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Monatsarchive: Juli 2026
Nichts mehr zu retten – T. C. Boyles dystopische Storys „Das Ende ist nur ein Anfang“
Riley ahnt noch nichts von den Erschütterungen, die bald über ihn hereinbrechen und unzählige Opfer kosten werden. Um seinen neuen Roman in Frankreich vorzustellen, fliegt der US-Autor nach Paris. Als seine Frau Caroline ihn anruft und sich Sorgen macht, weil sich in Europa ein bisher unbekanntes Virus ausbreitet und erste Tote zu beklagen sind, wiegelt Riley ab und witzelt: „Mir passiert schon nichts. Schick mir einen Schutzanzug, okay? Für den Rückflug.“
Das Lachen wird ihm schnell vergehen. Denn nicht er, sondern Caroline wird vom Virus erfasst und getötet. Als bei der Trauerfeier Carolines Bruder, ein bigotter Christ und Plattitüden absondernder Schwätzer, von Jesus und Auferstehung predigt und sagt: „Das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang“, überkommt Riley Wut und Zorn: „Ich weiß nicht, wo du Jesus findest, aber Carolines Moleküle sind da drüben, in der Urne mit dem Blumenkranz – und ein paar vielleicht noch im Kamin des Krematoriums.“… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Literatur, Natur Klima Umwelt, Utopien & Dystopien
Verschlagwortet mit Das Ende ist nur ein Anfang, T. C. Boyle
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Deprimierend und zum Brüllen komisch – Heinz Strunks Roman „Memories of Heidelberg“
Die Ehe von Isolde und Bertram ist so abgenutzt wie ihre ausgeleierten Körper. Sex hatten die Übergewichtigen, die ihre verblichene Leidenschaft und vergessene Liebeslust mit Völlerei kompensieren, schon lange nicht mehr. Vielleicht aber könnte jetzt alles anders und wieder besser werden.
Denn um endlich mal rauszukommen aus dem Alltagstrott und um den 80. Geburtstag von Isoldes Mutter ausgiebig zu feiern, reisen die beiden Miesepeter von Oldenburg nach Heidelberg, mieten, man gönnt sich ja sonst nichts, eine Suite in einem angeblichen Nobelhotel. Leider erweist sich die Herberge am Neckar als überteuerte Klitsche. Von Wellness und Komfort keine Spur.
Lustlose Kellner, abgenudelte Musik
Um etwas Leckeres in den leeren Magen zu bekommen, versuchen sie ihr Glück auf der „Karolina“, einem zum italienischen Restaurant umgestalten ehemaligen Neckar-Fahrgastschiff.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Frauen & Männer, Literatur
Verschlagwortet mit Heinz Strunk, Memories of Heidelberg
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Mit „großem Bock“: Julien Chavaz wechselt 2028 als Intendant von Magdeburg ans krisengeplagte Essener Aalto-Theater

Intendant in Essen ab 2028: Julien Chavaz. Er kommt aus Magdeburg. (Foto: Sven Lorenz)
Nun ist es also raus: Der Magdeburger Generalintendant Julien Chavaz übernimmt ab der Spielzeit 2028/29 die Intendanz des Aalto-Theaters und der Essener Philharmoniker. Das bedeutet eher künstlerisches Wagnis als Rückzug auf eine Politik des Stromlinien-Repertoires.
Der 44 Jahre alte Schweizer hat 2022 in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ein Opernhaus übernommen, das um seine Zuschauer kämpfen musste. Seine Vorgängerin, die Britin Karen Stone, hatte sich mit einer vorsichtigen Repertoirepolitik und soliden Inszenierungen redlich bemüht, das Haus zu profilieren. Chavaz setzte kurz nach der Corona-Krise auf gewagte Regiehandschriften und ein vielfältiges Repertoire.
Im Spielplan mixt er Populäres und Zeitgenössisches. Vor Operette und Musical hat er keine Angst. Er pflegt jedoch keine harmlose Unterhaltungsästhetik.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Musik & Konzert, Oper & Ballett, Operette & Musical, Region Ruhr
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Hauptsache unterwegs – Felicitas Hoppe über das Reisen
Bevor sie immer wieder weltweit unterwegs war, hat die spätere Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe ihre Kindheit nach eigenem Bekunden als Stubenhockerin verbracht – fast schon frei nach Blaise Pascals oftmals zitiertem Diktum, das Unglück der Menschen liege darin, dass sie nicht still in ihren Zimmern bleiben könnten.
Aber dann! Irgendwann hat es die in Hameln aufgewachsene Schriftstellerin gepackt, als habe der legendäre Rattenfänger von Hameln auch sie ins gefährlich Unbekannte gelockt. Seither bewegte sie sich immer einlässlicher auf vorher unbekannten Pfaden. Zunächst ganz zaghaft bei einer Asthma-Kur auf Langeoog, Jahre später dann, gleichsam als Initiation, beim US-Aufenthalt als Studentin, dort mit Freunden ständig „on the road again“, wie es einst Canned Heat unsterblich intonierte. Und so qualifizierte sie sich nach und nach dafür, den Band „Reisen“ für die verdienstvolle Hanser-Berlin-Reihe über zehn grundlegende Phänomene des Lebens zu schreiben.… Weiterlesen
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Comedy plus Oper: Bülent Ceylan entert an der Berliner Staatsoper Mozarts „Entführung aus dem Serail“

Comedian Bülent Ceylan als Bassa Selim mit dem Berliner Staatsopern-Chor sowie Adela Zaharia (Konstanze) und David Steffens (Osmin) in Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“. (Foto: Stephan Rabold)
Kaum hat Dirigent Thomas Guggeis den Taktstock erhoben und will mit der Staatskapelle die Ouvertüre von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ erklingen lassen, da entert Bülent Ceylan die Bühne. „Hallo Berlin, Rock´n´Roll“, ruft der Mannheimer Comedian ins Publikum, löst sein Haarband und schüttelt seine lange Mähne.
Dann merkt der Spaßvogel, der seit 25 Jahren die deutsch-türkischen Macken und Marotten auf die Schippe nimmt und nun an der Berliner Staatsoper Unter den Linden in der von Regisseurin Andrea Moses verantworten Inszenierung die Sprechrolle des Bassa Selim übernehmen soll, dass er zu früh dran ist.… Weiterlesen
Veröffentlicht unter Kleinkunst & Comedy, Oper & Ballett
Verschlagwortet mit Berlin, Bülent Ceylan, Die Entführung aus dem Serail, Mozart, Staatsoper
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