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Archiv der Kategorie: Kinderzeiten
Die Angst des Kindes auf dem Schulhof
Mit „Das Haus“ setzt Andreas Maier seinen hessischen Familienzyklus fort, den er mit „Das Zimmer“ begonnen hat. Dort hatten sich biographische Erkundungen über einen geistig beschränkten Onkel zur besonderen Heimatkunde geweitet. Diesmal wird die Sonde zunächst in die allerersten Räume der eigenen Kindheit geführt.
Schon wie das Licht zwischen den Etagen des elterlichen Hauses fließt, zählt zu den wesentlichen, elementaren Einflüssen aus dieser persönlichen Frühzeit, die allem Selbst-Bewusstsein vorausgeht. Naturnahe Rhythmen von Parks und Gewässern oder auch die Beschaffenheit der Luft wirken sich gleichfalls tiefgreifend aus: „…und ich atme es, und es ändert meinen Atem und ändert mich, ohne daß ich es merke, denn alles geschieht noch unbewußt.“
Man fragt sich, wie einer auf solch unvordenkliche Erfahrungen zurückgreifen und sie in stupende Nahansichten verwandeln kann.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Andreas Maier, Das Haus, Das Zimmer, Kindheit
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Das Team der Revierpassagen wünscht frohe Festtage
Veröffentlicht unter Glaubensfragen, Kinderzeiten
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Dortmunder Weihnachtsmärchen: Schrille Hexe, schönes Mädchen
Eine schrille Hexe auf knatterndem Moped, ein schönes Mädchen mit magischer Stimme und ein Held, der vom faulen Nichtsnutz zum glänzenden Retter wird – das sind die Zutaten, aus denen Regisseur und Autor Andreas Gruhn das Weihnachtsmärchen „Die schöne Wassilissa“ gebraut hat, mit dem das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater seine jungen Zuschauer in diesem Winter im Schauspiel bezaubern will.
Am Anfang ist der Tod. Zu schwermütigem Gesang verabschiedet sich die kranke Mutter von ihrer geliebten Tochter Wassilissa (Désirée von Delft) und gibt ihr ein Püppchen, das sie fortan beschützen soll. Ein Geschenk, das das Mädchen bitter nötig hat: Denn die böse Stiefmutter (Johanna Weißert) und ihre verzogene Tochter (Jessica Maria Garbe) machen Wassilissa die Heimat zur Hölle.
Aschenputtel lässt grüßen – und auch andere berühmte Geschichten wie die von Hänsel und Gretel schwingen im Laufe des Abends mit.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kinderzeiten, Theater, Weite Welt
Verschlagwortet mit Andreas Gruhn, Dortmund, Kinder- und Jugendtheater, KJT, Wassilissa
Ein Kommentar
Die vertraute Markenwelt
Es mag ja betrüblich zu sagen sein, doch ist es wahr: Unter allen Dingen und Verhältnissen, die uns Weltvertrauen einflößen, sind nicht zuletzt die seit Kindheit vertrauten Marken. Ziemlich klar, woran es liegt: Unser Weltausschnitt ist vorwiegend eine Markenwelt.
Einige Beispiele, ohne jeden Schleichwerbe-Effekt, abseits jeder Qualitätsvermutung, streng alphabetisch: Bosch, Hansaplast, Haribo, Langnese, Märklin, Miele, Nivea, Opel, Osram, Persil, Philips, Pril, Rama, Ritter Sport, Tempo, Tesafilm, Volkswagen. Und viele andere, je nach Generation wechselnd. Für manche beginnt die Erinnerung mit Nogger oder Nutella. Kaufartikel halten längst für die Benennung ganzer Altersgruppen her, siehe „Generation Golf“ etc. etc. Ich kaufe das, also bin ich. Ich stilisiere mein Leben mit Waren, also gelte ich.
Schon wenn man erfährt, dass sich hinter den gewohnten Namen neue (meist globale) Besitz- und Produktionsverhältnisse verbergen, fühlt man sich ein wenig verunsichert.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Design, Kinderzeiten, Warenwelt & Werbung, Wirtschaft & Geld
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Vor 60 Jahren hieß „Steamboat Willie“ schon Mickey Mouse
Vor 60 Jahren erschien zum ersten Mal eines dieser bunten Heftchen, das viele in Europa – besonders aber viele in Bundesdeutschland fesselte, das die Erwachsenenwelt erschauern ließ, weil der kleine Held erstens wie sein Schöpfer aus den Vereinigten Staaten stammte (gegen die hatten wir doch den Krieg verloren) und zweitens die deutsche Sprache der alsbaldigen Ausrottung preisgab: war das, was das Heftchen verbreitete, doch ein comic strip. Mickey Mouse war allerdings nicht aufzuhalten, nicht einmal durch die ausdauernden Bajuwaren, die noch 1961 vor den schulischen Pforten Tornister-Visitationen anordneten, dass dergleichen Schund nicht in die heeren Hallen höherer Lehranstalten mitgeführt werde.
Nun fällt es sicher auch nach Ablauf von sechs Jahrzehnten manchen nicht leicht, dem Mickey-Mouse-Heft einen eigenen Kulturstatus zu verleihen, doch Kultstatus hat sich dieses Medium auf jeden Fall redlich erarbeitet – und der geradezu verwüstende Niedergang der deutschen Sprachkultur ist sicher anderenorts verantwortlich zu suchen, kaum aber dem bunten Heftchen anzuheften.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Kinderzeiten, Sprache
Verschlagwortet mit "Schund", Mickey Mouse
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Bochum stand für Gebirge und Straßenbahn
Der Blick auf das Ruhrgebiet ist ja immer relativ. Bei mir zum Beispiel als im flachsten Münsterland geborenem Dorfkind stand früher das Revier für Gebirge und Straßenbahn, für Kohlezechen und Kaninchen.
Meine Mutter stammte aus Bochum-Weitmar und hatte nach der kriegsbedingten Evakuierung 1942 ins Münsterland geheiratet. Was lag bei armen Leuten wie uns also näher, als einen Teil der Sommerferien statt am Meer bei den Großeltern und anderen Verwandten im Kohlerevier zu verbringen. Wenn ich dann mit meinem Opa spazieren ging und er mir die Gegend zeigte, die Stoppelfelder und Kohlehalden, die Bergmannshäuschen und Kriegsruinen, dann waren die Hügel und Täler nördlich der Ruhr für mich echtes Gebirge. Andere Höhen kannte ich nicht, die Alpen kamen erst später in den Blick.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Geschichte, Kinderzeiten, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Bochum, Ruhrgebiet, Weitmar, Zechen
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Monegassische Hochzeiten
Briefmarken, Fußball und Skat als Einbürgerungshilfen eines Ösi im Revier
Den Übergang vom Ösi zum Wösi (damals hieß das noch nicht so) schaffte ich mit 10 bei den etwa Gleichaltrigen durch das Fußballspielen, das ich im Essener Norden auf der Bleiche hinter unserem Kruppschen Wohnblock spielerisch lernte – und auf den abgeteilten Wiesen hinter den Häusern gegenüber, sowie auf unserer kaum befahrenen Sackgasse zwischen diesen Häusern, der Heegstraße nämlich, die heute zu einem großen Teil der in den 70er Jahren neuen Straßenführung von Essen nach Bottrop zum Opfer gefallen ist, und mit ihr die Häuser natürlich auch. Wenn wir heute mit dem Auto von Bottrop nach Essen fahren, fahren wir gleichsam durch unser Schlafzimmer. Virtuell natürlich. Aber wer weiß noch davon?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Alltag, Geschichte, Kinderzeiten, Lebenswege, Politik und so, Region Ruhr
Verschlagwortet mit Briefmarken, Essen, Fußball, Ösi, Österreich, Ruhrgebiet, Salzburg, Skat
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Kriegsende an der Ruhr: Bei Hattingen gab es „Friendly Fire“
Immer im Mai wird in Deutschland an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Im Ruhrgebiet erlebten die Menschen diese Befreiung, die es ja objektiv war, in den Wochen von Anfang bis zum 18. April, als die im sogenannten Ruhrkessel eingeschlossenen Soldaten der Wehrmacht kapitulierten. An einige Details dieser Militäraktionen soll hier erinnert werden.
Für die alliierten Truppen bedeutete die Stadtlandschaft Ruhrgebiet eine gefährliche Herausforderung. Deshalb näherten sie sich mit ihren Panzerverbänden von mehreren Seiten. Bereits am 3. März 1945 hatten deutsche Soldaten die Rheinbrücken in Düsseldorf gesprengt, andere Übergänge folgten. Bei Wesel gelang es britischen und amerikanischen Pioniereinheiten am 23. und 24. März, den Rhein zu überqueren. Nacheinander werden die Städte Dorsten, Dülmen und Hamm befreit. Gleichzeitig näherten sich von Süden durch das Sauerland und das Bergische Land Verbände in Richtung Ruhr.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kinderzeiten, Krieg & Frieden, Lebenswege, Politik und so, Region Ruhr, Stadt Land Fluss
Verschlagwortet mit Befreiung, Hattingen, Kriegsende, Nazis, Ruhrkessel, Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg
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Lass die Sau raus und nie wieder rein!
Frühstück mit Wolf – das klingt erst einmal nach einer gefährlichen Mahlzeit. Aber wenn das Dortmunder Kinder- und Jugendtheater, Regisseur Hartmut El Kurdi und Autorin Gertrud Pigor im Boot sind, wird so eine brisante Angelegenheit schnell zur Köstlichkeit: Da hat der Wolf den Blues, die Schweinchen haben echtes Country-Gefühl im Ringelschwänzchen – und die Besucher einen Heidenspaß.
Wald, Blumen, schöne Klänge, ein idyllisches Fleckchen Natur. Und genau der richtige Ort für Borste (Bianka Lammert), Fässchen (Johanna Weißert) und Schmalz (Sebastian Ennen), um ihren Traum vom Eigenheim zu realisieren – denn „in jedem Schweinchen steckt ein großer Architekt“. Also wird gesungen und „vermessen wie besessen“, bis bei dem einen der Keller wunschgemäß oben ist und der Balkon beim anderen frei schwebt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Architektur & Städtebau, Gesellschaft & Soziales, Kinderzeiten, Region Ruhr, Theater, Wahnwitz
Verschlagwortet mit Bauherren, Dortmund, Frühstück mit Wolf, Gertrud Pigor, Hartmut El Kurdi, Kindertheater, Slapstick
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Soziale Miniaturen (4): Sandburg
Ein zweijähriges Mädchen am Inselstrand. Selbstvergessenes Spiel. Die Eltern müssen nur zuschauen.
Da erscheinen zwei Gymnasialklassen (man bemerkt sofort den Mittelschichts-Habitus), sechstes und siebtes Schuljahr. Die Phase, in der es zu „knistern“ beginnt. Mindestens.
Zunächst die Mädchen. Eine von ihnen kümmert sich sogleich rührend um das Kleinkind, baut eine Sandburg mit ihm. Ganz aus freien Stücken. Ganz geduldig. Die anderen schauen interessiert hin, freilich mehr oder weniger verstohlen; manche vielleicht auch mit dem Vorbehalt, ob das denn „cool genug“ sei. Die eine, sozusagen Pionierin, macht unverdrossen weiter – und bricht alsbald den Bann. Ein ums andere Mädchen schließt sich dem Spiel an, bis schließlich ein ganzer Kreis beisammen ist, alle um das Kleinkind geschart, das beglückt lacht.
Von der so vereinten Mädchengruppe werden nun auch die Jungen angelockt, die mit lässigen Gebärden herbeischlendern, einige großspurige Gesten des Burgenbaus vollführen, ein paar Sprüche klopfen und sich dann rasch wieder zurückziehen.… Weiterlesen
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Soziale Miniaturen (3): Profis
Vierköpfige Schülergruppe, nachmittags. Ungefähr 9 bis 10 Jahre alt. Plötzlich entfährt dreien von ihnen der gegen den Vierten gewendete Ruf: „Loser!“ Tadellos ausgesprochen, geradezu mit Kennerschaft dahingesagt. Man merkt die medial vermittelte Gewohnheit. Sagt man so. Macht man halt. Kommt in jedem dritten „Tatort“ vor. Anlass zweitrangig. Und sie kennen noch ganz andere Worte…
Dann die unvermeidliche und doch erstaunliche Steigerung: Die Drei skandieren „Mob-bing, Mob-bing, Mob-bing…“ Sie ironisieren es und lassen es doch nicht bleiben. Sie mobben sozusagen auf höherer Ebene, laut und schmutzig – und stehen zugleich drüber, sind abgebrühte Profis.
Zutiefst dümmlich und zugleich hochreflektiert.
Doch, das geht. Anything goes.… Weiterlesen
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Das Menetekel der Giraffe

Eigentlich wollte ich gestern ein paar Absätze über Bin Laden schreiben. Es wäre beispielsweise um Rechtsstaatlichkeit und christliche Werte gegangen. Dann aber dachte ich mir: Jeder Terrorexperte unserer Breiten hat bereits seine (Fern)-Diagnose auf den Markt der Meinungen geworfen. Da mache ich lieber was Abseitiges – und wenn ich’s aus der Archivkiste hervorzerren müsste. And here we go:
Kürzlich hat Katrin Pinetzki an dieser Stelle über eine Sprachmarotte der Pixi-Bücher geschrieben. Ich möchte ihre Analyse mit einem Deutungsversuch ergänzen, und zwar am Beispiel einer literarischen Hervorbringung der komplexen Sorte. Kenner ahnen es bereits beim ersten Blättern: Ohne hochspezialisiertes interpretatorisches Besteck wird in diesem Falle nichts zu gewinnen sein. Proust, Joyce und Musil lassen nolens volens grüßen.
Das vorliegende Buch hat weder einen erkennbaren Autor noch einen Titel.… Weiterlesen
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Erfüllter Wunsch
So ist das vielleicht mit allen erfüllten Wünschen: Auf einmal fehlt der ganz große Glanz, der schon seine funkelnden Vorboten ausgesandt hatte und den man sich vorher aus der Ferne erhofft hatte.
Nicht, dass nun alles schal schmeckte. Doch man muss von den ersehnten 100 Prozent etwas abziehen. Wieder mal keine Apotheose. Die Vorlust war abermals größer als die die Erfüllung.
Wer wird denn da an Erotik denken?
Es sei dargetan am banalen Beispiel: Gesetzt den Fall, man hätte die ganze Saison über, Spiel für Spiel, mit einem Fußballverein gefiebert (nennen wir ihn mal probehalber Borussia Dortmund), und der würde am Ende tatsächlich obsiegen, so wird sich in alle Freude etwas ernüchternd Prosaisches mengen. Kann es sein, dass viele just eine Ahnung dieses Gefühls mit Alkohol betäuben?… Weiterlesen
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Keine Angst vorm Sagen! Synonymitis bei Pixi
Pixi und seine Freunde wollen ein Frühlingsfest feiern und müssen dazu nur noch den winterschlafenden Bären wecken, was mit Hilfe eines duftenden Blumenstraußes auch gelingt. Soweit der Plot von „Pixi und der Frühling“, erschienen im Carlsen-Verlag. Auf dem Umschlag des kleinen quadratischen Büchleins aus der Pixi-Serie glitzert der Frühlingshimmel glitzerfolienblau, so wie es Kleinkinder lieben. Und innen glitzern die Verben, so wie es Grundschul- und Deutschlehrerinnen lieben. Bloß nicht zu häufig „sagen“ schreiben! Am besten ganz vermeiden! Auf den 23 Seiten ist die Sagen-Synonymitis ausgebrochen: Es wird nicht gesprochen und nichts gesagt, sondern gerufen, gelacht, gekichert, gestaunt und gestrahlt. Mitunter auch gemurmelt, gezwitschert und geniest.
Hier die komplette Aufstellung:
… rief Hase Langbein … nickte Pixi … fragte Langbein … lachte die alte Eule … lachte Pixi … gähnte der Igel … rief Pixi … jubelten sie … klapperte der Storch … lachte Pixi … wollte Pixi wissen … zwitscherte eine Schwalbe … kicherte Hase Langbein … schlug Pixi vor … kicherte Pixi … riefen die Freunde … strahlte Pixi … murmelte Umbärto … lachte Pixi … fragte Umbärto … nieste er … staunte Umbärto … rief Pixie
Und jetzt kommt die gute Frage: Was ist so schlimm daran?… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kinderzeiten, Sprache
Verschlagwortet mit Aufsatz, Kinderbücher, Pixi-Bücher, Schule
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„Jugendroman“: Stoff des Lebens
Hat der Mann ein beneidenswertes Gedächtnis, oder hat er schon als Kind und Jugendlicher fleißig Tagebuch geführt und wertet dies nun ausgiebig aus?
Nach seinem „Kindheitsroman“ (2004) legt Gerhard Henschel jetzt ganz folgerichtig den „Jugendroman“ vor. Und wieder enthalten die Erinnerungen enorm viel Zeitkolorit. Ja, es ist, als würden jene früheren Jahre mitsamt den längst vergangenen Tagesnachrichten derart detailtreu herangezoomt, bis sie fast wieder „eins zu eins“ vor uns erstehen. So banal und wiederholungsträchtig manche Passagen im einzelnen klingen mögen (so ist der Alltag eben), auf Dauer ergibt sich ein Sog, dem man sich schwerlich entziehen kann.
Diesmal führt der Erzähler Martin Schlosser, der mit dem Autor innig verwandt, wenn nicht identisch ist, sich und uns zurück in die Jahre 1975 bis 1977, was auch die bleierne Zeit des RAF-Terrors einschließt, die jedoch fern von den Metropolen nur sehr verdünnt ankommt – wie denn überhaupt der ganze großmächtige Zeit- und Welt-Geist hier geringeres, geradezu menschliches Maß annimmt.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Gerhard Henschel, Jugendroman
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Im Spiel findet der Mensch sich selbst – nachgefragt beim Dortmunder Spieleforscher Rainer Korte
Dortmund. Klingt beneidenswert: Der Sozialwissenschaftler Professor Rainer Korte von der Dortmunder Fachhochschule befasst sich beruflich mit Spielen. Seit 25 Jahren leitet er die bundesweit einzigartige „Arbeitsstelle für Spielforschung und Freizeitberatung”.
Weihnachten ist die Spiele-Zeit des Jahres schlechthin. Was also sagt der Freizeitberater: Sollen wir zu Heiligabend und an den Feiertagen in gemütlicher Runde etwa aufs Brettspiel zurückkommen? Wird das unseren ersehnten Familienfrieden befördern und den beteiligten Menschen ein Wohlgefallen sein?
Professor Rainer Korte (64) ist sich da gar nicht so sicher. Die Erwartungen seien an solchen Tagen oft zu hoch gespannt. Alle sollen mit dem Stand der Beziehungen, mit Speis und Trank sowie ihren Geschenken rundum froh und zufrieden sein. Möglichst soll auch noch Schnee liegen. Oje.
„In solchen Fällen ist es immer schwierig, Harmonie zu erzeugen.… Weiterlesen
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Ein Mann und acht Kinder – Günter Grass‘ neuer Band „Die Box“
Man kennt das von früher: Gelegentlich wurde man zu Dia-Abenden eingeladen – und die konnten sich arg hinziehen. Heute zeigt man Fotos gern auf dem Laptop, digital sind’s noch mehr als ehedem. Warum diese Einleitung? Weil uns Günter Grass jetzt gleichsam zum literarischen Diavortrag einlädt. Schier uferlos erzählt er dabei Anekdoten über seine vielen Kinder.
Um das Mindeste zu sagen: Acht Kinder mit vier Frauen stehen biographisch zu Buche, davon sechs „eigene” und zwei, die halt innig zur Patchwork-Familie hinzu gehören. Vielleicht, so lässt Grass in seinem neuen Buch „Die Box” durchblicken, gebe es ja irgendwo sogar noch weiteren Nachwuchs. „Mariechen”, der zierliche, ebenso mädchen- wie hexenhafte Hausgeist dieses Buches, fasst es in diese Worte: „Achachach. Son Kuddelmuddel.” Das alles ist freilich noch kein literarischer Potenzbeweis.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Die Box, Günter Grass
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„Der Drachenläufer“: Im Land der Finsterlinge
Drachen steigen lassen und dem Geflatter hoch dort oben zuschauen – welch unschuldiges Spiel der kleinen Freiheit. Doch selbst das haben die Taliban seinerzeit in Afghanistan untersagt.
Damit sind die Sympathien natürlich gleich klar verteilt. Wer immer sich gegen derlei religiös bemäntelten Wahn auflehnt, gehört fraglos zu den Guten. Marc Forster („Monster’s Ball”) hat Khaled Hosseinis internationalen Buchbestseller „Der Drachenläufer” verfilmt und tut sich schwer, angesichts dieser Ausgangslage einen Spannungsbogen zu erzeugen.
Erzählt wird die Geschichte zweier Menschen, die wir anfangs 1978 als kleine Jungs in den Straßen von Kabul kennenlernen – noch vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan. Da überwiegen noch „westliche” Sitten. Man tanzt, trinkt und flirtet. Amir und Hassan heißen die ungleichen Freunde. Amir ist Sohn eines wohlhabenden, freidenkerischen Vaters.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kinderzeiten, Kino, Politik und so
Verschlagwortet mit "Der Drachenläufer", Afghanistan, Khaled Hosseini, Marc Foster, Taliban
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Klassische Lyrik im Rap-Sound
Es klingt wie ein simples Patentrezept: Wenn Kinder keine Gedichte mehr auf herkömmliche Art lernen wollen, dann sollen sie die Verse eben rappen. Mit dem rhythmischen Sprechgesang kehrt vielleicht die Freude an der Lyrik zurück.
Die Hoffnung mancher Eltern und Pädagogen hat einen Namen: „Junge Dichter und Denker” oder kurz „JDD” nennt sich die sechsköpfige Kindergruppe aus Buchholz (Nordheide/Niedersachsen). Die Mädchen und Jungen zwischen 11 und 15 Jahren haben kürzlich eine CD mit berühmten „klassischen” Gedichten herausgebracht – frisch und frech im Wechselgesang vorgetragen, mit vorwärts drängendem Beat unterlegt. Da klingen die Verse von alten „Haudegen” der Literaturgeschichte zuweilen so, als hätten diese gerade erst zur Feder gegriffen und mal eben ganz spontan unsterbliche Verse hingefetzt.
Laut neudeutscher Formulierung auf dem Plattencover haben folgende Leute die „Lyrics” (also: Texte) geliefert: Goethe, Schiller, Mörike, Heine und Fontane.… Weiterlesen
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Balthus: Zwischen Unschuld und Verführung
Halb sitzt sie noch, halb liegt sie schon. Pose und Mimik des Mädchens sind gleichermaßen traumverhangen wie lasziv. Der Ausdruck flimmert zwischen Unschuld und Verführung.
Der Blick des Malers und somit das Augenmerk Betrachters richten sich auf den weiß aufblitzenden Schlüpfer unter ihrem hochgerutschten roten Rock. The´rèse, die dem Künstler Balthus 1938 hierfür Modell saß, war damals erst zehn oder elf Jahre alt . . .
Der Franzose Balthus ist berüchtigt wegen solcher begehrlichen Lolita-Bildnisse. Mit welcher malerischen Inbrunst er sich allein schon den entblößten Knien dieser Pubertierenden gewidmet hat, die nicht mehr kindlich spielen und niemals lächeln! So fing er die halb unbewusst erwachende Erotik sinnend in sich gekehrter Nymphen ein. Das erscheint heikel, ja mitunter skandalös. Und ist skandalös gut gemacht.… Weiterlesen
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„Papa mit Grill“ und die Boxenluder – ein kleiner Streifzug durch die aktuellen Spielzeug-Kataloge
Von Bernd Berke
Spielzeugkataloge blättert man doch immer wieder gern durch – nicht nur vor Weihnachten. Über manche bunten Sachen freuen sich auch Erwachsene, denn die Welt des Spielens verheißt Entspannung.
In dieser Sphäre gibt es seit Jahrzehnten ein paar Ankerpunkte. Zum Beispiel auch in den neuesten Katalogen von Lego oder Playmobil: Bauernhof und Zoo, Klinik und Eisenbahn, Polizeirevier und Tankstelle, Ritterburg und Piratenschiff. Alles ein bisschen schnittiger als früher. Die Freibeuter der Meere scheinen übrigens, wohl auch wegen des Kinohits „Fluch der Karibik“, als Spielthema wieder besonders begehrt zu sein. Kaum eine Firma verzichtet darauf. „Harry Potter“ legt hingegen eine Pause ein, auch auf dem Spielzeug-Markt.
Indianer und Dinos aber bleiben wohl unverwüstlich. Und zur Puppenbühne gehören immer noch die klassischen Figuren Kasper und Krokodil.… Weiterlesen
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Bilder aus einer aufgeräumten Welt – Der neue Ikea-Katalog ist da / Nur die Bibel und Harry Potter haben höhere Auflagen
Von Bernd Berke
Bei diesem Druckwerk ist die Multi-Millionenauflage garantiert. Fast alle haben es dieser Tage im Briefkasten. Die einen nennen es den neuen Ikea-Katalog. Für andere ist es auch ein Dokument zur Alltagskultur.
„Lebst du schon?“, ruft einem der diesmal 380 Seiten starke Bilderroman vom Wohnen auf der Titelseite zu. So ist denn auch der Anfangsteil gleichsam der Lebensphilosophie vorbehalten. Kernsatz: „Arbeiten, machen, tun, hierhin hetzen, dahin hetzen – wo ist es geblieben, das herrliche Nur-zu-Hause-Sein im gemütlichen Nest daheim?“ Nachdrückliche Werbe-Prosa mit dem Verstärker-Effekt der variierten Wiederholung: zu Hause, daheim, Nest. „Einfach mal einen Termin sausen lassen“, rät man uns sodann. Alles klar, Chef. Nein, nein, in solchen Fragen hören wir nur bedingt auf Ikea.
Alles wirkt so adrett und fürsorglich
Welche lebenswerte Welt gaukelt uns dieser Katalog vor?… Weiterlesen
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Überbleibsel der erlebten Geschichte – Essener Ausstellung „Maikäfer flieg…“ über Kindheitserfahrungen 1940 bis 1960
Von Bernd Berke
Essen. Dinge, die uns umgeben, können Gefühle oder Erinnerungen speichern und beim Anblick freisetzen. Erst recht gilt diese Magie für Sachen aus der Kindheit. Auf dieser psychologischen Tatsache fußt jetzt eine alltagsgeschichtliche Ausstellung im Essener Ruhrlandmuseum.
„Maikäfer flieg… / Kindheitserfahrungen 1940 bis 1960″ versammelt, thematisch gut sortiert, schier tausend Gegenstände des damaligen Kinderlebens. Beispielsweise sieht man jede Menge charakteristisches Spielzeug vom abgewetzten Teddybär bis zum Stabilbaukasten; von der aus Lumpen notdürftig, doch erkennbar liebevoll gefertigten Puppe bis zur ersten elektrischen Eisenbahn. Welch ein Weg vom Elend bis zum bescheidenen Wohlstand – auch in der Kinderstube. Hier wird geschichtlicher Wandel so greifbar wie selten.
Wenn man einem der gemeinten Jahrgänge angehört, fühlt man sich von etlichen Gegenständen sogleich „angesprochen“, man könnte hie und da seufzen: Genau einen solchen Schulranzen hat man selbst mal auf dem Rücken bugsiert.… Weiterlesen
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Mutanten fürs Kinderzimmer – Ein paar Gedanken bei Durchsicht des neuen Lego-Katalogs
Von Bernd Berke
Die bunten Klötzchen der Firma Lego kennt wohl jede(r) aus eigener Kindheits- oder Eltern-Erfahrung. Welche Traumbauten und Luftschlösser man damit errichten konnte! Alles blieb der Phantasie überlassen, die Möglichkeiten waren schier unendlich. Kann es uns kalt lassen, wie sich diese Spielzeug-Welt entwickelt? Natürlich nicht! Wenn Formen des Spielens kein Kulturfaktor wären, was denn dann?
Vor uns liegt der neue Herbstkatalog des Herstellers, auf exakt 100 prallvollen Seiten gespickt mit Novitäten. Die haben es teilweise in sich. Von 0 Monate bis 99 Jahre reicht die Skala der Altersklassen, die hier bedient werden sollen. Ausdrücklich mahnt der Katalogtext an einer Stelle (da geht’s um martialisch aussehende Rennautos), doch bitteschön auch die Kinder einmal spielen zu lassen.
Das Angebot für Babys und Kleinkinder kommt einem noch vertraut vor, es wirkt so farbenfroh und putzig wie eh und je.… Weiterlesen
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Mitten ins Herz der Angst – Die ganz besondere Welt der Louise Bourgeois in der Kunsthalle Bielefeld
Von Bernd Berke
Bielefeld. Wann erlebt man das schon: eine geradezu vibrierende Ausstellung, deren Aura einen sogleich erfaßt und betrifft? Wann? Jetzt in Bielefeld. Die Kunsthalle präsentiert eine famose Schau mit Werken der mittlerweile 87jährigen Louise Bourgeois.
Die in Paris geborene Amerikanerin war um 1949 Miterfinderin des Environments: Sanft und nachdrücklich eroberten ihre Kunst den umgebenden Raum. Wahrhaftig „entdeckt“ wurden sie erst in den späten 60ern, als bewegte Frauen sie dem Umkreis des Feminismus zurechnen wollten. So schnurgerade verhält es sich allerdings nicht. Louise Bourgeois hat sich vielfach dankbar über ihre Erfahrungen als Ehefrau und Mutter geäußert…
Gleichwohl attackierte sie die Kunstszene als Männerdomäne. Pioniere und Patriarchen wie André Breton, Max Ernst und Marcel Duchamp mißfielen ihr grundsätzlich. So mag etwa die kannibalische „Destruction of the Father“ (Zerstörung des Vaters, 1974) auch Resultat eines aggressiven, befreienden Aktes gewesen sein.… Weiterlesen
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Wer die Träume der Kindheit festhält… – Einzigartiges Museum der Jugendwerke in Halle/Westfalen
Von Bernd Berke
Halle/Westfalen. Als Hannah zarte drei Jahre alt war, kritzelte sie die zerbrechliche Gestalt eines kleinen Mädchens aufs Blatt. Es hat ein gesundes und ein ganz verschattetes, offenbar verletztes Auge. Viele Jahre später kannte man Hannah Höch als dadaistische Künstlerin. Nun zeichnete sie beispielsweise eine „Maschinenfrau“ mit metallischer Brust und – einem genau so verletzten Auge. Träume oder Besessenheiten aus der Kindheit festzuhalten – ein Kennzeichen des Genies?
Sinnliche Studien zu dieser Frage lassen sich im ostwestfälischen Idyll betreiben: Am schmucken Kirchplatz zu Halle (bei Bielefeld) erhebt sich ein 750 Jahre altes Haus mit wunderschön winkligen Räumen und knarrenden Stiegen, das ehedem Kloster und Gefängnis war. Heute beherbergt es das weltweit einzigartige, kürzlich zehn Jahre alt gewordene „Museum für Kindheits- und Jugendwerke bedeutender Künstler“.… Weiterlesen
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Kindheit mit Lederhosen und flotten Seifenkisten
Von Bernd Berke
Ja, genau! So hat es ausgesehen, das Gesicht jener Jahre. So haben wir damals als Kinder dreingeschaut: reichlich brav, höchstens mal verhalten frech – und noch ganz bescheiden gekleidet. Kein Gedanke an Markenware. Die kurze robuste Lederhose war schon ein ziemlicher Luxus. Wie hat man sie später gehaßt. Und irgendwann denkt man dann doch mit einem Anflug von Rührung an solche Zeichen der Dürftigkeit.
Es war die Zeit, in der so viele Jungen noch Klaus, Peter oder Wolfgang hießen – und die Mädchen vorzugsweise Barbara, Petra, Gisela oder Monika. Die einen wurden noch zum Höflichkeits-„Diener“ angehalten, die anderen trugen Zöpfe oder Pferdeschwänze und machten artige Knickse. Wie lang ist das her, eine versunkene Lebenswelt. Es waren die 50er Jahre, deren biographische Verarbeitung in letzter Zeit eine ganze Bücherflut ausgelöst hat.… Weiterlesen
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Die Winnetou-Klischees muß man ganz rasch vergessen – Ausstellung über indianische Kulturen in Münster
Von Bernd Berke
Münster. Vorurteile beiseite: Wenn wir ganz allgemein von „den Indianern“ reden, dann ist es ungefähr so. als wenn sich ein Nordamerikaner sämtliche Deutschen in kurzen Lederhosen und mit Maßkrügen vorstellt. Das und noch viel mehr lernt man jetzt in einer Ausstellung des Münsteraner Naturkundemuseums.
„Prärie- und Plains-Indianer“ heißt die mit 700 Exponaten ausgesprochen umfangreiche, jedoch sinnfällig gegliederte Schau. Mit den Plains sind die großen Grasebenen gemeint. Der Überblick richtet sich auf einen riesigen Landstreifen zwischen Mississippi (Osten) und Rocky Mountains (Westen), der sich nordwärts von Texas bis ins kanadische Saskatchewan erstreckt. In diesem Gebiet konnte man einmal rund 50 Grundtypen indianischer Kulturen deutlich unterscheiden, mit Verzweigungen waren es rund 1000 Untergruppen. Um nochmals den Vergleich mit Europa heranzuziehen: Manche dieser Stämme, wie zum Beispiel Sioux, Navajo, Arapaho, Shoshoni oder Cree, hatten weit weniger miteinander gemein als etwa Deutsche, Engländer und Franzosen.… Weiterlesen
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Oase in Hamm: Der Maxi-Park lockt mit Kultur und Natur
Von Bernd Berke
Hamm. Vom Kabarett bis zur Katzenschau, von der gewichtigen Dampflok bis zu federleicht flatternden Schmetterlingen aus aller Welt – der Hammer Maximilianpark lockt mit Kultur und Natur. Und das zu vergleichsweise zivilen Eintrittspreisen.
Am Haupteingang erhebt sich der 34 Meter hohe gläserne Elefant, längst ein Wahrzeichen der Stadt. Im Inneren ist das imponierende Tier über und über begrünt, und einige Kinetik-Kunstwerke des Elefanten-Erfinders Horst Rellecke verrichten hier ihre spielerische Tätigkeit, darunter ein „automatischer Fensterputzer“. Ein paar kleine Jungen stehen davor und finden es einfach „cool“. So kann man es sagen.
Hoch hinauf in den Kopf des Elefanten
Mit dem Fahrstuhl geht’s hinauf in den „Kopf“ des durchsichtigen Dickhäuters. Von hier aus kann man sich einen Überblick aufs Parkgelände verschaffen, das zur Landesgartenschau 1984 entstanden ist.… Weiterlesen
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An der Krippe hat Kritik kaum Platz – Schau in Telgte erstreckt sich nun über zwei Museen
Von Bernd Berke
Telgte. Was haben Krippen mit Krimis gemeinsam? Mindestens dies: Ein relativ enges Schema von Figuren und Handlungen reizt zur Variation. Begrenzung regt die Phantasie an. Beweise in Hülle und Fülle bietet die nun auf mehr als verdoppelter Fläche ausgebreitete Sammlung des Heimathauses/Krippenmuseums im Wallfahrtsort Telgte bei Münster.
Das zweifache, weit und breit einzigartige Museum erweist sich als Publikumsmagnet: Schon fast 30000 Besucher waren seit der Eröffnung des Neubaus da – und die liegt erst zwei Wochen zurück.
Als sie gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Deutschland gebräuchlich wurden, waren Weihnachtskrippen eine kirchliche Werbeaktion. Schlaue Jesuiten entdeckten im Zuge der Gegenreformation (als der Katholizismus wieder die Oberhand gewinnen wollte) die Wirksamkeit emotionaler Bibel-Inszenierung. Hatte es zuvor praktisch nur Tafelbilder zum Thema Jesu Geburt gegeben, so waren die dreidimensionalen Krippen damals ein fortschrittliches Medium – so, als würde man heute religiöse Videoclips oder Computerspiele kreieren.… Weiterlesen
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Schwierige Kindheit im Land der Kaffeetafeln – Renan Demirkans Buch „Schwarzer Tee mit drei Stück Zucker“
Von Bernd Berke
Die Türkei als Land, wo es den herrlichen „Schwarzen Tee mit drei Stück Zucker“ gibt, Deutschland als Land der reich gedeckten Kaffeetafeln – mit welchen Problemen wächst ein Mädchen auf, das aus der einen Welt in die andere kommt?
Renan Demirkan, Jahrgang 1955, früher u. a. am Dortmunder Schauspielhaus engagiert, dann vor allem durch die Hauptrolle in der TV-Serie „Reporter“ bundesweit prominent geworden, hat darüber aus eigener Erfahrung ein Buch geschrieben. Es ist lesenswert – nicht nur des Inhalts wegen.
Eine Frau in der Entbindungsstation. Es gibt Komplikationen, man wird ihr Kind „holen“ müssen. Sie wartet auf die Ärzte, zählt ungeduldig die Minuten. Doch immer wieder schweifen ihre Gedanken ab – in die eigene Kindheit und Jugend. Augenblicke für eine Zwischenbilanz ihres Lebens.… Weiterlesen
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Wenn der Erzähldienst zu den Kindern kommt – Dortmunder Projekt am Start
Von Bernd Berke
Dortmund. Es war einmal: Großmütter erzählten ihren Enkeln Märchen oder Erlebnisse aus dem eigenen Erfahrungsschatz. So ähnlich könnte es, ja soll es auch im Video-Zeitalter wieder sein. Bruno Knust und seine Mitstreiter von „Bruno’s Bunte Bühne“ (Standort: Dortmund) erhalten vom Bundesbildungsministerium Zuschlag und Zuschuß (24 500 DM) für ein Projekt, das den nostalgischen Zustand wiederbeleben soll.
Leute „ab 50 Jahre“ (Knust: „Je älter, desto lieber“) sollen, nach professioneller Anleitung, möglichst selbsterlebte Geschichten in Kindergärten, Kinderkliniken und ähnlichen Einrichtungen erzählen oder (noch besser) vorspielen.
Mit dieser ldee, die jetzt in einen bundesweit ausgerichteten Modellversuch mündet, hatte die „Bunte Bühne“ unter 170 Bewerbern beste Karten. Nicht weniger als fünfmal tagte die Jury. Nur 25 Projekte (neun in NRW) wurden finanzieller Beihilfe für würdig befunden – im Rahmen eines Förderprogramms, das im Auftrag des Bildungsministeriums vom Remscheider Institut für Bildung und Kultur betreut wird.… Weiterlesen
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Traumreise zum müden Monarchen – „Insel des König Schlaf“
Von Bernd Berke
Wuppertal. Manuel lebt in einem kleinen Fischerdorf, irgendwo im Süden Europas. Seine Tante drängt ihn keifend, er solle sich den Realitäten selten, vor allem aber Schularbeiten machen. Alles, was den Jungen beschäftigt, tut sie als „spinnert“ ab.
Er aber braucht nicht einmal Phantasie, um Phantastisches zu erleben. Ein Boot wird ihm geschenkt, das ihm als „Traumschiff“ dient. Und ab geht die Reise zur „Insel des König Schlaf“. Das gleichnamige Stück des Portugiesen Norberto Avila hatte am Samstagmorgen in Wuppertal Premiere. Für die von Gerhard Kelling erstellte deutsche Fassung war es sogar eine Uraufführung.
Besagte Insel ist ein Schlaraffenland. Nur einige Probleme, die der pfiffige Gast Manuel (Boris Voland) nach und nach löst, gibt es: Der König (Heinz Voss) hat seit Monaten nicht geschlafen, dem Dr.… Weiterlesen
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Suchtverhalten aller Art: „Mensch ich lieb dich doch“ eröffnet NRW-Kinder- und Jugendtheatertreffen
Von Bernd Berke
Dortmund. Dortmunds Kindertheater hat’s mit der „Roten Grütze“.
Nachdem bereits das Aufklärungsstück „Darüber spricht man nicht“ aus dem Repertoire der Berliner übernommen worden war, folgte nun die Premiere von „Mensch ich lieb dich doch“, ebenfalls aus der „Grütze“-Werkstatt und schon (mittlerweile hinlänglich bekannter) „Klassiker“ des Jugendtheaters. Die Aufführung im nicht ausverkauften Theater am Ostwall eröffnete zugleich das NRW-Kinder- und Jugendtheatertreffen.
Es geht um Sucht und Drogen: Wer ist wann, wo und warum high, „bedröhnt“, „knülle“ oder „schicker“? Die Dortmunder haben das ursprünglich vier Stunden lange Stück gekürzt und zu einer Schlag-auf-Schlag-Revue mit vielen, zuweilen kabarettistischen „Nummern“, typisierten Figuren und jeder Menge Rockmusik (auch so eine Droge!) umgebaut. Das garantiert Kurzweil, birgt aber auch die Gefahr, das Publikum mit bloßen Oberflächenreizen bei der Stange zu halten.… Weiterlesen
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„Circus Roncalli“: Zweite Reise zum Regenbogen – mit Phantasie und Puderzucker
Von Bernd Berke
Recklinghausen. Der „Circus Roncalli“ besitzt offenbar das sensibelste Nashorn nördlich des Mittelmeers. Bevor das gewichtige Tier in die Manege stürmte, wurde das hochverehrte Publikum (darunter NRW-Kultusminister Jürgen Girgensohn) dringlich gebeten, keine schrillen Laute zu erzeugen, sonst könne man für die Duldsamkeit des Dickhäuters nicht mehr garantieren. So blieb es also mäuschenstill – und der Koloß ließ es friedlich über sich ergehen, daß ein Tiger auf ihm ritt.
Der nicht als Sensations- und Leistungsschau, sondern eher durch seine phantastische Kombination von Spitzenartistik und märchenhafter Prachtentfaltung bekanntgewordene Zirkus bot im Umfeld der Ruhrfestspiel-Eröffnung eine „Weltpremiere“. Das Zelt am Recklinghäuser Konrad-Adenauer-Platz war denn auch am Sonntagabend bis auf den letzten Platz gefüllt; daran dürfte sich bis zum 15. Mai, nach dem der Zirkus die Revierstadt verläßt und auf Deutschlandtournee geht, nicht viel ändern.… Weiterlesen
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„Darüber spricht man nicht“: Mit erprobtem Stück gegen neue Prüderie
Von Bernd Berke
Dortmund. „Darüber spricht man nicht“ ist ein Stück, bei dem Aktionen und Reaktionen der Zuschauer genauso wichtig sind, wie die Arbeit der Darsteller. Ein ruhiges Publikum würde jede Aufführung mißraten lassen. Weil aber das Kindertheater in Dortmund das spontanste Publikum hat, konnte gar nicht viel „anbrennen“.
Um Platz fürs Mitspielen zu schaffen, war man ins Dietrich-Keuning-Haus umgezogen, dessen Saal mehr Bewegungsfreiheit bietet, als das Theater am Ostwall. Das annähernd zehn Jahre alte Stück der „Roten Grütze“, steht gerade rechtzeitig auf dem Spieplan. Da sich allenthalben eine neue Prüderie breitzumachen droht, hat der Stoff kaum etwas von seiner Bedeutung verloren; es überrascht heute höchstens der fröhliche Optimismus der Vorlage. Die Spielhandlung dreht sich ums „Liebhaben und Streicheln, ums Schmusen und Anfassen, ums Kindermachen und Kinderkriegen“ (Programmheft) und vor allem darum, daß man offen über alles reden sollte.… Weiterlesen
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Fürs Taschengeld gibt es das Blutbad leihweise – Initiative: Keine brutale Video-Filme für Jugendliche
Von Bernd Berke
Im Westen. Die Godesberger Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften erhält derzeit gleich stapelweise Video-Kassetten. Die sieben festen Mitarbeiter werden sich un- glaubliche Szenen ansehen müssen: Kannibalistische Orgien, bei denen die Kamera minutenlang auf Mündern verweilt, die genüßlich Menschenfleisch schmatzen; Großaufnahmen von herausgerissenen Eingeweiden und Bilder von zahllosen anderen Greueltaten, die die Ekelschwelle überschreiten.
Die Quelle der Flut von Brutalitäten, die über die Filmbegutachter hereinbrechen wird, liegt im rheinischen Neuss. Nicht weniger als 744 Indizierungsanträge gegen gewaltverherrlichende Videofilme hat das dortige Sozialdezernat bereits an die Bonner Behörde gerichtet und ist damit bundesweit zum Vorreiter geworden. Auch das Dortmunder Jugendamt zog mittlerweile nach und machte die Prüfstelle auf einige schlimme Produkte (Herkunftsländer sind vorallem die USA und Italien) aufmerksam. Der Neusser Sozialdezernent Dr.… Weiterlesen
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Harlequin-Theater mit viel Spielfreude und aktuellen Ideen
Von Bernd Berke
Auf spontane Einfälle darf man schon gefaßt sein beim Dortmunder „Hand- und Fußtheater“, das jetzt im Café des Fritz-Henßler-Hauses zwei kurze Stücke unter dem Obertitel „Harlequin auf dem Pulverfaß“ zeigte. Eine hautnahe Kostprobe überbordender Spielfreude bekam einer der etwa 100 jungen Zuschauer zu spüren, als Mitspielerin Elke Drews unvermittelt durch die Reihen wuselte, sich auf seinen Rücken schwang und ihm gleichsam im Nacken saß.
Solche Lust an Bewegung war durchaus im doppelten Wortsinn zu verstehen, ging es doch in den selbstverfaßten Spielvorlagen um Probleme zweier „Bewegungen“, nämlich der für den Frieden und der für menschliches Wohnen. Dabei wurde kein auswendig gelernter Text vorgetragen, sondern im Rahmen eines lockeren Handlungsgerüsts nach Laune improvisiert. Traditionelles Element: Die Figuren (Pantalone, Brighella und Harlequin) waren dem alten italienischen Volkstheater, der Comedia dell’arte nachempfunden, hatten sich aber nunmehr mit Hochrüstung und Hausbesetzungen zu plagen.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Bernd Witte, Dortmund, Elke Drews, Ellen van Royen, Fritz-Henßler-Haus, Hand- und Fußtheater, Harlequin auf dem Pulverfaß, Impro-Theater
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Ein großes Dach für die Tiere – Europas erster Allwetterzoo öffnet bald seine Pforten in Münster
Von Bernd Berke (Text) und Helmut Orwat (Fotos)
Ein riesiger „Platz für Tiere“ wird am 2. Mai in Münster eröffnet. Auf einem 300 000 Quadratmeter großen Gelände wurde am Südrand der Stadt der erste Allwetterzoo Europas aus dem Boden gestampft. Damit übertrifft der Mammutzoo seinen Münsteraner „Vorgänger“, der Ende letzten Jahres seine Pforten schloß, an Fläche um das Fünffache.
Der alte Zoo beherbergte Tiere im Wert von 250 000 DM. In den neuen Käfigen, Bassins, Terrarien und Gehegen werden sich über 2000 Tiere aus aller Welt tummeln. Gegenwert: 1,15 Millionen DM. Unter den neuangeschafften Tieren sind erstmals Giraffen und Nashörner, Strauße, Seebären – und eine Gruppe von Flußpferden zählt zu den weiteren wichtigen Neuerwerbungen. Modernste Einrichtungen sollen auch sonnenverwöhnte Tiere zeugungs- und gebärfreudiger machen als in herkömmlichen Tiergärten.… Weiterlesen
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