Archiv der Kategorie: Literatur

Engelmann übt friedlichen Widerstand im Trainingscamp – Aktionen gegen Nachrüstung: Volker W. Degener rät zur Vorsicht

Von Bernd Berke

Im Westen. Verschiedene Meinungen über die ratsamste Haltung westdeutscher Autoren im „heißen Herbst“ der NATO-„Nachrüstung“ haben der Bundes- bzw. der NRW-Landesvorsitzende des Schriftstellerverbandes (VS) auf Anfrage der WR geäußert. Während Nordrhein-Westfalens VS-Vorsitzender Volker W. Degener sich „gegen jede gesetzwidrige Handlung“ im Zusammenhang mit einer Pershing-2-Stationierung wendet und auch Blockade-Aktionen dazu zählt, will sich Bundesvorsitzender Bernt Engelmann selbst an Blockaden beteiligen.

Zugleich kündigt Engelmann effektreiche „Aktionen im Verlauf der Frankfurter Buchmesse“ (11-17. Oktober) an, die sich mit der bundesweiten „Friedenswoche“ (ab 15. Oktober) überschneidet. Details werden nicht verraten, denn: „Seit den Krefelder Ereignissen sind wir vorsichtiger. Wir wollen nicht, daß Gewalttäter sich uns anschließen.“

Volker W. Degener, hauptberuflich bei der Bochumer Polizei, gibt sich zurückhaltender. Mit Engelmann sowohl einig im strikten Nein zur „Nachrüstung“ als auch in der grundsätzlichen Ablehnung gewaltsamen Widerstands, setzt er doch andere Akzente: Prominente wie Heinrich Böll und Günter Grass stellten Degener zufolge ihre Teilnahme an Blockade-Aktionen vor allem deshalb in Aussicht, „weil das sin aufsehenerregender Appell ist.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bekenntnisse, Gesellschaft & Soziales, Krieg & Frieden, Literatur, Politik und so | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Engelmann übt friedlichen Widerstand im Trainingscamp – Aktionen gegen Nachrüstung: Volker W. Degener rät zur Vorsicht

Makulatur für die Nazi-Flammen – In Dortmund verlief die Bücherverbrennung 1933 nicht reibungslos

Von Bernd Berke

Dortmund. In den Universitätsstädten hatte man die Sache am 10. Mai 1933 „erledigt“. Pg. (Parteigenosse) Woelbing sollte die Dinge in Dortmund vorantreiben. Seit März war Woelbing Leiter der örtlichen „Bibliotheks-Prüfungskommission“.

Mit Briefkopf der NSDAP-Gauleitung Bochum lud der Studienrat den Dortmunder Magistrat zu einem besonderen Schauspiel ein. Das Spektakel, so versicherte der Schreiber am 29. Mai 1933 ordnungshalber, werde „pünktlich um 21 Uhr“ beginnen. Am gleichen Tag erging in der Dortmunder „Tremonia“ eine an Lehrer und Erzieher gerichtete „dringende Aufforderung, dieser symbolischen Handlung beizuwohnen“.

Am Abend des 30. Mai war es soweit: Über 5000 Bücher, die überwiegend aus dem sozialdemokratischen Volkshaus in der Kampstraße stammten, wurden auf dem Dortmunder Hansaplatz verbrannt. Beteiligt: SA, SS, Hitlerjugend, BDM und NS-Lehrerbund sowie angeblich Tausende von Zuschauern.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Geschichte, Literatur, Politik und so, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Makulatur für die Nazi-Flammen – In Dortmund verlief die Bücherverbrennung 1933 nicht reibungslos

Bilder als Keimzellen für Romane – Graphik-Kalender von Günter Grass in Aachen vorgestellt

Von Bernd Berke

Aachen. „Ich komme immer wieder gern in die Provinz“, freute sich Günter Grass. Dort wisse man Ereignisse wie Ausstellungseröffnungen nämlich noch zu schätzen.

Grass sprach in eigener Sache: Der in Berlin lebende Autor von „Blechtrommel“ und „Butt“ kam gestern nach Aachen, um im dortigen Georgi-Verlagshaus seine Radierungen aus den letzten drei Jahren vorzustellen (Theaterstraße 77, bis Juni, außerdem Farbholzschnitte von Andreas Feiger). Was nur wenige seiner Leser wissen: Grass ist vom Fach. Nach einer Steinmetzlehre in Düsseldorf hat er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studiert.

Verhältnismäßig spät wurde Grass als Schriftsteller bekannt. Dieses Metier kann er aber auch dann nicht verleugnen, wenn er graphisch arbeitet: „Mit Bildern kontrolliere ich das Geschriebene.“ Habe er eine Metapher (bildhafter Ausdruck) niedergeschrieben, so erprobe er ihre Wirkung oft, indem er das Ganze noch einmal skizziere.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Kunst & Museen, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Bilder als Keimzellen für Romane – Graphik-Kalender von Günter Grass in Aachen vorgestellt

Forum für mutige Freizeit-Autoren – Literaturzeitschriften im Ruhrgebiet

Titelseite der WR-Wochenendbeilage vom 2. Oktober 1982 mit Fotos von Bodo Goeke.

Von Bernd Berke (Text) und Bodo Goeke (Fotos) Sie heißen „Spinatwachtel“, „Gießkanne“, „Schmankerl“ und „Galgenvogel“, nennen sich „Perlen vor die Säue“ oder auch „Geil & Fröhlich“. Die exotisch, versponnen, witzig oder provozierend titulierten Literaturzeitschriften – links ein Blick in die Redaktion des Essener Blattes „Schreibheft“ – sind Ausdruck einer Entwicklung, die in den letzten Jahren immer deutlicher zutage trat: Die Zahl der „Freizeitdichter“ nimmt stetig zu.

Auf dem Hamburger „Literatrubel“ beschwerten sich unlängst schon einige Berufs-Autoren über die unliebsame Konkurrenz und mahnten, man solle wieder mehr auf Qualität – was immer das heißen mag – achten. Etwa 200 kleine und kleinste Literaturzeitschriften teilen sich den höchst unübersichtlichen Markt des deutschsprachigen Raums.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur, Medien, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Forum für mutige Freizeit-Autoren – Literaturzeitschriften im Ruhrgebiet

Neue Suhrkamp-Titel nur noch als Paperback – Verlag bestreitet Hardcover-Programm aus dem Archiv

Von Bernd Berke

Frankfurt. „Tragisch und unerfreulich“ findet Franz Xaver Kroetz die ganze Angelegenheit, doch er resigniert: „Ich muß mich wohl fügen.“ Grund für das Stimmungstief des bekannten Dramatikers („Stallerhof, „Wildwechsel“) ist eine Hiobsbotschaft aus dem Frankfurter Suhrkamp-Verlag. Erstmals in seiner 33jährigen Geschichte will das renommierte Haus im Frühjahr 1983 keine Neuerscheinungen in Hardcover-Ausstattung (fester Einband) herausbringen.

Stattdessen grub man vergriffene Bande aus der Zeit seit Verlagsgründung aus, um sie dem Leservolk wieder zugänglich zu machen. Dazu äußerte sich Siegfried Unseld, Leiter des Verlags, in wohltönender Beschönigung schon schriftlich: „Der Suhrkamp-Verlag hat sich mit diesem ,Weißen Programm‘ zu einem Experiment entschlossen. Es soll… Autoren wie Lesern dienen.“

Ob sich freilich die Autoren, die gerade an neuen Werken arbeiten, mit dem Nostalgie-Programm anfreunden können, darf bezweifelt werden.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Buchmarkt & Lesen, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Neue Suhrkamp-Titel nur noch als Paperback – Verlag bestreitet Hardcover-Programm aus dem Archiv

Botho Strauß: Erfolg ohne Medienrummel

Der von fast allen Theaterkritikern überschwenglich gelobte Autor Botho Strauß gilt zugleich als „unzugänglichster“ Schriftsteller der Gegenwart. Das einzige umfängliche Gespräch mit Strauß wurde 1979 von einer Schweizer Zeitung veröffentlicht. Jetzt konnten WR-Redakteur Bernd Berke und Marianne Hausen, freie Journalistin aus Heidelberg, den Schriftsteller in Berlin besuchen und ein längeres Gespräch mit ihm führen.

***

Botho Strauß ist ohne Zweifel einer der gefragtesten deutschen Gegenwartsautoren. Nachdem viele Kritiker seine ersten Theaterstücke als „elitär“ oder schlicht als unverständlich abqualifiziert hatten, schaffte Strauß gegen Ende der 70er Jahre mit der „Trilogie des Wiedersehens“ und mit „Groß und klein“ den Durchbruch.

Seither wird dem 1944 geborenen, in Remscheid aufgewachsenen Autor in den bundesdeutschen Feuilletonspalten geradezu gehuldigt. Selbst gefürchtete Großkritiker erkoren ihn zum wichtigsten Theaterschreiber dieser Jahre.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Lebenswege, Literatur, Theater | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Botho Strauß: Erfolg ohne Medienrummel

Wo Könige Märchen erzählen – Kasseler Verlag publiziert mündlich überlieferte Geschichten aus aller Welt

Von Bernd Berke

Kassel, Ortsteil Nordhausen. Ein verwitterter roter Backsteinbau. An der Mauer ein unscheinbares, verblichenes Schild: „Erich Röth Verlag“. Nichts deutet darauf hin, daß hier Schätze gehortet werden. Zwar türmen sich keine Goldbarren, aber es fauchen, fleuchen und brummen so alltagsferne Wesen wie „Der blaue Drache“, „Der Vogel Mitternacht“ und „Der Bärensohn“. Die Rede ist von Märchen und von Büchern.

Verleger Diether Röth (58), der die Edition übernahm, hat am Kasseler Stadtrand so etwas wie eine zentrale Sammelstelle für Märchen aus aller Herren Länder eingerichtet. Röths besondere Methode: Er schickt Märchensammler in sämtliche Erdteile, wo die wun- dersamen Geschichten vor Ort mit dem Tonbandgerät so aufgezeichnet werden, wie sie aus dem Mund des Erzählers kommen. Und so – natürlich ins Deutsche übersetzt – werden sie auch abgedruckt.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Literatur, Weite Welt | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Wo Könige Märchen erzählen – Kasseler Verlag publiziert mündlich überlieferte Geschichten aus aller Welt

Erfolgreicher Arzt und Schriftsteller lernte das Alphabet mit Brezeln – Kortums „Jobsiade“ vor 180 Jahren in Dortmund erschienen

Von Bernd Berke

Wäre der Einfall mit den Brezeln nicht gewesen, so wäre Carl Arnold Kortum vielleicht niemals Schriftsteller geworden. Als Kind schien er weder Lesen noch Schreiben lernen zu wollen, bis endlich ein Student die Idee hatte, dem Jungen aus Brezeln Buchstaben zurechtzulegen.

Von nun an begriff Carl Arnold schnell. Als er 1760 – mit fünfzehn Jahren – auf das Dortmunder Gymnasium kam, gehörte er bald zu den besten Schülern. In Dortmund, das er später dankbar als „Musensitz“ bezeichnete, lebte er bei seinern Onkel, in dessen Apotheke er auch gleich die Grundbegriffe der Heilkunst erlernte. Ein paar Jahre später wurde er mit einer Arbeit über Epilepsie Doktor der Medizin und ließ sich mit seiner Praxis zunächst in Mülheim (Ruhr) nieder.… Weiterlesen

Veröffentlicht unter Lebenswege, Literatur, Region Ruhr | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Erfolgreicher Arzt und Schriftsteller lernte das Alphabet mit Brezeln – Kortums „Jobsiade“ vor 180 Jahren in Dortmund erschienen