Volltextsuche
Archiv aller Beiträge
Themenbereiche
-
Die 10 neuesten Beiträge
- Soziale Miniaturen (25): Die Frau bei den Eseln
- Das Unheimliche im Vertrauten: Performance, Installationen und Skulpturen rund um den Dortmunder Hauptbahnhof
- Nichts mehr zu retten – T. C. Boyles dystopische Storys „Das Ende ist nur ein Anfang“
- Deprimierend und zum Brüllen komisch – Heinz Strunks Roman „Memories of Heidelberg“
- Mit „großem Bock“: Julien Chavaz wechselt 2028 als Intendant von Magdeburg ans krisengeplagte Essener Aalto-Theater
- Hauptsache unterwegs – Felicitas Hoppe über das Reisen
- Comedy plus Oper: Bülent Ceylan entert an der Berliner Staatsoper Mozarts „Entführung aus dem Serail“
- Es ist 38 Grad im Schatten, nebenher läuft zuweilen diese seltsame Fußball-WM – und mehr mag ich jetzt auch nicht schreiben
- Mozarts Klangwelten: Maxim Emelyanychev als Pianist in der Philharmonie
- Die Römer sind los: Der Archäologische Park Xanten feiert fünf Jahre als UNESCO-Welterbe
Meistgelesen (ab 1.10.23)
- Aufklärung, das unvollendete Projekt – opulente Ausstellung in Berlin
- Als Prügel für Kinder zum Alltag gehörten
- Wie sich die chinesische Lyrik nach und nach von Fesseln befreite und…
- Wahn und Wirklichkeit: „Englischer“ Opern-Doppelabend in Duisburg
- Viele, liebe, beste, schöne, freundliche, herzliche Grüße: Die etwas…
- Entdecker in den Gefilden der Rockmusik: Alan Bangs wird 70 Jahre alt
- Konjunktur mit Fußballbildchen: Das Wunder in Tüten aus Dortmund und…
- Woran Goethe glaubte
- Wie sich Pflegedienste nennen
- „Die Brücke“ und „Der Blaue Reiter“ – ein opulenter…
- Die Unternehmer-Familie Quandt und ihr Bezug zum Ruhrgebiet
- „Familie Hauser“ als (un)heimlicher Internet-Hit: Viele Millionen…
- Der Struwwelpeter, der Suppenkasper und ihre Wirkung auf die Kunst –…
- Kindheit im Ruhrgebiet – Erinnerung an versunkene Zeiten
- Zum Schluß bleibt noch die Altersmilde – Robert Gernhardts „Lichte…
- Kunst-Stoff für Christo – Fabrik in Emsdetten fertigt das Gewebe für die…
- Gemischte Gefühle beim Abschied von sämtlichen Dingen: „Später…
- TV-Nostalgie (19): Werner Höfers „Frühschoppen“ – das Sonntagsritual
- Bedeutsam wie eh und je: George Orwells „Farm der Tiere“ gleich in…
- Heino wird 80 – Sind denn alle Geschmäcker nivelliert?
- Bürgerinitiative peilt ehrgeiziges Ziel an: Altes Dortmunder Rathaus…
- TV-Nostalgie (6): Erik Ode als „Der Kommissar“ – Mal…
- Von Unna aus ein wenig die Welt verändern – Nachruf auf den vielseitigen…
- Vor 70 Jahren: Als es das Essen nur auf Lebensmittelmarken gab
- Früher war einfach mehr Kneipe!
- „Das Gurkerl“ – eine ätzende Petitesse
- Trotz allem optimistisch bleiben – die fabelhaft farbigen Welten…
- Wo selbst Prominentengräber unscheinbar sind – ein Gang über den…
- Dortmund damals: Beim Betrachten alter Bilder aus der Heimatstadt
- Die einfachen Dinge des Lebens lieben – Der Schauspieler Heinz Bennent…
- TV-Nostalgie (28): „Der goldene Schuß“ mit Lou van Burg – „Kimme,…
- Garantie auf Gänsehaut: Das Gesangsoktett VOCES8 sprengte beim…
- „Mächtiger Körper, Wahnsinn im Glas“: Das Vokabular der Weinverkostung
- Reizendes Kaleidoskop: Anna Vinnitskaya ist Porträtkünstlerin der…
- WDR 4: Radio für Senioren – aber ganz anders als früher
- Dem Ruhrpott seine Sprache
- Vom Mikro zur Motorsäge – die zweite Karriere von Pia Lund („Phillip Boa…
- Der Flaneur braucht kein Ziel
- Die „Essais“ des Michel de Montaigne und ihr deutscher Übersetzer –…
- „Tegtmeier“ lebt nicht mehr – Ruhrgebiets-Komiker Jürgen von…
- Was ist denn wohl ein Aminaschlupferle? – Neues Buch über „Wörter, die…
- Schurke und Biedermann: Ausstellung zum 100. Geburtstag des…
- Iserlohn: Ein Hauch der weiten Welt im Goethe-Institut – abseits der Metropolen
- Entlustet und mohrifiziert – Wortverhunzung und Schlimmeres im…
- Vergehende Zeit, hier im Revier: Zum Beispiel die Dortmunder Steinhammerstraße
- Queen für ein ganzes Zeitalter: Vor 200 Jahren wurde die britische…
- Berührende Tragödie: Cecilia Bartoli mit Glucks „Orfeo ed Euridice“ in…
- Erich Fried: Schriftsteller, Philanthrop, Vor-Denker und…
- TV-Nostalgie (24): „Der große Bellheim“ – Die älteren…
- Die Geburt des Kinos in Europa: Vor 125 Jahren markierte das Patent der…
- Zum Tod von Ulrich Wildgruber: Ein Berserker, der uns sprachlos machte
- Größter Holzhandel weit und breit: Grabstätte führt auf die Spuren einer…
- Die Kunst des Schmerzes: Marina Abramović in Bonn
- Ein Grundklang für Generationen: Bochums Jugendsinfonieorchester feiert…
- Der Vater der Luftschiffe: Vor 100 Jahren starb Ferdinand Graf von Zeppelin
- Wenn man vom Rathaus kommt, ist man klüger – ein lehrreicher Rundgang…
- Das Leben ohne Verdünnung: Otto Dix in Düsseldorf
- Einkaufen früher und heute
- 90 Jahre „Kampfbahn Rote Erde“: Wenn Gerd Kolbe erzählt, wird die…
- Lachen gegen die absurden Regeln der Welt: Vor 50 Jahren starb Stan Laurel
- Langer Abschied vom Generalmusikdirektor: Gabriel Feltz wechselt bald…
- Frauen, die beim Wohnen warten
- Nashorn oder Fuchs: Städtische Symboltiere auf der Straße
- Nicht nur zum Ende der Zechen-Ära eine Erinnerung wert: August Siegel,…
- Es könnte ruhig ein wenig mehr sein – Museum Folkwang zeigt Werke Lyonel…
- Beispiel Dortmund: Mit Karstadt schwinden auch Erinnerungen
- Sprachphilosophie aus der Bauernstube – Brian Friels Stück…
- TV-Nostalgie (22): „Ein Herz und eine Seele“ – als…
- „Spätlese“ zum 90. von Loriot: Eine Fülle bisher unbekannter…
- Vom Hauen und Stechen im Theater: Kampftrainer Klaus Figge im Porträt
- Beyenburg mit seinem Stausee – ein bergisches Idyll am Rande von Wuppertal
- „Wie eine Straßenköter-Mischung“ – Jugendstil und Artverwandtes im…
- Hömma, Dingenskirchen, ey! Und schon wieder liegt ein Asterix-Band auf…
- TV-Nostalgie (35): Konversation mit Kitzel – „Je später der…
- Impressionismus und Fotografie – zwei Wege in die Moderne
- TV-Nostalgie (27): „Auf der Flucht“ – Als Dr. Richard…
- Wenn Bäume Zähne zeigen
- Schloss Cappenberg: Nach langer Schließung kehrt bald wieder Leben ein
- TV-Nostalgie (17): „Wünsch Dir was“ – als Dietmar Schönherr für…
- Kreativer Kosmos, künstlerischer Klamauk – Martin Kippenberger in der…
- Erst Rocksängerin, dann Bildhauerin – Pia Bohr: „In der Kultur haben es…
- Zum Tod von Marianne Faithfull – Rückblick auf ein Konzert von 1999
- Das Ruhrgebiet – von allen Seiten betrachtet: 100 Jahre…
- TV-Nostalgie (32): Bernhard Grzimeks „Ein Platz für Tiere“…
- Bye-bye, Sabine – ein Nachruf auf die Dortmunder Krimiautorin Sabine Deitmer
- Vom Fluch frühen Ruhms: Der Pianist Jan Lisiecki im Konzerthaus Dortmund
- Seelenfenster geöffnet: Tschaikowskys „Eugen Onegin“ in Krefeld-Mönchengladbach
- Unbewusstes aus der Dunkelkammer – Bilder des deutschen…
- Natur und Kunst, Schönheit und Grauen: Vor 150 Jahren starb der…
- Bumsfideler Bergmann anno 1971: „Laß jucken Kumpel“ – der etwas…
- Im 100. „Schreibheft“: Vergessene, verkannte, verschollene…
- „Schwarze Kohle, rotes Licht“ – Schwere Jungs erinnern sich an ihr…
- Onkel Dagoberts Traum: Deutschlands größter Geldspeicher steht…
- Geflüchtete Kinder in der Schule: Essener Gymnasium am Stoppenberg gibt…
- Schonungsloser Blick auf Missstände seiner Zeit: Vor 150 Jahren starb…
- Mathematiker kontra Verbrecher – Antti Tuomainens Comedy-Thriller „Der…
- Der BVB verteilt alljährlich über 155.000 Plastikkarten – muss das denn sein?
- Von Nöttelefönes, Klötenköhm und Halfjehang – ein Herkunftswörtbuch zur…
- „Geh nicht durchs Gewischte!“ – Torsten Sträters „Heimspiel“…
- Dem „göttlichen Claudio“ zum 450. Geburtstag: Monteverdi bringt in…
- Die Zeiten ändern sich: Neue Chefin im Dortmunder Museum für Kunst und…
- TV-Nostalgie (15): Robert Lembkes „Was bin ich?“ – die…
- Für die Benachteiligten schreiben: Die Werkstatt Dortmund im „Werkkreis…
- Beklemmend schön: „Der Hamiltonkomplex“ mit dreizehn…
- „Wenn der Wind von Hörde kam, roch es wie Pech und Schwefel“…
- Wer erweckt dieses frühere Kino zum Leben?
- TV-Nostalgie (11): Loriot – Humor mit Stil
- Wie die Kunst auf die Industrialisierung reagierte – „Vision und…
- Das Ruhrgebiet war gegen Nazis nicht immun: Schon 1932 füllte Hitler die…
- Rekonstruktion einer Abtreibung von 1964 – „Das Ereignis“ von Annie Ernaux
- Ruhrgebiets-Flamenco: Rafael Cortés brilliert in der Lichtburg Essen
- Perfekt, freudlos – das Folkwang-Museum zeigt italienische Malerei…
- Auf dem Berg der Wahrheit – Ein Spaziergang auf den Spuren von…
- Hohe Belastung mit Umweltgift PCB: Uni Bochum reißt zwei Großgebäude ab
- Die Posen des jungen Werther – Joachim Meyerhoff im Einpersonen-Stück…
- Hach! Hihi! Huch! – Mal wieder ein Buch zur putzigen Dingwelt der…
- Stadt, Land, Fluss: Andreas Gursky in Düsseldorf
- Joachim Meyerhoff: Literarisches Denkmal für die Mutter
- Duplikate für den historischen Ostfriedhof – warum muss das denn sein?
- Erfinder des Saxophons: Vor 200 Jahren wurde Adolphe Sax geboren
- Kriegsende an der Ruhr: Bei Hattingen gab es „Friendly Fire“
- Mit vokalem Volldampf durch Georgien: Der Trinity Cathedral Choir aus…
- Mäuse, Schweinchen, Feen und Pinguine: Sehenswerte Trickserien für…
- Olympische Spielstraße, München, 1972 – Erinnerungen an ein fröhliches…
- Das Revier im Paket: Adolf Winkelmanns Ruhrgebiets-Filme im Kino und auf DVD
- Der Krebs und der Krieg – Robert Gernhardts erschütternde „K-Gedichte“
- Lars Vilks „Nimis“: Kunstwerk aus Treibholz reizt seit Jahrzehnten…
- Der erste Opernstar der Schellack-Zeit: Vor 100 Jahren starb der…
- Schrecken und Schönheit der Natur – Münster zeigt grandiose…
- Werke von großer Aussagekraft – eine nachdrückliche Erinnerung an…
- Schneller Fuchs, träger Hund, Bayern und Sylt oder: Das ganze Alphabet…
- Grenzgänge an der Küste – die melancholischen Meeresbilder des Hermann Buß
- Alles auf Anfang: Wie die Künstlergruppe „junger westen“ im…
- Songs für die Ewigkeit: Zum Tod des großen Dichters und Sängers Leonard Cohen
- „Haus der Löcher“: Ödnis im Porno-Paradies
- Das Erbe von „Tegtmeier“ wirkt weiter – Jürgen von Manger wurde…
- Goethe-Institut – auf Wellenlänge der neuen Außenministerin
- Künstler auf der Suche – Hagener Museum zeigt frühe Bilder von…
- Schlapphüte und andere Trends: BVB-Spielerfrau Jana Kirch als neue…
- Frank Zappa enttäuscht Publikum in Ahlen – ganz im Gegensatz zu Rory Gallagher
- Wenn Dichter baden gehen
- Neustart bei den „Mitternachtsspitzen“: Da geht noch was…
- Verzicht auf die Katastrophe: „Schwanensee“ am Essener Aalto-Theater
- Helles Malz, Aroma-Hopfen, weiches Wasser: Vor 175 Jahren erfand der…
- „Nichts als gegeben hinnehmen“ – Der Schriftsteller…
- „Zupacken Ehrensache“: Wie die Ruhris mit einem…
- „Schöne Scheiße“ im Dortmunder Museum: Die stets unfertige Welt…
- Von „Alka Seltzer“ bis „Schapusiak“ – Spitznamen, mit denen…
- TV-Nostalgie (9): „Bonanza“ – eine Western-Serie für…
- „Was für ein Jahr!“ (Gesammelte Grußformeln, 2020er…
Archiv der Kategorie: Literatur
Was seit Wilhelm Busch geschah: 150 Jahre deutsche Comics in Oberhausen
Da hat man sich in Oberhausen hübsch was vorgenommen: Nicht weniger als die ganze Geschichte des deutschsprachigen Comics seit Wilhelm Busch will man in prägnanten Beispielen nacherzählen. Besucher der neuen Ausstellung „Streich auf Streich“ dürfen ausgiebig der Augenlust frönen, sehen sich aber auch gefordert.
In Zahlen: Die Tour durch 150 Jahre Comic-Historie ist in 15 Kapitel („Streiche“) unterteilt, rund 300 Originalzeichnungen und 60 Erstdrucke sind in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zu sehen. Die Schau erstreckt sich weitläufig über mehrere Etagen und umfasst die ganze mediale und stilistische Bandbreite. Gastkurator Martin Jurgeit zeigte sich höchst angetan von solchen Ausbreitungs-Möglichkeiten. Er kann in Oberhausen noch mehr auftrumpfen als in Hannover, für dessen Wilhelm-Busch-Museum er die Schau geplant hat.

Wilhelm Busch: Zeichnung aus „Max und Moritz“, 1865 (© Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst)
Der wahrhaft vielfältige Rundgang beginnt beim Vorvater und frühen Großmeister der Zunft: Wilhelm Busch hat tatsächlich bereits typische Merkmale der allmählich entstehenden Gattung entwickelt, die vor allem Erzählrhythmik, Dynamik und Lautmalerei betreffen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Comics & Cartoons, Geschichte, Kinderzeiten, Kunst & Museen, Literatur, Medien, Netzwelten & KI, Scherz, Satire, Ironie
Verschlagwortet mit Comics, Graphic Novel, Hendrik Dorgathen, Ludwiggalerie, Max und Moritz, Oberhausen, Pardon, Ralf König, Simplicissimus, Volker Reiche, Walter Moers, Wilhelm Busch
2 Kommentare
Von der Utopie zur bitteren Satire – Jörg Albrechts Roman „Anarchie in Ruhrstadt“
Man sagt es schnell so dahin: „Ruhrstadt“ – wenn man nach seiner Herkunft gefragt wird. Eine Zeitlang galt das als schick, doch dann liest man wieder vom ewigen Gezänk um das Ruhrparlament und fragt sich, ob das mit der Ruhrstadt wirklich so eine gute Idee ist und ob es nicht ha
uptsächlich um die Sicherung eigener Pfründe geht. Der Autor Jörg Albrecht hat die Sache mit der Ruhrstadt und der vielbeschworenen Kreativwirtschaft jetzt zu Ende gedacht. In seinem Buch „Anarchie in Ruhrstadt“ entwirft er eine Utopie, die ganz schnell zur Dystopie wird und die Rahmenhandlung für das Theatertour-Projekt „Die 54.Stadt – Das Ende der Zukunft“ bildet.
September 2044: Rick und Julieta wollen aus der Ruhrstadt fliehen, aber das ist in der streng reglementierten und lückenlos überwachten „Mega-Urbanität“ gar nicht so einfach.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Anarchie in Ruhrstadt, Jörg Albrecht, Kreativwirtschaft, Ruhrgebiet
Ein Kommentar
„Jeder soll leben, für immer“ – „Das Buch gegen den Tod“ aus dem Nachlass von Elias Canetti
Es ist kein erzählendes Werk, auch keine Lyrik, kein Tagebuch und keine philosophische Abhandlung. Was aber ist Elias Canettis „Buch gegen den Tod“?
Schwer zu sagen. Man liest zahllose einzelne Sätze und Absätze, oft in Paradoxien zugespitzt, vielfach in aphoristisch vollendeter Form. Bruchstücke einer großen Konfession. Eine imponierende, sprachlich und gedanklich funkelnde Materialsammlung – wider den Tod. Ein „unmögliches“ Unterfangen also? Doch genau solche verzagten, schicksalsergebenen Gedanken hätte Canetti nicht gelten lassen. Obwohl auch er gelegentlich solche Anwandlungen hatte. So bezichtigt er seine eigenen Mühen einmal mit diesen Worten: „…nichts als ein Prahlen und von Anfang zu Ende so hilflos wie jeder andere.“
Zeitlebens hat Elias Canetti („Die Blendung“, „Masse und Macht“) Sätze und Gedanken aufgehoben, die sich dem Tod widersetzen, die ihn weder bejahen noch hinnehmen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Glaubensfragen, Lebenswege, Literatur, Philosophie, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit Elias Canetti, Samuel Beckett, Thomas Bernhard, Tod
Ein Kommentar
Zum Tod des Englischlehrers
Natürlich kündet es vom Nahen des eigenen Todes, wenn immer mehr Menschen sterben, die man gekannt hat. Und wieder ist einer dahin…
Es ist schon fast ein halbes Jahr her. Durch einen Schulfreund habe ich es erst jetzt erfahren.
Er war unser Englischlehrer im Gymnasium, genauer: ab der Mittelstufe. Vorher hatten wir einen, der hauptsächlich Sport gab und Englisch nur nebenher betrieb. Eigentlich ein Witz.
Dieser aber war vergleichsweise ein Geistesriese. Trug einen Doktortitel. Hat nach und nach ein paar Bücher zur Textinterpretation verfasst. Man munkelte gar, dass er von mehreren Universitäten umworben werde. Er aber blieb bis zur Pensionierung an dieser Schule. Ein Heros der Selbstbescheidung?

Relikt schwerer Schulstunden: Die ersten Seiten von Shakespeares „Macbeth“ mit Randnotizen. (Foto: Bernd Berke)
Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ging zudem die Saga, er habe als Student in einem britischen Bergwerk geschuftet, um sich über Wasser zu halten.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Kinderzeiten, Literatur, Schule, Uni, Bildung
Verschlagwortet mit Englisch, Lehrer, Schule, Unterricht
Kommentare deaktiviert für Zum Tod des Englischlehrers
Flaneur im Stress – der Roman „Leise singende Frauen“ von Wilhelm Genazino
Die neuerliche Begegnung mit Wilhelm Genazino war eher Zufall. Ich sah das Buch beim Buchhändler liegen und dachte: schau doch mal rein. „Leise singende Frauen“ heißt der gerade einmal 176 Seiten umfassende Roman (im Paperback), den Titel ziert das Foto einer keusch berockten Dame mit Highheels und ohne Oberkörper, die sich bedrohlich weit aus einem Fenster zu lehnen scheint.
Erst auf den zweiten Blick gewahrt man, daß das Bild entweder ein farblich ganz zurückhaltendes Buntbild sein muß oder aber doch wenigstens ein kleines Bißchen Rot mitgedruckt wurde. Was sagt uns das? Eher – nichts. Man könnte allenfalls über die Motive der titelprägenden Firma („Wildes Blut, Atelier für Gestaltung“) spekulieren und vielleicht auch ein, zwei erwähnenswerte Erklärungsversuche herausdestillieren, doch wirklich weiter brächte einen das nicht.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Leise singende Frauen, Wilhelm Genazino
Kommentare deaktiviert für Flaneur im Stress – der Roman „Leise singende Frauen“ von Wilhelm Genazino
„Tricks“ von Alice Munro – ein idealer Einstieg ins Werk der Nobelpreisträgerin
Wenn eine Autorin oder ein Autor oder meinetwegen auch ein Dichter den Nobelpreis für Literatur erhält, dann kaufen sich viele Zeitgenossen sofort mindestens ein Buch dieses Geehrten. So war das auch, als Alice Munro im vergangenen Herbst ausgezeichnet wurde. Die Kanadierin wurde plötzlich weiten Kreisen bekannt, auch wenn sie vorher schon keine Unbekannte war.
Vor allem im englischsprachigen Raum galt die 1931 geborene Schriftstellerin schon lange als eine der besten zeitgenössischen Erzählerinnen, und in Deutschland machte sich der Fischer-Verlag mit einer ganzen Reihe von Taschenbüchern um ihr Werk verdient. Wer sich in Munros Erzählwelt einlesen möchte, dem seien die acht Erzählungen empfohlen, die bereits 2008 in dem Bändchen „Tricks“ zusammengefasst worden sind und das nun schon in 7. Auflage vorliegt.
… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur, Sprache
Verschlagwortet mit Kanada, Munro, Nobelpreis, Tricks
Ein Kommentar
Tiefen und Untiefen des Alltags: David Gutersons Erzählungen „Zwischen Menschen“
Für die Redewendung, wonach der Alltag die besten Geschichten schreibt, bietet der US-Schriftsteller David Guterson mit seinem neuen Band „Zwischen Menschen“ gelungene Beispiele. Der Autor, der durch seinen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ weltweit Berühmtheit erlangte, erzählt von menschlichen Begegnungen. In den zehn Episoden erscheint das Aufeinandertreffen der Beteiligten anfangs eher belanglos, bevor sich die eigentlichen Dimensionen erschließen.
Mit jedem Kapitel beweist Guterson sein Talent, die Figuren psychologisch exakt zu taxieren, wodurch ihre Gegensätze und die Spannungen in den jeweiligen Beziehungen deutlich zu Tage treten. Ganz selten nur ist harmonische Stimmung zu spüren, die will auch nicht in der Kurzgeschichte „Paradise“ aufkommen, die davon handelt, dass sich zwei ältere Menschen, eine Soziologin und ein Handelsrechtler, über eine Kontaktbörse kennen gelernt haben und nun auf den richtigen Partner für den Lebensabend hoffen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Lebenswege, Liebesleben, Literatur
Verschlagwortet mit David Guterson, Demenz, Hundesitterin, Kontaktbörse, NS-Vergangenheit
Ein Kommentar
Die Dekadenz der britischen Oberschicht – Evelyn Waughs Roman „Verfall und Untergang“
Jetzt mal Hand aufs Herz, dies ist doch ein allerliebster Romananfang: „Mr. Sniggs, der Prodekan, und Mr. Postlethwaite, der Schatzmeister, saßen allein in Mr. Sniggs’ Zimmer, das auf den Gartenhof des Scone College ging. Aus der Wohnung von Sir Alastair Digby-Vaine-Trumpington, zwei Aufgänge weiter, drang wildes Grölen…“
Man muss sich diesen ersten Satz im schönsten Oxford-Akzent gelesen vorstellen – und schon kann man sich in jenem herrlichen Loriot-Sketch mit Evelyn Hamann wähnen.
Tatsächlich hat Evelyn Waughs erstmals 1928 erschienener Roman „Decline and Fall“ auch in der neuen deutschen Übersetzung von Andrea Ott (Titel jetzt „Verfall und Untergang“ statt „Auf der schiefen Ebene“), seine ureigenen parodistischen Qualitäten. Durchaus denkbar, dass die begnadeten Komiker von „Monty Python“ diesen Mister Evelyn Waugh (1903-1966) zu ihren geistigen Vorfahren zählen…
Die eher unscheinbare, abwartend beobachtende Hauptfigur des Romans stammt aus einfachen Verhältnissen, heißt hübsch alliterierend Paul Pennyfeather, studiert just in Oxford, wird dort Opfer eines rüden Studentenulks und wegen anstößigen Verhaltens aus dem College geworfen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Literatur
Verschlagwortet mit Decline and Fall, Evelyn Waugh, Verfall und Untergang
Kommentare deaktiviert für Die Dekadenz der britischen Oberschicht – Evelyn Waughs Roman „Verfall und Untergang“
Würdig und töricht zugleich ist die Liebe – Navid Kermani verknüpft Zeiten und Kulturen
Was löst Liebe aus bei einem Menschen und wie verändert er sich dadurch? Dieser Frage geht Navid Kermani in seinem Roman „Grosse Liebe“ in Gedanken nach. Die Liebe – so das Fazit des Romans – ist, muss es sein, was Menschen über alle Kulturen, Religionen und Jahrhunderte hinweg verbindet.
Navid Kermani erinnert sich an seine Schulhofliebe in den 80er Jahren. Fünfzehn Jahre war er alt und es waren nur wenige Tage, in denen er alle Phasen der Liebe durchlebte. Von der alle Sinne verwirrenden Schwärmerei für die Allerschönste aus der Raucherecke im gymnasialen Pausenhof über den ersten Kuss, die erste Aufopferungsbereitschaft bis schließlich hin zum radikalen Bruch, der schroffen Zurückweisung durch die Geliebte. Kermani erzählt von dieser Liebe vor dem Hintergrund der friedensbewegten 80er Jahre und verknüpft seine Erinnerungen mit Erzählungen islamischer Liebesmystiker aus dem 12.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Glaubensfragen, Liebesleben, Literatur
Verschlagwortet mit 80er Jahre, Grosse Liebe, Literatur, Navid Kermani
Kommentare deaktiviert für Würdig und töricht zugleich ist die Liebe – Navid Kermani verknüpft Zeiten und Kulturen
Alte Sünden, neue Schuld: Martin Walkers Krimi „Reiner Wein“
Wenn der Schotte Martin Walker nicht gerade als politischer Journalist oder als Vorsitzender eines Think-Tanks für Topmanager im amerikanischen Washington tätig ist, gönnt er sich regelmäßig eine Auszeit im französischen Périgord. In seiner Wahlheimat labt er sich an köstlichen Weinen und wunderbaren Speisen und erweckt seinen Polizisten Bruno zum Leben.
Diesmal, bei der Lösung des sechsten kompliziert verknoteten Falls („Reiner Wein“), muss der charmante Ermittler bis in die Zeit der französischen Résistance zurückgehen. Nur wenn Bruno näheres über den (historisch belegten) legendären Eisenbahnüberfall herausbekommt, bei dem Résistance-Kämpfer im Juli 1944 die sagenhafte Summe von 2,28 Milliarden Franc (das wären heute etwa 300 Millionen Euro) erbeuteten, kann er eine aktuelle Serie von Raubüberfällen aufklären, bei denen die Ferienwohnungen der Périgord-Touristen ausgeräumt werden.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur
Verschlagwortet mit Bruno Knust, Martin Walker, Reiner Wein
Kommentare deaktiviert für Alte Sünden, neue Schuld: Martin Walkers Krimi „Reiner Wein“
Verlockungen der Bohème: Die Novelle „Später Ruhm“ aus dem Nachlass von Arthur Schnitzler
Früher einmal war Eduard Saxberger ein fescher junger Kerl und ein künstlerisch umtriebiger Dichter, der mit seinen poetischen „Wanderungen“ für Aufsehen sorgte. Doch das ist lange her. Heute ist er ein alter Mann, ein von der Welt vergessener Beamter, der in irgendeiner Wiener Behörde seit Jahrzehnten seinen Dienst leistet.
Seine einzige Freude sind die abendlichen Spaziergänge und die Besuche im Wirtshaus. Fast schon hat er vergessen, welche hochfliegenden Pläne er einst hatte und wie schön es gewesen wäre, allein vom Schreiben leben zu können. Doch dann steht plötzlich ein junger Mann vor seiner Tür, der sich als glühender Verehrer seiner frühen Verse und Mitglied des Schriftstellervereins „Die Begeisterten“ zu erkennen gibt. Geschmeichelt nimmt Saxberger zur Kenntnis, dass man ihn als Vorbild auserkoren habe und ihn einlade, an den Versammlungen und Lesungen ihres Zirkels teilzunehmen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Lebenswege, Literatur
Verschlagwortet mit Arthur Schnitzler, Bohème, Eduard Saxberger, Nachlass, Novelle, Später Ruhm
Kommentare deaktiviert für Verlockungen der Bohème: Die Novelle „Später Ruhm“ aus dem Nachlass von Arthur Schnitzler
Zur Abwechlung hier mal ein Gedicht
Sonne
und immer
wechselt das Wetter und
wir werden unsere
Trauer nicht los
bei Sonne
und anderem Wetter
warum sind die
Menschen in
Kalifornien
nicht immer nur
glücklich unter der
Sonne… Weiterlesen
Die Landkarte der wechselnden Launen – „Deutschlandreisen“ von Helmut Krausser
Was erwartet man, wenn ein Schriftsteller vier Lesetourneen absolviert hat und dann ein Buch „Deutschlandreisen“ nennt? Wahrscheinlich doch Anmerkungen über den oder jenen Landstrich und seine Bewohner, womöglich auch Sticheleien oder gar vernichtende Urteile über gewisse Gemeinden.
Diese Erwartungen enttäuscht Helmut Krausser gründlich. Die Städte, in denen der Autor zwischen 2006 und 2012 zu Gast war, stiften ihn nur selten zu substanziellen Bemerkungen an. Und so wird Augsburg kurz abgefertigt, gibt es einen Ulk über Ulm, wird Stuttgart achtlos gestreift, Heidelberg en passant behandelt, Freiburg kurzerhand als belanglos abgetan. Köln ist hässlich, die Leute dort sind aber freundlich und bei Lesungen allzeit lachbereit. In Nürnberg läuft nichts Vernünftiges im Kino, Dresden findet der Autor kulissenhaft, Flensburg zauberhaft, Lübeck ist recht schön, weckt aber den Unmut über Thomas Mann.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kultur an sich, Literatur, Oper & Ballett, Stilfragen, Unterwegs
Verschlagwortet mit Deutschlandreisen, Helmut Krausser
Kommentare deaktiviert für Die Landkarte der wechselnden Launen – „Deutschlandreisen“ von Helmut Krausser
Alte Schlachten – junge Sprache: Raoul Schrotts grandiose Übertragung der „Ilias“ des Homer
Deutsche litten unter Geständniszwang, heißt es, da mag man nicht nachstehen.
Ja, ich bekenne, ich habe als Abiturient eines neusprachlichen Duisburger Gymnasiums die „Ilias“ des Homer nie kennengelernt, habe als Schüler des Huckinger Reinhard-und-Max-Mannesmann-Gymnasiums in solchen Dingen in die Röhre schauen müssen, obgleich der Lateinlehrer vorrömische Ausblicke sicher hätte eröffnen können. Auch später im Studium lockte uns kein Professor in ureuropäisch-asiatische Gefilde (dazu unten mehr). Und noch viel später bin ich zwar als wilder Leser in die Literatur der Länder und Zeiten aufgebrochen, aber auch dabei habe ich die „Ilias“ weiträumig umgangen.
Und mich immer ein bisschen geschämt dafür, meine Unkenntnis völlig zu Recht als Mangel empfunden. Also kam mir die Gelegenheit gerade recht, vor einiger Zeit Raoul Schrott mit seiner Neubearbeitung der „Ilias“ zu einer Lesung nach Duisburg-Ruhrort einzuladen und im Vorfeld dieses Abends seine Übertragung des Homerschen Epos auch lesen zu müssen, besser: zu dürfen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Literatur, Schule, Uni, Bildung
Verschlagwortet mit Homer, Ilias, Raoul Schrott
Ein Kommentar
Für ein Literaturhaus Ruhr – Dem Ruhrgebiet fehlt ein Mittelpunkt literarischen Lebens
„Vielleicht ist es das, was mich an Oberhausen herausfordert: Daß man die Stellen kennen muß. Die Plätze, an denen aus nichts ‚etwas‘ wird. Daß es Orte gibt, direkt in Oberhausen, die sind genau wie Frankreich, Berlin oder Neapel, ich schaue mich nur um und kann atmen, es gibt Stellen in Oberhausen, an denen kann man tatsächlich atmen.“ Martin Skoda in seiner Erzählung „Oberhausen“ (in: Dokumentation zum Oberhausener Literaturpreis 1999, Verlag Karl Maria Laufen, Oberhausen 1999)
Abseits aller „Masterpläne“: Das Europäische Literaturhaus/Literaturnetz Ruhr (ELR)
Neben Verlagsförderung, Reisestipendien und Schreibaufträgen für Schriftstellerinnen und Schriftsteller werbe ich vom Literaturbüro Ruhr e.V. aus (seit fast zwei Jahrzehnten!) beharrlich für die Gründung eines regional verankerten Europäischen Literaturhauses Ruhr (ELR) mit offenem Konzept.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Kultur an sich, Literatur, Region Ruhr, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit Literaturhaus, Ruhrgebiet
5 Kommentare
Jörg Albrecht kann Abu Dhabi verlassen
Aufatmen: Jörg Albrecht darf aus Abu Dhabi ausreisen. Der Schriftsteller war wegen angeblicher Spionage festgehalten worden.
Heute morgen kam die Nachricht von Holger Bergmann, künstlerische Leitung Ringlokschuppen, und Thorsten Ahrend, Wallstein Verlag, sowie weiteren Künstlern über Change.org, wo sie eine Online-Petition für die Ausreise des Autoren verfasst hatten: Demnach hat Jörg Albrecht gestern, am 13. Mai, nachmittags geschrieben, dass er die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen dürfe. Auch die ZEIT berichtet, dass laut Informationen des Göttinger Wallstein-Verlages und des Auswärtigen Amtes die Ausreisesperre aufgehoben worden sei.
In Ihrer Mail schreiben Ahrend, Bergmann & Co., dass Jörg Albrecht sich schon darauf eingerichtet hatte, „dass alles viel länger dauern könnte. Hat es aber nicht. Und das ist auch euch allen zu verdanken“. Über 6000 Menschen hatten demnach den offenen Brief unterzeichnet.… Weiterlesen
Der Schriftsteller Jörg Albrecht wird in Abu Dhabi festgehalten – ein Hilferuf

Die Petition von Holger Bergmann und Thorsten Ahrend für die Ausreise von Jörg Albrecht auf change.org. (Screenshot von http://www.change.org)
Jörg Albrecht ist ein Sprachkünstler. Ein leiser, ein höflicher Mensch. Einer der zuhört, einer der viel überlegt. Einer, der voller spannender und bemerkenswerter Gedanken steckt. Und einer, der sich nicht im Eindimensionalen bewegt. Einer, der sich für andere Menschen, andere Kulturen interessiert, der neugierig und aufgeschlossen ist, reflektiert und respektvoll. So habe ich den mittlerweile in Berlin lebenden Jörg Albrecht in seiner Heimat Dortmund kennengelernt, bei Gesprächen und Interviews zu seinen Büchern und Theaterinszenierungen.
Jetzt sitzt Jörg Albrecht in Abu Dhabi fest. Der Vorwurf: Spionage. Eingereist war er als Gast der Internationalen Buchmesse. In einem Interview mit ZEIT Online berichtet er, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft am 1.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Literatur, Medien, Unterwegs
Verschlagwortet mit Abu Dhabi, Ausreise, Berlin, Dortmund, Haft, Jörg Albrecht, Petition
5 Kommentare
Bei „strg alt entf“ Mord – die Kurzkrimi-Anthologie „Online ins Jenseits“
Geschichten über Verbrechen gibt es seit Kain und Abel. Doch jede Zeit bringt ihre eigenen Waffen hervor. Was dem Kain sein Stein war, ist dem Kriminellen im world wide web seine Tastatur. Im Zeitalter des unbegrenzten Surfens ist das perfekte Verbrechen manchmal nur einen Mausklick entfernt.
Grund genug für den Dortmunder Grafit Verlag, eine seiner beliebten Kurzkrimi-Anthologien dem zwar reellen, aber im Virtuellen gestarteten Verbrechen zu widmen. Mit der neuen Sammlung „Online ins Jenseits“ serviert der Verlag 14 Krimihäppchen namhafter Krimi-Autoren – von A wie App bis Z wie .zip. Schnell wird klar, mögen sich auch die Waffen geändert haben, gleichbleibend auch im virtuellen Raum sind die Motive. Gekränkte Eitelkeit und Bloßstellung durch entlarvende Youtube-Videos, Kontrollverlust, bedrohtes Eigentum, enttäuschte Liebe – das war schon im Alten Testament so, das bleibt auch im Internet.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur, Netzwelten & KI
Verschlagwortet mit Grafit-Verlag, Internet, Krimi
Kommentare deaktiviert für Bei „strg alt entf“ Mord – die Kurzkrimi-Anthologie „Online ins Jenseits“
Morden nach Zahlen: Spannende Krimi-Recherche zum „Tod eines Mathematikers“
Er verkörpert den Prototyp eines Professors, zumal eines Wissenschaftlers in der Disziplin Mathematik: verschlossen, eigenbrötlerisch und ein wenig vergesslich. Wer sollte schon Interesse haben, einen solchen Mann umzubringen?
Diese Frage stellt sich die Kripo auch, als sie im Fall des Todes von Albert Katzenstein ermittelt – und hat die Antwort schnell parat: Hier handelt es sich nicht um Mord, sondern um einen klaren Fall von Suizid. Der hoch angesehene Experte hat das eigene Ende selbst verbeigeführt. Doch seine Tochter, von Beruf Journalistin, mag daran nicht glauben. Da sie das Recherchieren gelernt hat, beginnt die junge Frau selbst mit der Spurensuche. Ihre Kontakte zur Polizei sind hilfreich, um Beamte von ihrem Zweifel an der Selbstmordversion zu überzeugen.
Kerstin Herrnkind und Walter K.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Krimi & Kriminalität, Literatur, Medien
Verschlagwortet mit Bremen, Grafit, Journalismus, Kerstin Herrnkind, Krimi, Mathematik, Professor, Walter K. Ludwig, Zeitungen
Kommentare deaktiviert für Morden nach Zahlen: Spannende Krimi-Recherche zum „Tod eines Mathematikers“
Von Mittagsschläfchen und anderen Störungen – der neue Roman von Hans-Ulrich Treichel
Es gibt Menschen, die haben Stimmen im Ohr und verstehen sie nicht. Franz Walter hört nur eine einzige Stimme und die versteht er sehr gut. Es ist die seiner Mutter. Nach halbwegs geglückter Psychotherapie hört er auch diese nicht mehr, dafür hält nun ein einziges Wort sein Ort besetzt. „Mutter, Mutter, Mutter“ – so kreist es unablässig in seinem Ohr. Und nicht nur dort.
Das Wort Mutter kreist in seinem Kopf, ach was: in seinem ganzen Leben. Da hilft es auch nichts, dass die biestige und zwanghaft besitzergreifende Mutter sich längst aus dem Leben verabschiedet hat. So wie auch schon der charmanteste Berliner Kiez nichts geholfen hat, wenn dieser auf ein Bett zusammenschrumpft, in dem der kleine Franz Walter mit seiner Mutter Mittagsschläfchen halten muss und dabei ihren Schweiß riecht.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Frühe Störung, Hans-Ulrich Treichel
Kommentare deaktiviert für Von Mittagsschläfchen und anderen Störungen – der neue Roman von Hans-Ulrich Treichel
Im Trauerhaus: Uraufführung nach Thomas Hürlimann am Theater Oberhausen
„Das Gartenhaus“ – der Titel klingt eher nach einem beschwingten Sommerabend oder nach einem Tête-à-Tête im Grünen. Tatsächlich geht es in der gleichnamigen Uraufführung nach einer Novelle des Schweizer Autors Thomas Hürlimann am Theater Oberhausen um ein gewichtigeres Thema: Tod und Trauer.
Ein älteres Ehepaar hat den Sohn verloren, nun stellt sich die Frage: Rosenstrauch oder Grabstein? Lucienne (Margot Gödrös) setzt sich durch und lässt einen künstlerisch ansprechenden Gedenkstein anfertigen, aber sie brüskiert damit ihren Ehemann (Hartmut Stanke). Das führt zum ersten Zerwürfnis zwischen den Eheleuten, im Laufe der Inszenierung von Oberhausens Intendant Peter Carp vertieft sich dieser Graben. Eingekapselt in die je eigene Trauer verlieren die beiden Alten beinahe den Kontakt zueinander. Und schlimmer: Sie belauern sich, sie misstrauen sich, sie fügen sich Gemeinheiten zu.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Theater
Verschlagwortet mit Hartmut Stanke, Margot Gödrös, Oberhausen, Peter Carp, Theater Oberhausen, Thomas Hürlimann
Ein Kommentar
Auf den Spuren der Tiermafia – Heinrich Peuckmanns Krimi „Angonoka“
Den Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann (65) kannte ich bisher nur vom Telefon. Der immens fleißige Mann rührt stets selbst die Trommel für seine Bücher, denn die kleineren Verlage können sich nicht allzu wirksam in die Bresche werfen.
Also ruft Peuckmann an oder mailt, wenn es etwas Neues aus seiner Werkstatt gibt. Jetzt kam mal wieder Post, denn er hat einen Krimi rund um die Tiermafia geschrieben, die weltweit illegal mit raren, bedrohten Tierarten handelt. Das Thema hatte sich aufgedrängt, als Peuckmanns Leipziger Verleger eine seltene Agame (Schuppenkriechtier) angedient wurde. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu…

Der Autor Heinrich Peuckmann (rechts) und Dortmunds Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter mit Schildkröten und Krimi im Amazonashaus. (Foto: Bernd Berke)
Peuckmann stellte sein neues Buch mit dem zunächst rätselhaften Titel „Angonoka“ nun im Dortmunder Zoo vor.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Krimi & Kriminalität, Literatur, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Angonoka, Dortmund, Frank Brandstätter, Heinrich Peuckmann, Kamen, Krimi, Kriminalroman, Tiermafia, Zoo
Ein Kommentar
Die Katastrophen sah sie kommen – „Kassandra“ in Dortmund
Die Rückwand eine Spiegelfläche, einige Scheinwerfer – mehr Bühnenbild braucht es nicht, um Kassandras Denken sinnfällig zu machen: Reflexion und Erhellung (vielleicht auch Erleuchtung) kennzeichnen es, ein Verstandesmensch ist sie, eine Analytikerin, ein Intellektuelle. Und eine Leidende unter eigener Erkenntnis.
Im Studio des Dortmunder Theaters gibt die jugendliche Bettina Lieder Kassandra Gesicht und Stimme. In einem kräftezehrenden 80-Minuten-Monolog erzählt sie ihre – Kassandras – Lebensgeschichte, und sie wirft sich so bedingungslos in die Rolle, daß ein Schwächeanfall nach etwa einer Stunde den Fortgang der Aufführung für kurze Zeit fraglich macht. Doch nach wenigen Minuten ist Bettina Lieder wieder vorne. Und sie ist wieder Kassandra, die zornige Frau, die die Gabe der Weissagung haben soll und die darunter körperlich leidet.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kultur an sich, Kunst & Museen, Literatur, Theater
Verschlagwortet mit Bettina Lieder, Christa Wolf, Drama, Griechenland, Kassandra, Schauspiel, Schauspiel Dortmund, Theater, Tragödie, Troja
Kommentare deaktiviert für Die Katastrophen sah sie kommen – „Kassandra“ in Dortmund
Abgrund der Seele: Auch Stevensons „Schatzinsel“ liegt in neuer Übersetzung vor
Jüngst wurden einige gewichtige Neuübersetzungen aus dem Englischen vorgelegt. Kürzlich besprachen die Revierpassagen neue deutsche Fassungen von T.C. Boyles „Wassermusik“ und von Joseph Conrads „Lord Jim“. Hier geht es abermals um einen Klassiker: „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson.
Ob Mark Twain oder Marcel Proust, Henry James oder Bertolt Brecht: Sie alle haben „Die Schatzinsel“ geliebt und sich von Robert Louis Stevensons Reise in den Abgrund der Seele inspirieren lassen. Denn die Fahrt der „Hispaniola“ geht ja nicht nur zu einer exotischen Insel, sondern ins Herz der finstersten Gemeinheit, dahin, wo nur noch nackte Geldgier und purer Neid herrschen.
Wenn die um Long John Silver versammelten Piraten vom mutigen Jim Hawkins und seinen Freunden daran gehindert werden, sich den sagenumwobenen Schatz des Käptn Flint anzueignen, geht es nicht nur um ein blutiges Abenteuer, sondern um den Verlust aller Illusionen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur
Verschlagwortet mit Neuübersetzung, Robert Louis Stevenson, Schatzinsel
Kommentare deaktiviert für Abgrund der Seele: Auch Stevensons „Schatzinsel“ liegt in neuer Übersetzung vor
In einer Welt ohne Halt und Gewissheit: Joseph Conrads „Lord Jim“ neu übersetzt
Welch ein machtvoller Roman! Man spürt schon beim Einstieg den schweren Ernst, die Größe und Tiefe. Wahrlich kein Wunder, dass es „Lord Jim“ von Joseph Conrad zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Jetzt liegt der monumentale Titel in neuer Übersetzung vor. Eine lohnende Anstrengung, die uns den Klassiker wieder näher bringen kann.
Jener Jim heuert auf dem Pilgerschiff „Patna“ an, das Hunderte von armseligen Passagieren an Bord hat. Das Schiff, auf dem ein wahrhaft hässlicher Deutscher das Kommando führt, ist ein durch und durch maroder Seelenverkäufer.
Durch eine fluchwürdige Reihe von Zufällen gerät Jim (Häufig wiederholter Ausruf oder auch Seufzer: „Er ist einer von uns“) in eine furchtbar schuldbehaftete Lage: Es sieht ganz danach aus, als hätte er mit dem üblen Kapitän und ein paar anderen Halunken vor einem vermeintlichen Schiffsuntergang frühzeitig die Flucht ergriffen und die schlafenden Passagiere ihrem Schicksal überlassen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Geschichte, Glaubensfragen, Lebenswege, Literatur, Weite Welt
Verschlagwortet mit Joseph Conrad, Lord Jim
5 Kommentare
Märchenhafter Realismus: T.C. Boyles Roman „Wassermusik“ in Neuübersetzung
Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks veröffentlicht T. C. Boyle seit 30 Jahren in kurzen Abständen seine Romane und Erzählungen.
Bei diesem Schreibrausch des US-Autors ist sein 1982 in einem Kleinverlag erschienenes Debüt „Wassermusik“ fast in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie jetzt eine Neuübersetzung belegt.
Boyle reist mit dem Afrika-Forscher Mungo Park ins Herz der Finsternis und beutet dessen Aufzeichnungen poetisch aus. Weil Mungo Park von seiner zweiten Niger-Expedition (1806) nie wieder zurückgekehrt ist, kann Boyle das im Dunkeln der Geschichte liegende Scheitern nach Belieben ausschmücken.
Ein parallel verlaufender Handlungsstrang spielt in England. Im Mittelpunkt: Ned Rise, der stets Glück im Unglück hat, sogar seine eigene Hinrichtung am Strick überlebt und im Leichenschauhaus zu neuem, frechem Leben erwacht. Ned Rise ist eine ins Groteske gewendete Oliver-Twist-Figur, ein Satiriker der sozialen Verwerfungen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Scherz, Satire, Ironie, Weite Welt
Verschlagwortet mit Mungo Park, T. C. Boyle, Wassermusik
Ein Kommentar
Ansichten eines Hörbuchjunkies (8): Der Hundertjährige, bei dem es nie langweilig wird
Nun kommt das 100-jährige Chaos auch als Film: Jonas Jonassons Erstling, der mich als Hörender platt machte. Das muss ich sehen.
Allan Karlsson soll zum so sehr besonderen Anlass seines 100. Geburtstages ein Fest im Altenheim von Malmköpping gegeben werden, eine Vorstellung, der Allan nur ungern und missvergnügt entgegen sieht. Und so fasst der ungewöhnlich rüstige ältere Herr einen wegweisenden Entschluss. Er öffnet das Fenster seines Altenwohnraumes, zwängt seine Gestalt trotz zugegebenermaßen rostiger Gelenke durch die Öffnung und entweicht in eine ihm fast unbekannt gewordene Freiheit. Wie der Titel schon sagt: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.
Und dann beginnt eine Handlung, deren Absurdität nur einer übertreffen kann, der Autor Jonas Jonasson selbst, was er auch mit dem Nachfolgewerk „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ tat.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kino, Lebenswege, Literatur, Tonträger
Verschlagwortet mit Hörbuch, Hundertjährige, Jonas Jonasson, Peter Weis
Kommentare deaktiviert für Ansichten eines Hörbuchjunkies (8): Der Hundertjährige, bei dem es nie langweilig wird
Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse: Scheitern ist wieder „in“
Spätestens die diesjährige Leipziger Buchmesse machte deutlich: Scheitern ist wieder ganz groß im Kommen. Seit mindestens dreißig Jahren wartet eine älter werdende Generation auf die Wiederherstellung des guten Rufs der Erfolglosigkeit, und nun, da sich der Wunsch endlich erfüllt, schwingen sich Jüngere zu den Propheten und Protagonisten des neuen Scheiterns auf.
Katrin Bauerfeind scheitert vergnüglich, wobei sie das tägliche kleine Scheitern der großen Katastrophe vorzieht. Beim neuen Flughafen Berlin Brandenburg habe man schließlich auch nicht die Rollbahn vergessen, sondern es seien 70.000 Einzelmängel, die sich zum großen Fiasko summierten.
Ariadne von Schirach gebietet im Titel ihres neuesten Buchs den zahlreichen Leserinnen und Lesern gar: „Du sollst nicht funktionieren“. Gut. Wenn sie das sagt, tun wir das in Zukunft nicht mehr und raffen all unseren Mut zusammen, um unvollkommen zu bleiben.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Kultur an sich, Literatur, Philosophie
Verschlagwortet mit Bärfuss, Bauerfeind, Leipziger Buchmesse, Scheitern, Treichel, von Schirach, Wawerzinek
Kommentare deaktiviert für Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse: Scheitern ist wieder „in“
Am Rande der Sprachlosigkeit: Feridun Zaimoglus Roman „Isabel“
Diese junge Frau ist ständig auf dem Sprung. Immer ist sie unterwegs durch den Dschungel der Großstadt. Ziellos hetzt sie von einem Szene-Lokal zum nächsten.
Nirgendwo findet sie Ruhe, Halt, Geborgenheit. Fast scheint es, als würde sie fliehen. Die Frage ist nur: wovor? Was hat sie Furchtbares erlebt, dass sie fast keinem Menschen mehr trauen mag und sich freiwillig in ein soziales Niemandsland begibt? Warum sucht sie, die doch schon als Schauspielerin und Model gearbeitet hat und in der Kulturschickeria Berlins bestens bekannt ist, die Nähe von Pennern und Flaschensammlern? Warum wohnt Isabel neuerdings in einer dieser anonymen Plattenbausiedlungen und verdient sich ein Zubrot damit, dass sie – eingesperrt in einen Keuschheitsgürtel – einem perversen Paar beim Sex zusieht?
„Isabel“, der neue Roman von Feridun Zaimoglu, stellt viele Fragen und gibt nur wenige Antworten.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur
Verschlagwortet mit Feridun Zaimoglu, Isabel
Kommentare deaktiviert für Am Rande der Sprachlosigkeit: Feridun Zaimoglus Roman „Isabel“
Ja, das Schreiben und das Lesen…
Seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten – ach, eigentlich immer schon, seit es Schriftzeichen gibt – wird um den Bestand der Lese- und Schreibkultur gebangt. Zugegeben: Man bangt ja auch gerne mit.
Aber: Es ist auch schon eine Binsenweisheit, dass – allen Bilderfluten zum Trotz – das Internet eine neue Verschriftlichtung mit sich bringt. Früher war die Schwelle zum Schreiben und vor allem zum freimütigen Herzeigen des Geschriebenen bedeutend höher. Doch nun darf jede(r) ‚ran, auch wenn sämtliche Balken der Rechtschreibung und Sinngebung sich biegen. Manche feiern das als Zeichen der Demokratisierung und wollen alles, alles gelten lassen. Jeder Mumpitz speichert und versendet sich, ob gesimst, im Netzwerk, im Chat oder sonstwo. Herrje!
Und die Lesekultur, wenn wir denn großzügig von „Kultur“ reden wollen?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Gesellschaft & Soziales, Kultur an sich, Literatur, Medien, Netzwelten & KI, Sprache, Technik
Verschlagwortet mit Internet, Lesen, Schreiben
6 Kommentare
„Menschheitsdämmerung“ – die Bochumer Symphoniker erinnern vielfältig an 1914

Georg Heym gilt als Begründer der frühen expressionistischen Lyrik. 1911 verfasste er die wichtigen Gedichtsammlungen „Die Stadt“ und „Der Krieg“.
1914 – Das Gedenken an einen der markantesten Punkte der deutschen/europäischen Geschichte, von manchen als Ur-Katastrophe des Kontinents bezeichnet, ist vielfältig. Das Jahr, in dem der 1. Weltkrieg ausbrach, und heuer ein Zentenarium zurückliegt, haben Historiker und andere Geisteswissenschaftler zum Anlass genommen, um in Buchform erneut auf die Ereignisse zu blicken – sei es in Form einer Gesamtschau oder in der Fokussierung auf Einzelaspekte. Zahlreiche Museen, auch und besonders in Nordrhein-Westfalen, wollen das Interesse ebenfalls wecken – mit zahlreichen Dokumenten oder Zeugnissen der Kunst jener Zeit.
Vom Allgemeinen zum Besonderen: Die Bochumer Symphoniker haben einen Reigen namens „Endspiel“ aufgelegt – Konzerte, Musiktheatralisches, Lesungen und ausgewählte Bildbetrachtungen (in Kooperation mit dem Museum Bochum) sollen nicht zuletzt auf die Verflechtung der Künste in der Vorkriegszeit hinweisen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kunst & Museen, Literatur, Musik & Konzert
Verschlagwortet mit 1914, Anton Webern, Arnold Schönberg, August Stramm, Bermuda4, Bochum, Bochumer Symphoniker, Ernst Wilhelm Lotz, Expressionismus, Georg Heym, Georg Trakl, Johannes Brahms, Martin Bretschneider, Veronika Nickl
2 Kommentare
Die Anfänge eines kunstvollen Scheiterns – Samuel Becketts Briefe 1929–1940
Kaum jemand hat das Scheitern so gekonnt zu seinem Markenzeichen gemacht wie Samuel Beckett. „Wieder scheitern. Besser scheitern“, heißt es in Worstward Ho (Aufs Schlimmste zu; 1983). Die Anfänge des großen Prosaisten, Lyrikers und Dramatikers, der seine Bühnenfiguren in Mülltonnen steckte oder bis zum Hals in einem Erdhügel vergrub, der in seiner Romantrilogie systematisch den Erzähler abschaffte und vor dessen vernichtendem Denken sich kaum eine literarische Gattung retten konnte, die Anfänge sind inzwischen als autobiographische Zeugnisse in Form von Briefen nachlesbar.
Beckett hatte vor seinem Tod im Jahr 1989 verfügt, dass nur solche Briefe veröffentlicht werden dürfen, die für sein Schaffen von Belang sind. Nach und nach entdeckte die Beckett-Forschung, in welchem Maße sich der Autor – wenn auch teilweise bis zur Unkenntlichkeit verschlüsselt – aus Erlebtem bedient hat.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Lebenswege, Literatur
Verschlagwortet mit Beckett, Briefe
Kommentare deaktiviert für Die Anfänge eines kunstvollen Scheiterns – Samuel Becketts Briefe 1929–1940
„Republik der Wölfe“ – wie das Schauspiel Dortmund Grimm’sche Märchen massakriert

Angstvoller Blick: Der Jäger (Sebastian Kuschmann) bedrängt Schneewittchen (Eva Verena Müller). Foto: Hupfeld
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Männer, die sich oder anderen Eingeweide herausreißen, Gliedmaßen verstümmeln. Dazu heulen die Wölfe. Ein Höllentrip ist das. Unterlegt mit teils psychedelischer oder traumverlorener, teils illustrativer, geräuschträchtiger und die Ohren malträtierender Musik. Willkommen im fiesen Brutalo-Kosmos der Grimm’schen Märchen, das Massaker ist angerichtet. Serviert im Schauspielhaus Dortmund.
Seitdem dort Kay Voges das Intendantenruder in die Hand genommen hat, darf sich das Publikum immer wieder auf allerlei Experimentelles, Skurriles, Grelles und Verstörendes einlassen. Da fügt sich die Regisseurin Claudia Bauer, die nun also Hand anlegt an ein deutsches Heiligtum, an die märchenhafte Romantik im Dunstkreis eines Mythos namens Wald, aufs Schönste ein. In dieser Mixtur aus Splatter-Movie, Spießbürger-Ambiente, sanfter Traumerzählung oder geschriener Suada bleibt kein Auge trocken.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kultur an sich, Literatur, Theater, Wahnwitz
Verschlagwortet mit Alexander Hacke, Andreas Auerbach, Anne Sexton, Claudia Bauer, Danielle de Picciotto, Dornröschen, Dortmund, Eva Verena Müller, Froschkönig, Grimm'sche Märchen, Kay Voges, Mick Harvey, Paul Wallfisch, Rapunzel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Schauspiel, Schneewittchen
2 Kommentare
Ungeheuerlich und ganz natürlich – „Der Prozess“ nach Franz Kafka in Dortmund
Wie inszeniert man Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ für die Bühne? Ganz offensichtlich reizt der Stoff die Theaterleute, in den vergangenen Jahren hat es in der Region etliche Versuche gegeben, abgründige, kryptische, pompöse: 2010 in Wuppertal, 2012 in Düsseldorf, 2013 in Essen, und die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollzähligkeit. Keine dieser Inszenierungen aber geriet so minimalistisch wie die von Thorsten Bihegue und Carlos Manuel auf der Studiobühne des Dortmunder Schauspielhauses.

Der Angeklagte und seine Wärter: Josef K. (Björn Gabriel, Mitte), Willem (Andreas Beck, Links) und Franz (Uwe Rohbeck, rechts) (Foto: Birgit Hupfeld/Schauspiel Dortmund)
„Nach dem gleichnamigen Roman von Franz Kafka“ (Untertitel) agieren dort, unmittelbar vor den Füßen der Zuschauer in der ersten Reihe, drei Männer und eine Frau in wechselnden Rollen.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Theater
Verschlagwortet mit Dortmund, Franz Kafka, Prozess, Theater
2 Kommentare
Zeit für „Raketenmänner“ – das neue Buch von Frank Goosen
Bei Elton Johns Song „Rocket Man“ heisst es „I’m not the man they think I’m at home“. Frank Goosen selbst sagte in einem Interview*, diese Zeile sei ihm die Inspiration für seinen Buchtitel gewesen. Es sind Geschichten von Männern, die die Rakete starten wollten, aber mit diversen Fehlzündungen hadern.
Frank Goosen erzählt von geschiedenen Vätern, von Chefs, die in Konferenzen von einem Haus am Meer träumen, von alten Schulfreunden, die in grauer Vergangenheit leidenschaftlich gemeinsam in einer Band schrammelten, von Männern, für die das Leben eine einzige Spätpubertät ist.
Es sind kleine Geschichten, die doch von den großen Lebensthemen handeln: Wehmut, Ernüchterung, der Macht von Vergangenheit und Erinnerung, Träumen, Plänen und was am Ende davon übrig bleibt. So erzählen Goosens Raketenmänner vom Leben und vom Tod sowie dem Frieden, den man damit machen kann – oder eben nicht.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Lebenswege, Literatur, Region Ruhr, Rock & Pop
Verschlagwortet mit Frank Goosen, Raketenmänner
6 Kommentare
Der Flaneur braucht kein Ziel
In der Regel hat der Weg in der westlichen Leistungsgesellschaft ein Ziel. Man geht zur Arbeit oder zum Supermarkt, man muss Behördengänge erledigen, die alte Mutter besuchen, für den Halbmarathon trainieren, Schuhe kaufen oder wenigstens Brötchen holen. Auch die systematische Besichtigung historischer Innenstädte in artigen Gruppen oder mit Hilfe eines gedruckten Reiseführers ist durchaus üblich.
Der Flaneur (aus dem Französischen: flaner = umherstreifen, schlendern) braucht alle diese Gründe nicht, um stundenlang durch eine Stadt zu bummeln. Er hat keine Eile, er lässt sich treiben. Mal beobachtet er die Schwäne auf dem Stadtteich, mal lauscht er einem Straßenmusiker, mal trinkt er einen Espresso, sieht Passanten hinterher und lässt die Zeit vergehen. Ein Flaneur verfolgt keinerlei praktischen, wirtschaftlichen oder sportlichen Nutzen. Er sammelt Eindrücke.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Gesellschaft & Soziales, Kultur an sich, Lebenswege, Literatur, Stilfragen, Unterwegs
Verschlagwortet mit Cees Nooteboom, Edgar Allan Poe, Flaneur, flanieren, Franz Hessel, Walter Benjamin
Ein Kommentar
Rien ne va plus: „Der Spieler“ am Düsseldorfer Schauspielhaus
„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“ – das Zitat aus Shakespeares „Wie es euch gefällt“ beschreibt mit einem Satz das Grundkonzept von Martin Laberenz Inszenierung von Fjodor Dostojewskijs Roman „Der Spieler“, die jetzt im Düsseldorfer Schauspielhaus Premiere feierte. Leider bleibt dies so ziemlich die einzige (tiefsinnigere) Idee, die in der dreistündigen Dramatisierung des Stoffes aufscheint. Und besonders neu ist sie auch nicht.
In einer übergroßen Roulette-Schüssel (oder ist es doch bloß eine Wäschetrommel, wie die Akteure selbst sie nennen?) bewegen sich die Figuren wie in einem Hamsterrad. Schnelles, fieberhaftes Sprechen zeigt die Nervosität der Spielsüchtigen an, die Spannung, unter der sie stehen und die Rastlosigkeit, mit der sie durch ihre Tage rasen, getrieben von der krankhaften Gier nach Geld, Geld, Geld.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Theater
Verschlagwortet mit Der Spieler, Düsseldorfer Schauspielhaus, Fjodor Dostojewskij, Martin Laberenz
2 Kommentare
Wenn die Idylle in Gefahr gerät – John Cheevers Roman „Ach, dieses Paradies“
Sind es zwei, drei oder vielleicht sogar vier Geschichten, die John Cheever in seinem knapp 120 Seiten umfassenden Roman „Ach dieses Paradies“ miteinander verknüpft? Diese Frage stellt man sich als Leser unweigerlich, will man doch irgendwie die Handlungsstränge verstehen und ordnen.
Aber vollkommen unabhängig davon, auf welche Zahl man sich verständigt: Das Buch, das 1982 (im Todesjahr des Autors) erstmals im amerikanischen Original erschien, besticht durch eine einmalige Erzählkunst. Ihr ist es letztlich zu verdanken, dass die einzelnen Geschehnisse ein Gesamtbild ergeben, mit dem der Autor wohl auch eine Botschaft vermitteln will.
Dabei beginnt der Roman eher lapidar, stellt Cheever doch einen älteren Mann vor, der leidenschaftlich gern Schlittschuh läuft. Doch als der Senior eines Tages feststellen muss, dass der Lieblingsort für seinen Lieblingssport, ein idyllisch gelegener Teich, zu einer Mülldeponie verkommen ist, schaltet er sich in die politische Debatte ein.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Gesellschaft & Soziales, Liebesleben, Literatur, Psychologie & Seelenleben
Verschlagwortet mit Cheever, Handke, Homosexualität, Müll, Natur, Psychiater, Teich, Umwelt
Kommentare deaktiviert für Wenn die Idylle in Gefahr gerät – John Cheevers Roman „Ach, dieses Paradies“
Kindheitsmuster der Nachkriegszeit – Volker Reiches Graphic Novel „Kiesgrubennacht“
Irgendwann muss sich jedes Genre auch mal nobilitieren. Und so reden wir nicht mehr durchweg vom Comic, sondern raunen seit einigen Jahren gern von „Graphic Novel“, als quasi von bildnerisch gestalteten Romanen. Auf dem Felde mischt auch der ehrwürdige Suhrkamp-Verlag mit. „Kiesgrubennacht“ heißt die umfängliche Schöpfung des Zeichners und Texters Volker Reiche. Tatsächlich gehört Reiche (der 2002 bis 2010 für die FAZ den Comicstrip „Strizz“ schuf) zu jenen, die diesen hehren Begriff adäquat füllen können. Mit diesem sehens- und lesenswerten Band beweist er es.
Reiche schildert Szenen seiner eigenen Kindheit, die Geschichte setzt im Nachkriegssommer 1948 ein, als der kleine Volker vier Jahre alt ist und in einem knallgelben „Luftanzug“ herumtollt, der zum Fanal für die verheißungsvollen Seiten des Kindseins wird.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Comics & Cartoons, Geschichte, Kinderzeiten, Kunst & Museen, Literatur
Verschlagwortet mit Comics, Graphic Novel, Kiesgrubennacht, Kindheit, Nachkriegszeit, Strizz, Volker Reiche
Kommentare deaktiviert für Kindheitsmuster der Nachkriegszeit – Volker Reiches Graphic Novel „Kiesgrubennacht“










