Wie ein Weihnachtsgeschenk: Britische Serie „Downton Abbey“ endlich im deutschen Fernsehen

Robert Crawley (Hugh Bonneville, rechts) und der Duke of Crowborough (Charlie Cox, li.) (Bild: ZDF/Nick Briggs)

Robert Crawley (Hugh Bonneville, rechts) und der Duke of Crowborough (Charlie Cox, li.) (Bild: ZDF/Nick Briggs)

Apokalypse stand auf dem Programm – und was packen unsere Fernsehsender in selbiges, wenn Quote angesichts des Weltenendes anscheinend keine Rolle mehr spielt? Der Abend des prophezeiten Weltuntergangs fiel definitiv aus dem Rahmen. Schon filmtechnisch wusste man sich kaum zu entscheiden, welcher Film es auf die Festplatte schafft und welcher sofort konsumiert wird. „Stolz und Vorurteil“ oder „In weiter Ferne so nah“.

Das Beste aber kam vorweg. Endlich, endlich mal wieder eine Fernsehserie zur Weihnachtszeit, die intelligenten Spaß macht. Der Spartensender ZDF Neo startete am Freitag „Downton Abbey“, die hochgelobte, vielfach preisgekrönte Fernsehserie aus Großbritannien. Schon vorher rollte eine Welle der Vorfreude durch die Gemeinde der bekennenden Serienfans, die sich nach dem Ende von „Lost“ verloren an den „Mad Men“ festhielten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Medien | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Wie ein Weihnachtsgeschenk: Britische Serie „Downton Abbey“ endlich im deutschen Fernsehen

Hagen: Mit immer weniger Geld doch noch Theater machen

Die Stadt Hagen geht finanziell am Stock, und entsprechend will sie ihrem Theater an den Kragen. Aber auch im neuen Jahr wird dennoch weiter Programm gemacht, wie die Vorschau auf den Januar zeigt. Natürlich beginnt alles wieder mit dem Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters in der Stadthalle – unter dem Motto „Wien –Moskau“. Solistin ist Maria Klier (Sopran), zu hören sind Werle von Strauss, Tschaikowsky, Glinka und anderen.

Nussknacker_Ensemble3

Szene aus dem „Nussknacker“(Foto: Theater Hagen)

Im Kinder- und Jugendtheater wird am 7. Januar „Superzahn und die Karieshexe“ wieder aufgenommen, und am 27. Januar folgt die Uraufführung des Stücks „Lucy und der Hungerbauch“. Am 13. Januar gibt es im Großen Haus die Operetten-Premiere von „Die Großherzogin von Gerolstein“, ein weniger oft gezeigtes Werk von Jacques Offenbach.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Oper & Ballett, Region Ruhr, Theater | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

„Bis zur Neige“: Polit-Krimi zwischen Wirt und Winzer, Wien und Berlin

Was haben ein Edelwinzer aus dem österreichischen Weinviertel und der Betreiber eines angesagten Berliner Szenelokals gemeinsam? Auf dem ersten Blick nicht viel, außer dass der joviale, mit Politik und Kultur gut vernetzte deutsche Wirt seinen Gästen die hochpreisigen Tropfen des Österreichers kredenzt.

Aber irgendeine tiefere Verbindung muss es zwischen Wirt und Winzer geben. Denn innerhalb kurzer Zeit werden beide Männer ermordet. Spielt sich da jemand als Racheengel auf und sühnt auf mörderische Weise eine fast vergessene Schuld?

Bielefeld2

Wahrscheinlich wäre es kaum jemanden bei den ermittelten Behörden aufgefallen, dass die grenzüberschreitenden Morde zusammenhängen. Aber zum Glück gibt es da seit kurzem das Autorenduo Bielefeld & Hartlieb, das sich darauf spezialisiert hat, mit Berliner Schnauze und Wiener Schmäh eine Brücke zwischen den beiden Hauptstädten zu schlagen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Krimi & Kriminalität, Literatur, Stadt Land Fluss | Verschlagwortet mit , , , , , | Ein Kommentar

Weltuntergang – haben wir doch längst, oder?

So! Nun isses nur noch ein Tag und dann wird es wohl doch nicht zum angekündigten Weltuntergang kommen. Ob ich das bedauern soll oder frohlocken werde, habe ich noch nicht entschieden.

Bedauerlich ist die Erkenntnis, dass der weitere Bestand des Erdballs und seiner zahlreichen Anlieger wenig verbesserte Aussichten für die Zukunft birgt – in so manchem Neubeginn steckt ja bekanntlich eine Chance. Und nun fällt der Neubeginn flach. Frohlockend kann ich annehmen, dass es noch Chancen auf Umkehr in diversen Bereichen gibt, die in der Ferne Wege in eine bessere Zukunft wetterleuchten lassen. Was schreibe ich denn da für einen Quatsch?!

Gewiss ist zwar (von der NASA bestätigt), dass unseren blauen Ball weder ein gewaltiger Meteoriteneinschlag zerplatzen lässt noch ein benachbartes Schwarzes Loch seine Masse mit uns auffüllt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Geschichte, Politik und so, Utopien & Dystopien, Wahnwitz | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

Gemein: Welt geht heute unter!

P1030951_1Die Revierpassagen verabschieden sich hier schon mal vorsorglich von ihren Leserinnen und Lesern. Es war schön mit Ihnen und mit Euch. Aber nun heißt es wohl Abschied nehmen, denn am 21. Dezember 2012 geht bekanntlich mal wieder die Welt unter. Ach ja. Mit Frau Welt war es ja – cum grano salis gesprochen – oft auch recht schön.

Wie man’s auch wendet: Das Thema ist der Internet-Hype dieser Tage und hat sich hie und da bis zur Hysterie gesteigert. Indem man mehr oder weniger treffliche Scherze über den Untergang macht, verschafft man sich und anderen womöglich einen wohligen Schauder. Denn man kann sich doch sicher fühlen, oder? Andererseits ist dieser Planet ja ziemlich aus den Fugen. Und manche Staatenlenker sind schon reichlich verrückt…

Ich bin borniert oder auch vernünftig genug, mich jetzt nicht mehr großartig mit dem Maya-Kalender zu befassen, auf den sich die apokalyptischen Vorhersagen stützen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Geschichte, Glaubensfragen, Lebenswege, Wahnwitz | Verschlagwortet mit , , , | 10 Kommentare

Traumhaus, später: Lutz Hübners „Richtfest“ am Schauspielhaus Bochum uraufgeführt

Szene mit Henrik Schubert (Mick), Roland Riebeling (Frank) (Bild: Thomas Aurin, Schauspielhaus Bochum)

Szene mit Henrik Schubert (Mick), Roland Riebeling (Frank) (Bild: Thomas Aurin, Schauspielhaus Bochum)

Wohnst du noch oder lebst du schon zusammen? Die Baugemeinschaft als soziales Experiment eignet sich perfekt als Stoff für die Bühne.

Von sozialbewegt über großbürgerlich bis yuppiehaft reichen die unterschiedlichen Lebensstile der sechs Parteien, die sich unter dem Dach ihres neuen Traumhauses harmonisch vereinen wollen. Das Desaster ist selbstredend programmiert, denn zum „Richtfest“, so der Titel des neuesten Stückes von Lutz Hübner, kommt es nicht. Vorher haben sich die Mitglieder der Eigentümergemeinschaft unter der Regie von Anselm Weber am Schauspielhaus Bochum längst heillos zerstritten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Architektur & Städtebau, Region Ruhr, Theater | Verschlagwortet mit , , , , | Ein Kommentar

Damals in Bochum – eine Erinnerung zum Tod des Germanisten Jochen Schulte-Sasse

Ich habe das bisweilen etwas lächerlich oder schlimmstenfalls gar aufgeblasen gefunden, wenn – vorzugsweise im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“ – dahingegangene Professoren gewürdigt wurden. Meist übernahmen hochkarätige Fachkollegen die Aufgabe, hin und wieder auch ehemalige Studenten, die es inzwischen (z. B. als FAZ-Mitarbeiter) zu etwas gebracht hatten und das auch in jeder Zeile gern durchblicken ließen. Schauplätze der vielfach variierten Saga vom hergebrachten akademischen Glanz, der seither aber leider verblasse, waren besonders altehrwürdige Edel-Universitäten wie etwa Heidelberg, Tübingen, Göttingen oder München.

Jochen Schulte-Sasse (Foto: © University of Minnesota)

Jochen Schulte-Sasse (Foto: © University of Minnesota)

Wie ich darauf komme? Weil jetzt ein Lehrender gestorben ist, den ich selbst als Student an der Bochumer Ruhr-Uni habe erleben dürfen. Die Nachricht von seinem Tod hat mich in Zeitweh versetzt. Der mittlerweile emeritierte Germanistik-Professor Jochen Schulte-Sasse war einer, der einen schon in den anfänglichen Proseminaren wissbegierig machte.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Literatur, Region Ruhr, Schule, Uni, Bildung | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

Die Eleganz der Grande Dame: Massenets „Manon“ am Theater Dortmund

Mädchenhafter Liebreiz: Eleonore Marguerre als Massenets "Manon" (Foto: Anke Sundermeier/Stage Picture)

Mädchenhafter Liebreiz: Eleonore Marguerre als Massenets „Manon“ (Foto: Anke Sundermeier/Stage Picture)

Selten dürfte eine Opernpremiere so unter Wert verkauft worden sein. Nahezu verschämt hatte das Theater Dortmund eine konzertante Fassung der „Manon“ von Jules Massenet angekündigt, seltsamerweise mit nur einem Folgetermin. So sah im Vorfeld nach Murks aus, was mit Fug und Recht als genussreiches Extra hätte beworben werden können, als kleine, aber feine Gala der Stimmen, gekrönt von einer fabelhaft besetzten Titelpartie.

Zu berichten ist von einem Abend der glücklichen Enttäuschungen, der unerwarteten Entdeckungen und versäumten Gelegenheiten. Beginnen wir mit Kyungho Kim als Chevalier Des Grieux, der seine Leidenschaft für die bezaubernde Manon auch stimmlich zu großer Vehemenz steigert. Der Koreaner wächst dabei über sich selbst hinaus. Er beginnt mit schlankem Timbre, zeigt sich dabei der Eleganz des französischen Idioms durchaus gewachsen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Die Eleganz der Grande Dame: Massenets „Manon“ am Theater Dortmund

Ein russischer Alptraum: Vladimir Sorokins Roman „Der Schneesturm“

Landarzt Garin kommt einfach nicht vom Fleck. Seine eigenen Pferde sind total erschöpft und machen schlapp. Und der einfältige Brotkutscher Kosma, dessen Gefährt von unzähligen winzigen Pferchen gezogen wird, scheint weder die Gegend noch die einzuschlagende Richtung wirklich zu kennen. Dabei müsste Garin so dringend nach Dolgoje. Denn in dem kleinen Dorf, das irgendwo in der weiten Steppe Sibiriens liegt, ist eine seltsame Krankheit ausgebrochen, die die Menschen in fleischfressende Zombies verwandelt. Der Landarzt hat das Serum in der Tasche, das man den Infizierten einimpfen muss, um sie vom Werwolfsyndrom zu heilen. Doch Garin und sein Begleiter stecken immer wieder im Schnee fest. Und wenn sie mal vorankommen, dann verlieren sie im unaufhörlichen Schneegestöber die Orientierung. Manchmal kommt es ihnen vor, als würden sie ständig im Kreis fahren, und die Menschen, die sie in den abgelegenen Dörfern treffen, sind auch keine Hilfe.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Literatur, Utopien & Dystopien | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Ein russischer Alptraum: Vladimir Sorokins Roman „Der Schneesturm“

Ansichten eines Hörbuch-Junkies (5): Frank Goosens Liebe zum Revier

Mir wird ja zunehmend klarer, dass es Texte gibt, die nur als Hörbuch wirklich das wiederzugeben in der Lage sind, was ihr Autor aussagen will.

Sie wirken abgestimmt und wohl legiert – vom Verfasser über den Sprecher oder dessen weibliche Entsprechung auf den Hörleser und seine weibliche Entsprechung ein. Sie malen buntfarbige Bilder oder dralldreisten Unfug mit Sprache und Stimme, stellen für mich als ausgewiesen Junkie dieses Genres inzwischen eine eigenständige Kunstgattung dar. Das war schon häufiger der Fall, beispielsweise bei den Eberhofer-Krimis von Rita Falk, deren Würze nicht zuletzt durch das bayerische Idiom des Christian Tramitz schmackhaft wird, oder beim abgedrehten „Er ist wieder da“ von Timur Vermes, in dem Christoph Maria Herbst den „Föhrer“ grandios durch sechs Stunden trompetet, ohne zu albern oder zu ernst dabei zu wirken, so dass die Gratwanderung dieses feinsinnigen Versuches weder plump noch plöd daher kommt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Bekenntnisse, Literatur, Region Ruhr, Tonträger | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Ansichten eines Hörbuch-Junkies (5): Frank Goosens Liebe zum Revier

Abschied vom Meisterwerk nach 21 Jahren: Axel Cortis „La Traviata“ letztmals in Frankfurt

Nach 21 Jahren ist Frankfurts „La Traviata“ immer noch ein Publikumsrenner, doch nun heißt es Abschied nehmen von der Inszenierung Axel Cortis: Intendant Bernd Loebe teilt mit, die Oper werde einen Schnitt machen und Cortis viel gerühmte Arbeit aus dem Repertoire nehmen. Die Begründung überzeugt nicht: Ein Haus wie Frankfurt sollte nicht nach Platzproblemen entscheiden, und dass in bestehenden Inszenierungen neue Darsteller eingesetzt werden, ist an großen Häusern gang und gäbe und muss nicht zwangsläufig zu Qualitätsabfall führen.

Im Falle der tiefsinnigen Bildwelt Bert Kistners (Bühne) und Gaby Freys (Kostüme) ist die künstlerische Halbwertszeit noch lange nicht erreicht: So mancher Zeitgeist-Schnickschnack ist nach wenigen Jahren nur noch mit Mühe zu erdulden. Axel Cortis „Traviata“ dagegen bewegt und berührt immer noch, selbst wenn ein Tenor den Alfredo gibt, der nur sein romanisches Gesten-Repertoire einzubringen hat.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Abschied vom Meisterwerk nach 21 Jahren: Axel Cortis „La Traviata“ letztmals in Frankfurt

Meilensteine der Popmusik (25): Bob Dylan

In fünf Jahrzehnten gab er ein Rätsel nach dem anderen auf. Er selbst ist ein einziges großes Rätsel. Hunderte von durchaus talentierten Journalisten haben es immer mal wieder versucht, Autoren und Filmproduzenten haben es ebenfalls nicht vollständig durchdringen können – das Dickicht rund um eine der einflussreichsten Figuren der Popgeschichte: Bob Dylan.

Robert Zimmerman (so sein bürgerlicher Name) wird bis heute zu den großen Helden der 60er gezählt, die damals eine neue populäre Kultur, die „Gegenkultur“ begründeten. Popmusik wurde politisch, mit sozialkritischen Texten entstand der erste Soundtrack zum Zeitalter des Kalten Krieges und der aufkommenden US-Bürgerrechtsbewegung. Bob Dylan kann über so eine Einordnung nur lächeln, so wie er immer mal wieder jede Kategorisierung strikt abgelehnt hat. Er selbst sieht sich verwurzelt in den 50er Jahren, als er mit der Musik von Bing Crosby und Elvis Presley aufwuchs, ohne Scheu vor irgendwelchen Barrieren oder Klischees.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Rock & Pop, Tonträger | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 5 Kommentare

Als Gernhardt die traurigen Tropen sah

Wird Robert Gernhardt (1937-2006) jetzt das posthume Schicksal gewisser Rockstars zuteil? Wird man fortan jede klitzekleine Notiz oder Skizze publizieren, die er je zu Papier gebracht hat? Es gibt tatsächlich ein paar banale, nichtssagende Abschnitte in seinen Reisenotizen „Hinter der Kurve“, die einen solchen Argwohn nahelegen könnten, etwa diesen Absatz: „Die Thai können in der Tat kein ‚R’ aussprechen: ‚You have loom foltyfoul’ oder ‚Hello, Mistel! Der Thai liebt Inschriften und versteht es nicht, Karten zu lesen.“ Ach so.

Gernhardt selbst hätte für eine solche Buchausgabe bestimmt strenger ausgewählt, er hätte mehr verworfen, als sich die Herausgeberin Kristina Maidt-Zinke getraut hat. Offenbar mochte sie keine Gernhardt-Sätze antasten. Auch musste der Band ja einen ordentlichen Umfang erreichen. Und so fanden auch ein paar schwächere Passagen Einlass.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur, Natur Klima Umwelt, Unterwegs, Weite Welt | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Als Gernhardt die traurigen Tropen sah

Hunde und Brieftauben als Forschungsobjekte der Historiker

Welche Wege Geschichtswissenschaft auch gehen kann, zeigt eine neue Ausgabe der „Westfälischen Forschungen“ mit dem Themenschwerpunkt „Tier und Mensch in der Region“. In dem Buch geht es zum Beispiel um Grubenpferde und Hundehaltung früher, um Biber und Bären, um die Geschichte der Zoologischen Gärten, um Wölfe und Tierschutz, um Milchwirtschaft, Rennpferde und Brieftauben.

Auch Hunde sind Thema der Historiker. (Foto: hhp)

Für diejenigen unter den Lesern der Revierpassagen, die sich für diesen Themenkreis erwärmen können, hier eine Inhaltsübersicht:

Einleitung: Mensch und Tier in der Geschichte

Aline Steinbrecher: Auf Spurensuche. Die Geschichtswissenschaft und ihre Auseinandersetzung mit den Tieren

Ingrid Auerbach: Hunde in Westfalen vom 17. bis ins 20. Jahrhundert

Mieke Roscher: Westfälischer Tierschutz zwischen bürgerlichem Aktivismus und ideologischer Vereinnahmung (1880-1945)

Verena Burhenne: Tiere anschauen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Geschichte, Natur Klima Umwelt, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Hunde und Brieftauben als Forschungsobjekte der Historiker

„Aus“ für Opel – eine Katastrophe im Revier

Opel-Werk I in Bochum (Foto: Bernd Berke)

Opel-Werk I in Bochum (Foto: Bernd Berke)

Man sollte diese Bereiche beileibe nicht gegeneinander ausspielen. Doch eine solche Nachricht stellt leider erst einmal alle kulturellen Anstrengungen im Ruhrgebiet in den Schatten: Heute wurde verkündet, dass im Bochumer Opel-Werk ab 2016 keine kompletten Fahrzeuge mehr hergestellt werden sollen, sondern bestenfalls nur noch bestimmte Komponenten. Das dürfte den Verlust von weiteren 3000 Arbeitsplätzen bedeuten.

Zum Vergleich: In den „goldenen“ Zeiten fanden in den drei Bochumer Opel-Produktionsstätten etwa 20.000 Menschen Arbeit, derzeit sind es noch rund 4000. Der vor allem durch Management-Fehler verursachte Niedergang hält also seit vielen Jahren an, doch jetzt geht es vollends auf den Abgrund zu. Im ohnehin krisenhaften, zutiefst verschuldeten Ruhrgebiet ist dies eine Katastrophe.

Produktion im Bochumer Opel-Werk I - Werksbesichtigung im August 2008. (Foto: Bernd Berke)

Produktion im Bochumer Opel-Werk I - Werksbesichtigung im August 2008.

Weiterlesen
Veröffentlicht unter Arbeitswelt & Beruf, Region Ruhr, Wirtschaft & Geld | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für „Aus“ für Opel – eine Katastrophe im Revier

Einerseits und andererseits im Internet

CoverDownload von Rowohlt.de Internet –Segen oder Fluch? Dieser Frage stellen sich Kathrin Passig und Sascha Lobo in einem gemeinsamen Buch. Hätte dieses Buch einen Soundtrack, den Titelsong hätten die Autoren bei Grönemeyer und den Fanta4 finden können: Könnt’ alles so einfach sein – ist es aber nicht. Auf diese Formel lässt sich die Quintessenz dessen herunterbrechen, was Passig/Lobo in ihrem ambitionierten Buch herauskristallisieren.

Kathrin Passig und Sascha Lobo sind beide Pioniere des sogenannten Web 2.0. Kathrin Passig ist Redakteurin des Weblogs „Riesenmaschine“ und hat zahlreiche Publikationen zum Thema Internet veröffentlicht. Sascha Lobo ist Blogger der ersten Stunde, heute Strategieberater und Kolumnist bei Spiegel Online. Beide sind in der Netzgemeinde bekannt, ihre Stimmen haben Gewicht. Beide blicken auf einen reichen Erfahrungsschatz im und mit dem Netz zurück.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Medien, Netzwelten & KI | Verschlagwortet mit , , | Ein Kommentar

Beispiel Ennepe-Ruhr-Kreis: Wie vor acht Jahrzehnten die erste deutsche Demokratie unterging

Nun sind schon fast achtzig Jahre vergangen, seit in Deutschland die erste Demokratie gescheitert oder besser verraten worden ist. Was damals, im Winter 1932/33 los war, kann heute fast niemand mehr erzählen. Die damals jungen Menschen sind inzwischen fast alle tot. Aber es gibt ja andere Quellen der Warnung.

Die Gevelsberger Einkaufstraße hieß schon bald Adolf-Hitler-Straße.

Die NSDAP und ihre SA fanden nicht nur in den Großstädten immer mehr Anhänger, sondern auch in Kleinstädten wie Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis. Dort war traditionell die linke Arbeiterbewegung stark, der Metallarbeiterverband und die Kommunistische Partei bestimmten zunächst die Politik auf der Straße und in den Gaststätten, bevor die SA auftrat. Im Mai 1931 gab es im Saal Buschmann die erste „Saalschlacht“ zwischen NSDAP- und KPD-Anhängern, und zahlreiche weitere folgten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Politik und so, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Enzensberger rät: „Nur keine Panik!“

Er ist der Tausendsassa unter den deutschen Schriftstellern. Er ist Lyriker und Herausgeber, Erzähler und Zeitschriftengründer: Wenn man Hans Magnus Enzensberger auf eine Position festnageln will, hat er sie garantiert schon wieder verlassen und ist aufgebrochen zu neuen intellektuellen Ufern.

Den Marxismus benutzt er als Baukasten, die Mathematik als Denkmodell. Jetzt beruft sich der inzwischen 82-jährige Autor, der immer schon ein Faible für Diderot und die französischen Aufklärer hatte, auf Michel de Montaigne. Schon der Ahnherr des Essays wusste, dass man große Themen auch auf wenigen Zeilen abhandeln kann.

„Gründlichkeit ist nicht meine Stärke“, witzelt Enzensberger und entwirft ein Panoptikum kultureller Kuriositäten und politischer Abnormitäten. In seinen „Zwanzig Zehn-Minuten-Essays“ geht es mal um die „Tücken der Transparenz“, mal um das „köstliche Unbehagen an der Kultur“.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , | Ein Kommentar

Virtuose des 5/4-Taktes: Zum Tod von Dave Brubeck

Kennt Ihr, kennen Sie das? Du wachst am Morgen auf und es summst bereits hinter der Stirn: „Babm, Babm, Dadada, Dahada Da, Dahada Da“ Erkannt? Vermutlich nicht, es coolte sich „Take Five“ ins langsam erwachende Vegetativum. Jetzt erkannt? Wenn nicht, muss ich dringend üben, lautmalerisch Melodien nachzuahmen.

Was ich sagen will, ist aber, dass ich tieftraurig bin, weil Dave Brubeck einen Tag vor seinem 92. Geburtstag seinen letzten Takt gab. Es war zwar Paul Desmond, sein genialer Freund und Saxofonist, der dieses „Take Five“ geschrieben hatte, aber er tat das kongenial zum Bandleader, der sein Klavierspiel wirksam hinter den kühlen Klang von Desmonds Sax legte, dass dessen Größe so sich erst erheben konnte, auf ein Niveau jazziger Erhabenheit mit Ewigkeitsanspruch.

Der Virtuose ungerader Takte trat in mein Leben Anfang der 60er Jahre, als ich seinen Namen auf mein ledernes Federmäppchen kritzelte und ihn aufnahm in meine Hall of Fame, wo ich ebenso ungeordnet wie wahllos nur Namen aufnahm, die mir genehme Musik machten, Jazz-Musik.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Vorfälle (3): Trümmer, Rattengift, Nikolaus

Und wieder gibt’s Vorfälle im Dreierpack. Seltsam, dass immer genau so viele (unscheinbare) Sachen passieren, dass sich die Spalten einigermaßen mit Anstand füllen lassen. Es ist das alte Zeitungsphänomen. Die Seiten werden immer genau voll. Es bleiben keine Lücken und es fließt nichts über. Es geschieht nicht mehr und nicht weniger als nötig.

Nun aber zur Sache:

Immer wieder entzückt das euphemistische Maklerdeutsch. Eine der beliebtesten Worthülsen, mit denen so mancher Mangel einer Liegenschaft kaschiert werden soll, lautet „Potenzial“. Man kann ziemlich sicher gehen, dass Objekte, denen „Potenzial“ bescheinigt wird, nahezu in Trümmern liegen. „Mit etwas Phantasie“, so geht die kunstvoll ausgeschmückte Erzählung weiter, lasse sich hier ein Traum verwirklichen. Mit etwas Phantasie und jeder Menge Kohle, versteht sich.

Doch nun wird’s wirklich ernst.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Kinderzeiten, Sprache | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Zwittergestalt: „Ariadne auf Naxos“ im Aalto-Theater

"Musik ist eine heilige Kunst": Michaela Selinger als Komponist in der Essener Neuinszenierung der "Ariadne auf Naxos" (Foto: Matthias Jung)

Glühend bekundet der Regisseur Michael Sturminger im Programmheft seine Liebe zur Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss. Viel von dieser Zuneigung ist im Essener Aalto-Theater zu spüren. Dort nahm sich Sturminger nach einer Produktion für das Petersburger Mariinski-Theater erneut des Zwitter-Werks an, das zwischen Tragödie und Harlekinade irrlichtert und mit ironischem Biss von seiner eigenen Entstehungsgeschichte erzählt.

Mit Hilfe der Drehbühne lässt Sturminger uns die Perspektive wechseln: Der Zuschauerraum des Aalto-Theaters leuchtet als Filmprojektion im Bühnen-Hintergrund auf, während wir Zeugen der komisch-dramatischen Ereignisse bei den Proben werden. Das mythologische Personal der „Ariadne“ trifft dabei auf Vertreter einer sehr gegenwärtigen Event-Kultur, die keinen gesteigerten Wert auf Geistreiches legt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Oper & Ballett, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , , | 4 Kommentare

Familienfreuden VI: Alles ist ganz neu

 

Was für ein schöner erster Schnee! (Zeichnung: N. Albach)

Was für ein schöner erster Schnee! (Zeichnung: N. Albach)

Für ein Baby gibt es viele erste Male.

Eigentlich ist die ganze Welt ein einziges erstes Mal. Was für ein schöner Gedanke, dass für unsere Tochter Fiona alles neu und einzigartig ist.

Licht liebt sie besonders. Sobald irgendwo eine Lampe an ist oder eine Kerze brennt, haben alle anderen Bespaßungsversuche kaum eine Chance. Kaminfeuer hat es ihr besonders angetan: Wenn die Scheite lodern, starrt sie fasziniert auf die tanzenden Flammen – während ein Sabberfaden aus ihrem Mund läuft. Ob sie jetzt schon von Backäpfeln und Stockbrot träumt?

Ihren ersten Besuch auf dem Weihnachtsmarkt allerdings hat sie komplett verschlafen. Eingepackt wie ein Eisbär auf Reisen, schlummerte sie friedlich vorbei an Bratwurstduft, „Jingle Bells“-Bedröhnung aus den Lautsprechern und Glühweinfröhlichkeit.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Kinderzeiten | Verschlagwortet mit | Ein Kommentar

Advent, Advent, die Menge rennt – Impressionen vom verkaufsoffenen Sonntag in Dortmund

Im Advent gibt es Rituale, die ich immer wieder zelebriere. Zum Beispiel gehe ich an jedem ersten Adventsonntag mit meiner Patentochter ins Weihnachtsmärchen. Dann wiederum gibt es im Advent Rituale, an denen ich mich noch nie beteiligt habe. Zum Beispiel verkaufsoffene Sonntage. Seit gestern weiß ich auch, warum.

Die Patentochter und ich machten uns des Mittags auf in die Stadt mit dem größten Weihnachtsbaum der westlichen Hemisphäre (oder so ähnlich). Wir wollten uns anschauen, was Dorothy und der Herr von Oz auf die Bühne des Schauspielhauses zaubern. Nun gibt es Ortskundigere als mich und so plante ich, der Einfachheit halber das Parkhaus der Thier-Galerie zu beehren. Wovon wir nicht wussten, war der verkaufsoffene Sonntag. Ich wunderte mich zwar über den Andrang und die freundlichen Einweiser im Parkhaus, fand es aber eher nett, als dass bei mir mal eine Adventglocke geklingelt hätte.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Region Ruhr, Wahnwitz, Warenwelt & Werbung | Verschlagwortet mit , , , | 7 Kommentare

Wer heiratet, darf gratis ins Theater

Schauspielhäuser, Opern und Tageszeitungen haben oft ein ähnliches Problem: Junge Menschen wenden sich ab, das Publikum oder die Abonnenten werden immer älter und sterben dann natürlicherweise aus. Im Theater Hagen will man ein Verjüngungsmittel gefunden haben.

Schön ist es ja, das Hagener Haus. (Foto: Stadt Hagen)

Die architektonisch so schöne Spielstätte leidet besonders unter der Annähernd-Pleite ihrer Mutter, der Stadt Hagen. Aber es gibt einen rührigen Theater-Förderverein, und der geht nun mit einer neuen Idee ans Werk: Ab Januar des nächsten Jahres erhalten alle Paare, die sich vor einer Hagener Standesbeamtin oder einem -beamten das Ja-Wort geben, einen Gutschein für den Besuch einer Aufführung ihrer Wahl im Theater Hagen. „Sie trauen sich – wir laden sie ein“ heißt der eher wenig originelle Leitspruch der Aktion.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kultur an sich, Oper & Ballett, Region Ruhr, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Wer heiratet, darf gratis ins Theater

Auf hohem (Preis-)Niveau: Anna Netrebko als „Jolanthe“ in der Philharmonie Essen

Anna Netrebko sang in Essen die Titelpartie aus Tschaikowskys letzter Oper "Jolanthe" (Foto:Ester Haase)

Die Erkenntnis trifft den Grafen Vaudemont wie ein Blitz. Eben noch bat er die Königstochter Jolanthe um eine rote Rose als Zeichen ihrer Zuneigung. Aber die rätselhafte Schöne reicht ihm aus dem bunten Strauß eine weiße Rose. Als der Graf insistiert, reagiert die junge Frau immer ängstlicher und verwirrter. Endlich begreift der Graf: Die Geliebte ist blind. Der Vater schirmte sie so sehr von der Außenwelt ab, dass sie selbst nichts von ihrer Blindheit weiß.

Dies ist die Schlüsselszene aus Peter Tschaikowskys letzter Oper, dem Einakter „Jolanthe“, der die Titelheldin auf dem schmerzlichen Weg vom unwissenden Kind zur liebenden Frau begleitet. Inspiriert vom Drama „König Renés Tochter“, das dem dänischen Schriftsteller Henrik Hertz 1845 europaweit Erfolg einbrachte, schrieb Tschaikowsky ein ungemein lyrisches Werk von schier überströmendem Melos.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Auf hohem (Preis-)Niveau: Anna Netrebko als „Jolanthe“ in der Philharmonie Essen

Meilensteine der Popmusik (24): Michael Jackson

„Michael Jackson hat die beste Tanzmusik aller Zeiten gemacht. Er hat mich nicht nur inspiriert, sondern auch gezeigt, wie so etwas funktionieren kann: Sex, klare Rhythmen, geile Arrangements. Michael war ohne Frage ein Lehrmeister.“ Der Konkurrent Prince gab dieses überschwängliche Kollegenlob irgendwann einmal unaufgefordert von sich.

Dem Betroffenen müsste dieses noch mehr geschmeichelt haben, als einer der unzähligen Grammys in seiner Vitrine. Laut „Guinness Buch der Rekorde“ ist Michael Jackson der erfolgreichste Entertainer aller Zeiten.

Er war einer der wenigen Ausnahmekünstler, dessen Einmaligkeit sich in der Musikgeschichte eindeutig festschreiben lässt. Es ist zuerst natürlich die absolute Rekordzahl von weit über 100 Millionen verkaufter Exemplare des Albums „Thriller“ bis heute, knapp die Hälfte davon allein in den USA. Nie vorher oder nachher konnte eine einzige Platte auch nur annähernd diesen Umsatz erreichen, also eine Marke für die Ewigkeit.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Rock & Pop, Tonträger | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Vorfälle (2): Schaukelpferd, Briefmarken, Autoschlüssel

Es gibt in Dortmund ein Traditions-Geschäft, vor dem stets ein elektrisch betriebenes Schaukelpferd gestanden hat. Eines Tages aber war das Pferd defekt und wurde – zur Enttäuschung vieler Kinder – abgebaut. Für immer? Eigentlich nicht. Die Apparatur sollte repariert werden. Das aber zog sich sehr, sehr lange hin, weil es offenbar nur noch Münzschlitze für 50-Cent-Stücke an aufwärts gibt – und nicht mehr solche für 20 Cent. Diesen Preis hat der Betreiber aber partout beibehalten wollen. Schließlich fand sich nach gründlicher Suche doch noch ein altes Ersatzteil, das sich mit einem Kniff verwenden ließ. Eines schöneren Tages stand also das Pferd wieder am Platze. Der Ritt kostet nach wie vor 20 Cent. Ein kleines Zeichen wider die landläufige Geldgier.

Anderntags fiel mir beim Gang durch die Stadt auf, dass ein alteingesessenes Lädchen geräumt wurde, sehr wahrscheinlich wegen Geschäftsaufgabe nach Pleite.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Technik | Verschlagwortet mit , , | 6 Kommentare

Abstieg in die Hölle – Richard Fords Roman „Kanada“

Wenn die ersten Sätze eines Romans wirklich gut sind, fangen sie den Leser sofort ein, geben sie den Takt vor, deuten an, wohin die Reise gehen wird und wie der Autor seine Expedition in unbekanntes Gelände anpacken will. Richard Ford, der mit seinen Romanen über den Sportreporter und Immobilienhändler Frank Bascombe Literaturgeschichte schrieb und seit Jahren als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wird, weiß um die Kraft und die Faszination des Anfangs. Aber so frontal wie in seinem neuen Roman „Kanada“ ist auch Ford noch nie in einen Roman eingestiegen: „Zuerst will ich von dem Raubüberfall erzählen, den meine Eltern begangen haben. Dann von den Morden, die sich später ereigneten. Der Raubüberfall ist wichtiger, denn er war die entscheidende Weichenstellung in meinem Leben und in dem meiner Schwester.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Abstieg in die Hölle – Richard Fords Roman „Kanada“

Bürgerliches Trauerspiel und symbolistisches Drama: Debussys „Pélleas et Mélisande“ in Essen und Frankfurt

Mit „Pelléas et Mélisande“ bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen einem bürgerlichen Familiendrama, das an Ibsen erinnert, und einem symbolistischen Mysterium, das sich in bildmächtige poetische Seelenlandschaften vertieft. Die beiden profilierten Neuinszenierungen der vergangenen Wochen in Essen und in Frankfurt nähern sich Claude Debussys rätselvoller musikalischer Fassung des Dramas von Maurice Maeterlinck mit unterschiedlicher Perspektive.

In den magischen Licht-Räumen Raimund Bauers und Olaf Freeses: Mélisande (Michaela Selinger) und Pelléas (Jacques Imbrailo). Foto: Baus, Aalto-Theater Essen.

In den magischen Licht-Räumen Raimund Bauers und Olaf Freeses: Mélisande (Michaela Selinger) und Pelléas (Jacques Imbrailo). Foto: Baus, Aalto-Theater Essen.

Nikolaus Lehnhoff in Essen rückt die traumverwobene Atmosphäre in den Vordergrund. Die Figuren scheinen kaum aus sich heraus zu agieren, wirken oft statisch und wie gebremst vom lähmenden Gespinst bedeutungsvoller Zeichen und Zusammenhänge. Claus Guth in Frankfurt dagegen schaut auf die Psychologie der Personen, gibt ihren Aktionen und Reaktionen etwas Welthaftes, Eindeutiges mit.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Ein Kommentar

Denkwürdige Vokabeln (11): „Zeitungssterben“

Es wird nun einmal überall, wo etwas lebt, gestorben, das liegt in der Natur. Richtig ist auch, dass Medien, namentlich Zeitungen, während ihres je individuellen Entstehungsprozesses, gleichsam lebendige Organismen sind. So etwas wie Verklumpungen von menschlichen Handlungen, die vielerlei kreative Einzelaktionen miteinander verbinden und am Ende eines zunächst ungemein chaotischen Prozesses ein überraschend gestaltet wirkendes Produkt allmorgendlich, wöchentlich oder monatlich an Leserin oder Leser liefern können.

Betrachtet man es so, wäre der Begriff vom „Zeitungssterben“ sogar korrekt gewählt. Wäre da nicht ein mit handelnder Bereich, der eine Zeitung, ein lebendiges Wesen also, innerhalb der jeweiligen Perioden in den Kreißsaal brächte: der unternehmerische Bereich, das deutsche Verlagswesen. Dieser Bereich betrachtet Zeitung seit geraumer Zeit nicht mehr als lebendiges Wesen, als wesentlichen Tagesbeitrag zur Bildung, Wertebildung, Meinungsbildung, sondern als Instrument zur Bildung von Mehrwert, Gewinn und ausschüttungsfähigen Ansammlungen von Renditen.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Medien | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Das Leben in 100 Jahren: Hoffnung und kalte Schauer beim Blick in die Zukunft

In einem Jahr, das die Menschheit nach dem Maya-Kalender nicht überstehen wird, kommt das Buch von Michio Kaku gerade recht. „Unser Leben in 100 Jahren“. Das lässt hoffen.

Doch dem Autor Michio Kaku wäre es sicher zu wenig, seinen Lesern die Botschaft zu senden: „Kopf hoch, es geht weiter“. Er sieht die Menschheit auf der Schwelle zu einer neuen Ära in der Erdgeschichte. Es dauert nicht mehr lange, bis wir alle ins Weltall ausschwärmen können, Hologramme die reale Präsenz eines Besuchers ersetzen und Gene gekauft werden können.

Da läuft einem als Leser manchmal ein kalter Schauer über den Rücken, wenn der japanische Physiker seine Theorien entwickelt. Wo bleibt der Schutz des menschlichen Erbguts, wo der Schutz vor der totalen Überwachung? Doch Kaku versteht sich nicht als neuer Huxley oder zweiter Orwell, obwohl er ganz deutlich auf die Gefahren von religiösem Fundamentalismus oder totalitären Regimen zu sprechen kommt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Natur Klima Umwelt, Netzwelten & KI, Technik, Utopien & Dystopien, Wissenschaft | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Das Leben in 100 Jahren: Hoffnung und kalte Schauer beim Blick in die Zukunft

Johnny Cash und seine Freunde rocken das Theater in Bochum

So bekommen die Bochumer ihr Schauspielhaus garantiert voll, und das ist auch gut so: Johnny Cash und seine Freunde musizieren fast so, wie es in Cashs legendären Fernseh-Shows Ende der 60-er Jahre in den USA zu erleben war.

Das Theater als Konzerthaus. (Foto: Stadt Bochum)

„Well, you’re my Friend“ heißt die Nachfolge-Inszenierung der erfolgreichen Musikschau „A Tribute to Johnny Cash“, die seit längerem in Bochum die Menschen begeistert. Diesmal wird auf zwei Ebenen nachgespielt, was damals in den Studos des Fernsehsenders entstand und jeden Samstag ausgestrahlt wurde. Zum einen singen und tanzen die Darsteller und das Orchester ungefähr so, wie man es seinerzeit sehen und hören konnte, zum anderen werden in den gespielten Aufnahmepausen „Backstage“ die Konflikte deutlich gemacht, die Cash, seine Frau June Carter und seine Freunde mit den Produzenten und einem Teil der Zuschauer durchzustehen hatten – zum Beispiel beim ersten schwarz-weißen Duett mit Louis Armstrong oder bei den deutlichen Texten über Drogen und Sex.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Region Ruhr, Rock & Pop, Theater | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Mario Desiatis Roman „Zementfasern“: Das vergiftete Leben in der Fremde

Cover Download Wagenbach Verlag „Die Vorfahren hatten ihr Leben damit zugebracht, einen sicheren Fleck Erde zu suchen. Einen Schutzraum, wo man abwarten kann, bis die Zeiten sich bessern.“

Mit einer sehnsüchtigen Erinnerung an sonnenglänzende Tage am Meer beginnt „Zementfasern“, der erste ins Deutsche übersetzte Roman des in Italien hochgeachteten Autors Mario Desiati. Doch Heimat ist (leider) auch keine Lösung. Diese Lektion lernt Desiatis nonkonformistische Heldin Mimi früh und sie wird ihr ganzes Leben bestimmen.

Mimis Heimat liegt in der apulischen Provinz Lecce, unweit der Küstenstelle, wo ionisches und adriatisches Meer aufeinander treffen. Mit 15 Jahren muss sie diese Heimat verlassen, ihren Eltern ist es nicht länger möglich, dort für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Sie emigrieren in die Schweiz und es beginnen entbehrungsreiche Jahre.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Arbeitswelt & Beruf, Literatur | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Mario Desiatis Roman „Zementfasern“: Das vergiftete Leben in der Fremde

Bochum, Buddy Holly und überhaupt: Als Wolfgang Welt die Treibsätze seiner Texte zündete

So einen gibt es nur in Bochum, also wird die Geschichte immer wieder gern aufgegriffen, wenn es um Wolfgang Welt geht: Der Mann ist Nachtportier im Schauspielhaus – u n d Autor des hochmögenden Suhrkamp-Verlages, seit der berühmte Peter Handke sich vor Jahren für ihn stark gemacht hat. So. Damit hätten wir das hinter uns gebracht.

Fürsprecher Handke hat jetzt auch ein kurzes Vorwort zu Welts gesammelten (vorwiegend journalistischen) Texten der Jahre 1979 bis 2011 beigetragen.

Der Band führt vor allem in Wolfgang Welts Frühzeit zurück, als er speziell Rockmusik, dann aber auch Literatur fürs Ruhrgebiets-Szenemagazin „Marabo“ besprochen hat. Später ging’s auch in Blättern wie „Musikexpress“ zur Sache.

Man erlebt gleichsam schreiberische Fingerübungen, zunächst vielfach noch unscheinbar oder gar unbedarft, gleichwohl schon vehement meinungsfreudig, ja manchmal sogar eminent präpotent.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Lebenswege, Literatur, Medien, Region Ruhr, Rock & Pop, Wahnwitz | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Alltagsnicken (4): Kleiner Mann auf großem Rad

Es kam mir dieser Tage unversehens in den Sinn, weil ein Freund seinen Namen erwähnte: „Du hast ihn schon lange nicht mehr gesehen, lebt er eigentlich noch?“ Also begann ich herumzufragen, telefonierte, wenn ich Zeit hatte und versuchte, bei Bekannten und Freunden Näheres über seinen Verbleib zu erfahren.

Was ich da erfuhr, war wirklich sehr erfreulich. Erstens, er ist noch am Leben, zweitens, er hält mit Hilfe fürsorglicher Umgebung die Kehle trocken, was ihm – wie man hört – sehr gut tut und drittens ist er mit inzwischen 78 Jahren natürlich nicht mehr gar so mobil, so dass ein Umzug in einen anderen Stadtteil schon mal dafür sorgt, dass er frühere Plätze etwas vernachlässigt. „Schön“, freue ich mich. Da hat etwas, da hat jemand nach wie vor Bestand.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Alltag, Lebenswege, Region Ruhr, Rock & Pop | Verschlagwortet mit , , | 9 Kommentare

Meilensteine der Popmusik (23): The Kinks

„Was ist unser Leben eigentlich noch wert? Eine Zweiraumwohnung im zweiten Stock, kein Einkommen, und draußen versucht der Vermieter reinzukommen, um die fällige Miete einzutreiben. Wir sind eindeutig zweitklassig – Menschen, die in der Sackkasse leben, und dort auch sterben werden…“ (Auszug aus „Dead End Street“).

Ray Davies beobachtete seine Umgebung genau. Während die Songs der aufkommenden Protestwelle den Generationenkonflikt thematisierten, politische Auseinandersetzungen und Kriege anprangerten, ja bisweilen sogar den Weltuntergang beschworen, trieb sich Ray Davies in der Nachbarschaft herum. „Otto Normalverbraucher“ lieferte Davies die Themen für seine zumeist bissigen, sozialkritischen Songs.

Er war eindeutig der Kopf der Kinks (engl. kinky „schrullig“, „ausgeflippt“), neben den Beatles, den Rolling Stones und The Who eine der erfolgreichsten Vertreter der „British Invasion“, wie die US-Amerikaner damals die Beatwelle aus Großbritannien nannten.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Rock & Pop, Tonträger | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 8 Kommentare

Die dreiste Markt-Strategie des Iman Rezai oder: Folter ist kein Mittel der Kunst!

Wäre Schweigen in diesem Fall eigentlich Gold? Warum dem Törichten eine öffentliche Plattform bieten?

Die Zeiten, in denen der Kritik das Wahre der Kunst von anderen Waren zu unterscheiden als Kernpflicht oblag, sind längst vorbei. Das System hat neben dem scheinbar reinigenden Meinungsgeblähe der Medien seinen eigenen Filter, um Qualität von, na sagen wir Scharlatanerie zu scheiden. Dennoch, wider den Stachel zu löcken ist im vorliegenden Fall einer unangenehmen Aktion von Iman Rezai angebracht, und zwar bewusst bildlos und linkfrei. Sie macht deutlich, dass eine neue Generation von Biografie-Designern am Werk ist, denen es vor allem um eins geht: PR. Und damit um Kohle. Hierbei sind die eingesetzten Mittel offensichtlich vollkommen zu Werkzeugen dieses Vermarktungssystems verkommen.

Das ist keine Kunst, das ist schlicht degoutant.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Kultur an sich, Kunst & Museen, Medien, Politik und so, Warenwelt & Werbung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 10 Kommentare

John Irvings Roman „In einer Person“: Ein junger Mann sucht seine sexuelle Identität

Schauspieler leben gefährlich. Vor allem wenn sie jung sind, fast noch ein Kind, und nicht nur früh den Verlockungen des Theaters, sondern sich auch der Vielfalt der Rollen erliegen.

Dass Männer in Frauenkleider schlüpfen (und umgekehrt) und dass eine faszinierend schöne Schauspielerin in Wirklichkeit ein hormonbehandelter ehemaliger Mann ist, lernt der pubertierende William Abbott jedenfalls schon sehr früh. Seine Mutter arbeitet als schlecht bezahlte Souffleuse am Theater der (fiktiven) Kleinstadt „First Sister“. Sein Großvater trägt auf der Bühne gern Frauenkostüme und warnt den jungen, ebenfalls zum Theater drängenden William, dass es für einen Schauspieler manchmal schwer ist, bei all den Rollen und Identitätsvariationen den Überblick zu behalten und noch zu wissen, wer und was man eigentlich ist.

Miss Frost, seine Lieblingsbibliothekarin, die William mit den Romanen von Dickens und den Dramen von Ibsen vertraut macht, verliert ihren Job, als bekannt wird, dass die große Diva der Laien-Theatertruppe des Ortes früher ein Mann war und heute junge Knaben sexuell verführt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kinderzeiten, Lebenswege, Liebesleben, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für John Irvings Roman „In einer Person“: Ein junger Mann sucht seine sexuelle Identität

Ansichten eines Hörbuch-Junkies (4): „Griessnockerl-Affäre“ – ein etwas anderer Eberhofer-Krimi

Es beginnt mit einem Anlass zum tiefen Bedauern: Schreck, die Oma lebt nicht mehr!

Hatte sich die Leser-/Hörerschar doch an sämtliche Mitglieder der Familie Eberhofer in Niederkaltenkirchen bei Landshut so sehr gewöhnt, liebte sie doch sämtliche Schrullen und Alltagsungewohnheiten und war sie doch bei jedem der Eberhofer-Krimis von Rita Falk immer wieder begeistert von den Schmankerln, die Oma gerade ihrem Enkel Franz zubereitete. Und nun keine allseits bejubelten Rezepte mehr, keine einschaltbare Schwerhörigkeit mehr, wenn die kleine Oma sich verweigerte, blödsinnigen Lebensäußerungen ihrer Umgebung ausgesetzt zu sein?

Doch dann – beim üblichen Kondolenz-Défilé – erklingt auf einmal Omas gewohntes Stimmchen aus den Stimmbändern von Christian Tramitz. Sie drückt der Susi vom Franz ihr Beileid für den Verlust von deren Oma aus.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Ansichten eines Hörbuch-Junkies (4): „Griessnockerl-Affäre“ – ein etwas anderer Eberhofer-Krimi

Musiktheater zur Shoah: Essener Jüdin steht im Mittelpunkt

Als das Unheil begann, Gestalt anzunehmen, wohnte Perl Margulies in Essen. Mit ihrem Mann Benzion (oder eingedeutscht Benno) führte sie ein Geschäft. Eine ganz normale Hausfrau aus der bürgerlichen Mittelschicht wird 2012 zur Protagonistin einer Oper. „Refidim Junction“ heißt das Werk des Jerusalemer Komponistin Magret Wolf. Uraufgeführt wurde das Musiktheater nun in einer beispielhaften Zusammenarbeit von Musikhochschule und Theater Würzburg. Und die Essener Jüdin spielt darin eine Hauptrolle. Sie war eines von Millionen Opfern des nationalsozialistischen Rassenwahns.

Frühes Opfer des Rassenwahns: Perl Margulies lebte bis 1933 in Essen. Foto: privat

Frühes Opfer des Rassenwahns: Perl Margulies lebte bis 1933 in Essen. Foto: privat

In „Refidim Junction“ stellt Magret Wolf Briefe zweier jüdischer Frauen gegenüber, der Würzburger Dichterin Marianne Rein und der Essenerin Perl Margulies. Beide werden Opfer der Verfolgung: Die junge Lyrikerin wird 1941 nach Riga deportiert, wo sich ihre Spur verliert: Sie ist vermutlich verhungert oder erfroren.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Oper & Ballett | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Ein Kommentar