gibt so vieles, was nicht gesagt werden mus…… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Literatur, Medien, Politik und so
Verschlagwortet mit "Was gesagt werden muss", Gedicht, Günter Grass, Iran, Israel
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Die Gespenster, die Lessing rief

Das Stück Lessings Gespenster im Schauspiel Dortmund, inszeniert vom kainkollektiv. Foto: Birgit Hupfeld
Lessings Nathan der Weise ist ein Klassiker, gefeiert als Versöhnungsdrama der Toleranz zwischen den Weltreligionen. Die Künstlergruppe „kainkollektiv“ sperrt sich allerdings gegen diese Lesart – und sucht in „Lessings Gespenster – Eine Heimsuchung nach Nathan der Weise“ die anarchistische Seite des Aufklärers. Die Stückentwicklung feierte jetzt ihre Uraufführung im Dortmunder Schauspiel als On Stage Produktion.
Die Zuschauer stehen in langer Schlange am Hintereingang des Schauspiels, laufen durch die Katakomben des Theaters, lesen ein Schild mit den Worten „Lessings Gespenster. Rumlaufen erforderlich“, um dann mitten auf der Bühne zu landen, ohne Stühle, nur mit Raum, der erobert werden will. Alles anders als gewohnt. Ein sinnstiftender Einstieg, wenn es … Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft, Glaubensfragen, Kunst & Museen, Medien, Philosophie, Theater, Wahnwitz
Verschlagwortet mit kainkollektiv, Lessings Gespenster, Merle Wasmuth, Schauspiel, Theater Dortmund
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Der Preis für Eis ist heiß
Neulich in Dortmund-Hörde: Nach der Anfahrt mit der Bahn und einem Gang um den neuen Phoenixsee folgte ein Besuch in der Fußgängerzone, und da lockte ein leckeres Eis. Zwei Bällchen im Hörnchen für zwei Euro vierzig.
Für eine solche Gegend eine ganz schön happige Summe, dachten wir uns, aber marktwirtschaftlich verständlich. Immerhin muss man doch auf so ein Touristenziel wie den Phoenixsee entsprechend reagieren und den Eventcharakter einpreisen, und lecker war das Eis auch noch.
Dabei war das noch gar nicht das teuerste Eis in unserer Ausflugswelt: In der Düsseldorfer Altstadt kosten zwei Kugeln drei Euro vierzig, und das kostbarste „Glace“ erstanden wir bei „Barbarac“ im alten Hafen von St. Tropez: … Weiterlesen
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Den eigenen Tod sterben – Gerbrand Bakkers Roman „Der Umweg“
Eine Literaturwissenschaftlerin aus Amsterdam, die wegen einer Affaire mit einem jungen Studenten ihren Arbeitsplatz an der Universität verloren hat und ihre Dissertation über Emily Dickinson auch deswegen nicht mehr vollendet, ist kurz entschlossen aus ihrer gewohnten Umgebung geflohen; sie ist gewillt, fortan in einer ihr fremden, englischsprachigen Umgebung zu leben und wohl auch zu sterben, lässt also – zunächst für die beiden letzten Monate des Jahres (2009) – ihr bisheriges Leben unvermittelt hinter sich. Nicht in Irland, wie von ihr ursprünglich beabsichtigt, kommt sie unter, sondern eher zufällig in Wales. Sie mietet dort auf dem Lande Haus und sporadisch Arbeit erforderlich machenden Landbesitz, die überschaubare Hinterlassenschaft einer Witwe namens Evans. Weder der Ehemann der nunmehr ehemaligen Anglistikdozentin aus Amsterdam noch … Weiterlesen
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Ein sechsfaches Prosit auf die Weltgeschichte
Vor etlichen Jahren lernte ich in Amerika bei einer Dinner Show ein junges Paar kennen. In breitestem Südstaaten-Dialekt stellten die beiden sich mit folgenden Worten vor:“Hi, we are Betty and Jim from Atlanta. Atlanta, Georgia. Home of Coca-Cola.“
Das ließ mich damals so fasziniert wie irritiert zurück. Zig Dinge wären mir eingefallen zu Atlanta, Georgia. Scarlett. Tara. Martin Luther King. Die Peachtree Road. Die Sezessionskriege. Meinetwegen auch Coca-Cola. Jedoch nicht als Erstes, Einziges und Wichtigstes. Aber so sind sie, die Amerikaner. Unbändig stolz auf den Siegeszug der braunen Brause als global akzeptiertes, bewundertes Symbol des American Way of Life.
Genau dies bestätigt auch der englische Historiker und Journalist Tom Standage in seinem überraschenden Werk „Sechs Getränke, die die Welt bewegten“. … Weiterlesen
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F. C. Delius zieht Bilanz – diesseits und jenseits der Ideologie
Wenn ein Büchnerpreisträger seinen neuen Band „Als die Bücher noch geholfen haben“ nennt, so klingt das nach Resignation – und man möchte inständig hoffen, dass er es nicht so meint.
Tatsächlich scheint es, als hätte sich Delius hier noch einmal seines langen literarischen Weges vergewissern wollen. Zeitlich hebt es an mit dem eher unscheinbaren, doch recht glückhaften Auftritt des schüchternen jungen Schriftstellers beim Treffen der damals noch maßgeblichen „Gruppe 47“ im schwedischen Sigtuna.
Das ebenfalls ausgiebig geschilderte Nachfolgetreffen in Princeton/USA nutzte dann der junge Peter Handke ganz gezielt für seine furiose Generalattacke auf die „Beschreibungsimpotenz“ der deutschen Gegenwartsliteratur, also seiner lästigen Konkurrenz. Auch so hochfahrend konnte man sich damals also den Eintritt in die Kreise der Hochliteratur verschaffen. Im grob … Weiterlesen
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Das Revier möchte auch mal wieder Kohle sehen
Bislang waren die Touristik-Werber der Region Ruhr stets gehalten, das Revier als normalisierte oder gar potente Gegend mit einmaligen Monumenten und weitgehend gelösten Strukturproblemen zu verkaufen.
Es sollten einem schier die Augen übergehen: Kulturelle und sonstige „Leuchttürme“, wohin man auch blickte, seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 war gar eine Nachhaltigkeit sondergleichen wirksam, hieß es vollmundig. Mit Pauken und Trompeten wurde eine wachsende „Kreativwirtschaft“ ausgerufen. Selbst die bislang zum Himmel stinkende Kloake namens Emscher wird renaturiert und fließt auf manchen Strecken schon als lieblicher Bachlauf, in Dortmund lockt ein neuer See die Immobilienbranche. Blühende Landschaften also, so wie es Kanzler Kohl einst dem deutschen Osten versprochen hatte?
Doch halt! Schwenk um 180 Grad. Sieht’s in jenem … Weiterlesen
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Sonne, Café au lait…
Die Sonne scheint. Man redet über die Schwizz, den See
und Entscheidungen.
Die Menschen scheinen angesichts der Fülle von
Sonnenschein überrascht. Einige schauen noch immer mies gelaunt.
Andere vergnügen sich im Eiscafé.
Oh bella Italia,und das in Siegen.
Ein Disput mit “Maaaama!”
Die Dame keift in ihr Handy, als ob sie bis Rom rufen müsste.
Die ganze Straße darf zuhören.
“Wann machst du mir endlich meine Nägel?”
Das Krakeelen dieser italienischen Prinzessin ersetzt fast eine Kreuzigung.
“Und du muss mir die Spitzen noch schneiden!”
Es ist noch früh am Tag, zu früh für solche Auftritte.
Also wechselt man das Café, denn es war angedacht zu lesen.
Aber ein Zitat blieb doch hängen:
“Ihre Welt ist faszinierend und berauscht sie,
und … Weiterlesen
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Politisch korrekte Straßennamen oder die Sucht nach Verdrängen
In Münster fällt es vielen aus heiterem Himmel ein: Hindenburgplatz, geht doch nicht, der war ja Steigbügelhalter des Unaussprechlichen. Oder: Agnes Miegel, kann man doch in einer gescheiten Kulturstadt keine Straße nach benennen, die reimte doch nicht nur im Blut-und-Boden-Wahn, sondern glühte gar nicht still und auch nicht heimlich den Gröfaz an. Eine Kommission wird ins Leben gerufen und forstet im Münsteraner Straßenschilderwald herum, ob denn noch mehr unwerte Namen aus ihm zu tilgen seien.
Damit wir uns nicht missverstehen. Ich halte keinen Platz für geeignet, den Namen Hindenburgs zu tragen. Ich bin ebenso wenig der Ansicht, dass die Droste des Ostens (sorry Annette von …, das hast Du nicht verdient, aber so nannte man die Miegel gern) es verdient … Weiterlesen
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Dynamik und Ästhetik – preisgekrönte Pressefotos in Dortmund
Das Bild ist um die Welt gegangen: Bibi Aisha, Afghanin, 18 Jahre alt, gewaltsam entstellt, ohne Nase. Bestraft, weil sie aus dem Haus des Ehemannes geflohen war. Der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber wurde mit diesem Porträt der Preis „World Press Photo of the Year“ (2011) zuerkannt. Wohl auch deshalb, weil trotz aller innewohnenden Grausamkeit das Bild eine Ästhetik ausstrahlt, die der jungen Frau ihre Würde lässt.
Im Dortmunder Depot sind nun (bis zum 8. März) alle prämierten Fotos zu sehen, 160 an der Zahl, preisgekrönte Werke in neun verschiedenen Kategorien, sowohl Einzelaufnahmen als auch Bilderserien. Sie sind überwiegend an Brennpunkten dieser Welt entstanden, dokumentieren auf teils erschreckende Weise des Menschen Kriege, sein Unglück, … Weiterlesen
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Soziale Miniaturen (12): Gewaltsamer Augenblick
Er hat einen Schnäuzer wie aus 70er-Jahre-Pornos und trägt ungemein spitze Schuhe. So spitz, dass es schon lächerlich wirkt. Ein Überbleibsel aus einer anderen Ära. Die Parodie auf einen Zuhälter von damals.
Seine ganze Aufmachung steht pfeilgerade für Aggression, für Zustechen und Aufschlitzen. Und das ist nicht parodistisch, sondern bedrohlich.
Wie solch ein Mensch wohl sein tagtägliches Leben zubringt, aufs Ende zu und durch alle Wiederholungen hindurch?
Mit den Schuhspitzen wippt er ungeduldig. Fast schon ein Trommelfeuer. An der Supermarktkasse (immer wieder ein Ort für zwischenmenschliche Studien) sitzt mit gesenktem, vor Anspannung hochrotem Kopf eine junge Frau, die hier neu angefangen hat und daher etwas langsamer scannt. Dafür hat er absolut kein Verständnis. Immer drängender werden seine Laute des Unmuts, … Weiterlesen
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Der grüne Bademantel – über Probleme, die Dortmunder in die Oper zu locken
Es ist schon verrückt: Da kann ein grüner Bademantel über das Wohl und Wehe einer Operninszenierung entscheiden. Es mag noch so exquisit gesungen werden, das Orchester noch so beherzt aufspielen, das Stück selbst melodienselig dahinfließen: Wenn die Optik einem Großteil des Publikums nicht gefällt, gibt’s Mecker und Verweigerung.
So geschehen in Dortmund: Vincenzo Bellinis Belcanto-Hit „Norma“, zur Premiere gut besucht, wurde in den Folgevorstellungen abgestraft – leere Ränge allenthalben. Weil Normas Outfit nicht dem Geschmack entsprach: Knallige Farben, eine Corsage, die angeblich einer Dame des liegenden Gewerbes zur Ehre gereicht hätte: zuviel für manchen Zuschauer.
Nun, der Vorgang liegt schon eine Weile zurück, doch Jens-Daniel Herzog, neuer … Weiterlesen
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Zum Gedenken an den Holocaust
Es war heute vor 67 Jahren, da befreiten Rotarmisten das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Es war heute, da sprach Marcel Reich-Ranicki, ein 91 Jahre alter, gebürtiger Pole jüdischen Glaubens zum Anlass im Deutschen Bundestag – und er sprach das bessere Deutsch. Es war heute – da sprach der Unnaer Bürgermeister, bevor ein Dutzend Schülerinnen und Schüler im Rathaus sich selbst eine Frage stellten: „Warum, warum gedenken wir?“ Sie, ebenso wie der Bürgermeister, gaben selbst eine Antwort auf die Frage: „Wir gedenken, weil nur so wir die Brücke des Unvergessens aus der Vergangenheit in die Zukunft schlagen können.“
Es war vor knapp 30 Jahren, da lernte ich Herrn Unna aus Hamburg kennen, ein Nachfahr des Professors Unna, dem man sehr wesentlichen Anteil … Weiterlesen
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„Haus der Löcher“: Ödnis im Porno-Paradies
Keine Frage: Es wäre eine hehre Aufgabe der Literatur, der überall waltenden Pornographie etwas entgegenzusetzen oder beizugesellen, durchaus des Schweißes der Edlen wert. Es warten wohl insgeheim viele auf den großen Anti-Porno, der geil und reflektiert zugleich sein müsste. Und er müsste weit über bloße Akte hinausweisen.
Doch wie soll man’s anfangen? Soll man die gängigen „Schweinereien“ zu übertrumpfen oder gezielt zu konterkarieren suchen? Soll man sich der Flut entgegenstemmen oder auf ihrem Kamm mitschwimmen? Soll man tiefer in die Materie eindringen oder leichthändig die Oberflächenphänomene parodieren? Oder, oder, oder. Eins darf man ohne weiteres argwöhnen: Wer auf diesem Gebiet noch Gehör finden will, muss sich zumindest schon mal ein paar aberwitzige Stellungen ausdenken.
Ein schwieriges Feld, fürwahr. Und so … Weiterlesen
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Im „Kapp-Putsch“ ging es nicht nur um Worte
Wenn sich heute Bürger gegen Rechtsradikale wehren, dann geht es wie zum Beispiel in Dortmund eher um verbales Engagement, um Demonstrationen und Zusammenschlüsse. Zu Beginn der Weimarer Republik sah das ganz anders aus, da floss Blut, Menschen kamen um, sie wurden sogar wie im Krieg als „Gefallene“ betrachtet.
Eineinhalb Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges und Ausrufung der ersten Deutschen Republik wagten die rechtsnationalen Gegner einen bewaffneten Aufstand. Zitat aus Wikipedia: „Der Kapp-Lüttwitz-Putsch oder Kapp-Putsch vom 13. März 1920 war ein nach fünf Tagen gescheiterter Putschversuch gegen die Weimarer Republik, der von Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz mit Unterstützung von Erich Ludendorff angeführt wurde. Er brachte das republikanische Deutsche Reich an den Rand … Weiterlesen
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„Heimat ist auch keine Lösung“ – das Schauspielhaus Bochum hat Recht
Theater-Rezension in exakt 150 Wörtern, Teil II:
Schauspielhaus Bochum „Heimat ist auch keine Lösung“, musikalischer Abend, Premiere 21.1.2012
Nebel wabert. Zieht ins Publikum. Fließt um die Schultern und in die Lungen.
Auf der Bühne: ein Vollmond. Ein Mann, der vom Leierkastenmann singt.
Ein Hafen ist das also. Ein Ort des Aufbruchs. Des Verlassens. Der Hoffnung. Der Wehmut. Des Fernwehs. Ein Ort, an dem die alten Lieder von daheim plötzlich wichtig werden.
„Heimat ist auch keine Lösung“, so hat Thomas Anzenhofer den musikalischen Abend genannt. Recht hat er. Die erste Szene zeigt schon, wohin der Abend führt.
In aller Herren Länder. In alle Gefühle. In schwermütigen kubanischen Jazz, in afrikanische Trommelfreude, in dröhnenden New Wave. Zu Nietzsche, Udo Jürgens, Ton Steine … Weiterlesen
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Unwort des Jahres: Warum nicht der „Rettungsschirm“?
Insgeheim hatte ich ja eine ganze Palette von Un-Wörtern auf dem Schirm. Nun ist es eine Vokabel geworden, deren zynischen Inhalt ich an dieser Stelle unlängst als unwürdig, wenn auch des Denkens, des Überdenkens, des Bedenkens wert erachtete. Die unfehlbare Jury hielt am Morgen des 17. Januar 2012 „Dönermorde“ für das Un-Wort des Jahres 2011. Zu viel der Ehre, meine ich, für ein menschenverachtendes Sprachgebilde, das sich gedankenlose Schlagzeiler einfallen ließen. Zuwenig auch den Kriterien unterworfen, die normalerweise dazu führen, in die zweifelhafte Hall of Fame der verschleiernden Ungebilde deutscher Alltagssprache aufgenommen zu werden. „Dönermode“, das ist ganz einfach eine schlimme Entgleisung, derer sich zuvorderst Journalisten, also Kollegen (oder etwa nicht?), schuldig machten, und die man eilends wieder aus dem … Weiterlesen
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Der Geierabend: Klamauk in Ruhrdistan
Erdig, ungestüm, ein bisschen verrückt – wer sich mit dem „Geierabend“ in der Regie von Günter Rückert auf einen Ritt „Durch das wilde Ruhrdistan“ aufmacht, kann sich auf humoreske Abenteuer gefasst machen.
Von der bissigen Dortmunder Lokalsatire bis zu bundespolitischen Ausrutschern fegen die Geier in der 21. Session ihres alternativen Ruhrgebiets-Karnevals auf Zeche Zollern hinweg. Die Tour d’humour bietet echte Höhen – aber auch tiefe Tiefen.
Karneval im Ruhrgebiet ist anders, vor allem beim Geierabend. Kaum jemand ist verkleidet, außer den Gestalten auf der Bühne, es wird wenig bis gar nicht geschunkelt und Gefühlsausbrüche drücken die Zuschauer durch Trampeln und Geiern aus.
Und doch: Ob im Rheinland oder im Ruhrgebiet, die Giftpfeile schießen auf … Weiterlesen
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Christian Wulff und das „Stahlgewitter“
Wenn man der Süddeutschen Zeitung glauben darf (und das darf man meistens), so hat Bundespräsident Christian Wulff beim Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter gesagt, er sei zuversichtlich, „dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist“. Damit meint er nicht etwa, er habe im Schützengraben um sein Leben gezittert, sondern er spielt auf die gelegentlich scharfe, wenn auch keineswegs lebensgefährliche Debatte um seine Amtsführung an.
Nur zur Erinnerung. Der Ausdruck „Stahlgewitter“ ist vor allem durch Ernst Jüngers Buch „In Stahlgewittern“ bekannt und berüchtigt geworden. Geschildert werden (teils rauschhaft empfundene) Fronterlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg, an einer Stelle ist etwa von „Blutdurst, Wut und Trunkenheit“ die Rede.
Nach all den Diskussionen um günstige Kredite und Urlaube sowie über Wulffs Verständnis von Pressefreiheit, scheint der Noch-Bundespräsident … Weiterlesen
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Denkwürdige Vokabeln (4): „Wulffie“
Ich möchte mich heute einmal mit einer denkwürdigen, des Nachdenkens würdigen bzw. merkwürdigen Vokabel beschäftigen, die es vor ein paar Stunden noch gar nicht gab, für die viele vermutlich die Urheberschaft reklamieren, die ich nun aber mal einfach erfinde: Diese Vokabel lautet „Wullfie“.
Sie ist zusammengesetzt aus dem Nachnamen eines Bundespräsidenten, der sich selbst als „Anfänger“ bezeichnet, daher auch sein nicht anfangendes, also beginnendes, sondern andauerndes keineswegs würdiges Verhalten, für das er sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit entschuldigt, und dem anglophonen „-ie“, das so ein wenig verniedlicht, Welpenschutzfunktion signalisieren soll. Was bedeutet diese Vokabel? Sie kennzeichnet zukünftig einen jeden Neuankömmling in einem Staatsamt, das höher angesiedelt ist, als sein vorangegangenes.
„Wulffie“ ist also der „Rookie“ oder der „Newbie“ der … Weiterlesen
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Von der Schönheit zum Schrecken: Die Deutschen und ihr Wald

Walter Leistikow "Abendstimmung am Schlachtensee" (Öl auf Leinwand, um 1900). Copyright: Stiftung Stadtmuseum Berlin. Foto: Hans-Joachim Bartsch, Berlin
Der deutsche Wald ist mehr als die bloße Summe seiner Bäume. Mit 800.000 Beschäftigten und 108 Milliarden Euro Umsatz ist er ein riesiger Wirtschaftszweig und ein Wunderwerk der Ökologie. Vor allem aber ist er ein Ort der Mythen und Märchen, der Freizeitgestaltung und Kunstbetrachtung, der nationalen Selbstvergewisserung und Verblendung.
Seit Heinrich von Kleist die „Hermannsschlacht“ im Teutoburger Wald zur Geburtsstunde deutscher Größe und Widerstandskraft stilisierte, seit die feingeistigen Romantiker mit des „Knaben Wunderhorn“ sehnsuchtsvoll seufzten und unter grünen Bäumen Geborgenheit suchten, hat der deutsche Wald symbolische und spirituelle Kraft. Dass er auch politisch und ideologisch aufgeladen ist, wissen wir nicht erst seit … Weiterlesen
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Das Paradies liegt irgendwo bei Herne
Jetzt habe ich also zum Fest die 4er-CD mit dem fast kompletten Liedschatz des gerade verstorbenen Franz-Josef Degenhardt geschenkt bekommen, und da muss ich doch unserem Vorarbeiter Bernd Berke danken. Der hat mich nämlich mit seinem Kommentar erst auf diese Wunsch-Idee gebracht.
Natürlich lagen Heiligabend sofort die „Schmuddelkinder“ auf dem Plattenteller, aber besonders viel Erinnerungs-Spaß brachte uns der „Tonio Schiavo“, weil nämlich ein Teil der Familie aus Herne stammt, und wie heißt beim italienischen Gastarbeiter Tonio der Refrain so schön? „Er kam aus der Ferne ins Paradies, und das liegt irgendwo bei Herne“.
Väterchen Franz und sein beißender Spott, er wirkt fast zeitlos.… Weiterlesen
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