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Archiv der Kategorie: Kunst & Museen
Lothar Kampmanns souveräne Kurzel – scheidender Dortmunder Kunstprofessor stellt aus
Von Bernd Berke
Dortmund. Mit dem Kohlenzug fuhr Lothar Kampmann 1946 von Dortmund nach Hamburg, um dort eine Theateraufführung zu sehen. Auf der Reise durchs zerstörte Deutschland entstanden Zeichnungen, die das düstere Menschenelend jener Zeit ahnen lassen: „Die Blinden“, „Die Tauben“, „Die Stummen“. Die drei Blätter setzen jetzt starke Akzente bei einer Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte.
Zeichnungen und Kleinplastik des langjährigen Dortmunder Kunstprofessors Kampmann (der 60jährige erhielt am Donnerstag seine Ruhestandsurkunde) aus den Jahren 1945-85 sind zu sehen. Alle 160 Exponate stammen aus Kampmanns Atelier-„Schubladen“.
Bevorzugt arbeitet Kampmann mit Rohrfeder und Tusche. Geradezu „manisch“ (so er selbst) stellt er zum einmal gefundenen Thema serienweise Variationen her, „bis ich mir die Feder untertan gemacht habe“. In diesem Stadium „sitzt“ jeder Strich.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Dortmund, Lothar Kampmann, Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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Querschnitt durchs Werk von Fritz Winter in drei Museen
Von Bernd Berke
Hamm/Ahlen. Der Beginn seiner Laufbahn war geradezu traumhaft: Fritz Winter, geboren am 22. September 1905 in Altenbögge bei Hamm als Sohn eines westfälischen Bergmanns, bewarb sich 1927 an der damals wichtigsten Kunstschule Deutschlands, dem Bauhaus in Dessau, wo so berühmte Lehrer wie Paul Klee, Josef Albers und Wassilij Kandinsky wirkten. Winter, der seine Jugend in Ahlen/Westfalen verbrachte und auch selbst im Bergbau gearbeitet hatte, war mit seinen 15 eingereichten Zeichnungen erfolgreich.
In den 50er Jahren wurde er international bekannt und mit zahlreichen Preisen bedacht. Nun werden dem 1976 gestorbenen Künstler, der jetzt 80 Jahre alt geworden wäre, in Hamm und Ahlen gleich drei parallele Ausstellungen gewidmet. Das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm zeigt bis 27. Oktober das Frühwerk (1926-1945), das von Winters Nichte Helga Gausling geleitete Ahlener Fritz-Winter-Haus präsentiert seine Arbeiten zwischen 1949 und 1970 (bis 15.12.)… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Ahlen, Fritz-Winter-Haus, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, Heimatmuseum Ahlen, Helga Gausling
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Zwischen Erotik und Erniedrigung – umfangreiche Aktfoto-Schau in Dortmund
Von Bernd Berke
Dortmund. Der nackte Menschenkörper vor der Kamera. In allen denkbaren Posen, Verfremdungen, Freiheiten und Zwängen; kultiviert, erhöht, aber auch vergewaltigt.
Von der Erotik bis zur Erniedrigung, vom Bild mit Kunstanspruch bis zum Kommerz-Reißer reicht das Spektrum der Ausstellung „Das Aktfoto“, die jetzt – nach langen und zähen Verhandlungen – im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen ist. Höchstwahrscheinlich wird dies die einzige Station nördlich der Mainlinie bleiben. Die Schau, die besonders in München Furore machte (die WR berichtete ausführlich) und nun via Frankfurt und Wien ins Revier kommt, dürfte, trügen nicht alle Sinne, wohl die bestbesuchte Ausstellung dieses Jahres in Dortmund werden. Ob sich, wie in München geschehen, auch hier Besucher vor den Bildern ihrer Textilien entledigen, bleibt abzuwarten.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Fotografie, Kunst & Museen, Leibesübungen
Verschlagwortet mit Das Aktfoto, Dortmund, Jörn Christiansen, Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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Evangeliar Heinrichs des Löwen in Braunschweig – teuerstes Kunstwerk der Welt erstmals ausgestellt
Von Bernd Berke
Braunschweig. Heinrich der Löwe (1129 bis 1195) bekommt jetzt in Braunschweig „Personenschutz“. Zwei Polizeibeamte flankierten schon gestern die Vitrine mit dem teuersten Kunstwerk der Welt – dem am 6. Dezember 1983 in London für rund 32 Millionen DM ersteigerten „Evangeliar Heinrichs des Löwen“. Jetzt, genauer ab Samstag, wird das kostbare Stück, um dessen Finanzierung es seinerzeit so viele Querelen gab, erstmals der breiten Öffentlichkeit gezeigt.
Grandioser Rahmen ist die niedersächsische Landesausstellung „Stadt im Wandel“ im Braunschweigischen Landesmuseum (Vieweghaus) und in der Burg Dankwarderode (dort befindet sich das Evangeliar). Sie zeigt mit weit über 1100 Exponaten einen überwältigenden Querschnitt durch Alltag, Kunst und Kultur zwischen 1150 und 1650 im norddeutsehen Raum.
Das um 1175 herum entstandene „Löwen“-Evangeliar, dessen Präsentation nicht die einzige, wohl aber die hervorstechende Sensation dieser Schau ist, wird hier in breiter Darstellung des Zeithintergrunds, als Dokument einer – das Wort sei gestattet – „Wende“ der deutschen Geschichte vorgeführt.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Gesellschaft & Soziales, Glaubensfragen, Kunst & Museen, Stadt Land Fluss
Verschlagwortet mit Braunschweig, Burg Dankwarderode, Evangeliar Heinrichs des Löwen, Niedersächsische Landesausstellung, Stadt im Wandel, Vieweghaus
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Die sinnlichen Körperstudien des Henri Laurens
Von Bernd Berke
Wuppertal. Der „Kleinen Musikantin“ wächst das Instrument schier aus dem Körper heraus. Ihr Arm formt sich zum Rahmen einer Leier, deren Saiten wie Haare aus dem Mädchenkopf sprießen. So sinnlich, ganz in ihre Körperlichkeit eingesponnen und ohne alle intellektuelle Überformung, erscheinen die Skulpturen des Henri Laurens.
Laurens (1885-1954), an dessen Werk jetzt mit einer beachtlichen Retrospektive im Wuppertaler Von der Heydt-Museum erinnert wird, gehört zu den ganz Großen in der Bildhauerei dieses Jahrhunderts. So unaufdringlich wie seine Skulpturen war er jedoch auch selbst: Der Arbeitersohn, der nach einer Dekorateurslehre als Steinmetz arbeitete, blieb klaglos im Schatten seiner berühmten Freunde, darunter Pablo Picasso, Juan Gris und Georges Braque. Von diesem „Dreigestirn des Kubismus nahm er natürlich Anregungen auf. Zunächst zeichnerisch, dann in Reliefs und Plastiken bildet er die aufgesplitterte Perspektive der Kubisten nach.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Henri Laurens, Sabine Fehlemann, Von der Heydt-Museum, Wuppertal
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Gegenbilder zur Adenauer-Ära – Werke von Ernst Wilhelm Nay in Münster
Von Bernd Berke
Münster. Was den Marktwert anbelangt, könnte man Ernst Wilhelm Nay plakativ als „Joseph Beuys der 50er Jahre“ bezeichnen. Er gehörte seinerzeit zum „festen Stamm“ der Kasseler documenta, auch auf der Kunst-Biennale in Venedig war er vertreten.
Mittlerweile, nachdem einige Dutzend Stile, Moden und -ismen an der Kunstwelt vorübergerollt sind, ist er zwar nicht in Vergessenheit, wohl aber an die Ränder des Erinnerns geraten. Diesem Zustand will jetzt, mit subjektiv-eigenwilligen Akzenten, eine Ausstellung des Kunstvereins Münster abhelfen.
Ausschließlich aus privaten Sammlungen stammen die 48 Bilder, die einen Querschnitt durch alle Werkphasen (1932 bis in Nays Todesjahr 1968) geben. Zu verfolgen ist ein beständiges Ringen um eine quasi „musikalische“ Rhythmisierung und Öffnung der Bildfläche durch einen zunehmend stärkeren Eigenwert der Farb-Komposition.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kunst & Museen
Verschlagwortet mit 50er Jahre, Ernst Wilhelm Nay, Kunstverein, Münster
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Aus den Schatzkammern der Sultane – Pracht-Schau in der Villa Hügel mit vielen Leihgaben aus der Türkei
Von Bernd Berke
Essen. Für außerordentliche Prachtentfaltung waren die Ausstellungen in der Villa Hügel seit jeher gut. Üppige Querschnitte durch fremde Kulturen sind die „Spezialität des Hauses“. In diese Tradition reiht sich nun, als insgesamt 39. Schau seit 1953, der Überblick „Türkische Kunst und Kultur aus osmanischer Zeit“ ein (bis 27. Oktober, zweibändiger Katalog 38 DM).
Mehr als 500 Leihgaben aus aller Welt sind zu sehen. Zum ersten Mal überhaupt wurden auch (bisher fürs Ausland gesperrte) Kostbarkeiten aus der Türkei freigegeben. Insgesamt 40 Prunkstücke sind Leihgaben des Museums für Islamische Kunst und des kaiserlichen Topkapi-Palastes in Istanbul.
Das Zeitspektrum reicht vom 14. Jahrhundert, als Osman I. den Grundstein für das nach ihm benannte, lange im Kampf mit christlichen Staaten befindliche Weltreich legte, bis 1922, als der letzte osmanische Sultan abgesetzt wurde.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Glaubensfragen, Kunst & Museen
Verschlagwortet mit Essen, Türkische Kunst und Kultur aus osmanischer Zeit, Villa Hügel
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Cappenberger „Spontan“-Schau: Archäologische Funde aus Armenien und dem Kaukasus bergen mehr Rätsel als Erkenntnisse
Von Bernd Berke
Cappenberg. Schloß Cappenberg war eigentlich drauf und dran, sich zum achtbaren Ausstellungszentrum des Kreises Unna zu mausern: Mit den Landkarten seit Ptolemäus hat man zum Beispiel über 15 000 Besucher anlocken können. Ob solche Zahlen auch mit der (ab heute präsentierten) Schau über „Frühe Bergvölker in Armenien und im Kaukasus“ erreicht werden können, scheint mehr als fraglich. Das abgelegene Thema müßte weitaus besser für Laien aufbereitet werden, als dies jetzt geschehen ist.
Zu sehen sind archäologische Funde aus der späten Bronze- und der frühen Eisenzeit: Tierfiguren, Schmuck, Helme, Kessel, martialisch wirkende Gürtelbleche, auch ein Trinkrohr (für den Biergenuß) und ein rekonstruierter Tisch mit den Original-Bronzebeschlägen. Staunenswert ist das gewiß – wie so vieles, was aus jener Frühzeit auf uns übergekommen ist.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Geschichte, Kunst & Museen, Wissenschaft
Verschlagwortet mit Archäologie, Armenien, Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, Cappenberg, Kaukasus
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Nuancen des Rot – Retrospektive über Rupprecht Geiger
Von Bernd Berke
Düsseldorf. Solche, die sich wie Rupprecht Geiger über weite Phasen des künstlerischen Schaffens auf Nuancen einer einzigen Farbe konzentriert haben, dürfte es selten geben.
Nachdem Geiger lange Jahre mit der quasi-musikalischen „Kontrapunktik“, dem Spektrum zwischen Widerstreit und Gleichklang mehrerer Farben experimentiert hatte, widmete er sich immer ausschließlicher dem Rot, dessen Dimensionen er rundum ausgeschritten und das er konsequent bis zum Farb-Raum vorangetrieben hat.
In der Düsseldorfer Kunsthalle, wo jetzt die bislang größte Retrospektive auf das Lebenswerk des heute 77jährigen zu sehen ist (bis 21. Juli), ist ein solcher Farb-Raum ganz real vorhanden: ein voluminöses, blutrotes Zelt („Rote Trombe“, 1985). Auf daß man ganz und gar in der Farbe „baden“ kann, empfiehlt sich die Benutzung einer bereitliegenden Decke. Für den, der sich unter und in das Farbzelt legt, existiert nur noch reine, abstrakte Farbe.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Düsseldorf, Kunsthalle, Retrospektive, Rupprecht Geiger
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Düsseldorf: Kunstmuseum weicht in den Kunstpalast aus – Einblicke in den Keller
Von Bernd Berke
Düsseldorf. Diese Ausstellung hat manche Züge einer Verzweiflungstat. Das gerade im letzten Monat wiedereröffnete Kunstmuseum Düsseldorf zeigt mit „Zeitgenössische Kunst – Eine Perspektive“ (bis l. September) Teile dessen, was sich sonst im Keller verbirgt.
Das Institut platzt nämlich aus allen Nähten. Es wich mit dieser Schau demonstrativ in den gegenüberliegenden Kunstpalast aus, um vorzuführen, was es an aktueller Kunst in den letzten Jahren angeschafft hat und was seither im Depot der Offentlichkeit entzogen bleiben muß.
Dem gerafften Überblick haften – vom Blickpunkt rascher Kunstmodewechsel aus betrachtet – naturgemäß Zeichen der Verspätung an. Man sieht, was in den letzten fünf bis sechs Jahren am Kunstmarkt „gängig“ gewesen ist. Ein Resümee, kein Ausblick.
Zahlreiche Genres und Unterabteilungen der Jetztkunst sind vertreten.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Ankäufe, Düsseldorf, Eigenbesitz, Hans Albert Peters, Kunstmuseum, kunstpalast
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Im soliden Mittelfeld der Kunst – „Exponata“ in Münster
Von Bernd Berke
Münster. Vom Kunstbetrieb und seinen diversen „Szenen“ fühlen sie sich immer mehr an den Rand gedrängt. Deshalb nehmen die Mitglieder im Berufsverband Bildende Künstler (BBK) Westfalen Süd/Nord ihr Ausstellungsschicksal dann und wann in eigene Hände.
Die größte Präsentation dieser Art bekam den hübsch-häßlichen Namen „Exponata“ (der eher einer Industriemesse anstünde) und hatte 1983 in Münster Premiere. Am Sonntag startet dort – im deutlich erweiterten Rahmen – die „Exponata ’86“.
Hält man sich am Hauptbahnhof schräg rechts und biegt man in die Mauritzstraße ein, so ist man schon auf dem langen „Kunst-Weg“, der sich quer durch die Innenstadt schlängelt und bis zur Orangerie und den Freilandskulpturen im Schloßgarten reicht. Diesmal räumten auch dreizehn Kaufleute am Prinzipalmarkt ihre Schaufenster komplett für Kunst aus Westfalen.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit BBK Westfalen, Exponata, Münster, Roland Altmann
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Vom Kopierer kommt die „Kunst auf Knopfdruck“
Beherzt rückt Jürgen O. Olbrich dem Kopiergerät zuleibe. Auf der dünnen Glasplatte (normale Bruchlast: 6 Kilogramm) tanzt er einen verwegenen Rock’n Roll. Ergebnis bei eingestellter Dauerfunktion: verwirrende Geflechte aus Fußabdrücken – Schwarz auf Weiß verewigt. Ein andermal ließ Olbrich Speiseeis aufdem Kopierer schmelzen und hielt den Zerfließ-Vorgang auf Kopien fest.
Derlei Aktivitäten durfte kaum ein Bürochef oder Kopierladeninhaber dulden. Immerhin: Millionen Menschen gehen täglich mit Fotokopiergeräten um. Doch nur ganz wenige kommen auf die Idee, dies spielerisch zu tun oder gar Kunst daraus zu machen. Einer von den Wenigen ist Klaus Urbons (32), der seit 1977 „Copy Art“ betreibt und jetzt in Mülheim/Ruhr das bundesweit erste „Museum für Fotokopie“ eingerichtet hat. Er zeigt dort rare Geräte aus den letzten 25 Jahren der rasant fortschreitenden Modellgeschichte – und Kunstwerke, die mit den Apparaten fabriziert worden sind.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Copy Art, Jürgen O. Olbrich, Klaus Urbons, Kopierer, Kopierkunst, Mülheim, Museum für Fotokopie, Timm Ulrichs
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„Heldenhafte“ Industriearbeit in Pastellfarben – Bilder des Niederländers Herman Heyenbrock
Von Bernd Berke
Münster. Ausgesprochenes Mitleid hatte Herman Heyenbrock (1871-1948) mit dem Proletariat kaum. Eher bewunderte der niederländische Maler das „Heldentum“ der Industrie-Arbeiter, die alle bis dahin gekannten Schranken der Produktion überwanden.
Der Künstler hielt zu Beginn unseres Jahrhunderts Industrieszenen in Nord- und Westeuropa (Wales, Schweden, Ruhrgebiet) für die Nachwelt fest. Dabei machte er auch für einige Wochen in Hörde, dem heutigen Dortmunder Ortsteil, Station.
80 Heyenbrock-Bilder, darunter einige Ansichten der Hörder Hermannshütte aus der Zeit vor 1910, sind jetzt im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster zu sehen (bis 9. Juni, Katalog 10 DM). Seit 1910 hat kein deutsches Museum eine solche Auswahl zusammentragen können. Insgesamt soll es 1200 Industriebilder von Heyenbrock geben.
Heyenbrock war Sohn eines Amsterdamer Bäckers.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Amsterdam, Arbeitswelt, Handwerk, Herman Heyenbrock, Hermannshütte, Hörde, Industrie, Münster
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Malerei als eine Form der Liebe – zum Tod von Marc Chagall
Von Bernd Berke
„Malerei ist nichts, als eine andere Form zu lieben“, hat Marc Chagall einmal seine Kunstauffassung umschrieben. Und er bekannte: „Die innere Welt ist vielleicht wirklicher als die sichtbare äußere.“ Marc Chagall, in der Nacht zu gestern im biblischen Alter von 97 Jahren gestorben, ist ein Maler der warmen, leuchtenden Farben und der Innerlichkeit.
Zwar unmittelbar das Gefühl ansprechend, entstanden seine Bilder dennoch vor einem Hintergrund, dessen Kenntnis Voraussetzung für tieferes Verständnis ist: Die russische Heimat und die Sehnsucht nach ihr, das jüdische Elternhaus, der Chassidismus, der in jeder Erscheinung einen „Funken Gottes“ erblickt – diese Einflüsse seiner Jugend blieben auch lebendig, als Chagall in Paris in den Aufruhr der künstlerischen Moderne geriet.
Zeitlebens ist er nicht von figürlich-gegenständlicher Darstellung abgerückt.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Marc Chagall, Nachruf
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50 Nächte Streß für Kunstwerk im U-Bahn-Tunnel – Streckenposten sind immer dabei
Von Bernd Berke
Essen. Sein neuestes Projekt hält dar Essener Künstler Karsten Wolter (43) nur durch, „weil ich sonst sehr gesund lebe“. In rund 50 durchstreßten Nächten will Wolter ein 280 Meter langes Farbkunstwerk auf freier Strecke an die Wand eines Essener U-Bahn-Tunnels sprühen. Da Walter nur dann zu Werke gehen kann, wenn keine Bahnen fahren; muß er jeweils zwischen 0.15 Uhr und 3.30 Uhr ran.
Genau 25 Sekunden lang werden die Fahrgäste (bei durchschnittlichem U-Bahn-Tempo) künftig das Riesengemälde an sich vorüberziehen sehen, hat Walter ausgerechnet. Doch noch ist es nicht so weit. Wegen der kühlen Witterung der letzten Tage haftete die Fassaden-Dispersionsfarbe nicht an den Tunnelwänden. Erst wenn das Thermometer konstant über 5 Grad plus anzeigt, kann Walter sein gigantisches Werk fortsetzen.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit Essen, Karsten Wolter, Kunst, U-Bahn, unterirdisch
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Cappenberg soll mit Ausstellungen auch Großstädten Konkurrenz machen
Von Bernd Berke
Cappenberg. Mit Schloß Cappenberg als Ausstellungsort will es der Kreis Unna „verstärkt mit großstädtischen Angeboten aufnehmen“. Neben Ausstellungsprojekten, die vorwiegend aus Berlin übernommen werden, soll künftig eine neue Konzertreihe in Zusammenarbeit mit dem WDR das ehemalige Schloß des Freiherrn vom Stein zum kulturellen Anziehungspunkt machen. Diese Ziele und Pläne nannte gestern Prof. Dr. Otto Krabs, Kreisdirektor und Kämmerer des Kreises Unna.
Prof. Krabs zog eine günstige Zwischenbilanz. Das Schloß hatte bekanntlich bis 1983 die Sammlung des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte beherbergt. Als diese nach Dortmund kam, pachteten der Kreis Unna und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das freiherrliche Gemäuer. Seither hat man Krabs zufolge mit Ausstellungen wie „Nostalgie – warum?“ Besucherzahlen bis zu 18000 erzielt. Das Publikum komme aus ganz NRW.… Weiterlesen
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„Ornamenta Ecclesiae“: Unermeßliche Kirchenschätze in der Kölner Kunsthalle
Von Bernd Berke
Köln. Kuriere aus dem Vatikan und Leningrad trafen noch am Dienstagabend mit kostbarer Fracht in Köln ein. Sie brachten die letzten, sehnlichst erwarteten Teilstücke zu einer Ausstellung, die ihresgleichen sucht: „Ornamenta Ecclesiae“ versammelt bis zum 9. Juli in der Kölner Kunsthalle am Neumarkt über 600 Exponate, vornehmlich aus romanischen Kirchenschätzen (9. bis 13. Jahrhundert).
Gegliedert ist die Präsentation klerikalen Reichtums in eine Trilogie mit acht Unterabteilungen. Eine der interessantesten heißt auf lateinisch „Fabrica“ und bringt Belege zur Produktion und Funktion der Künste im frühen Mittelalter bei. Gleichsam ein Einblick in die Werkstatt der Künstler, die – keineswegs so „anonym“, wie bislang angenommen – sich bereits damals häufig selbst(bewußt) abbildeten.
Das Eingangs-„Kapitel“ der Ausstellung ist freilich generell dem Weltbild des Mittelalters gewidmet.… Weiterlesen
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„Vom Bett aus“ – ein spezieller Ort der künstlerischen Inspiration
Von Bernd Berke
Dortmund. Wenn eine Ausstellung sich „Vom Bett aus“ nennt, denkt man an allerlei. In der gleichnamigen Schau dreier junger Künstler, die am Sonntag im Dortmunder Ostwall-Museum eröffnet wird und bis 24. Februar dauert, ist jedenfalls keine einzige Schlafstatt zu sehen.
Der Titel bezieht sich denn auch eher auf den zwischen Tag und Traum angesiedelten Zugriff auf die Bild-Wirklichkeit sowie auf die Veränderung der Wahrnehmung durch das Sehen und Immer-wieder-Sehen von Bildern. Gerald Domenig, einer der drei beteiligten Künstler: „Zwei Uhr früh… Vom Bett aus betrachte ich meine Abendmalerei an der Wand gegenüber.“ Domenig bezeichnet das Bett als „Ort der Inspiration“.
Domenig ist 1953 in Villach/Österreich geboren, seine Mitaussteller heißen Christian Hanussek (32) und Nicole van den Plas (42).… Weiterlesen
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„Bestenliste der Übertreibungen“ – Karikaturen aus fünf Jahrhunderten in Dortmund
Von Bernd Berke
Dortmund. Ob sie Luther heißen, Napoleon oder Franz Josef Strauß – die Großkopfeten hatten und haben eines gemeinsam: als Zielscheibe für Karikaturisten zu dienen, als Gegenstand von „Kampf-Bildern“. Ein Querschnitt durch fünf Jahrhunderte verzerrender Darstellung ist ab heute (bis 12. März) im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen.
Die Ausstellung von 260 Karikaturen und artverwandten Darstellungen, in enger Zusammenarbeit mit dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover und zwei weiteren Instituten entstanden, sollte nicht zur Illustration einer „ewigen Bestenliste“ geraten. Unter der Hand ist sie dann doch so etwas geworden, denn nahezu alle bedeutenden Karikaturisten sind hier mit Originalblättern vertreten – von Annibale Carracci, einem der „Erfinder“ der Porträtkarikatur im Italien der Renaissancezeit, über Berühmtheiten wie Goya, Daumier und Saul Steinberg, bis hin zu den gegenwärtigen Schrittmachern der Zunft, wie etwa F.K.… Weiterlesen
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Ikonenmuseum in Recklinghausen – die größte Sammlung der westlichen Welt
Von Bernd Berke
Das Jesuskind liegt nicht im Stall, sondern in einer dunklen Höhle. Statt in eine liebliche Landschaft blicken wir auf ein zerklüftetes Felsmassiv. Die Jungfrau Maria beugt sich nicht über Christus, sondern liegt, dem Betrachter zugewandt, malerisch hingestreckt. Josef hat der Szenerie sogar ganz den Rücken zugekehrt.
Josef spricht mit einer Gestalt im blauen Fellgewand. Theologen und Kunsthistoriker vermuten, daß diese Figur einen Versucher darstellt, der in Josef Zweifel an dem Vorgang der Jungfrauengeburt entweder wecken oder bestärken will.
Das Bild widerspricht nicht von ungefähr unserer gewohnten Vorstellung vom Geschehen in der Heiligen Nacht. Es handelt sich nämlich um eine Ikone, also um ein Andachtsbild, das am Ende des 16. Jahrhunderts in Griechenland entstanden ist und heute im Ikonen-Museum Recklinghausen hängt.… Weiterlesen
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Rodin und die Inszenierung des Körpers
Von Bernd Berke
Münster. Für eine Skulptur des Schriftstellers Honoré de Balzac nahm sich Auguste Rodin viel Zeit. 1891 bekam er den Auftrag, bis 1898 fertigte er zahllose Skizzen und Entwurfsstudien. Rodin recherchierte genau. Sogar den Schneider des berühmten Toten suchte er auf und entlockte ihm exakte Angaben über die KörpermaBe des Dichters – Kunst, mit wissenschaftlicher Akribie betrieben. Auch darin war Rodin ein Kind seiner Zeit.
Daß Rodin (1840-1917) d e r stilbildende Bildhauer des späten 19. Jahrhunderts war, ist fast ein Gemeinplatz. Daß er auch als Zeichner zu kaum weniger vollendete Formen fand, kann jetzt – umfassend wie nie zuvor – im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte nachvollzogen werden. Eine Reihe von Architekturzeichnungen wird erstmals außerhalb Frankreichs gezeigt.… Weiterlesen
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Mütter als Landschaften – Arbeiten von Henry Moore in Marl
Von Bernd Berke
Marl. Zwei Themen ziehen sich wie rote Fäden durch das Werk von Henry Moore. Der berühmte britische Bildhauer formte immer wieder liegende Figuren, und er kam so häufig auf das Thema „Mutter und Kind“ zurück, daß man geneigt ist, darin eine Art Besessenheit zu sehen.
Um so erstaunlicher, daß noch kein einziges Museum auf die Idee gekommen ist, die Mutter-Kind-Darstellungen zum Leitgedanken einer Moore-Ausstellung zu machen. Insofern kann das Skulpturenmuseum „Glaskasten“ in der Revierstadt Marl jetzt mit einer Weltpremiere aufwarten.
Die Marler Ausstellung „Henry Moore: Mutter und Kind“ – sie umfaßt 28 Skulpturen, 27 Zeichnungen und 20 Graphiken – ist noch dazu einem immensen Zufall zu verdanken. Der „Glaskasten“ besitzt nur eine Moore-Zeichnung, einen Mädchenakt von 1923. Ausgerechnet diese Arbelt war der ansonsten hervorragend unterrichteten Henry-Moore-Foundation (Stiftung) noch unbekannt.… Weiterlesen
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Kunstmarkt spürt den Dollarkurs – auch auf der Art Cologne
Von Bernd Berke
Köln. Der Dollarkurs läßt, wie könnte es anders sein, auch den Kunstmarkt nicht unverschont. Gut 15 bis 20 Prozent mehr müßte der betuchte Kunstfreund anlegen, wenn er in den USA das Werk eines aktuellen bundesdeutschen Künstlers erwerben will, als wenn er dies hierzulande täte. Das Preisgefälle hat Rückwirkungen. Im Sog der hohen US-Notierungen ziehen auch die hiesigen Preise an.
Solche leichten Eintrübungen können das Bild kaum verwischen, das gestern die Spitzen des Bundesverbandes Deutscher Galerien anläßlich der Eröffnung der Kölner Kunstmesse „Art Cologne“ vom Stand ihres Gewerbes zeichneten. Die Kunstverkäufer haben, so bekennen sie freimütig, Boom-Jahre hinter sich. So vehement habe sich der Handel entwickelt, daß jetzt auch Möbelfirmen nebenbei Kunst anböten, was man seitens der Galeristen „sehr sorgfältig“ beobachte.… Weiterlesen
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„Von hier aus“: Kunst-Stadt auf dem Düsseldorfer Messegelände soll Kölner erbleichen lassen
Von Bernd Berke
Auch Unschlüssige soll die 60 Meter lange Rampe zur Kunst fiihren. Wer oben anlangt und sich einen groben Überblick über 14.000 Quadratmeter voller neuer deutscher Kunst verschafft, kann noch entschieden, ob er/sie für 8 DM die Halle 13 des Messegeländes betritt. Der Eintrittspreis wird erst hinter der Rampe fällig.
„Von hier aus“ heißt das wohl größte bundesdeutsche Ausstellungsprojekt dieses Jahres (29. September bis 2. Dezember, Katalog 40 DM). Witzbolde haben den Titel achselzuckend parodiert: „Von m i r aus“… Der Originaltitel aber verweist nicht zuletzt auf die stete Rivalität zwischen den rheinischen Kunstmetropolen Köln und Düsseldorf. „Von hier aus“, so behaupten nun bis zum Beweis des Gegenteils die Düsseldorfer, gehen derzeit die magnetischen Kraftlinien der Kunstentwicklung aus.
Besonders der Beschluß des Bundesverbandes Deutscher Galerien, Köln zur alleinigen Kunstmessenmetropole zu erklären, hatte vor Jahresfrist Düsseldorfs Galeristen auf die Palme gebracht.… Weiterlesen
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Westfalens Gesellschaft zur Goethezeit – auf Bildern von Johann Christoph Rincklake
Von Bernd Berke
Münster. Westfalens Adel ging um das Jahr 1800 mit der Zeit. Man hatte schließlich „seinen“ Rousseau gelesen und kehrte auch dann „zurück zur Natur“, wenn man sich porträtieren ließ: Nun getrauten sich auch Damen von Stand, inmitten ihrer Kinderschar oder gar im „Zustand der Hoffnung“ vor den Maler zu treten.
Es war aber zugleich die Ära, in der das Selbstbewußtsein des westfälischen Bürgertums wuchs. Nur: Statt der Wappen, die die adeligen Herrschaften vorweisen konnten, staffierten sich Bürgersleute fürs Konterfei mit Signalen für erbrachte „Leistung“ aus. Ein wissenschaftliches Buch für den Herrn, ein Strickstrumpf für die Dame – und schon war die Heraldik wirksam ersetzt.
Westfalens wohl bester Porträtmaler zur „Goethezeit“ hieß Johann Christoph Rincklake (1764-1813). Sein Werk wird jetzt in einer Ausstellung des Westfälischen Landesmuseums fur Kunst und Kulturgeschichte dokumentiert (23.9.… Weiterlesen
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Auf dem Weg in die perfekte Idylle – Ludwig Richter im Folkwang-Museum
Von Bernd Berke
Essen. An Volkstümlichkeit dürfte ihn kaum einer übertreffen: Als Illustrator etlicher Märchen-Schätze ist Ludwig Richter (1803-1884) in nahezu jedem Haushalt gegenwärtig.
84 Exponate, vor allem kleinformatige Zeichnungen und Holzschnitte des Künstlers, der vornehmlich als biedermeierlicher Idylliker gilt, werden jetzt im Graphischen Kabinett des Essener Folkwang-Museums ans (aus konservatorisehen Gründen gedämpfte) Licht geholt. Was kaum jemand weiß: In Essen befindet sich – nach Richters GeburtsStadt Dresden und Ost-Berlin die drittgrößte Anzahl von Zeichnungen des Mannes, dessen Todestag sich im Juni zum 100. Mal gejährt hat.
Nun lernt man hier zwar keinen gänzlich neuen Ludwig Richter kennen. Aber vor allem die frühen Landschafts-Zeichnungen deuten, wiewohl nie sonderlich zugespitzt oder gar „dramatisch“ komponiert, noch nicht unbedingt in die Richtung der späteren, fast fließbandhaften Idyllen-Produktion.… Weiterlesen
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Zufalls-Themen für Künstler mit Glücksrad und Würfeln ermittelt – eine originelle Aktion in Wuppertal
Von Bernd Berke
Wuppertal. Man stelle sich vor: Anno 1513. Albrecht Dürer wirft einen Pfeil, trifft auf der rotierenden Scheibe die Nummer 98, sieht in einer Liste unter dieser Ziffer nach und notiert: „Teufel“. Alsdann greift er zu zwei Würfeln, es fällt je eine „Sechs“, macht zwölf, also „Kupferstich“.
Natürlich ist es nicht so gewesen. Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ ist keiner solchen Laune zu verdanken. Genau auf die beschriebene Weise aber haben sich jetzt fast 50 Künstler mit Dart-Pfeilen, Glücksrad und Würfeln ihre nächsten Aufgaben vom blinden Zufall stellen lassen. Ort der Handlung: die Ausstellungssäle des Von der Heydt-Museums in Wuppertal-Barmen. Veranstalter: Der Aktionskreis „360 Grad“, der 1979 die Wuppertaler Kunstszene betrat, dann mangels städtischer Zuschüsse sein Wirken einstellen mußte und sich nun mit seinem Kunst-Glücksspiel wieder ins Gespräch bringt.… Weiterlesen
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Als Michelangelo für Rock-Stars werben musste – einschlägige Plakatsammlung in Recklinghausen
Von Bernd Berke
Recklinghausen. Wer heute zwischen 25 und 35 ist, erlebt zunehmend häufiger, wie seine Jugendjahre bereits der Historie zugeschlagen werden. An diesem Vergessens- und Erinnerungsprozeß nimmt jetzt auch die Kunsthalle Recklinghausen teil – mit einer für die Bundesrepublik bislang beispiellosen Ausstellung von 350 Plakaten zur Rock-Musik der 60er Jahre. Selbst US-Museen beginnen dieses Genre eben erst zu entdecken.
Die seit 1972 „tätigen“ Sammler Tomm Klatt (Recklinghausen) und Rainer Knorr (Neubeckum) haben sich auf Plakate von der US-amerikanischen Westküste konzentriert. Daher ist die einschlägige Produktion hier fast komplett beisammen. So gut wie alle mittlerweile legendären Namen, die damals den West Coast-Sound prägten, kommen vor: Allen voran „The Grateful Dead“. Im Umkreis dieser großen Rock-Family hat sich offenbar das größte graphische Potential entfalten können.… Weiterlesen
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Mit dem Messer der Leinwand die dritte Dimension eröffnen – Werkschau über Lucio Fontana in Bielefeld
Von Bernd Berke
Bielefeld. Aufs Neue mehrt die Kunsthalle Bielefeld ihren Ruf, ein Ort der „stillen Sensationen“ zu sein, den sie jüngst vor allem mit Ausstellungen der Zeichnungen Seurats und der „Todesthemen“ Picassos gefestigt hat. Diesmal widmet man einem weiteren wichtigen Neuerer der Moderne, Lucio Fontana (1899-1968), eine beachtliche Retrospektive (bis 23. 9. – Katalog und Beiheft 35 DM).
Ursprünglich sollte die Werkschau (über 120 Arbeiten) nur in München und Darmstadt präsentiert werden, doch unter sanftem Hinweis aufs eigene Renommee gelang es den Bielefeldern, die Zusammenstellung auch noch in ihr Haus zu lotsen. Wohl zum letzten Mal ergibt sich damit die Gelegenheit, Fontanas Oeuvre ohne konservierende Bildverglasung und somit möglichst unverfälscht zu betrachten.
Bekannt geworden ist der in Argentinien geborene Fontana, der meist in Mailand gelebt hat, durch seine Schlitz- und Perforationsbilder, die nach langen kunsttheoretischen Vorüberlegungen erst ab 1949 entstanden.… Weiterlesen
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Mit dem Bus geht das Museum auf die Reise – Neue Idee beim Landschaftsverband Rheinland
Von Bernd Berke
Köln. Mit einem ehemaligen Röntgenbus macht jetzt der Landschaftsverband Rheinland (LVR) seine Museen mobil. Das urige Gefährt, für 40 000 DM erworben und umgebaut, wird als rollende Ausstellung Betriebe, Schulen, Altenheime oder Campingplätze ansteuern. Erklärtes Ziel des bundesweit einmaligen Kulturdienstes auf Rädern: Besucherschichten, die bisher keinen Fuß über Museumsschwellen setzten, sollen anhand von Kostproben umgestimmt werden.
Im Fahrerhaus des gut zehn Meter langen „Museums“ sitzen jeweils zwei Wissenschafts- oder Kunstpädagogen, die die nötigen Hintergrundinformationen vermitteln. Auf längeren Touren können diese „Kultur-Animateure“ auch im Bus übernachten. Im hinteren Bereich befinden sich Vitrinen und Stellwände – bestückt mit besonders robusten Exponaten, die auch einen beherzten Zugriff überstehen. Zum Innenleben gehören außerdem Filmprojektor, Videoanlage und Diabetrachter.
Klar, daß auf der höchst begrenzten Ausstellungsfläche jeweils nur ein Museum seine Arbeit vorstellen kann, und dies auch nur in bescheidenen Ausschnitten.… Weiterlesen
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Eine Epoche der Plastik wird neu besichtigt – „Skulptur des Expressionismus“ in der Kölner Kunsthalle
Von Bernd Berke
Köln. Ein Ausstellungs-Glücksfall in der Domstadt: Die meisten gezeigten Arbeiten sind so gut wie unbekannt, die Epoche, aus der sie stammen, ist jedoch allgemein anerkannt. „Skulptur des Expressionismus“, ab heute in Gestalt von 125 plastischen Arbeiten von 33 Künstlern in der Kölner Kunsthalle zu sehen (bis 26. August, Katalog 38 DM), schließt eine bislang kaum bewußt gewordene Lücke in der Kunstgeschichte.
Vermutlich kein Zufall, daß dies gerade jetzt geschieht. Allerneueste Bildhauerei knüpft ja – wie jetzt in der bewußt parallel zur Kölner Ausstellung gezeigten Duisburger Schau „Bella Figura“ zu sehen –nicht selten beim Expressionismus an.
Wohl zählt die Malerei jener Stilrichtung längst zum unverzichtbaren Grundstock aller größeren Museen, doch daß z. B. Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde auch plastische Meisterwerke schufen, ist noch nie in dieser Breite demonstriert worden.… Weiterlesen
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Kriegspropaganda auf Postkarten – Ausstellung in Witten
Von Bernd Berke
Witten. Andächtig steht das kleine Mädchen vor dem Wandbild: „O du mein Hindenburg!“ lautet die schmachtende Unterzeile. Was aus heutiger Sicht wie Satire wirkt, muß vor dem (tod)ernsten Hintergrund der Entstehungszeit gesehen werden.
Die kitschbunte Postkarte gehört zu einer Ausstellung, die ab Montag im Wittener Märkischen Museum zusehen ist und sich unter dem Titel „Schwarz-weiß-rot Heldentod“ dem Ersten Weltkrieg und seiner Propagierung auf Postkarten widmet.
Rund 1500 dieser Trivial-Dokumente für den sprichwörtlichen „kleinen Mann“ hat man in Witten zusammengetragen (das Museum kooperierte dabei mit der VHS Witten-Wetter-Herdecke). Hinzu kommen 500 weitere Belege – vom Mobilmachungsbefehl bis zum „Entlausungs-Paß“.
Vorteil: Die Postkarten lassen, anders als hochoffizielle Dokumente und aller Deutschtümeiei zum Trotz, manches vom Alltag der Soldaten und der Zivilbevölkerung ahnen.… Weiterlesen
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Endlich ein neues Museum für Gelsenkirchen
Von Bernd Berke
Gelsenkirchen. Seit Beginn der 60er Jahre bestand Bedarf, die Kunstsammlung Gelsenkirchens in angemessenem Rahmen zeigen zu können. Jetzt wird die Geduld belohnt: Mit einern großen Volksfest, das am Samstag um 11 Uhr beginnt, wird im Stadtteil Buer (Horster Straße 7) der 8,5 Mio. DM teure Neubau des Städtischen Museums eröffnet.
Damit findet eines der jüngsten Museen des Reviers (Gründungsbeschluß 1950) endlich eine würdige Heimstatt. Nahezu 60 Prozent der Bestände aus Klassischer Moderne und Gegenwartskunst können nach langem Magazin-Dasein der Öffentlichkeit präsentiert werden.
In Gelsenkirchen ist nicht etwa der große Wohlstand ausgebrochen: Ursprünglich als Kommunikationszentrum mit Museum und Bibliothek geplant, schrumpfte das Bauvorhaben angestehts leerer Stadtkassen. Auch mußte wegen der Baukosten ein Null-Etat für Neuanschaffungen in Kauf genommen werden.… Weiterlesen
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50 Künstler wollen Grenzen im Revier aufheben
Von Bernd Berke
Im Westen. Die Ruhr solle wohl nicht umgeleitet werden, aber sonst sei eigentlich „alles denkbar“. Thomas Rother, einer der Anreger des großangelegten Revier-Projekts „Grenzüberschreitung“, will den Spielraum der Phantasie nicht vorzeitig einengen und hofft auch auf Vorschläge aus der Bevölkerung.
So wurden denn beim gestrigen Künstlertreffen auf dem Gelände der stillgelegten Zeche Carl in Essen-Altenessen gerade die ersten Umrisse des Vorhabens deutlich. In den „Grauzonen des Reviers“, da wo eine Stadt in die andere übergeht, wollen ungefähr 50 Künstler aus dem ganzen Ruhrgebiet (u.a. aus Dortmund, Lünen, Selm und Bergkamen) „Grenzen überschreiten“ – Grenzen sowohl zwischen den Revierstädten als auch Grenzen in der Kunst.
Unterstützt werden sie vom Kommunalverand Ruhrgebiet und dem Verein pro Ruhrgebiet, der Spenden für die einzelnen Aktionen locker machen und bei rechtlichen Problemen helfen will.… Weiterlesen
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Spaniens Kunst zwischen Tradition und Zeitströmung – Ausstellung zu den Dortmunder Auslandskulturtagen
Von Bernd Berke
Dortmund. Die Tradition lugt immer wieder hervor,aber auch das Zeitklima ist nicht spurlos an den spanischen Künstlern vorübergegangen. Zitate, vornehmlich aus der eigenen Kunstgeschichte (Miró, Picasso) oder der kolonialistischen Vergangenheit (Azteken-Symbole) werden heutigen Stilrichtungen anverwandelt – und natürlich hat auch die demonstrative Heftigkeit der „Wilden“ auf der iberischen Halbinsel ihre Protagonisten.
So wenigstens vermittelt es jetzt im Dortmunder Ostwall-Museum die Ausstellung „Spanien zum Beispiel – Junge Kunst der 80er Jahre“, die aus Anlaß der Auslandskulturtage annähernd 100 Arbeiten von Künstlern aus allen spanischen Regionen versammelt. Sollte die von der Stiftung „General Mediterranea“ organisierte Ausstellung repräsentativ sein (was beabsichtigt ist), so ließe sich danach schwerlich ausmachen, welche Stilauffassungen sich in Spanien durchsetzen werden, vielmehr werden Spannungsfelder sichtbar.
Die auf dekorative, ja fast folkloristische Wirkung angelegten Bilder von Gines Sanchez Hevia (Blumenstilleben, mythologische Motive) sind sozusagen Lichtjahre entfernt etwa von den LSD-HaIluzinationen von „Zush“, von Miquel Barcelos pastosem „Selbstbildnis in der Bibliothek“ oder von Alfonso Galvan, dessen „Triptychon Meeresgrund“ an schaurig-monströse Illustrationen zu gewissen Spielarten der Fantasy-Literatur erinnert.… Weiterlesen
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Kunst spontan gekauft – Sammlung Klinker in Bochum
Von Bernd Berke
Bochum. Helmut Klinker, ohne dessen stetes Drängen es das Bochumer Museum wohl kaum in seiner erweiterten Form gäbe, sammelt Kunst spontan: „Als ich meine Stücke hier wieder einmal dicht beieinander sah, wirkte es wie Chaos. Alle Stilrichtungen bunt gemischt“, sinniert der Mäzen selbstironisch.
Die Sammlung des Industriellen, 350 Unikate (Malerei, Plastik) und einige Blätter Druckgraphik, ist vom Wochenende an im Museum Bochum zu sehen. Gezeigt wird, aus welchem Fundus das Bochumer Museum schöpfen kann. Per Vertrag sicherte man sich nämlich 1980 das Vorkaufsrecht an zahlreichen Stücken – zu 50 Prozent des jeweiligen Marktwerts.
Klinkers Kollektion war schon 1969 in Bochum zu sehen, ist aber seither stark angewachsen. Sie besitzt jedoch nach wie vor keinen eindeutigen Schwerpunkt, entstand sie doch vor allem aufgrund persönlicher Kontakte und Sympathien.… Weiterlesen
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Dem Zeitgeist hinterhergerannt – Werke von Bernhard Hoetger in Dortmund
Von Bernd Berke
Dortmund. Wohl wenige aus dem Dortmunder Raum stammende Künstler dürften so sichtbare Zeichen ihres Wirkens gesetzt haben wie Bernhard Hoetger. Wer, bitte?
Bernhard Hoetger, am 4. Mai 1874, also vor 110 Jahren, im damals noch selbständigen Ortsteil Hörde geboren, Lehrjahre in Paris, Hauptwirkungsstätten Darmstadt und Worpswede/Bremen. Hoetger entwarf nicht nur die Bauten in der Bremer Böttcherstraße oder das „Cafe verrückt“ in der Künstlerkolonie Worpswede; um ein Haar wäre nach seinen Plänen auch noch Deutschlands erste und einzige „äyptische Stadt“ gebaut worden – im Auftrag des Keksfabrikanten Bahlsen, dessen Tod (1919) das monströse Projekt einer Arbeitersiedlung im Pharaonenstil allerdings scheitern ließ. Den Architekten, Designer und vor allem den Bildhauer Hoetger stellt jetzt das Ostwall-Museum mit einer Werkschau vor. Erstmals wird dabei auch der Nachlaß gezeigt, der 1962 in städtischen Besitz überging (bis 13.… Weiterlesen
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Einöden der Historie – Werkschau von Anselm Kiefer in Düsseldorf
Von Bernd Berke
Düsseldorf. Jahrgang 1945, und schon eine nennenswerte Werk-Rückschau – Anselm Kiefer, Schüler des einstweilen noch berühmteren Joseph Beuys, ist schon ein Jemand in der Kunstwelt. 50 Gemälde, zumeist in den Kiefer-typischen Riesenformaten, dazu 100 Aquarelle, Gouachen und Buchobjekte zeigt jetzt die Düsseldorfer Kunsthalle (bis 5. Mai, Katalog 30 DM).
Kiefer bezieht seine Stoffe teilweise aus heiklen Bezirken: Germanische Mythen, deren Umformung durch Richard Wagner, „hehre“ Historie: Auf einem Bild namens „Wege der Weltweisheit“ werden führende Köpfe deutscher Geistesgeschichte zu einem mythischen Reigen rund um eine Feuerstelle arrangiert: Dichter und Denker, die (Kiefer zufolge) die „Hermannschlacht“ des Cheruskers immer wieder zum Zentrum nationaler Identifikation gemacht haben.
Gegen Kiefer ist wiederholt der Vorwurf erhoben worden, „faschistische Kunst“ zu produzieren. Auch mir fällt es schwer, unmittelbare und entschiedene Brechungen des skizzierten Themenkreises auszumachen.… Weiterlesen
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Sechs NRW-Museen zeigen „Westdeutschen Impuls“ – Kunst und Design im Rhein- und Ruhrgebiet nach 1900
Von Bernd Berke
Im Westen. Vom „Museum der gescheiterten Hoffnungen“ war die Rede, und Johann Heinrich Müller, Direktor des Hagener Osthaus-Museums, sah bestätigt, daß „Kunst seit jeher in politischen Sackgassen endet.“ Eine Pressekonferenz mit Molltönen: Dabei lautet der Titel des gestern in Essen vorgestellten Ausstellungsprojekts von sechs NRW-Museen selbstbewußt: „Der westdeutsche Impuls.“
Die insgesamt 1,1 Mio. DM teure Gemeinschaftsaktion von Museen in Hagen, Wuppertal, Essen, Düsseldorf, Krefeld und Köln soll künstlerische Anregungen und deren Umsetzungen in Architektur, Industrie und Handwerk darstellen, die zwischen 1900 und 1914 im Land an Rhein und Ruhr besonders ausgesprägt waren. Nur wenige Relikte haben „überlebt“, von der Aufbruchstimmung ganz zu schweigen. Darauf bezogen sich die eingangs zitierten Aussagen.
Der Anstoß kam vom Essener Folkwang-Museum, das heute große Teile der Sammlungen von Karl Ernst Osthaus beherbergt.… Weiterlesen
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Verschlagwortet mit 1900 bis 1914, Der westdeutsche Impuls, Design, Düsseldorf, Essen, Hagen, Johann Heinrich Müller, Köln, Krefeld, Kunst, sechs Museen, Wuppertal
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Tisa von der Schulenburg: Skizzen zum Leben der Bergarbeiter
Von Bernd Berke
Essen. „Heute läßt man mich nicht mehr runter“, bedauert Tisa von der Schulenburg (80), daß sie nicht mehr in Bergwerke einfahren darf. Und man glaubt ihr, daß ihr die damit verbundenen Strapazen wenig ausmachen würden. Im Essener Ruhrlandmuseum, bei der Vorstellung ihres neuen Buchs „Meine dunklen Brüder“ (Herder-Verlag, Freiburg, 80 Seiten, 6,90 DM), wirkt sie beileibe nicht wie eine 80-Jährige.
Unerläßlich sind einige Stichworte zu ihrer Biographie: 1903 als Offizierstochter Elisabeth („Tisa“) Gräfin von der Schulenburg geboren; Kunststudien in Berlin und Paris, Begegnungen mit Bert Brecht, Heinrich Mann, dem Bildhauer Henry Moore und anderen bedeutenden Künstlern. 1933 folgt sie ihrem jüdischen Mann ins britische Exil, wo sie erstmals Szenen aus dem Bergarbeiterleben zeichnet. 1938 kehrt sie nach Deutschland zurück, arbeitet aktiv im Widerstand gegen die Nazis mit; 1947 wird sie Zeitungskorrespondentin im Ruhrgebiet, seit 1950 lebt sie als „Schwester Paula“ im Ursulinenkloster in Dorsten.… Weiterlesen
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